Swirl

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Swirl Reiner Gamma, Aufnahme durch Clementine

Swirl (deutsch Wirbel, Strudel) ist die Bezeichnung für sehr helle, wirbelförmige Albedo-Formationen auf der Oberfläche des Mondes. Sie haben kein Relief und sind mit einer magnetischen Anomalie verknüpft. Die Strukturen sind sehr selten und können bisher noch nicht schlüssig erklärt werden. Eine deutsche Bezeichnung für sie gibt es in der wissenschaftlichen Literatur nicht;[1] darüber hinaus werden sie auch Mondwirbel genannt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Swirls gibt es nur auf dem Mond und dort vorrangig auf der erdabgewandten Seite. Von den insgesamt lediglich elf Exemplaren befindet sich das markanteste Objekt, Reiner Gamma, auf der Vorderseite im Oceanus Procellarum. Am Südwestrand des Oceanus liegt der Rima-Sirsalis-Swirl.[2] Im südlichen Hochland der erdnahen Seite befinden sich der Airy-Swirl – zwischen Krater Airy und dem westlicheren Parrot C – sowie der Descartes-Swirl am Nordrand des namensgebenden Kraters.[3] Von der Mondrückseite greift der Marginis-Swirl bei Krater Al-Biruni bis auf das nördliche Umfeld des Kraters Goddard über. Die weiteren Erscheinungsorte auf der Rückseite sind das Mare Moscoviense, das Mare Ingenii und die vier Gebiete der Krater Firsov, Gerasimovich, van de Graaff und Hopmann.[4] Die Exemplare auf dem helleren Mondhochland, wie der Marginis- und besonders der Descartes-Swirl, heben sich dort weniger gut ab, als die innerhalb der dunklen Mareflächen liegenden.

Mit Ausnahme von Reiner Gamma liegen alle Swirls jeweils gegenüber von einem großen Einschlagbecken. Daraus erklärt sich ihr Vorherrschen auf der Mondrückseite, da die großen Mare-Becken nur auf der Vorderseite vorkommen. Diese Anordnung hat zu der Vermutung geführt, dass die Swirls das antipodische Ergebnis von Schockwellen der großen Einschläge sind.

Im Unterschied zum Mond haben die Swirls ein eigenes Magnetfeld. Diese magnetischen Anomalien werden als MAGCON bezeichnet, dem Akronym für Magnetic Concentration (siehe auch: Mascon). Sie könnten den Mondboden vor den geladenen Teilchen des Sonnenwindes abschirmen und ein schnelleres Nachdunkeln des Bodenmaterials verhindern.

Die Theorien, nach der die Swirls Reste von eingeschlagenen Kometenkernen wären, können nicht deren ungleichmäßige Verteilung erklären. Zudem konnten durch die Raumsonde MESSENGER auf dem Merkur keine derartigen Strukturen entdeckt werden, obwohl dessen Bahn in der größeren Sonnennähe häufiger von Kometen gekreuzt wird.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Swirls – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alan Chu, Wolfgang Paech, Mario Weigand: Fotografischer Mondatlas. Oculum-Verlag, Erlangen 2010, ISBN 978-3-938469-41-5, S. 24–25 u. Kap. 61.
  2. David T. Blewett, et al.: Lunar swirls: Examining crustal magnetic anomalies and space weathering trends. (PDF)
  3. Airy auf The-Moon Wiki
  4. Timothy D. Glotch, et al.: Formation of lunar swirls by magnetic field standoff of the solar wind. (PDF)