Szlichtyngowa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Szlichtyngowa
Wappen von Szlichtyngowa
Szlichtyngowa (Polen)
Szlichtyngowa
Szlichtyngowa
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Wschowa
Fläche: 1,55 km²
Geographische Lage: 51° 43′ N, 16° 15′ O51.71666666666716.25Koordinaten: 51° 43′ 0″ N, 16° 15′ 0″ O
Einwohner: 1320
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 67-407
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: FWS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: LesznoGłogów
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 9 Ortschaften
Fläche: 99,74 km²
Einwohner: 5108
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0812023
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Elżbieta Rahnefeld
Adresse: Rynek 1
67-407 Szlichtyngowa
Webpräsenz: www.szlichtyngowa.pl



Szlichtyngowa [ʃlixtɨŋˈgɔva] (deutsch Schlichtingsheim) ist eine Stadt mit 1.300 Einwohnern (Stand 30. Juni 2014) im Powiat Wschowski der polnischen Woiwodschaft Lebus.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt auf halber Strecke zwischen Głogów (Glogau) und Leszno (Lissa) und zwei Kilometer nördlich der Mündung der Bartsch (Barycz) in die Oder.

Geschichte[Bearbeiten]

Schlichtingsheim südwestlich der Stadt Posen und nordöstlich der Stadt Glogau auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Schlichtingsheim war eine Ansiedlung protestantischer Exulanten, die während der Rekatholisierung Schlesiens im Dreißigjährigen Krieg nach Polen geflohen waren. 1,5 km hinter der Grenze, in Großpolen, gründete der Besitzer des Rittergutes Gurschen (Gorczyna), Johann Georg von Schlichting (polnisch Jerzy Szlichtyng), Oberlandrichter des Fraustädter Kreises,[2] mit Erlaubnis des polnischen Königs Władysław IV. Wasa im Jahre 1644 eine Stadt, die seinen Namen erhielt. Der ursprüngliche Name der Siedlung war Schlichtinkowo, jedoch war der deutsche Name genauso gebräuchlich. Schlichting legte die Bürgerrechte fest wie auch die Statuten der Innungen der verschiedenen Handwerke. Die Stadt wurde um einen rechteckigen Marktplatz mit regelmäßigen Straßenzügen angelegt und nahm ursprünglich eine Fläche von 14 Hektar ein. 1653 wurde Schlichtingsheim durch König Johann II. Kasimir das Niederlagsprivileg für Leinen und Leinenprodukte verliehen.

1793 gelangte die Stadt an Preußen, 1806 kam sie zum Herzogtum Warschau und letztlich 1815 wieder an Preußen. Durch Verheiratung einer Freiin von Schlichting kam die Stadt im 18. Jahrhundert in den Besitz eines Herrn Cannabens.[2]

Bis zur Auflösung der Provinz Posen infolge des Versailler Vertrags gehörte die in den Landkreis Fraustadt eingegliederte Kleinstadt dieser Provinz an. In der Folgezeit zur Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen gehörend, gelangte Schlichtingsheim zum 1. Oktober 1938 zur Provinz Schlesien.

Seit 1906 war die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen, die Strecke von Glogau nach Guhrau führte über Schlichtingsheim. Schlichtingsheim war eine Stadt des Handwerks, die klein und beschaulich blieb. Ihre Einwohner waren fast ausschließlich Deutsche. Erst 1927 wurde in Schlichtingsheim ein Rathaus erbaut.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Schlichtingsheim im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt und in Szlichtyngowa umbenannt. Die verbliebenen deutschen Bewohner wurden danach von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Jährliche Einwohnerzahlen vor und nach 1945[Bearbeiten]

  • 1793: 748
  • 1800: 773, darunter 134 Juden[2]
  • 1816: 810
  • 1843: 987[2]
  • 1861: 1.102[2]
  • 1905: 748
  • 1925: 953[3]
  • 1939: 1.038 (auf 0,54 km²)
  • 1961: 1.017 (auf 1,47 km²)
  • 1970: 1.220
  • 2004: 1.348
  • 2005: 1.363
  • 2014: 1.320

Kirchspiel[Bearbeiten]

Der evangelischen Gemeinde stand bis 1945 die historische Holzkirche zur Verfügung, die noch aus der Zeit der Stadtgründung stammte und von Johann Georg von Schlichting gestiftet worden war,[4] Die evangelischen Pfarrer, die im Zeitraum von 1645 bis ca. 1780 in Schlichtingsheim wirkten, sind namentlich bekannt.[4]

Die zuvor evangelische Kirche wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs enteignet und der katholischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Sie brannte am 14. April 1995 nieder. Ende 2002 war der Aufbau einer neuen Kirche, die sich in ihrer Gestaltung an den Vorgängerbau anlehnt, abgeschlossen.

Gemeinde (Gmina Szlichtyngowa)[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Szlichtyngowa umfasst ein Territorium von 100 km² mit 5.161 Einwohnern. Dazu gehören folgende Ortschaften (deutsche Namen bis 1945):

  • Dryżyna (Attendorf)
  • Gola (Guhlau)
  • Jędrzychowice (Heyersdorf)
  • Kowalewo (Kabel)
  • Nowe Drzewice (Neu Driebnitz)
  • Stare Drzewice (Alt Driebnitz)
  • Szlichtyngowa (Schlichtingsheim)
  • Wyszanów (Schwusen)
  • Zamysłów (Hinzendorf)

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 435–436.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 8. Dezember 2014.
  2. a b c d e Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 435–436.
  3. http://www.verwaltungsgeschichte.de/fraustadt.html
  4. a b Siegismund Justus Erhardt: Presbyterologie des Evangelischen Schlesiens. Teil III, Band 1: Protestantische Kirchen- und Prediger-Geschichte der Stadt und des Fürstenthums Gros-Glogau. Liegnitz 1783, S. 242–249.