Sztum

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Sztum
Wappen von Sztum
Sztum (Polen)
Sztum
Sztum
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Sztum
Fläche: 4,59 km²
Geographische Lage: 53° 55′ N, 19° 2′ OKoordinaten: 53° 55′ 18″ N, 19° 2′ 1″ O
Einwohner: 10.283
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 82-400
Telefonvorwahl: (+48) 55
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 55: Nowy Dwór Gdański
MalborkKwidzyn
GrudziądzStolno
DW 516: Stacja kolejowa Sztum–
DK 55
DW 517: Sztum–Tropy Sztumskie
Schienenweg: PKP-Strecke 207: ToruńMalbork
PKP-Strecke 9: Warschau–Danzig
Nächster int. Flughafen: Danzig
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 34 Ortschaften
18 Schulzenämter
Fläche: 180,84 km²
Einwohner: 18.723
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 104 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2216053
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Leszek Jan Tabor
Adresse: ul. Mickiewicza 39
82-400 Sztum
Webpräsenz: www.sztum.pl



Sztum (deutsch: Stuhm) ist eine Stadt mit etwa 10.000 Einwohnern in der polnischen Wojewodschaft Pommern und Verwaltungssitz des Powiats Sztum (Stuhmer Kreises).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinstadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen, etwa zehn Kilometer südlich von Marienburg (Malbork) und zwanzig Kilometer nördlich von Marienwerder (Kwidzyn).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt und Burg von Stuhm um 1600
Stuhm südlich der Danziger Bucht, südlich von Marienburg und nördlich von Marienwerder auf einer Landkarte von 1908.
Stadtbild im Jahr 2010
Schloss des Deutschen Ordens nach der Renovierung
Heilige-Anna-Kirche
Ehemalige evangelische Kirche (derzeit als Regionalmuseum genutzt).

Die ersten Anzeichen von Besiedlung datieren zurück bis zur Zeit des Römischen Reiches. Im frühen Mittelalter existierte eine befestigte Siedlung der baltischen Pruzzen.

Als die Ritter des Deutschen Ordens das Prußenland christianisierten, eroberten sie im Jahre 1236 auch diese Siedlung, die im Jahre 1416 das Stadtrecht erhielt.[2] Bis 1466 gehörte Stuhm zum Deutschordensland. 1492 wurde Nicolaus von Zehmen Burggraf von Stuhm und Christburg. Des Weiteren war Achatius von Zehmen Starost auf Stuhm und Christburg, wo er auch wohnte. 1517 wurde er Unterkämmerer der Marienburg, 1531 Kastellan von Danzig und 1546 Woywode der Marienburg. Nachdem der polnische Reichstag Achaz I. v. Z. alle Krongüter aberkannt hatte, stürmten seine Söhne, die Reichsfreiherren Christoph, Achaz II. und Fabian II. im Dezember 1576 die Christburg. Gegen eine Abfindung von 24000 fl., zu zahlen an das Königreich Polen, konnten schließlich die Brüder Christburg behalten.

Von 1467[3] bis 1772 gehörte Stuhm zum autonomen, unter polnischer Schirmherrschaft stehenden Preußen königlichen Anteils. Die Stadt fungierte als Sitz des Stuhmer Landkreises innerhalb des damaligen Landes Marienburg, hier wurden auch regionale Parlamentssitzungen abgehalten. 1635 wurde im Dorf Stuhmsdorf (Sztumska Wieś), etwas südlich von Stuhm gelegen, der Vertrag von Stuhmsdorf zwischen Polen und Schweden geschlossen.

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit Stuhm unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren. 1871 wurde die Stadt mit Preußen Teil des neu gegründeten Deutschen Kaiserreiches.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges sollten die vier rechts der Weichsel gelegenen Kreise Marienburg, Marienwerder, Rosenberg und Stuhm in einer Volksabstimmung im Abstimmungsgebiet Marienwerder über ihre zukünftige Zugehörigkeit entscheiden. In der Abstimmung vom 11. Juli 1920 lehnte die Mehrheit der Einwohner den Anschluss an die 1918 neu gegründete Zweite Polnische Republik ab und votierte für den Verbleib der Stadt beim Deutschen Reich. Der Kreis Stuhm mit 19,7 % (4904 Stimmen) und die Stadt Stuhm mit 26,5 % (749 Stimmen) hatten die höchste Stimmenzahl für einen Anschluss an Polen in der gesamten Abstimmung überhaupt.

Während der Einweihung des Kriegerdenkmals für die Stuhmer Bürger – Deutsche, Polen und Juden – am 16. Juni 1929 flog der ostpreußische Segelflug-Weltrekordler Ferdinand Schulz eine Ehrenrunde über dem Marktplatz und stürzte dabei mit seinem Motorflugzeug ab. Er und sein Begleiter Bruno Kaiser fanden dabei den Tod. Am 14. Juni 1931 besuchte Reichspräsident Paul von Hindenburg die Stadt.

Während der Zeit des Dritten Reichs existierten im Stuhm ein berüchtigtes Gefängnis und die Nationalpolitische Erziehungsanstalt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Stuhmer Synagoge zerstört.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs endete mit dem Zusammenbruch der deutschen Ostfront 1944 das friedliche Leben der Stuhmer. Am 21. und 22. Januar 1945 zogen Flüchtlingsströme durch die Stadt. Teile der Stadtbevölkerung schlossen sich in Richtung Danzig und Marienburg ziehenden Flüchtlingstrecks an. Am 25. Januar wurde Stuhm kampflos von der Roten Armee besetzt. In der Stadt wurde Feuer gelegt, und mehr als die Hälfte der Gebäude wurde zerstört.

Bald darauf wurde Stuhm gemäß den Beschlüssen der Konferenz von Jalta unter polnische Verwaltung gestellt. Zuwandernde Polen und Ukrainer, die zunächst vorwiegend aus Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen und dort polnischstämmigen bzw. ukrainischstämmigen Minderheiten angehört hatten,[4] begannen nun, sich der Behausungen, Anwesen und Einrichtungen der eingesessenen Stadtbewohner zu bemächtigen. Die deutsche Bevölkerung, sofern nicht bereits geflohen, wurde innerhalb der nächsten Jahre von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Die deutsche Stadt Stuhm wurde in Sztum umbenannt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1772 469 [5]
1777 nur 427 [5]
1778 526 in 79 Wohngebäuden[5]
1783 509 in 79 Haushalten, etwa 50 % Lutheraner und 50 % Katholiken,
der Sprache nach etwa 50 % Deutsche and 50 % Polen[6]
1804 918 in 105 Haushalten[5]
1831 956 [7]
1864 1.980 davon 724 Evangelische und 1.148 Katholiken[8]
1875 2.145 [9]
1880 2.210 [9]
1890 2.265 davon 759 Protestanten, 1.405 Katholiken und 85 Juden[9]
1905 2.557 davon 706 Protestanten und 74 Juden[10]
1933 6.147 meistens Katholiken[11]
1939 7.374 [9]
1943 7.099 [12]
2006 9.945

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Sztum liegt an der Bahnstrecke Toruń–Malbork. Die Ortschaften Sztumska Wieś und Gościszewo haben Haltepunkte an selbiger Bahnstrecke, während der Haltepunkt Grzępa nicht mehr bedient wird. Der Ortsteil Gronajny hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Warszawa–Gdańsk.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Sztum gehören die folgenden Ortschaften:

Polnischer Name Deutscher Name (bis 1945)
Barlewice Barlewitz (1938–1945 Wargels)
Barlewiczki Barlewitz Vorwerk
Biała Góra Weißenberg
Brzezi Ostrów Ostrow-Brosze (1938–1945 Brosenhof)
Cygusy Cyguß (1938–1945 Ziegenfuß)
Czernin Hohendorf
Goraj Gorrey
Górki Gurken
Gościszewo Braunswalde (Vgl. Willenberg-Braunswalde-Kultur)
Gronajny Grünhagen
Grzępa Neu Hakenberg
Kępina Antonienhof
Koniecwałd Conradswalde (1938–1945 Konradswalde)
Koślinka Kiesling
Kuliki Karlsthal
Lipka Lindenkrug
Michorowo Michorowo (192?–1945 Micherau)
Nowa Wieś Königlich Neudorf (1930–1945 Neudorf)
Nowiny Neuhof
Parowy Heinen
Parpary Parpahren
Piekło Pieckel (1942–1945 Nogathaupt)
Pietrzwałd Peterswalde
Polaszki Paleschken
Postolin Pestlin
Ramzy Małe Klein Ramsen
Ramzy Wielkie Groß Ramsen
Szpitalna Wieś Hospitalsdorf
Sztum Stuhm
Sztumska Wieś Stuhmsdorf
Sztumskie Pole Stuhmerfelde
Uśnice Usznitz (1912–1945 Usnitz)
Węgry Wengern
Zajezierze Hintersee

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Geburtsjahr geordnet

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sztum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Geschichte des Stuhmer Kreises. Thorn 1868, S. 168–179.
  3. Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Geschichte des Stuhmer Kreises. Thorn 1868, S. 41.
  4. Die betreffenden Gebiete östlich der Curzon-Linie, aus denen die zuwandernden Polen und Ukrainer kamen, waren im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) erobert worden und mussten nach dem Zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige völkischer Minderheiten in diesen Gebieten waren nach Kriegsende von den örtlichen Sowjetkommandanturen vor die Wahl gestellt worden, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder aussiedeln zu müssen.
  5. a b c d Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Geschichte des Stuhmer Kreises. Thorn 1868, S. 178.
  6. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 19.
  7. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 444, Nr. 59.
  8. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868. Ortschaft-Verzeichnis des Regierungsbezirks Marienwerder, S. 202–203, Nr. 139.
  9. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Stuhm (2006).
  10. Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 8, Leipzig und Wien 1907, S. 251.
  11. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 18, Leipzig 1934, S. 289.
  12. Ernst Bahr: Stuhm, in: Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 216–217.