Swiss Policy Research

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Swiss Policy Research
Swiss Propaganda Research (bis Mai 2020)
Swiss-policy-research.png
swprs.org
Beschreibung „Forschungs- und Informationsprojekt zu geopolitischer Propaganda in Schweizer und internationalen Medien“ (Eigenbeschreibung)
Sprachen deutsch, englisch
Eigentümer anonym
Urheber anonym
Erschienen 2016
Status aktiv

Swiss Policy Research (SPR), bis zur Umbenennung im Mai 2020 Swiss Propaganda Research[1], ist eine seit 2016 bestehende Website ohne Impressum, die sich selbst als „Forschungs- und Informationsprojekt zu geopolitischer Propaganda in Schweizer und internationalen Medien“ bezeichnet.[2] Die Herausgeber sind anonym, die Finanzierung unbekannt.

Themenauswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als bekannteste Arbeiten, zu denen auf der Webseite diverse Studien und Berichte veröffentlicht werden, gibt SPR selbst an:[3]

  • Studien zur Neuen Zürcher Zeitung, dem Schweizer Radio und Fernsehen, und drei globalen Nachrichtenagenturen
  • Medien-Navigator zur geopolitischen Ausrichtung deutschsprachiger Medien
  • Propaganda-Schlüssel zu den wichtigsten medialen Manipulationstechniken
  • Infografiken zu medialen Netzwerken in der Schweiz, Deutschland und den USA
  • Analyse zur Wikipedia-Manipulation
  • Analysen zur Logik imperialer Kriege und der medialen Informationsmatrix
  • ein Erfahrungsbericht eines Journalisten
  • eine Analyse zu russischer Propaganda

In einer Studie über die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) wurde 2018 versucht, eine USA- bzw. NATO-Lastigkeit der Zeitungsinhalte bezüglich der Berichterstattung über geopolitische Konflikte herzuleiten und diese als Propaganda abzuwerten.[4] Ähnliches wurde 2017 auch dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) vorgeworfen. Der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Vinzenz Wyss, hält es für legitim und wichtig, die Berichterstattungen auf bestimmte Narrative hin zu untersuchen. Methodisch würden die Studien aber der komplexen Fragestellung nicht gerecht, wenn sich die Analyse wie im Fall des SRF nur auf einen Tag und einen Fall beziehe. Die Studie weise insofern Mängel auf, die ihren wissenschaftlichen Wert angesichts der komplexen Fragestellung nicht erkennen lasse. Der Medienwissenschaftler Stephan Ruß-Mohl hält diese Studien ihrerseits für Propaganda, nicht für seriöse Forschung über Propaganda. Es sei unseriös, wenn angebliche „Wissenschaftler“ anonym bleiben wollten. „Das geht gar nicht, jedenfalls nicht in einem Land wie der Schweiz“. Er habe Zweifel, ob es sich um Forscher handelt.[5]

Während der Covid-19-Pandemie wurde eine kritische Analyse „Fakten zu Covid-19“ bereitgestellt.[6] Es werden Quellen zusammengestellt, die zeigen sollen, dass die Covid-19-Erkrankung mit einer Influenza (Grippe) vergleichbar sei und somit die Massnahmen der Pandemiebekämpfung unverhältnismässig seien.[2][7] Diese Informationen haben beispielsweise auch einen deutschen Oberregierungsrat im Innenministerium animiert, Thesen deutschlandweit zu versenden, dass Corona ein Fehlalarm und die Pandemiebekämpfung fatal seien.[8]

Urheber der Internetplattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Kontakt erklären die Mitglieder von SPR, dass sie anonym bleiben möchten, um potentiellen Repressionen zu entgehen.[2] Auch die Forschungsberichte werden anonym veröffentlicht.[5]

Ein Impressum ist nicht vorhanden.[4]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In einer Studie der Universität Zürich aus dem Jahr 2017 über Medienstrukturen in der Schweiz werden „sechs der am meisten diskutierten alternativen Medien analysiert“. Laut Daniel Vogler vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich „greifen sie auf Verschwörungstheorien zurück“. Weiter schreibt Vogler über die Seite Swiss Propaganda Research, dass sie „als pseudowissenschaftliches Medienforschungsprojekt“ auftrete.[9]
  • Die deutsche Tagesschau kritisierte 2017 unter dem Titel „Desinformation statt seriöser Forschung“, dass die Seite seriös wirke, Medienforscher jedoch Mängel an der Herangehensweise sehen würden. Es sei unklar, wer hinter den Studien stehe. 77 Prozent der Abrufe würden aus Deutschland erfolgen.[5]
  • Der Journalist Felix E. Müller schrieb 2018 in der NZZ am Sonntag: „Wir müssen keine Bühne für deutsche Streitereien bieten“ und schätzt ein, dass die Website mit unhaltbaren Behauptungen gegen die hiesigen Medien schiesst und sich weigere, offenzulegen, wer dahintersteckt. Wer die Schweiz mit Denkmustern aus Deutschland verstehen wolle, lande auf dem Holzweg. Die Medien in der Schweiz hätten eine vergleichsweise gute Akzeptanz und er führt mehrere Belege dafür an. Er sieht darin einen Grund, weshalb in der Schweiz im Unterschied zu Deutschland kaum ein Biotop von alternativen Medien existiere. Es würden zwar auf der Schweizer Bühne Debatten ausgetragen, die in Deutschland konzipiert worden seien. Die breite Masse des Publikums in der Schweiz erreiche man damit offensichtlich nicht.[4]
  • Patrick Gensing stellte im April 2020 im ARD-Faktenfinder richtig, dass die Behauptung der Einführung einer Coronaviruszensur per Gesetz in Dänemark durch Swiss Propaganda Research nicht der Wahrheit entspricht, sondern sich das „Gesetz zur Änderung von Straf-, Rechtspflege- und Ausländergesetz“ hauptsächlich gegen Kriminalität in Zusammenhang mit der Coronaviruskrise richtete und keinerlei Umsetzung von Zensur darin erkennbar war.[10]
  • Die Journalistin Andrea Haefely kritisierte im Mai 2020 in der Zeitschrift Beobachter: „Die Website Swiss Propaganda Research unterstellt den Schweizer Medien das, was sie selber tut: Die Leser mit fragwürdigen Informationen zu füttern.“ Wie viel Schweiz tatsächlich in der Site stecke, sei unklar. Die Tatsache, dass der hierzulande nicht gebräuchliche Buchstabe ß ganze 529 mal auftauche, spräche eher dafür, dass deutsche Kreise am Werk seien.[2]
  • Der Journalist Kurt Pelda schätzte im Mai 2020 im Tages-Anzeiger ein, dass durch die Coronakrise auch Swiss Propaganda Research deutlich mehr Zulauf erhalten hat. Demonstranten misstrauen der Regierung und der Presse, Inspiration holen sie bei den «alternativen Medien» im Internet, wozu SPR gehöre. Entsprechendes Material wurde auf einer Demonstration in Zürich verteilt. Pelda wirft der Website vor, „besonders üble Propaganda über den Krieg in Syrien“ zu verbreiten. So behaupte SPR, dass die dortigen Chemiewaffenangriffe inszeniert worden seien, obwohl UNO-Untersuchungen das Gegenteil bewiesen hätten.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. New: Swiss Policy Research auf swprs.org, abgerufen am 22. Mai 2020.
  2. a b c d Andrea Haefely: Verschwörungstheorien. Anonyme Warner mit scharfem S, beobachter.ch, 7. Mai 2020.
  3. Willkommen auf swprs.org
  4. a b c Felix E. Müller: Wir müssen keine Bühne für deutsche Streitereien bieten. In: NZZ am Sonntag vom 20. Januar 2018.
  5. a b c Silvia Stöber: Desinformation in der Schweiz Propaganda statt seriöser Forschung. Tagesschau, 1. November 2017 (Webarchiv)
  6. Fakten zu Covid-19 auf swprs.org
  7. Marlon Rusch: Alternative Ansichten, shaz.ch, 12. April 2020
  8. Evelyn Finger, Holger Stark: Warum ein Beamter in der Corona-Krise den Aufstand wagt. Die Zeit vom 11. Mai 2020.
  9. Daniel Vogler: Qualität der Medien. Schweiz – Suisse – Svizzera. Jahrbuch 2017. Basel: Schwabe, 23-39
  10. Patrick Gensing: Corona-Krise Zensur in Dänemark eingeführt? , tagesschau.de, 8. April 2020
  11. Kurt Pelda: Wer steckt hinter den «Corona-Rebellen». In: Tages-Anzeiger, 13. Mai 2020.