Systemisches Controlling

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Unter dem Begriff systemisches Controlling ist ein Ansatz im Controlling zu verstehen, der sich in das Konzept des systemischen Managements einfügt und Verbindungen zur lernenden Organisation und zur systemischen Organisationsentwicklung herstellt.

Der Ansatz gründet sich auf die neuere soziologische Systemtheorie nach Niklas Luhmann und auf das erkenntnistheoretische Konzept des Konstruktivismus nach Paul Watzlawick und Ernst von Glasersfeld. Insofern verfügt der systemische Controllingansatz über eine eigenständige wissenschaftstheoretische Fundierung. Er geht weit über klassische Controllingkonzeptionen wie beispielsweise die Balanced Scorecard von Kaplan und Norton hinaus, weil er einen umfassenden Steuerungsanspruch bezüglich aller relevanten Unternehmensprozesse stellt und sich nicht auf wenige Dimensionen reduzieren lässt.

Theoriegrundlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus systemischer Sicht gelten Unternehmen als komplexe soziale Systeme, die sich einer trivialen Steuerung von außen entziehen. Systemische Steuerungskonzepte beruhen auf der Erkenntnis, dass soziale Systeme sich zwar grundsätzlich autonom verhalten, aber relevante Veränderungen in ihrer Umwelt nicht ignorieren können. Um das eigene Überleben auf möglichst hohem Niveau zu sichern, müssen sie sich adaptiv verhalten. Daher wird bei der systemischen Steuerung durch das Setzen bestimmter Interventionen eine Veränderung in der Umwelt des zu steuernden Systems hervorgerufen. Dieser Impuls soll das System zu einer eigenständigen Veränderungsleistung anregen. Hier setzt das systemische Controlling an indem es dem Management Informationen darüber liefert, ob und inwieweit die mit der Intervention intendierten Ziele erreicht wurden. Auf Basis dieses Theorieansatzes sind die Steuerungsmöglichkeiten eingeschränkt und eine punktgenaue Steuerung ist nicht möglich. Daher kommt es bei der systemischen Steuerung zu einem iterativen Prozess, bei dem immer wieder die Auswirkungen von Steuerungsinterventionen „beobachtet“, also mit den Mitteln des Controlling identifiziert werden müssen, damit das Management über ein passendes Bild der gegebenen Situation verfügt, bevor es entscheidet, wie aufgrund der erhobenen Istsituation die nächste Steuerungsintervention gesetzt werden soll. Danach bildet das Controlling wieder die Reaktion des Systems ab. Auf dieser Basis erfolgt die nächste Steuerungsintervention und so weiter.

Bildtheorie des systemischen Controllings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Controlling liefert Bilder einer gegebenen Situation in einer Organisation oder deren Umwelt. Diese Bilder setzen sich aus Einzelinformationen (Daten) und einer passenden Bedeutungszuschreibung (Interpretation) zusammen. Dabei ist die Wahrnehmung von Informationen selektiv und die Interpretation hängt stark vom Erfahrungshintergrund des Controllers ab. Systemisches Controlling setzt daher auf einen sozialen Konstruktionsprozess dieser Bilder. Das bedeutet, dass unterschiedliche Beobachtungsperspektiven eingeführt werden und unterschiedliche Beobachter ihre Sichtweisen austauschen sollen. Datensammlung und Interpretation werden als Gemeinschaftsaufgabe gesehen, der Controller als Moderator eines gemeinschaftlichen Beobachtungsprozesses.

Systemisches Controlling und lernende Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indem die Auswirkungen von Steuerungsinterventionen gemeinschaftlich beobachtet werden lernen die Beteiligten relativ rasch, welche Steuerungsaktivitäten erwünschte und welche unerwünschte Ergebnisse nach sich ziehen. Handlungen, die sich als nicht funktional erweisen, werden ausgeschieden und funktionale Steuerungsaktivitäten werden beibehalten und verfeinert. Die Erkenntnisse aus diesem Prozess werden in die organisatorischen und kommunikativen Abläufe der Organisation und damit auch in deren Wissensbestand integriert.

Systemisches Controlling und Organisationsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Art von Controlling unterstützt die Führung nicht nur bei den alltäglichen Steuerungs- und Managementaufgaben, sondern auch dabei, Veränderungen nachhaltig in der Organisation zu implementieren, weil die rapiden Veränderungen in der Umwelt einer Organisation einen permanenten Adaptierungsprozess erfordern.

Werkzeuge des systemischen Controllings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Beteiligungsorientierung dieses Ansatzes sind auch spezielle Methoden erforderlich, durch die die gemeinschaftliche Konstruktion von passenden Bildern erleichtert wird. Beispielhaft wären zu nennen: System-Umwelt-Analyse, Benchmarking, Fokusgruppen, Qualitätszirkel, Diskrepanzanalyse, Wissensbilanz oder Teambarometer. Das Spektrum systemischer Controllingwerkzeuge ist aber natürlich wesentlich breiter.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. Bauer: Einführung in das systemische Controlling. 1. Auflage. Heidelberg 2015, ISBN 978-3-8497-0076-8.
  • U. Jäger: Wertbewusstes Controlling. Weiche und harte Faktoren integrieren. Wiesbaden 2003.
  • U. Jäger: Organisationale Moderation. Eine Theorie zum strategischen Wandel in Nonprofit-Unternehmen. Bern/Stuttgart/Wien 2008.
  • E. Kappler: Entgrenzung – Leitfragen als zentrales Element strategischen Controllings. In: G. Seicht(Hrsg.): Jahrbuch für Controlling und Rechnungswesen. Wien 2000, S. 299–338.
  • E. Kappler: Bild und Realität. Controllingtheorie als kritische Bildtheorie. Ein Ansatz zu einer umfassenden Controllingtheorie, die nicht umklammert. In: E. Scherm u. G. Pietsch (Hrsg.): Controlling. Theorien und Konzeptionen. München 2004, S. 581–610.
  • E. Kappler: Controlling. Eine Einführung für Bildungseinrichtungen und andere Dienstleistungsorganisationen. Münster 2006.
  • F.B. Simon: Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus. 7. Auflage. Heidelberg 2015.
  • F.B. Simon: Einführung in die systemische Organisationstheorie. 4. Auflage. Heidelberg 2013.
  • H. Willke: Systemtheorie I: Grundlagen. Stuttgart 2000.
  • H. Willke: Systemtheorie III: Steuerungstheorie. Stuttgart 2001.