Świecie

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Świecie
Świecie herb.svg
Świecie (Polen)
Świecie
Świecie
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Powiat: Świecie
Fläche: 11,89 km²
Geographische Lage: 53° 25′ N, 18° 26′ OKoordinaten: 53° 25′ 0″ N, 18° 26′ 0″ O
Höhe: 19 m n.p.m.
Einwohner: 26.226
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 86-100 bis 86-105
Telefonvorwahl: (+48) 52
Kfz-Kennzeichen: CSW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: S 5: BreslauBydgoszcz–Świecie
DK 1: DanzigToruńCieszyn/Tschechien
DW 239: Świecie–Błądzim
DW 240: Świecie–TucholaChojnice
Schienenweg: PKP-Strecke 131: Bydgoszcz–Laskowice Pomorskie
Bahnhof Terespol Pomorski
Nächster int. Flughafen: Lech-Wałęsa-Flughafen Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 28 Ortschaften
13 Schulzenämter
Fläche: 174,81 km²
Einwohner: 34.291
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 196 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0414093
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Tadeusz Pogoda
Adresse: ul. Wojska Polskiego 124
86-100 Świecie
Webpräsenz: www.swiecie.eu



Świecie ([ˈɕfʲɛtɕɛ],Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i deutsch Schwetz an der Weichsel) ist eine Stadt mit Sitz einer gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Außerdem ist sie Verwaltungssitz des Powiats Świecki (Schwetzer Kreis). Die Stadt hat etwa 26.300 (Stand 30. Juni 2014), die Gmina 34.291 Einwohner.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt an der Einmündung des Schwarzwassers in die Weichsel, etwa 40 km nördlich der Stadt Bromberg (Bydgoszcz) und 105 km südlich der Stadt Danzig (je Luftlinie).

Geschichte der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwetz nordöstlich von Bromberg und nördlich von Thorn auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit damals mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung)

Der Ort, der in älterer Zeit Swet genannt wurde, soll seine Gründung und seinen Namen schwedischen Emigranten verdanken, die vermutlich am Anfang des 10. Jahrhunderts nach Preußen flüchteten und sich an beiden Ufern der Weichsel als Kolonisten niederließen.[2] 1198 wurde hier die Marienkirche geweiht.[3] Im 12./13. Jahrhundert war Świecie Zentrum eines pommerellischen Teilfürstentums der Samboriden. Eine Burg bestand hier bereits Ende des 12. Jahrhunderts als Sitz des pomoranischen Herzogs, Grimislaus, in strategischer Lage in der Nähe des Flusses Schwarzwasser kurz vor seiner Mündung in die Weichsel.

Im Jahr 1309 kam Schwetz zusammen mit Pommerellen an den Deutschen Orden. 1338 wurde Schwetz zur Stadt nach Kulmer Recht erhoben. 1410 erlitt der Deutsche Orden in der Schlacht bei Tannenberg (Grunwald) eine schwerwiegende Niederlage gegen das vereinte Heer von Polen und Litauer. Da der Orden der folgenden Belagerung der Marienburg aber standhielt, hatte die Niederlage keine territorialen Auswirkungen in Pommerellen. Der Aufstand der preußischen Landstände gegen den Orden 1440 führte zum Ausbruch des Dreizehnjährigen Städtekriegs (1453–1466). Nach dem am 19. Oktober 1466 abgeschlossenen Zweiten Frieden von Thorn kam Schwetz zusammen mit den Städten des Preußischen Bundes an das autonome Preußen Königlichen Anteils, das sich freiwillig der Oberhoheit der Krone Polens unterstellt hatte.

Anlässlich der Bildung der Lubliner Union von 1569 wurde der Versuch unternommen, das autonome Königliche Preußen in eine gleichgestellte polnische Provinz umzuwandeln. Durch sein Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Sejm kündigte König Sigismund II. August die Autonomie des Königlichen Preußen (Westpreußen) unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[4][5] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 insbesondere seitens der deutschen Bevölkerungsmehrheit als Fremdherrschaft empfunden wurde.[6]

Seit der ersten polnischen Teilung 1772 gehörte Schwetz zum Königreich Preußen, wo es bis 1920 verblieb. Nach einer schweren Überschwemmung im Jahr 1858 wurde die Stadt an eine etwas erhöhte Lage verlegt.

Die wirtschaftliche Entwicklung wurde durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz 1888 entscheidend verbessert. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Schwetz eine evangelische Kirche, zwei katholische Kirchen, eine Synagoge, eine Schlossruine, eine ehemaliges Bernhardinerkloster (jetzt Provinzialirrenanstalt), ein Gymnasium, eine Präparandenanstalt, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Elektrizitätswerk, ein Amtsgericht und eine Reihe gewerblicher Betriebe.[7]

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Schwetz aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Im Jahr 1934 kündigte die polnische Staatsregierung das deutsch-polnische Minderheitenschutzabkommen einseitig auf.

Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurde das Kreisgebiet vom Deutschen Reich annektiert. Es wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem es bis 1945 gehörte.

Im Herbst 1939 begingen Angehörige der SS und des Selbstschutzes Krankenmorde an 1.350 psychisch Kranken.[8]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region.

In Schwetz bestand nach Kriegsende ein Internierungslager für deutsche Kriegsgefangene, die in Schwetz verbliebenen Deutschen und für Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten, das im Frühjahr 1946 aufgelöst wurde.[9]

Schwetz war seit 1818 Kreisstadt geblieben. Im Jahr 1975 wurde der Powiat Świecki (Schwetzer Kreis) aufgelöst, jedoch durch die Verwaltungsreform in Polen 1999 wieder eingerichtet.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwetz im 19. Jahrhundert (Lithographie)
Jahr Einwohner Anmerkungen
1789 0 1.780 davon etwa ein Drittel evangelische Deutsche und zwei Drittel polnische Katholiken[2]
1802 02.340 [10]
1810 01.830 [10]
1816 02.042 davon 856 Evangelische, 1.076 Katholiken und 110 Juden[10]
1821 02.077 [10]
1831 02.660 [11]
1837 etwa 3.000 [12]
1852 03.665 [13]
1871 04.958 davon 1.900 Evangelische und 2.600 Katholiken (1.980 Polen)[14]
1875 05.210 [15]
1880 05.946 [15]
1890 06.716 davon 2.734 Protestanten, 3.459 Katholiken und 505 Juden[15]
1905 07.747 davon 3.046 Protestanten und 363 Juden[3][7]
1931 08.730 davon etwa 1.100 Deutsche[16]
1943 11.664 [3]

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
2008 25.614

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschordensschloss
Rathaus
Marktplatz
  • Deutschordensschloss aus dem 14. Jahrhundert
  • Pfarrkirche
  • Befestigungsanlagen
  • Ehemaliges Bernhardiner-Kloster
  • Neogotische St.-Andrzej-Bobola-Kirche
  • Rathaus von 1879
  • Bürgerhäuser

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Świecie nad Wisłą ist Beginn der größtenteils stillgelegten Bahnstrecke Świecie nad Wisłą–Złotów. Nächster Personenbahnhof ist der Bahnhof Terespol Pomorski, der in der Gemeinde liegt. Dort kreuzt die Strecke nach Złotów die Bahnstrecke Chorzów–Tczew.

Gmina Świecie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde umfasst eine Fläche von 174,81 km² und verzeichnet 33.053 Einwohner.

(Ortsnamen mit einem * nennen ein Schulzenamt):

Polnischer Name Deutscher Name
*Chrystkowo Krystkowo (1873–1945 Christfelde)
Czapelki Klein Zappeln (1942–1945 Kleinzappeln)
*Czaple Groß Zappeln (1942–1945 Großzappeln)
Dolne Sartowice Nieder Sartowitz (1942–1945 Niedersarten)
Dolne Święte Nieder Schwenten (1942–1945 Niederschwenten)
Drozdowo Drosdowo
*Dworzysko Dworzysko (1874–1945 Wilhelmsmark)
Dziki Dziki (1942–1945 Seikau)
Ernestowo Ernsthof
*Głogówko Królewskie Königlich Glugowko (1942–1945 Königsglugau)
Górny Sartowice Ober Sartowitz (1942–1945 Obersarten)
Górny Święte Ober Schwenten (1942–1945 Oberschwenten)
*Gruczno Gruczno (1939–1942 Grutschno, 1942–1945 Grützen)
*Kosowo Kossowo (1878–1945 Fliederhof)
*Kozłowo Koslowo (1942–1945 Kostlau)
Mały Konopat Klein Deutsch Konopath (1942–1945 Hanffelde)
Marianki Marienhöhe
Morsk Morsk (1942–1945 Schloßdorf)
Niedźwiedź Niedwitz (1942–1945 Bärental)
Nowe Dobra Neuguth (1942–1945 Neugut)
*Polski Konopat Polnisch Konopath (1942–1945 Hanfgut)
Przechówko Klein Przechowo (1875–1945 Wintersdorf)
Przechowo Przechowo (1876–1945 Schönau)
*Sartowice Sartowitz
Skarszewo Skarszewo (1939–1942 Skarschewo, 1942–1945 Karsau)
*Sulnówko Sullnowko (1942–1945 Sulndorf)
*Sulnowo Sullnowo (1908–1945 Sulnau)
Świecie Schwetz
Terespol Pomorski Terespol (1942–1945 Terzelwald)
*Topolinek Topolinken (1942–1945 Pappelhuben)
*Wiąg Jungen
Wielki Konopat Groß Deutsch Konopath (1942–1945 Hanfdorf)
Wyrwa Wirwa

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne der Stadt und der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Bahr: Schwetz. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 208–209.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen. Marienwerder 1789, S. 72, Nr. 3 (online).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 386, Nr. 18 (online).
  • Richard Wagner: Ein Pommersches Herzogthum und eine Deutsche Ordens-Komthurei. Kulturgeschichte des Schwetzer Kreises nach den archivalischen und anderen Quellen bearbeitet. Ein Beitrag zur urkundlichen Geschichte des Deutschthums in Westpreußen, wie auch zur Kenntniß der Alterthümer dieses Landestheils, mit zahlreichen Illustrationen und bisher noch ungedruckten historischen Dokumenten. Band 1: Bis 1466. Posen 1872 (E-Kopie).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Świecie – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 72, Nr. 3.
  3. a b c Ernst Bahr: Schwetz. In: Handbuch der historischen Stätten: Ost und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 208–209.
  4. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  5. A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußieche Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146.
  6. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104 ff..
  7. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 18, Leipzig und Wien 1909, S. 210.
  8. Volker van der Locht: Der Beginn der „Euthanasie“ im Osten. (pdf). Newsletter der AG Bund der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten; abgerufen 15. Oktober 2015.
  9. Siegfried Lenz: Tränen haben keine Nationalität. Deutsche in westpolnischen Lagern 1945–1949. Norderstedt 2007, ISBN 978-3-8334-8082-9, S. 55–57 (eingeschränkte Vorschau).
  10. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 379–380, Ziffer 668.
  11. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 386, Nr. 18.
  12. Friedrich Christoph Förster: Statistisch-topographisch-historische Uebersicht des Preußischen Staats. Berlin/Leipzig 1838, S. 96.
  13. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 566.
  14. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 54–55, Ziffer 9.
  15. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Schwetz. 2006.
  16. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 17. Leipzig 1934, S. 174.