Szamocin

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Szamocin
Wappen von Szamocin
Szamocin (Polen)
Szamocin
Szamocin
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Chodzież
Fläche: 4,67 km²
Geographische Lage: 53° 1′ N, 17° 7′ OKoordinaten: 53° 1′ 0″ N, 17° 7′ 0″ O
Einwohner: 4324
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 64-820
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PCH
Wirtschaft und Verkehr
Straße: WągrowiecZłotów
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 125,46 km²
Einwohner: 7536
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 60 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3001053
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Eugeniusz Kucner
Adresse: pl. Wolności 19
64-820 Szamocin
Webpräsenz: www.szamocin.umig.gov.pl



Szamocin (deutsch Samotschin, 1943–1945 Fritzenstadt) ist eine Stadt in Polen in der Wojewodschaft Großpolen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Samotschin nördlich der Stadt Posen und westlich der Stadt Bromberg auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Die erste urkundliche Erwähnung einer Siedlung an der Stelle des heutigen Szamocin namens Szamoczino stammt von 1364. Im 17. Jahrhundert kamen die Grundherren der Ortschaft aus der Familie Unruh.[2] Stadtrecht als Besitz der Familie Bętkowski erhielt Szamocin 1748 von August III. verliehen. Zwei Jahre später ging die Stadt in den Besitz der Familie Raczyński über.

Bei der Ersten Teilung Polens fiel die Stadt 1773 an Preußen. Vor 1789 befand sich die Stadt im Besitz des Woiwoden von Mielzinski.[3] Im 19. Jahrhundert war ein Bankier Lessing Besitzer der Stadt.[2] Mit der Bildung des Herzogtums Warschau 1807 wurde die Stadt Teil desselben. 1815 wurde das Warschauer Herzogtum aufgelöst und das preußische Großherzogtum Posen gegründet, zu dem Samotschin fortan gehörte.

Im 18. Jahrhundert hatte sich das Weberhandwerk zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor der Stadt entwickelt; bis zu 62 Webereien produzierten in der Stadt. Unter dem Grafen Edward Raczyński war die Stadt im 18. Jahrhundert erweitert worden, und es wurde beispielsweise der zweite Markt, heute plac Wolności, angelegt. Als 1831 eine Dampfmaschine in Betrieb genommen wurde, war es die erste in der Provinz Posen. Ein großer Brand vernichtete 1840 große Teile der Stadt. Dies war auch der Beginn des Niedergangs des Textilgewerbes. Der Anschluss an das Schienennetz der Preußischen Staatsbahn von Kolmar i. Posen nach Gollantsch erfolgte 1908. Samotschin hatte zwei Kirchen und eine Synagoge.[2]

Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Stadt aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1921 an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden. Am 1. September 1939 besetzte die deutsche Wehrmacht die Stadt. Diese wurde anschließend in den Landkreis Kolmar in Posen im Reichsgau Wartheland des Deutschen Reichs eingegliedert.[4] Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte am 22. Januar 1945 die Rote Armee die Stadt. Nach Kriegsende wurde die Stadt der Verwaltung der Volksrepublik Polen unterstellt. Die verbliebenen deutschen Bewohner wurden vertrieben.

Nach einer Verwaltungsreform war die Stadt ab 1975 Teil der neu gebildeten Wojewodschaft Piła. Seit deren Auflösung 1999 ist Szamocin ein Teil der Wojewodschaft Großpolen.

Jährliche Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1783: 652, darunter 101 Polen und 18 Juden, der Rest evangelische Deutsche[3]
  • 1788: 738[2]
  • 1816: 1.121, darunter 827 Evangelische, 196 Katholiken und 98 Juden[2]
  • 1837: 1.814[2]
  • 1861: 2.196[2]
  • 1880: 2.167[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Szamocin unterhält eine Partnerschaft mit der Gemeinde Grasberg in Deutschland.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

die Sankt-Peter-und-Paul-Kirche
Straßenzug mit dem Rathaus im Hintergrund
  • die Stadtpfarrkirche vom Anfang des 20. Jahrhunderts
  • die Sankt-Peter-und-Paul-Kirche (kościół pw. Św. Piotra i Pawła) aus dem 19. Jahrhundert
  • ein Getreidespeicher vom Anfang des 19. Jahrhunderts
  • Tuchmacherhäuser in der Straße Hallera

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen Posen-Ławica ist der nächste internationale Flughafen und liegt etwa 70 Kilometer südlich des Ortes.

In der Stadt kreuzen sich die Wojewodschaftsstraße 190 und 191.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina Szamocin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Szamocin besteht aus folgenden Ortschaften:

Name deutscher Name
(1815–1919)
deutscher Name (1939–1945)
Antoniny Antonienhof Antonienhof
Atanazyn Athanasienhof Athanasienhof
Borówki Borowo Hauland
1906–1919 Waldtal
Waldtal
Borowo Borowo
1906–1919 Waldberg
Waldberg
Heliodorowo Heliodorowo
1904–1919 Helldorf
Helldorf
Jaktorowo Jaktorowo Schönrode
Józefowice Josephsruh Josefsruh
Józefowo Josephowo Josefshof
Kosarzyn Hammermühle Hammermühle
Laskowo Laskowo
1906–1919 Seefeld
Seefeld
Lipa Liepe Netzliepe
Lipia Góra Lindenwerder Lindenwerder
Mielimąka Muchmühle Muchmühle
Nadolnik Kolonie Nadolnik Kolonie Nadolnik
Nałęcza Nalentscha Wiesendorf
Nowy Dwór Neuhof Neuhof
Piłka Sägemühle Sägemühle
Raczyn Ratschin Ratschin
Sokolec Sokolitz Sokolitz
Strzelczyki Strelitz Hauland Strelitzhauland
Swoboda Freirode Freirode
Szamocin Samotschin 1939–1943 Samotschin
1943–1945 Fritzenstadt
Szamoty Freundsthal Freundstal

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 430.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von Westpreußen, Marienwerder 1789, (S. 103, Nr. 11.)
  • Hans Schmidt: Die Geschichte des Deutschtums in Szamocin (Samotschin) und Umgebung. Verlag Historische Gesellschaft für Posen, Posen 1939.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d e f g Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 430.
  3. a b Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von Westpreußen, Marienwerder 1789, (S. 103, Nr. 11.)
  4. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/pos_kolmar.html