Systembolaget

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Systembolaget Aktiebolag
Rechtsform Aktiebolag (Aktionär kann nur der schwedische Staat sein)[1]
Gründung 1955
Sitz Stockholm
Leitung Magdalena Gerger
Mitarbeiter 3.280 (2013)[2]
Umsatz 25,709 Mrd. SEK (2013)[2]
Branche Einzelhandel
Website http://www.systembolaget.se/
Schild systembolaget.jpg

Systembolaget (umgangssprachlich auch Systemet oder Bolaget) ist ein staatliches Unternehmen in Schweden, das ein Monopol auf den Einzelhandel von Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 3,5 Volumenprozent hat. Das Unternehmen dient als Instrument der staatlichen Alkoholpolitik und verfolgt das Ziel, den Alkoholkonsum in Schweden einzudämmen. Die Grundidee für die Einführung war, dass sich ein Unternehmen ohne Gewinninteresse leichter verschiedener Kontrollinstrumente, wie z. B. der Rationierung, bedienen kann.

In Gemeinden, in denen kein Systembolaget-Geschäft vorhanden ist, gibt es teilweise lizenzierte Geschäfte, über die Waren bei Systembolaget bestellt werden können.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert gab es in Schweden unterschiedliche und wechselnde Regelungen zur Herstellung und zum Import alkoholischer Getränke. 1850 gründeten Bergleute in Falun das erste Unternehmen Systembolaget, das den Alkoholverkauf und -ausschank in der Stadt im Interesse der Allgemeinheit übernahm. Alle Gewinne wurden für gemeinnützige Zwecke eingesetzt. Bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert entstanden in verschiedenen Städten Schwedens ähnliche Unternehmen. 1860 wurde das Brennen für den Hausbedarf verboten.

Ab 1914 wurde mit dem Bratt-System die Rationierung von alkoholischen Produkten eingeführt. In den 1920er Jahren wurden auch der Import und Export (Vin & Spritcentralen) und der Vertrieb (Systembolaget) von alkoholischen Getränken in staatlichen Händen monopolisiert. 1955 wurde die Rationierung wieder aufgehoben und aus den 41 lokalen Systembolaget-Unternehmen wurde unter dem Namen Nya Systemaktiebolaget ein staatliches Unternehmen geformt.

Reglementierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht einer Systembolaget-Filiale mit Bedienungstheke

Der Verkauf in den Systembolaget-Geschäften ist durch Gesetze stark reglementiert. Es dürfen keine Mengenrabatte gewährt werden und Bündelungen (z. B. Sixpacks) sind verboten. Es darf auch keine Ungleichbehandlung einzelner Produkte stattfinden. Damit ist es zum Beispiel nicht möglich, nur Teile des Sortiments gekühlt anzubieten.

Ursprünglich war in den Läden keine Selbstbedienung vorgesehen. Erst ab 1991 wurden schrittweise Selbstbedienungsläden eingeführt, die heute fast alle Filialen ausmachen.

Systembolaget und die Europäische Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Beitritt Schwedens zur Europäischen Union 1995 konnte Systembolaget nahezu unverändert weiter bestehen. Das Monopol von Vin & Sprit auf Import, Export, Herstellung und Großhandel wurde zwar aufgehoben. Systembolaget musste allerdings nur auf das Monopol auf den Verkauf von Alkohol an Restaurants verzichten. In einem Beschluss des Europäischen Gerichtshofes in der sogenannten „Franzénaffaire“ wurde 1997 festgestellt, dass Systembolaget vereinbar mit EU-Recht ist.[3]

Weil nach dem EU-Beitritt Schwedens und der damit einhergehenden Liberalisierung des Handels das Monopol keinen so großen Effekt mehr habe wie früher, ist die Existenzberechtigung des Systembolaget in letzter Zeit wieder in Frage gestellt worden. Auch gibt es einen sehr großen Markt für Schmuggelware und selbstgebrannten Schnaps (hembränt), mit der damit einhergehenden organisierten Kriminalität. Trotz der Monopolstellung liegt der Marktanteil lediglich bei ca. 30 %.

Am 5. Juni 2007 entschied der Europäische Gerichtshof, dass die schwedische Alkoholpolitik in Teilen gegen den Grundsatz des freien Warenverkehrs verstößt.[4] Nach diesem Urteil sind die schwedischen Bürger künftig nicht mehr gezwungen, Spirituosen aus dem Ausland über Systembolaget zu ordern. Ihnen steht es nun frei, Alkohol direkt per Versandhandel in anderen EU-Staaten zu kaufen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopolunternehmen für den Verkauf von Alkohol in anderen nordischen Ländern:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Systembolaget – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bolagsordning. Systembolaget AB, 24. April 2014, abgerufen am 24. Oktober 2015 (PDF, schwedisch).
  2. a b 2013 Responsibility Report. Part 2 Financial reports and in-depth sustainability report. Systembolaget AB, abgerufen am 24. Oktober 2015 (PDF, englisch).
  3. Franzéndomen. In: systembolagethistoria.se. Abgerufen am 16. Februar 2016.
  4. tagesschau.de, gefunden am 4. Februar 2013