Swatch Group

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Dieser Artikel befasst sich mit dem börsennotierten Konzern The Swatch Group SA. Für Informationen über die Tochtergesellschaft Swatch AG sowie den gleichnamigen Swatch-Uhren siehe Swatch.
The Swatch Group SA
Logo der Swatch Group SA
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0012255144
Gründung 1931[1]
Sitz Neuenburg, Schweiz[1]
Leitung Nick Hayek
(CEO)
Nayla Hayek
(VR-Präsidentin)
Mitarbeiter 35'600 (31. Dez. 2014)[2]
Umsatz 9,219 Milliarden CHF (2014)[3]
Branche Uhrenindustrie
Website www.swatchgroup.com

The Swatch Group SA[1] ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das auf die Herstellung und den Verkauf von Fertiguhren, Schmuck, Uhrwerke und -komponenten spezialisiert ist. Darüber hinaus ist die Swatch Group auch in der Herstellung und im Verkauf von elektronischen Systemen und Komponenten sowohl für die Uhrenindustrie wie auch für weitere Branchen tätig. Das Unternehmen hat seinen rechtlichen Sitz in Neuenburg, der Verwaltungssitz befindet sich in Biel/Bienne.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Swatch Group entstand 1983 als SMH (Société de Microélectronique et d'Horlogerie SA / Schweizerische Gesellschaft für Mikroelektronik und Uhrenindustrie AG ) aus der Fusion der Uhrenfirmen ASUAG (Allgemeine Schweizerische Uhrenindustrie, gegründet 1931) und der SSIH (Societé Suisse de l’Industrie Horlogère, gegründet 1930), nachdem eine schwere Krise in der Schweizer Uhrenindustrie, die in den 1970er Jahren durch die enorme Billig-Konkurrenz aus Asien hervorgerufen wurde, die beiden Unternehmen in die Insolvenz gezwungen hatte. Der Aufbau von SMH erfolgte durch Nicolas George Hayek sen. zusammen mit Stephan Schmidheiny als grösstem Geldgeber, welcher den Fähigkeiten und Absichten von Hayek vertraute. 1998 änderte der Konzern seinen Namen in Swatch Group (The Swatch Group AG).[4]

Als Vater der Swatch Group sowie als Retter der Schweizer Uhrenindustrie aus ihrer Krise in den 1970er Jahren gilt deshalb Nicolas Hayek sen., der bis zu seinem Tod am 28. Juni 2010 dem Verwaltungsrat der Gruppe präsidierte. In der Nachfolge wurde seine Tochter Nayla Hayek zur Präsidentin des Verwaltungsrats gewählt. CEO ist Nicolas Hayeks Sohn Georges Nicolas Hayek jun. (bekannt als Nick Hayek).

Bedeutende Firmenübernahmen[Bearbeiten]

  • Die Übernahme der traditionsreichen Firma Blancpain S. A. erfolgte 1992 für 60 Millionen CHF. Der Markenname Blancpain wurde bereits 1735 eingeführt, die wohl älteste Armbanduhrmarke der Welt.[5] Marc A. Hayek, Enkel des Firmengründers der Swatch-Gruppe, repositionierte die entsprechende Uhrenkollektion ab 2002 erfolgreich. 2010 wurde zusätzlich die Firma Frédéric Piquet S.A. in Le Brassus, Vallée de Joux, übernommen, welche zuvor schon wichtiger Lieferant von Komponenten für Blancpain war.
  • Eine weitere Firma mit langer Tradition seit 1775 war die in Paris gegründete Breguet SA (Tisch- und Taschenuhren, später Armbanduhren und Chronometer). Vorgängig zu Swatch war sie im Besitz der Finanzgesellschaft Investcorp. Breguet wurde 1999 von Swatch übernommen und zählt heute zu den Prestige-Armbanduhrmarken der Swatch-Gruppe.
  • Im Jahr 2000 kaufte die Swatch-Gruppe die Glashütter Uhrenbetrieb GmbH in der Ortschaft Glashütte (Sachsen). Deren Anfänge gehen auf das Jahr 1845 zurück. Zur Zeit der DDR entstand aus den ansässigen Uhrenfirmen der VEB Glashütter Uhrenbetriebe. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde die Glashütter Uhrenbetrieb GmbH 1990 dessen Rechtsnachfolger. Danach setzte diese Firma neben Eigenfabrikaten bereits auch Uhrwerke von ETA, einer Tochterfirma der Swatch Group, ein bevor die Firma von Swatch übernommen wurde.
  • Am 26. März 2013 kaufte die Swatch-Gruppe die HW Holding Inc., Besitzer der Harry Winston Inc. in New York, USA, ein auf hochwertigen Schmuck und entsprechende Uhren spezialisiertes Unternehmen.[6] Der Kaufpreis von 711 Millionen CHF beinhaltete einen Goodwill von 569 Millionen CHF.[2]

Unternehmen[Bearbeiten]

Die Swatch Group ist eine Holding, die in 37 Tochtergesellschaften im Ausland in rund 50 Ländern über 35'600 Mitarbeiter beschäftigt. Der eingetragene Firmensitz befindet sich in Neuenburg, der Verwaltungssitz in Biel. 2014 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen Umsatz von CHF 9,219 Milliarden. Das Unternehmen ist der weltweit grösste Hersteller von Fertiguhren.

Das Kerngeschäft der Swatch Group bildet das Segment Uhren und Schmuck, das rund 97 Prozent zum gesamten Konzernumsatz beisteuert. (Seit 2013 wird das frühere Segment Produktion darin integriert.) Elektronische Systeme tragen rund 3 Prozent zum Konzernumsatz bei.

Die Swatch Group ist sowohl im Uhrenbereich mit 18 Marken als auch im Schmuckbereich in allen Markt- und Preissegmenten vertreten. Zum Prestige-Marktsegment zählen die Uhrenmarken Breguet, Blancpain und Glashütte-Original. Im Luxus-Marktsegment befinden sich Jaquet Droz, Léon Hatot, Omega und Harry Winston. Im oberen Preissegment sind Longines, Rado und Union Glashütte zu finden. Im mittleren Marktsegment sind die Marken Tissot, Balmain, Hamilton, Calvin Klein, Certina und Mido angesiedelt. Im Basis-Marktsegment findet man die Marken Swatch und Flik Flak. Hinzu kommt das private Label Endura, das im Auftrag von Unternehmen oder anderen Marken in Lizenz Uhren produziert, so u. a. für Mango, Timberland oder Asics.

Die Swatch Group umfasst heute folgende 18 Uhrenmarken aufgeteilt nach Preissegment:[7]

Für den Vertrieb der Uhren im Prestige- und Luxussegment unterhält die Swatch Group unter dem Namen Tourbillon an exklusiven Standorten eigens dafür geschaffene Multimarken-Boutiquen, benannt nach der Uhrenkomplikation. Dabei wird für jede Marke eine gesonderte Präsentation nach dem Konzept Shop-in-shop vorgenommen.

Produktionsfirmen und Zulieferbetriebe[Bearbeiten]

Zur Swatch Group gehören Produktionsfirmen, die Uhrwerke und Komponenten an die konzerneigenen, aber auch an konzernfremde Uhrenmarken liefern:[2]

  • Comadur (Keramik, Saphirgläser, Hartwerkstoffe), (CH)
  • Deutsche Zifferblatt Manufaktur GmbH (Zifferblätter), (DE)
  • Dress Your Body (Schmuck-Produktion), (CH)
  • ETA SA (Uhrwerke), (CH)
  • Favre et Perret S.A. (Gehäuse), (CH)
  • GHHH (Habillage), (CH)
  • Lascor (Gehäuse, Armbänder), (CH)
  • Lemania (Rohwerke)
  • Meco (Kronen, Drücker), (CH)
  • MOM Le Prélet
  • Nivarox-FAR (Komponenten der Regulierungsorgane), (CH)
  • Nouvelle Lémania SA (Uhrwerke), (CH)
  • Frédéric Piguet SA (Uhrwerke), (CH)
  • Rubattel & Weyermann SA (Zifferblätter), (CH)
  • Georges Ruedin SA (Gehäuse), (CH)
  • Simon et Membrez
  • Unitas (Rohwerke)
  • Universo (Zeiger), (CH)
  • Valdar, (CH)

Hinzu kommen diverse weitere Zulieferbetriebe im Sektor Elektronik, unter anderem der Batteriehersteller Renata AG, EM Microelectronic Marin (Chip- und Sensorenhersteller) und Micro Crystal (Quarze).

Organisation und Geschäftsführung[Bearbeiten]

Die Swatch Group wird von einer achtköpfigen Konzernleitung geführt. Hinzu kommt eine elfköpfige erweiterte Konzernleitung. Präsident der Konzernleitung und damit CEO ist Georges Nicolas (Nick) Hayek jun. Der Verwaltungsrat setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen und wurde bis zu seinem Tod im Juni 2010 von Nicolas George Hayek (sen.) präsidiert, der auch das grösste Aktienpaket der Swatch Group hielt. Am 30. Juni 2010 wurde seine Tochter Nayla Hayek zur Präsidentin des Verwaltungsrats gewählt.[8] Die Corporate Governance der Swatch Group ist von mehreren Organisationen kritisiert worden.[9] So belegt die Swatch Group in der Rangliste von zRating den unrühmlichen 158. Rang von insgesamt 165 beurteilten Schweizer Firmen.[10]

Die Swatch Group verfügt im Ausland über 37 Tochtergesellschaften auf vier Kontinenten. In Europa hat sie Tochtergesellschaften in Deutschland, Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien & Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Polen, Russland, Schweden, Spanien, und Türkei. In Amerika finden sich Tochtergesellschaften in den USA, in Kanada, in der Karibik, in Brasilien und Mexiko und in Asien in China, Hongkong, Macau, Indien, Indonesien, Japan, Malaysia, Singapur, Südkorea, Thailand, Taiwan und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Hinzu kommen die Tochtergesellschaften in Australien und Südafrika.

Aktie und Besitzverhältnisse[Bearbeiten]

Es bestehen Namenaktien zu nominal 0,45 CHF und Inhaberaktien zu nominal 2,25 CHF. Per Ende 2014 sind 124'045'000 Namenaktien und 30'840'000 Inhaberaktien ausstehend.[2] Die Inhaberaktien sind Mitglied des Swiss Market Index, während die Namensaktien im SMI MID enthalten sind.

Das Eigenkapital der Swatch Group beträgt per Ende 2014 10,674 Mia CHF, was 83,7 % der Bilanzsumme ausmacht.

Bedeutende Aktionäre sind:[2]

Stimmrecht Aktionärsgruppe
40,8 % Hayek Pool sowie ihm nahestehende Gesellschaften, Institutionen und Personen
5,9 % Gruppe um Esther Grether

Die Swatch Group hat nicht nur zwei Aktienkategorien mit unterschiedlichem Nennwert/Stimmgewicht, sondern auch eine Opting-up-Klausel mit einem Grenzwert von 49 % in ihren Statuten. Dies bedeutet, dass der Hayek-Pool mit einem Stimmenanteil von 40,8 % sein Aktienpaket bis auf 49 % der Stimmen aufstocken oder zu einem Aufpreis verkaufen kann, ohne dass den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht werden muss.

Nicolas G. Hayek Watchmaking School[Bearbeiten]

Zur Swatch Group gehört auch die Uhrmacherschule Nicolas G. Hayek Watchmaking School. Diese widmet sich der Ausbildung professioneller Uhrmacher und zukünftiger Kundendienstleiter für die schweizerische Uhrenbranche durch das Angebot einer WOSTEP-Ausbildung (Watchmakers of Switzerland Training and Education Program). Die Schulen befinden sich in Miami (USA), Shanghai (China), Kuala Lumpur (Malaysia), Pforzheim (Deutschland) und Glashütte (Deutschland).

Projekte[Bearbeiten]

Seit einigen Jahren wird die Swatch Group in der Öffentlichkeit neben der Uhrenproduktion durch eine weitere Aktivität wahrgenommen. An strategisch bedeutenden Standorten entstanden und entstehen Aufsehen erregende Bauwerke, die die Gruppe in der Welt repräsentieren. Ende November 2014 wurde der historische Peterhof an der Bahnhofstrasse in Zürich, bekannt als Griederhaus, gekauft.[11]

Nicolas G. Hayek Center, Tokyo[Bearbeiten]

Da der asiatische Markt für die Gruppe sehr wichtig ist und in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen dürfte, erbaute das Unternehmen das Nicolas G. Hayek Center in Tokyo. Mitten im Edel-Einkaufsquartier Ginza situiert, ist das 14-stöckige Gebäude das Wahrzeichen der Swatch Group in Japan. Die extravagante Architektur, die hängenden Gärten, die alle vierzehn Stockwerke begrünen, die hydraulischen Lifte im Inneren sowie das ökologische Gesamtkonzept des Bauwerks machen das Nicolas G. Hayek Center zu einem Wahrzeichen von Tokyo. Im Gebäude befinden sich Boutiquen der Prestige-Marken sowie das Hauptquartier der Swatch Group Japan.

Cité du Temps, Genf[Bearbeiten]

Nicht nur in Fernost verfügt die Swatch Group über bedeutende Bauwerke, auch in Genf findet sich ein Gebäude, das in Architektur und Atmosphäre einzigartig ist: Die Cité du Temps. Das historische Bauwerk an der Pont de la Machine beherbergt neben dem Swatch Museum sowie Ausstellungs- und Seminarräumen auch eine Lounge und ein Restaurant. Die Cité du Temps wurde unter Einhaltung der von der Stadt Genf vorgegebenen Richtlinien renoviert. Heute fasziniert das Bauwerk die Besucher mit einer einzigartigen Ambiance, die durch die Verschmelzung der historischen Architektur mit dem modernen Interieur zu Stande kommt.

Swatch Art Peace Hotel, Shanghai[Bearbeiten]

Noch im Umbau befindet sich das dritte Wahrzeichen der Swatch Group: Das historische und berühmte Peace Hotel in Shanghai, China. Nach den Sanierungsarbeiten, die nach strengen Richtlinien erfolgen, wird das Peace Hotel chinesischen sowie internationalen Künstlern als Plattform dienen. Damit wird das Bauwerk ein Instrument zum kulturellen Austausch der Swatch Group mit China und der Welt sein.

Rechtsstreit[Bearbeiten]

Die Swatch-Gruppe geht in mehreren Ländern rechtlich gegen die Firma Apple, Inc. vor, weil nach Ansicht von Swatch eine Verwechslungsgefahr bei den eingetragenen Marken iSwatch und iWatch (Apple) besteht. Es handelt sich bei beiden Geräten um Smartwatches.[12] Das Modell von Swatch wurde noch nicht vorgestellt. Die Apple Watch ist seit dem 24. April 2015 in ausgewählten Ländern erhältlich.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Swatch Group – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Eintrag im Handelsregister des Kantons Neuenburg
  2. a b c d e f Geschäftsbericht 2014
  3. Swatch unter Margendruck. In: Neue Zürcher Zeitung,, Nr. 30, 6. Februar 2015, S. 28
  4. Swatch Group Geschichte auf swatchgroup.com
  5. Geschichte der Firma Blancpain
  6. Firma Harry Winston, Inc. (engl. WP)
  7. Kapitel 'Uhren und Schmuck' auf der Webseite der Swatch Group
  8. Swatch Group: Nayla Hayek: Präsidentin des Verwaltungsrates Pressemitteilung vom 30. Juni 2010.
  9. Andreas Möckli: Das lange Sündenregister der Swatch Group. In: Tagesanzeiger, 27. Mai 2015, abgerufen am 31. Mai 2015
  10. Martin Gollmer: Forbo ist die am besten geführte kotierte Gesellschaft im Land. In: Finanz & Wirtschaft, 27. Mai 2015
  11. Griederhaus geht an Swatch Group., In: Neue Zürcher Zeitung, 27. November 2014, abgerufen 31. Mai 2015
  12. Swatch Group wehrt sich gegen Apple, Finanz & Wirtschaft, 5. Mai 2014