Synodische Periode

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Die synodische Periode oder synodische Umlaufzeit (von altgriechisch σύνοδος synodos ‚Zusammentreffen‘) ist die Zeitspanne zwischen den Zeitpunkten aufeinanderfolgender gleicher Stellungen eines Himmelskörpers bezüglich Erde und Sonne. Von der Erde aus gesehen steht der Himmelskörper nach seiner synodischen Periode somit wieder im gleichen Winkel zur Sonne (Elongation), beispielsweise wieder gegenüber in Opposition (180°) oder wieder in derselben Richtung in Konjunktion (0°).

Als mittlere synodische Periode wird in der Astronomie die durchschnittliche Zeitspanne bezeichnet, gerechnet von Opposition zu Opposition oder von einer Konjunktion zur nächsten, so für den Mond von Neumond zu Neumond.

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synodische Periode

Im Bild steht Planet B links in Konjunktion zu Planet A. Nach einer synodischen Periode stehen sie erneut in Konjunktion, dieses Mal rechts unten. Dabei haben beide Planeten die durch Pfeile markierten Wege zurückgelegt. Von Planet B aus betrachtet stellt sich die Situation genauso dar, bis auf die Bezeichnung Opposition statt Konjunktion.

Während die siderische Periode einen (unendlich weit entfernten) Fixstern als Bezugspunkt wählt, ist die synodische Periodendauer die Zeit, die vergeht, bis ein Planet wieder im selben Winkel relativ zur Sonne zu sehen ist. Diesen Winkel bezeichnet man als Elongation. Die siderische (sternfestes Koordinatensystem), anomalistische (Bahnperiode) und die tropische Periode (Bezug auf den Frühlingspunkt) werden für himmelsmechanische Aufgaben verwendet, für beobachtungsbezogene Aufgaben ist die synodische Periode von Interesse.

Mittlere und aktuelle synodische Periode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuelle synodische Periode schwankt um einen Mittelwert – letzterer ist gemeint, wenn von ‚synodischer Periode‘ ohne nähere Angabe die Rede ist. Aufgrund der Ellipsenbahnen der Himmelskörper sind die Verweilzeiten in den einzelnen Sektoren der Bahn unterschiedlich: Die Erde (auf die die synodische Periode im Allgemeinen bezogen ist) zeigt auf ihrer Bahn um die Sonne verschiedene Bahn- und Winkelgeschwindigkeiten, im Nordwinterhalbjahr, wenn sie näher an der Sonne ist (Perihel-Durchgang, am sonnennächsten Punkt, ist um den 2. Januar), ist ihre Bahngeschwindigkeit höher als im Nordsommerhalbjahr (Aphel-Durchgang um den 5. Juli, 3.–6. Juli). Entsprechendes gilt auch für die anderen Himmelskörper, daher ist die synodische Periode davon abhängig, wo die Erde und das andere Objekt sich jeweils auf ihrer Bahn befinden. Weitere Unregelmäßigkeiten entstehen durch die Bahnstörungen der restlichen Massen im Sonnensystem. Beim Mond und anderen erdumkreisenden Objekten (Satelliten), oder anderen, wenig massereichen Himmelskörpern mit komplizierteren Bahnen, sind die Berechnungen noch deutlich komplexer.

Bemessung und Veränderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem im Vorkapitel angegebenen Grund hat auch eine mittlere synodische Periode immer unterschiedliche Werte, je nach dem, welchen Referenzwert für die Elongation man zugrunde legt. Üblich ist die oben angebende geozentrische Konjunktion mit der Sonne (Erdnähe bei den Planeten, Neumond beim Erdmond). Weiters ist sie vom Mittlungszeitraum abhängig, weil alle Bewegungen auch langfristigen Perioden unterworfen sind, außerdem verändert sie sich auch langfristig nichtperiodisch (säkulare Änderung): So entfernt sich der Mond immer mehr von der Erde, seine mittlere synodische Periode nimmt laufend zu.

In der Literatur angegebene Werte sind im Allgemeinen – obwohl eine typische beobachterbezogene Größe – auf eine heliozentrische ekliptikale Längendifferenz der Planetenmittelpunkte, beziehungsweise in Bezug auf den Erdmittelpunkt (geozentrisch, präziser: auf den Erde-Mond-Schwerpunkt), bezogen. Dann ist die synodische Periode unabhängig davon, ob und wo der Beobachter auf Planet A oder B, oder auf der Sonne, steht. Natürlich ließen sich für alle Himmelskörper im Sonnensystem auch synodische Perioden etwa in Bezug zum Mars ermitteln: Sie würden angeben, in welchen Zeitabständen die jeweiligen Himmelskörper für einen Astronauten auf einer Marsmission besonders hell strahlen – astronomisch vorerst von geringem Interesse. Die „synodische“ Periode eines Raumfahrers auf der ISS ist die von Sonnenaufgang zu Sonnenaufgang (etwa 1½ Stunden). Von Belang ist aber etwa die synodische Periode eines Exoplaneten in Bezug auf Erde und seine Sonne: Nur sie kann gemessen werden, und aus ihr ermittelt man seine siderische Periode, um die die synodische in Korrelation zur jährlichen Parallaxe der fernen Sonne schwankt. Die keplersche Bahnperiode ermittelt man dann aus Modellierungen über Massen des Exoplaneten und seiner Sonne.

Synodische Perioden im Sonnensystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Erde lässt sich aufgrund der Definition keine explizite synodische Periode angeben. Die entsprechenden Größen sind der Sonnentag – das ist die (geozentrische) „Synode“ mit der Mittagslinie – und das Sonnenjahr – das ist die Zeit bis die Erdachse wieder den gleichen Winkel zur Sonne hat, also die „Synode“ zwischen Himmelsäquator und Ekliptik, oder das tropische Jahr als „Synode“ mit dem Äquinoktium.

Mond[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Monden ist die synodische Periode die Zeitspanne zwischen zwei gleichen Mondphasen. Beim Erdmond heißt sie Lunation. Abweichend von der planetären Definition liegt der synodischen Periode des Mondes die geozentrische Längendifferenz zugrunde. Heute ist es üblich, die Lunationen von Neumond zu Neumond (bzw. von Konjunktion zu Konjunktion) zu messen – in der historischen Astronomie war aus Gründen der Beobachtbarkeit der Vollmond Bezug der Wahl.

Der gemittelte Wert heißt synodischer Monat und beträgt 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten (29,5306 d) und ist die Grundgröße für den Monat der Zeitrechnung. Die einzelnen Lunationen schwanken um etwa maximal 6 bis 7 Stunden um die mittlere Dauer.

Planeten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abhängigkeit der synodischen Periode eines Himmelskörpers von dessen mittlerer Entfernung zur Sonne in Astronomischen Einheiten (AE) unter Annahme von Kreisbahnen.

Für Planeten, die in einer mittleren Entfernung weniger als 22/3 ≈ 1,59-mal so weit wie die Erde (1,00 AE) die Sonne umlaufen – also Merkur, Venus und Mars –, ist ihre siderische Periode kleiner als die jeweilige synodische Umlaufzeit. Die Zeitspanne bis zur Wiederkehr derselben Phase mit gleichem Elongationswinkel Erde-Sonne-Planet dauert also jeweils länger als der siderische Umlauf dieser Himmelskörper um die Sonne.

Beispielsweise umläuft Venus die Sonne in gleicher Richtung wie die Erde, doch mit einer mittleren Entfernung von etwa 0,72 AE als innerer Planet deutlich schneller (siehe drittes Keplersches Gesetz), läuft ihr so davon und holt sie nach knapp 2,6 siderischen Umläufen wieder ein. Die Erde hat in dieser Zeit knapp 1,6 Umläufe zurückgelegt, die synodische Periode der Venus dauert somit knapp 1,6 Jahre, etwa 584 Tage. Eine ähnlich lange synodische Periode würde sich auch für einen fiktiven Himmelskörper ergeben, der in knapp 1,6 Jahren nur knapp 0,6 Umläufe zurücklegte, also eine siderische Umlaufzeit von fast 1000 Tagen hätte. Mars umläuft die Sonne in rund 687 Tagen mit etwa 1,52 AE mittlerer Sonnenentfernung als äußerer Planet deutlich langsamer als die Erde. Diese läuft in 780 Tagen 2,135-mal um die Sonne, der Mars in dieser Zeit 1,135-mal, bis eine Konstellation mit gleichem Elongationswinkel wieder erreicht wird. Auch die synodische Periode des Mars ist somit größer als seine siderische.

Ein fiktiver innerer Planet oder Sonnensatellit, dessen prograder Lauf um die Sonne 9/10 eines Jahres dauerte, hätte eine beträchtlich höhere synodische Periode. Aus seiner Winkelgeschwindigkeit von 10/9 Umläufen pro Jahr gegenüber der Erde mit exakt einem Umlauf pro Jahr ergäbe sich eine relative Winkelgeschwindigkeit von 1/9 Umrundungen pro Jahr. Ergo bräuchte es 9 Jahre, bis er nach 10 seiner Sonnenumläufe die Erde wieder eingeholt hätte. Analoges gilt für einen fiktiven äußeren Planeten mit 10/9 Jahren Umlaufzeit, den die Erde nach 10 Umläufen einholen würde, während dieser die Sonne erst neunmal umkreist hätte. In beiden Fällen dauert der synodische Umlauf länger als der siderische.

Erst bei weiter entfernten Himmelskörpern mit über etwa 1,59 AE mittlerer Entfernung zur Sonne wie den großen äußeren Planeten ist die synodische Periode kleiner als die siderische, welche nun mehr als zwei Jahre beträgt. Die Erde macht in dieser Zeit mehr als zwei Umläufe und überholt so den Himmelskörper. Wegen dessen geringer Bahngeschwindigkeit bestimmt die Bahnperiode der Erde mit wachsender Entfernung zunehmend die synodische Periodendauer. Je entfernter ein Planet ist, desto langsamer verschiebt er sich gegen den Sternenhimmel, und synodische und siderische Umlaufdauer unterscheiden sich immer weniger; die synodische Periode nähert sich mit steigender Entfernung an 1 Jahr an, da von der Erde aus betrachtet der Planet fast steht.

Für Himmelskörper, die in weniger als 0,52/3 ≈ 0,63 AE die Sonne umlaufen, ist die synodische Periode kürzer als 1 Jahr, da sie weniger als ein halbes Jahr Umlaufzeit benötigen und so nach zwei Umläufen in weniger als einem Jahr die Erde bereits überrundet haben. Von der Erde aus gesehen können diese Himmelskörper innerhalb eines Jahres also mehr als einmal in unterer Konjunktion stehen. Für Körper auf einer Umlaufbahn mit einer großen Halbachse von mehr als 0,63 AE dagegen dauert die synodische Periode über ein Jahr. Sie wird um so größer, je weniger sich die mittlere Sonnenentfernung von der der Erde unterscheidet (siehe Beispiel oben mit 9 bzw. 10 Jahren). Bei einer großen Halbachse von annähernd 1 AE ist die synodische Umlaufdauer sehr groß. Für äußere Planeten sinkt die synodische Periode mit zunehmendem Abstand wieder und nähert sich schließlich einem Jahr an.

Tabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgende Tabelle enthält die Zeiten für die mittleren synodischen Perioden der Planeten des Sonnensystems, eines Körpers im Asteroidengürtel und von Transneptunen, sowie des Erdmondes (angegeben in Tagen und Kalenderjahren); zum Vergleich ist in der zweiten Spalte von links die jeweilige mittlere siderische Periode in Tagen eingetragen:

Die Erde ist natürlich nicht erwähnt, der Begriff synodisch steht, wie oben erläutert, für „in Bezug auf die Erde“E1
Objekt mittlere siderische Periode mittlere synodische Periode wahre syn. P.S Schwankung
MondM1 00027,32 Tage 029,53 TageM2 0,0810 Jahre 29,27–29,83 TageM3 ±0,9 %
Merkur 00087,97 Tage 115,88 Tage 0,3170 Jahre ca. 106–130 Tage
Venus 00224,70 Tage 583,92 Tage 1,5990 Jahre0 = 01 Jahr 218,70 Tage 579–589 Tage ±1 %
Mars 00687,00 Tage 779,94 Tage 2,1350 Jahre0 = 02 Jahre 49,50 Tage 764–811 Tage ±3 %
Ceres 01682,00 Tage 466,72 Tage 1,2780 Jahre0 = 01 Jahr 101,50 Tage
Jupiter 04333,00 Tage 398,88 Tage 1,0920 Jahre0 = 01 Jahr 033,60 Tage
Saturn 10750,00 Tage 378,09 Tage 1,0350 Jahre0 = 01 Jahr 012,80 Tage
Uranus 30690,00 Tage 369,66 Tage 1,0120 Jahre0 = 01 Jahr 004,40 Tage
Neptun 60190,00 Tage 367,49 Tage 1,0060 Jahre0 = 01 Jahr 002,20 Tage
Pluto 90500,00 Tage 366,73 Tage 1,0040 Jahre0 = 01 Jahr 001,50 Tage
Quaoar 1,05×105 Tage 366,54 Tage 1,0036 Jahre0 = 01 Jahr 001,30 Tage
Sedna 04,0×106 Tage 365,29 Tage 1,0001 Jahre0 = 01 Jahr 000,05 Tage
S Siehe ausführlich jeweils die Abschnitte Beobachtung in den Artikeln zu Himmelsobjekt
M1 Zur Bahnperiode des Mondes siehe ausführlich: Mondbahn
M2 Abgeleitete Zeiteinheit: Synodischer Monat (Vollmondzyklus)
M3 Die (aktuelle) Lunation: 6 h 12 min kürzer bis 7 h 15 min länger, bis der nächste Vollmond eintritt
E1 Zur Bahnperiode der Erde siehe ausführlich: Erdbahn

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Höchststand der Sonne lässt sich täglich beobachten, der des Mondes monatlich. Deshalb sind es nur die synodischen Perioden, die in einfachen Kulturen Eingang gefunden haben. Religiöse Feste wie Ostern richten sich auch heute noch nach dem synodischen Mond. Der Kalender der Mayas berücksichtigte zusätzlich auch die Synoden der Venus. Fast einzig in der vedischen Tradition haben sich die Leistungen der frühen indischen Astronomen in der Beobachtung der täglichen siderischen Bewegung des Mondes als Kalendersystem erhalten.

Demgegenüber treten die Unterschiede der synodischen zu den siderischen Perioden dieser beiden Himmelskörper erst nach Jahrhunderten (z. B. Kalenderumstellung von julianisch auf gregorianisch), und zu tropischen Perioden erst nach Jahrtausenden (z. B. Wanderung des Frühlingspunkts) deutlich hervor.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]