Synchronschwimmen

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Synchronschwimmerinnen

Synchronschwimmen oder auch Kunstschwimmen ist eine Form des Schwimmens, die zu Musik, alleine, zu zweit, in einer Gruppe oder in der Kombination von einer bis meist zehn Personen geschwommen wird. Synchron bezieht sich hier sowohl auf die Synchronität mit der Musik als auch die der einzelnen Schwimmer untereinander. Synchronschwimmen für Frauen ist eine olympische Disziplin. Der Deutsche Schwimm-Verband lässt Männer an Wettkämpfen teilnehmen. Seit 2015 sind nach FINA-Regeln Männer in der Disziplin Mixed-Duett international zugelassen.[1] Der Sport verlangt hohe körperliche Leistungen unter Luftmangel, rhythmisches Musikgefühl und Beweglichkeit.

Das eng verwandte Reigenschwimmen beschränkt sich auf das Figurenlegen mit mehreren Personen im Wasser, auch Bilderlegen genannt. Musik dient hier nur zur Untermalung, und der Wechsel der Figuren wird durch Handzeichen vom Beckenrand bzw. Ufer angezeigt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Namen „Wasserballett“ oder „Reigenschwimmen“ gibt es Synchronschwimmen schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Aber auch in der Antike existierte das Reigenschwimmen. Ein wichtiger Pionier des Synchronschwimmens war Clark Leach.[2]

1816 wird das erste Mal in Deutschland das Schwimmen mit Kunstfiguren erwähnt. Einer der ersten Wettkämpfe fand 1891 in Berlin statt. Damals war es noch eine reine Männersportart. 1903 gründeten sich die Isarnixen in München (Damen-Reigenschwimmgruppe), ab 1907 waren auch Frauen an den Wettkämpfen beteiligt. Allmählich verdrängten sie die Männer in dieser Disziplin fast vollständig.

Figurenschwimmen des Berliner Damenschwimmklubs „Nixe“ im Wellenbad im Lunapark in Berlin (November 1932)

Die Australierin Annette Kellerman trat 1907 als erste Unterwasserballerina in einem gläsernen Wassertank in New York City auf und machte dadurch das „Wasserballett“ bekannt. Katherine Curtis formulierte für Amerika Wettkampfregeln, welche die Grundlage für das heutige Regelwerk bilden. Einen wichtigen Beitrag zur internationalen Akzeptanz des Synchronschwimmens als Sportart leistete Beulah Gundling, die das Synchronschwimmen als Einzeldisziplin im Rahmen eines Schauschwimmens sowohl bei den Panamerikanischen Spielen 1951 als auch den Olympischen Sommerspielen 1952 vorstellte und 1955 die Einzel-Goldmedaille bei den Panamerikanischen Spielen gewann.[3] Zu den bedeutendsten männlichen Synchronschwimmern um 1950 zählten Donn Squire[4] und Bert Hubbard,[5] der nach dem Verbot männlicher Teilnehmer an Wettbewerben seine sportliche Karriere jedoch beenden musste und danach bei Festivals der International Academy of Aquatic Art auftrat. Besondere mediale Aufmerksamkeit erhielt das Synchronschwimmen durch Esther Williams in den von Hollywood produzierten „Aqua-Musicals“.

1957 fand in Deutschland der erste nationale Wettkampf im Kunstschwimmen statt. Seit 1968 wird das Synchronschwimmen von der FINA offiziell als vierte Disziplin (neben Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball) anerkannt. Das IOC hatte 1983 der FINA die Austragung von Wettbewerben im Synchronschwimmen erlaubt und wurde bei den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles zum ersten Mal ein olympischer Wettbewerb. Einer der wichtigsten internationalen Jugendwettkämpfe im Synchronschwimmen ist der COMEN Cup. Aus Deutschland nahmen bisher an Olympischen Spielen unter anderem Christine Lang/DSVM Isarnixen 1984 in Los Angeles, 1988 Gerlind Scheller (Einzel Platz 8) und Heike Friedrich/Freie Schwimmer Bochum (Duett Platz 11) und Doris Eisenhofer/DSVM Isarnixen in Seoul, Margit Schreib/DSVM Isarnixen und Monika Müller vom TV Markgröningen 1992 in Barcelona teil.

Nach langen Jahren der Dominanz von USA und Kanada bestimmte die letzten Jahre Russland das Geschehen. Allerdings konnte im Solo Virgine Dedieu bis zu ihrem Rücktritt 2007 niemand gefährden. Aktuell wird die russische Vorherrschaft durch Spanien und Japan bedroht, auch Kanada und China treten stark in Erscheinung.

Wettkampf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit werden Wettkämpfe in vier Disziplinen ausgetragen: Solo, Duett, Gruppe (mit vier bis acht Teilnehmern) und die Kombination (bis zu zehn Schwimmer, Variation aus Solo-, Duett- und Gruppenteilen). In einigen Ländern gibt es auch die Disziplin Trio.

Wie beim Eiskunstlauf werden bei der Bewertung einer Kür Punkte vergeben (1 bis 10), wobei die Schwierigkeit der Darbietung ebenso bewertet wird wie die Umsetzung; auch wird berücksichtigt, ob die Figuren stabil und genau sind. Ebenso wird auf die Synchronität zu Musik bzw. zwischen den Schwimmern untereinander geachtet. Je höher die Anzahl der Schwimmer, umso stärker wird die Synchronität untereinander bewertet. Es gibt eine Technische Kür („Pflicht“), die bis zu 2:50 Minuten dauert, und eine Freie Kür von 4:45 bis 5:15 Minuten. In der Technischen Kür müssen vorgegebene Elemente in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt werden. In der Freien Kür gibt es hingegen keine Vorgaben.

Während des Kür-Wettkampfes sind keine Schwimmbrillen zugelassen. Badekappen sind während eines Kürwettkampfes zwar nicht verboten, werden aber eher gemieden. Stattdessen werden die Haare zu einem Dutt hochgesteckt und mit der vorher warm gekochten Gelatine an den Kopf „geklebt“, sodass die Frisur auch unter Wasser hält. Der Dutt kann mit verschiedenen Kopfbedeckungen wie Krönchen/Steckern verziert werden. Die Schwimmerinnen eines Teams tragen meist alle den gleichen Badeanzug, bunt und mit Pailletten bestickt. Durch die verzierten Badeanzüge und die Kopfbedeckungen soll eine größere Affinität zur Musik hergestellt und der Showeffekt verstärkt werden.

Bei Jugend-Wettkämpfen werden nicht nur Küren geschwommen, sondern auch die sogenannte Pflicht. Bei dieser muss die Schwimmerin (oder wie in seltenen Fällen der Schwimmer) Übungen durchführen, die aus mehreren wichtigen Elementen im Synchronschwimmen bestehen. Diese werden je nach Alter immer anspruchsvoller. Die FINA legt die Pflichtübungen für einen Zeitraum von vier Jahren fest. Auch die Pflicht wird mit Punkten von den Wertungsrichtern bewertet. Auf einigen Wettkämpfen gilt die Pflicht auch als Qualifikation für ein Finale. Dort werden dann bestimmte Punktevorgaben gesetzt, die man einhalten muss, um kein Strafgeld zahlen zu müssen. Bei der Pflicht müssen alle Schwimmerinnen einen schwarzen Badeanzug und eine weiße Badekappe tragen. Tauchmasken sind erlaubt.

In den letzten Jahren wurde die Pflicht aber zunehmend durch die publikumswirksamere „technische Kür“ ersetzt. Hierbei müssen von allen Schwimmerinnen feststehende Elemente (Übungen, Formationen, Fortbewegungsarten, Sprünge) möglichst exakt, synchron und hoch ausgeführt werden. Es werden Punkte zwischen 0 und 10 sowohl für den technischen als auch den artistischen Wert vergeben.

Beim Synchronschwimmen gibt es verschiedene Altersklassen. Es fängt mit der Altersklasse E an, dann folgen D, C, B, A und Junioren. Ab einem Alter von 20 Jahren dürfen Schwimmerinnen zudem bei Masterwettkämpfen teilnehmen. In den sogenannten „offenen“ Wettkämpfen treten alle Altersklassen ohne Einschränkungen gegeneinander an, in Deutschland nur bei den Deutschen Meisterschaften.

Teilnahme von Männern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich nur von Männern ausgeführt, wurde Synchronschwimmen in den 1950er Jahren zu einer nur von Frauen betriebenen Sportart. Nach jahrelangen Diskussionen führte die FINA für die Weltmeisterschaft 2015 in einer Regeländerung den Bewerb Mixed-Duett ein[6] und ermöglichte damit erstmals Männern die Teilnahme an internationalen Wettbewerben.[7][8] Der Amerikaner Bill May wurde der erste männliche Weltmeister in der Sportart. Bei den Olympischen Spielen ist die Sportart weiterhin nur für Frauen möglich.[9] In Bochum lebt der erste aktive deutsche männlichen Wettkampfschwimmer Niklas Stoepel, der 2017 erstmals an einer Weltmeisterschaft teilnahm.[10]

In Frankfurt gibt es seit 1998 die in Europa erste und in Deutschland einzige männliche Synchronschwimmgruppe. Die Gruppe des Frankfurter Volleyball Vereins ist sowohl auf den Deutschen Meisterschaften der Masters, als auch auf internationalen Wettkämpfen wie den Outgames, EuroGames und Gay Games vertreten. Die Geschichte dreier männlicher Synchronschwimmer auf ihrem Weg zur Teilnahme an deutschen Meisterschaften wird in dem Dokumentarfilm Der Traum vom Schweben (2004) erzählt; der Film Männer im Wasser (Schweden, 2008) zeigt, wie ein Männerhockeyteam die midlife-crisis mit dem Streben nach der Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Synchronschwimmen zu bewältigen sucht.

Diverses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synchronschwimmen wird oft belächelt. Die Fans der Sportart dagegen heben hervor, dass eine Synchronschwimmerin ähnliche Fähigkeiten haben müsse wie eine Bodenturnerin, eine Wettkampfschwimmerin, eine Eiskunstläuferin, eine Wasserballspielerin und eine Tänzerin, und das alles ohne festen Boden unter den Füßen. Obendrein seien dann noch Anmut und Beweglichkeit erforderlich, und die Bewegungsabstimmung mit den anderen Mitgliedern der Gruppe sei besonders schwierig. Bekannte deutsche Synchronschwimmvereine sind die Fördenixen aus Flensburg, die Isarnixen des Damenschwimmvereins v. 1903 aus München, der Schwimmclub Wedding, die Donaunixen oder der 1.SC Flamingo Zwickau, der bekannteste Schweizer Verein die Limmat-Nixen aus Zürich.

Medaillenspiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: 26. Juli 2017. Die ersten Weltmeisterschaften im Synchronschwimmen fanden 1973 statt, mit den Wettbewerben Solo, Duett und Gruppe. 2003 wurde das Programm mit der Teamkobination erweitert, 2007 kamen drei weitere Wettbewerbe dazu, und zwar unterteilte man jetzt die Wettbewerbe Solo, Duett und Gruppe in Freie Kür und Technik Kür. 2015 erweiterte man das Programm auf neun Wettbewerbe, hinzu kam das Mixed-Duett.

Schwimmen
Pos Land Goldmedaille Silbermedaille Bronzemedaille Total
1 RusslandRussland Russland 50 6 - 56
2 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 14 9 5 28
3 KanadaKanada Kanada 8 9 9 26
4 FrankreichFrankreich Frankreich 3 2 2 7
5 JapanJapan Japan 2 13 29 44
6 China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 1 21 6 28
7 SpanienSpanien Spanien 1 18 17 36
8 ItalienItalien Italien 1 1 3 5
9 UkraineUkraine Ukraine - 1 9 10
Total 80 80 80 240

Erfolgreichste Sportlerinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Name Land Von Bis Goldmedaille Silbermedaille Bronzemedaille Gesamt
01 Natalja Ischtschenko RusslandRussland Russland 2005 2015 19 2 - 21
02 Swetlana Romaschina RusslandRussland Russland 2005 2015 18 - - 18
03 Anastassija Dawydowa RusslandRussland Russland 2001 2011 13 1 - 14
04 Alexandra Pazkewitsch RusslandRussland Russland 2009 2017 13 - - 13
04 Swetlana Kolesnitschenko RusslandRussland Russland 2011 2017 13 - - 9
06 Anschelika Timanina RusslandRussland Russland 2009 2015 11 - - 11
06 Alla Schischkina RusslandRussland Russland 2009 2015 11 - - 11
08 Elwira Chassjanowa RusslandRussland Russland 2001 2011 10 - - 10
09 Maria Gromowa RusslandRussland Russland 2001 2011 9 - - 9
010 Anastassija Jermakowa RusslandRussland Russland 2001 2007 8 2 - 10

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Synchronschwimmen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Synchronschwimmen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FINA to introduce mixed gender events in diving and synchronised swimming. (insidethegames.biz [abgerufen am 10. Januar 2018]).
  2. Clark Leach, Father of Synchronized Swimming. *S.S Scrapbooks (1950s), Henning Library, ISHOF, 1941.
  3. Video von B. Gundlings Programm Thunderbird bei den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki auf der Webseite von ISHOF.
  4. Dawn Pawson Bean: Synchronized swimming – An American history.(E-Book) McFarland Company Inc. Publishers, Jefferson (North Carolina, USA), 2005. Enthält Infos über Donn Squire und Bert Hubbard, S. 51.
  5. Synchro History – A compilation. (PDF; 65 kB) Artikel von Sue Edwards, 2010.
  6. FINA to introduce mixed gender events in diving and synchronised swimming. (insidethegames.biz [abgerufen am 10. Januar 2018]).
  7. Christoph Becker: Grazile Revolution: Synchronschwimmen wird männlich. In: FAZ.NET. 29. Juli 2015, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. Januar 2018]).
  8. Russland empört über "männliche Nixen". In: sueddeutsche.de. 24. Juli 2015, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 10. Januar 2018]).
  9. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: "Anruch des Gay": Synchronschwimmer bei Olympia unerwünscht. In: derStandard.at. (derstandard.at [abgerufen am 10. Januar 2018]).
  10. DIE WELT: Synchronschwimmer Niklas Stoepel bricht in eine Frauen-Domäne ein. In: DIE WELT. 15. Juli 2017 (welt.de [abgerufen am 10. Januar 2018]).