Symbiogenese

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Unter Symbiogenese versteht man die Verschmelzung von zwei oder mehreren verschiedenen Organismen in einem einzigen neuen Organismus. Begründet wurde die Theorie der Symbiogenese von Konstantin Mereschkowsky zu Anfang des 20. Jahrhunderts.[1] Sie wurde danach vom amerikanischen Biologen Ivan Wallin und im späten 20. Jahrhundert von Lynn Margulis aufgegriffen. Die Theorie der Symbiogenese stellt insofern eine Ergänzung der Evolutionstheorie dar, als die Entstehung neuer Zellorganellen, Organe oder Arten auf die symbiotische Beziehung und den Zusammenschluss zwischen einzelnen Arten zurückgeführt wird.[2] Entsprechend folgt aus der Symbiogenese die Möglichkeit, dass sich Stammbäume nicht nur verzweigen, sondern auch wieder vernetzen können [3].

Ein allgemein bekanntes Beispiel für Symbiose sind die Flechten als Zusammenschlüsse zwischen Pilzen und Grünalgen bzw. Cyanobakterien. Die Endosymbiontentheorie beinhaltet ein weiteres inzwischen wissenschaftlich anerkanntes Beispiel für Symbiogenese. Demnach liegt der Ursprung bestimmter Organellen (Mitochondrien und Plastiden) der eukaryotischen Zelle darin, dass Einzeller ohne Zellkern von voreukaryotischen Urzellen durch Endozytose einverleibt wurden. Die Endosymbiose führt zur Erhöhung der morphologischen Komplexität und ermöglicht eine Anreicherung derjenigen Zellen, die andere aufnehmen oder mit ihnen verschmelzen, mit genetischem Material und somit eine Zunahme der innerhalb einer Art verfügbaren Erbinformation. Daneben wird von Lynn Margulis und anderen Vertretern der Theorie auch angenommen, dass auch Flagellen und Zilien von Eukaryoten sich aus endosymbiotischen Spirochäten entwickelt haben könnten. Diese Hypothese ist unter Evolutionsbiologen umstritten, da die Organellen keine eigenständige DNS aufweisen.

Bei Symbiosen vor allem mit Prokaryoten kann es auch zum horizontalen Gentransfer kommen. Dieser ist eine weitere Möglichkeit der Anreicherung mit genetischem Material, die von Carl Woese als eine zusätzliche treibende Kraft vor allem der frühen Evolution erkannt wurde.

Nach Auffassung von Lynn Margulis und Dorion Sagan hat das Leben den Globus nicht durch Kampf, sondern durch Zusammenarbeit erobert (Life did not take over the globe by combat, but by networking).[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sapp J, Carrapiço F, Zolotonosov M: Symbiogenesis: the hidden face of Constantin Merezhkowsky. In: History and philosophy of the life sciences. 24, Nr. 3-4, 2002, S. 413–40. doi:10.1080/03919710210001714493. PMID 15045832.
  2. Vgl. das Modell der Makroevolution Synade bei Ulrich Kutschera: "Symbiogenesis, natural selection, and the dynamic Earth", "Theory in Biosciences", Bd. 128, Nr 3 / August 2009, doi:10.1007/s12064-009-0065-0, S. 191-203.
  3. Peter Sitte: "Wesen, Werden und Wachsen der Lebenswelt", in: Hans Gebhardt, Helmuth Kiesel (Hg.), Weltbilder, Springer, 2004, S. 92.
  4. Margulis und Sagan: Microcosmos, New York 1986, S. 15.