Szlichtyngowa

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Szlichtyngowa
Wappen von Szlichtyngowa
Szlichtyngowa (Polen)
Szlichtyngowa
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Wschowski
Fläche: 1,55 km²
Geographische Lage: 51° 43′ N, 16° 15′ OKoordinaten: 51° 43′ 0″ N, 16° 15′ 0″ O
Einwohner: 1266
(31. Dez. 2020)[1]
Postleitzahl: 67-407
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: FWS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: LesznoGłogów
Nächster int. Flughafen: Poznań-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 9 Ortschaften
Fläche: 99,74 km²
Einwohner: 5019
(31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 50 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0812023
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Elżbieta Rahnefeld
Adresse: Rynek 1
67-407 Szlichtyngowa
Webpräsenz: www.szlichtyngowa.pl



Szlichtyngowa [ʃlixtɨŋˈgɔva], deutsch Schlichtingsheim, ist eine Stadt mit 1300 Einwohnern (Stand 30. Juni 2014) im Powiat Wschowski der polnischen Woiwodschaft Lebus.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt auf halber Strecke zwischen Głogów (Glogau) und Leszno (Lissa) und zwei Kilometer nördlich der Mündung der Bartsch (Barycz) in die Oder.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlichtingsheim südwestlich der Stadt Posen und nordöstlich der Stadt Glogau auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung)

Schlichtingsheim war eine Ansiedlung protestantischer Exulanten, die während der Rekatholisierung Schlesiens im Dreißigjährigen Krieg nach Polen geflohen waren. 1,5 Kilometer hinter der Grenze, in Großpolen, gründete der Besitzer des Rittergutes Gurschen (Górczyna), Johann Georg von Schlichting (polnisch Jerzy Szlichtyng), Oberlandrichter des Fraustädter Kreises,[2] mit Erlaubnis des polnischen Königs Władysław IV. Wasa im Jahre 1644 eine Stadt, die seinen Namen erhielt. Der ursprüngliche Name der Siedlung war Schlichtinkowo, jedoch war der deutsche Name genauso gebräuchlich. Schlichting legte die Bürgerrechte fest wie auch die Statuten der Innungen der verschiedenen Handwerke. Die Stadt wurde um einen rechteckigen Marktplatz mit regelmäßigen Straßenzügen angelegt und nahm ursprünglich eine Fläche von 14 Hektar ein. 1653 wurde Schlichtingsheim durch König Johann II. Kasimir das Niederlagsprivileg für Leinen und Leinenprodukte verliehen.

1793 gelangte die Stadt an Preußen, 1806 kam sie zum Herzogtum Warschau und letztlich 1815 wieder an Preußen. Durch Verheiratung einer Freiin von Schlichting kam die Stadt im 18. Jahrhundert in den Besitz eines Herrn Cannabens.[2]

Bis zur Auflösung der Provinz Posen infolge des Versailler Vertrags gehörte die in den Landkreis Fraustadt eingegliederte Kleinstadt dieser Provinz an. In der Folgezeit zur Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen gehörend, gelangte Schlichtingsheim zum 1. Oktober 1938 zur Provinz Schlesien.

Seit 1906 war die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen, die Strecke von Glogau nach Guhrau führte über Schlichtingsheim. Schlichtingsheim war eine Stadt des Handwerks, die klein und beschaulich blieb. Ihre Einwohner waren fast ausschließlich Deutsche. Erst 1927 wurde in Schlichtingsheim ein Rathaus erbaut.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Schlichtingsheim im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt und in Szlichtyngowa umbenannt. Die verbliebenen deutschen Bewohner wurden danach von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1793 748
1800 733 darunter 134 Juden[2]
1803 830 [3]
1816 836 davon 634 Evangelische, 58 Katholiken und 144 Juden;[3]
1818 836 [4]
1821 817 in 131 Privatwohnhäusern[3]
1837 952 neun öffentliche Gebäude und 136 Wohnhäuser (nach anderen Angaben 157 oder gar 230 Häuser)[2]
1843 987 [2]
1861 1017 [2]
1867 1034 am 3. Dezember[5]
1871 1023 darunter 833 Evangelische, 101 Katholiken, sechs sonstige Christen und 33 Juden;[5] nach anderen Angaben 1023 deutsche Einwohner, darunter 880 Evangelische, 80 Katholiken und 50 Juden[6]
1885 922 [7]
1905 748 meist Evangelische[8]
1910 771 am 1. Dezember, davon 643 Evangelische, 123 Katholiken und fünf Juden (eine katholische Person mit polnischer Muttersprache);[9] nach anderen Angaben 773 Einwohner auf 14 ha Fläche[10]
1925 953 [7]
1933 1034 [7]
1939 1037 [7] auf 0,54 km²
Jährliche Anzahl Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg
  • 1961: 1017 (auf 1,47 km²)
  • 1970: 1220
  • 2004: 1348
  • 2005: 1363
  • 2014: 1320

Kirchspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der evangelischen Gemeinde stand bis 1945 die historische Holzkirche zur Verfügung, die noch aus der Zeit der Stadtgründung stammte und von Johann Georg von Schlichting gestiftet worden war,[11] Die evangelischen Pfarrer, die im Zeitraum von 1645 bis ca. 1780 in Schlichtingsheim wirkten, sind namentlich bekannt.[11]

Die zuvor evangelische Kirche wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs enteignet und der katholischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Sie brannte am 14. April 1995 nieder. Ende 2002 war der Aufbau einer neuen Kirche, die sich in ihrer Gestaltung an den Vorgängerbau anlehnt, abgeschlossen.

Gemeinde (Gmina Szlichtyngowa)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Szlichtyngowa umfasst ein Territorium von 100 Quadratkilometern mit 5161 Einwohnern. Dazu gehören folgende Ortschaften (deutsche Namen bis 1945):

  • Dryżyna (Attendorf)
  • Gola (Guhlau)
  • Jędrzychowice (Heyersdorf)
  • Kowalewo (Kabel)
  • Nowe Drzewce (Neu Driebnitz)
  • Stare Drzewce (Alt Driebnitz)
  • Szlichtyngowa (Schlichtingsheim)
  • Wyszanów (Schwusen)
  • Zamysłów (Hinzendorf)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Szlichtyngowa lag ebenso wie der Haltepunkt Dryżyna an der Bahnstrecke Bojanowo–Odrzycko, der Dienstbahnhof Stare Drzewce liegt an der Bahnstrecke Łódź–Forst (Lausitz).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 435–436.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2020. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,72 MB), abgerufen am 12. Juni 2021.
  2. a b c d e f Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 435–436.
  3. a b c Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 368-375, Ziffer 638.
  4. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 4: P–S, Halle 1823, S. 247, Ziffer 1895.
  5. a b Königliches Statistisches Büro: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen, Berlin 1874, S. 102–103, Ziffer 4 (Digitalisat, S. 109-110).
  6. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 145-146, Ziffer 4.
  7. a b c d Michael Rademacher: Landkreis Fraustadt. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  8. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig/Wien 1909, S. 866.
  9. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft IV: Regierungsbezirk Posen, S. 14–15, Ziffer 2.
  10. Meyers Gazetteer – Schlichtingsheim
  11. a b Siegismund Justus Erhardt: Presbyterologie des Evangelischen Schlesiens. Teil III, Band 1: Protestantische Kirchen- und Prediger-Geschichte der Stadt und des Fürstenthums Gros-Glogau. Liegnitz 1783, S. 242–249.