TÜV Nord

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TÜV NORD AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1869
Sitz Hannover, Deutschland
Leitung Dirk Stenkamp (Vorsitzender des Vorstands), Jürgen Himmelsbach (Finanzen), Harald Reutter (Personal)
Mitarbeiter 10.172 (2016; Durchschnitt, umgerechnet auf Vollzeitbeschäftigte)
Umsatz 1.153,6 Mio. Euro (2015; 1.116,6 Mio. Euro 2015)
Branche Technische Dienstleistungen
Website www.tuev-nord.de

Die TÜV Nord AG ist ein international tätiges, unabhängiges Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Hannover. Weitere Unternehmenszentralen befinden sich in Hamburg und Essen. Eine Konzernrepräsentanz befindet sich in Berlin. Die Konzernmarken (TÜV Nord, DMT, Alter Technology, TÜViT) sind unter der Dachmarke TÜV Nord Group vereint. Der TÜV Nord Konzern ist ein privatwirtschaftliches, rechtlich selbständiges Unternehmen. Er hat weder einen Behördenstatus noch ist er mit dem Staat verbunden. Nur bei Führerscheinprüfungen in mehreren Bundesländern übt er staatsentlastende Tätigkeiten aus. Alle anderen Arbeitsgebiete unterliegen dem Wettbewerb mit anderen nationalen und internationalen Prüforganisationen. Die Unternehmen des TÜV Nord Konzerns bieten sowohl gesetzlich geforderte Sicherheits- und Qualitätsdienstleistungen als auch darüber hinaus gehende Sicherheitslösungen für Kunden im In- und Ausland. Ein Viertel des Umsatzes wird außerhalb Deutschlands erzielt.

Die Strategie des Konzerns wird von den Themen Wachstum, Internationalisierung und Innovation bestimmt. Einen besonderen Fokus setzt das Unternehmen in den nächsten Jahren auf Innovation und Digitalisierung. Dazu legt die TÜV Nord einen Schwerpunkt auf die Digitalisierung ihrer Dienstleistungen. Beispiele sind die Sicherheit von Unternehmens- und Verbraucherdaten, der Schutz vor Hackerangriffen, das Internet der Dinge (IoT) und Car-IT. TÜV Nord setzt sich für den souveränen Umgang und sicheren Austausch von Daten im Verein Industrial Data Space e.V. ein. Mit einer eigenen Online Akademie macht das Unternehmen auch Bildungsangebote im Internet. TÜV Nord ist neben dem TÜV Süd und dem TÜV Rheinland eine der drei im Wettbewerb stehenden TÜV-Gruppen in Deutschland.

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen ist eine technische Prüforganisation und agiert in den Geschäftsbereichen Industrie Service, Mobilität, Bildung, Rohstoffe, IT sowie Aerospace. Es beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Mitarbeiter in mehr als 50 Staaten Europas, Asiens, Afrikas und Amerikas.

Arbeitsfelder und Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industrie Service Der größte Geschäftsbereich des Konzerns führt Prüfungen, Zertifizierungen und weitere sicherheits- und qualitätsrelevante Bewertungen in den Arbeitsfeldern Industrie, Energie, Infrastruktur sowie Mensch und Umwelt (Resources4Life) durch. Zu den Arbeitsgebieten gehören auch Umwelttechnologie sowie Arbeitsschutz und Gesundheit.

Das Geschäft umfasst die klassischen Prüfungen von Industrieanlagen, Kraftwerken, Druckbehältern und Aufzügen. Erneuerbare Energien und Bahntechnik gehören ebenso zu stark wachsenden Arbeitsfeldern wie die Nahrungs- und Futtermittelsicherheit. Die Food-Labore im indischen Pune und in Kuala Lumpur wurden 2016 erweitert.

Mobilität Zum Dienstleistungsangebot gehören Fahrzeug- und Führerscheinprüfungen, Fahrzeugbegutachtungen, aber auch die entwicklungsbegleitende Beratung für die Automobil- und Zulieferindustrie oder Consulting- und Vermarktungsdienstleistungen für unterschiedliche Kundengruppen. Außerdem begutachten Ärzte und Psychologen im Medizinisch-Psychologischen Institut des Unternehmens Menschen, die ihren Führerschein verloren haben, um sie so wieder in den Straßenverkehr zu integrieren.

Bildung Im Geschäftsbereich Bildung bieten mehrere Tochtergesellschaften des TÜV Nord berufliche Fort- und Weiterbildungen, Lehrgänge und Umschulungsmaßnahmen an. Die Themen umfassen beispielsweise Technische Sicherheit, Qualität, Unternehmensführung, Logistik, Umweltschutz oder Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Rohstoffe Mit 30 Standorten weltweit ist DMT eine globale Unternehmensgruppe von 14 Ingenieur- und Consultingfirmen in den Märkten Bergbau, Öl & Gas, Infrastruktur & Bauwesen sowie Anlagenbau. Eine Kernkompetenz liegt in der Suche nach Energieträgern oder wertvollen Mineralien im Untergrund. Pro Jahr werden etwa 10.000 Projekte betreut, DMT war bereits in weltweit 150 Ländern tätig.

IT Der Geschäftsbereich widmet sich aktuellen Anforderungen der Informationstechnik (IT). Mit dem TÜViT bietet der TÜV Nord neutrale Prüfdienstleistungen und Zertifizierungen an. Bewertungen von Sicherheits- und Qualitätseigenschaften, Risikoanalyse sowie Prüfen von Funktion und Betrieb für IT-Systeme sind einige Arbeitsfelder. Dazu gehören auch Prüfungen und Zertifizierungen von Hard- und Software.

Aerospace Mit ihrem Tochterunternehmen Alter Technology mit Sitz in Madrid (Spanien) ist die TÜV Nord im Bereich Raumfahrt tätig. Alter Technology bietet qualitätsorientierte Dienstleistungen für Beschaffung, Modifizierung, Prüfung und Zertifizierung von Elektronikkomponenten in der Luft- und Raumfahrtindustrie an. Das Unternehmen ist in den Arbeitsfeldern der Luft- und Raumfahrt, Sicherheit, Transport, Emergency Service, im Gesundheitsbereich, Automotive und vielen weiteren tätig. Alter Technology ist international an vielen großen Raumfahrtprojekten beteiligt und feierte 2016 sein 30-jähriges Bestehen.

Ursprünge der technischen Überwachung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Motor der Industrialisierung in Deutschland im 19. Jahrhundert war die Dampfmaschine, die zu einem wesentlichen Rationalisierungsschub führte. Zur Erzeugung des Dampfes wurden Dampfkessel entwickelt, deren Betriebsdrücke und Dampfleistungen stetig gesteigert wurden, was aber immer wieder zu verheerenden Dampfkesselexplosionen führte. Begründet waren die Unfälle in mangelnden Kenntnissen bezüglich der Auslegung von drucktragenden Bauteilen, nicht standardisierte Werkstoffe, Mängel an Ausrüstungsteilen und auch fehlende Kenntnisse bei dem Betriebspersonal (Kesselwärter).

Zur Gewährleistung eines sicheren Betriebes erfolgte Ende der 1860er Jahre die Gründung regionaler Dampfkessel-Überwachungsvereine als Selbsthilfegemeinschaften der Dampfkesselbetreiber, so 1869 in Altona. Sie sollten Unfälle durch unabhängige Inspektionen vermeiden helfen. Die Zahl der Unfälle ging dadurch stark zurück. Im Laufe der Jahre erhielten diese „Dampfkessel-Überwachungs- und Revisions-Vereine“ (DÜV) weitere Aufgaben vom Staat übertragen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts kam die Prüfung von Elektrotechnik hinzu. Aus den DÜV entstanden so "Technische Überwachungsvereine"(TÜV) als beliehene Unternehmer. In der Bundesrepublik waren die staatsentlastenden Tätigkeiten der TÜV in der Gewerbeordnung festgeschrieben. Der Staat hatte somit hoheitliche Überwachungstätigkeiten auf Vereine übertragen, die dadurch eine Monopolstellung erhielten.

Waren früher viele kleine regionale Vereine tätig, sind es heute wenige große Unternehmen, die durch Fusionen und Zusammenschlüsse entstanden sind. Mittlerweile ist das Monopol der TÜVs durch entsprechende Änderungen in den relevanten Verordnungen (z. B. Betriebssicherheitsverordnung) aufgehoben worden.

Entwicklung des TÜV Nord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 erfolgte der Zusammenschluss von TÜV Norddeutschland, Hamburg und TÜV Nord, Rostock, zum TÜV Nord. Im gleichen Jahr schlossen sich der TÜV Hannover e.V. und TÜV Sachsen-Anhalt e.V. zum TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt e.V. zusammen.

1997 kam es zur Vereinigung des TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt und TÜV Nord zur TÜV Nord Gruppe (blaues Logo, Kreis), die im Jahre 2004 mit dem RWTÜV und dessen Tochtergesellschaft TÜViT zur neuen TÜV Nord Gruppe (blaues Logo) fusionierte.

Aufgrund der verabschiedeten Wachstumsstrategie wurden 2006 neben anderen die koreanische Prüfgesellschaft Inkoc und der belgische Lebensmittelzertifizierer Integra übernommen.

2007 gab es Bestrebungen zu einer Fusion der beiden Konzerne TÜV Süd und TÜV Nord, die Ende August 2007 eingestellt wurden.[1] 2007 wurden neben anderen die Unternehmen DMT (Rohstofferkundung), Verebus (Niederlande: Bahn-Signalwesen, Ingenieurdienstleistungen und technisches Dokumentationswesen) und Delphos Akademie (Security) erworben.

2010 wurde die RAG Bildung GmbH erworben.

2011 wurde die Alter Technology Group (Spanien) erworben.[2] Dem TÜV Nord Bildung GmbH & Co. KG (ehemals RAG Bildung GmbH) droht Insolvenz. 450 Mitarbeiter müssen entlassen werden und den übrigen wurden Gehaltsreduzierungen angekündigt, Standorte werden aufzugeben sein.[3] TÜV Nord weiht in Hannover eine Solartankstelle mit verschiedenen Lademöglichkeiten für Elektromobile ein. Vier Elektrofahrzeuge gehören zur Flotte.[4] Die TÜV Nord Gruppe überspringt 2011 erstmals die Umsatz-Milliardengrenze. Steigerungen wurden vor allem bei Dienstleistungen mit erneuerbaren Energien erzielt.[5]

2012 Harald Reutter rückte in den Vorstand auf, zuständig für Bildung. Er kündigte an, dass TÜV Nord trotz der Streichungen von Bildungsleistungen durch die Bundesregierung weiter auf Bildung und Qualifikation setze.

2013 Der Vorstand der TÜV Nord Gruppe wurde um Dirk Stenkamp erweitert, der die strategische Ausrichtung aller Auslandsgesellschaften sowie die Geschäftsbereiche Industrie Service und IT verantwortet. Einführung der Dachmarke TÜV Nord Group, unter der sich die operativen Marken TÜV Nord, DMT und ALTER TECHNOLOGY präsentieren.[6] In Hannover wird die neue Konzernzentrale eröffnet.[7] IT wird zum eigenen Geschäftsbereich (TÜViT).

2015 Digitalisierung gewinnt weiter an Bedeutung. TÜV Nord prüfte erste Industrie 4.0 -Anwendungen. Der TÜV Nord bezog Stellung in der VW Abgasaffäre.[8]

2016 Engagement im PKW-Gebrauchtwagenmarkt in China: Gründung von TÜV Nord Mobilität Shanghai. Erweiterung der Food-Labore in Pune (Indien) und Indonesien.

2017 Neue Führungsstruktur: Verkleinerung des Vorstands, Führung des operativen Geschäfts durch die Konzerngeschäftsführung.[9]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe: Dekra#Kritik

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: TÜV Nord – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. TÜV Süd und TÜV Nord bleiben eigenständig.
  2. http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/TUeV-Nord-steigt-in-Satellitentechnik-Geschaeft-ein.
  3. http://www.rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/tuev-nord-bildung-bereitet-sozialplan-vor-1.1228971.
  4. http://www.haz.de/Hannover/Aus-den-Stadtteilen/Sued/TUeV-prueft-Bau-einer-Windkraft-Anlage.
  5. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/dank-energiegeschaeft-tuev-nord-knackt-erstmals-die-milliardenmarke/6727290.html.
  6. http://www.markenfaktor.de/2013/04/04/tuv-nord-konzern-mit-neuer-dachmarke/#more-2632.
  7. http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/TUeV-mit-neuer-Zentrale-in-Doehren.
  8. https://www.welt.de/wirtschaft/video149161033/TUEV-erhebt-schwere-Vorwuerfe-gegen-Regierung.html.
  9. https://www.tuev-nord-group.com/de/newsroom/aktuelle-pressemeldungen/details/article/dirk-stenkamp-folgt-guido-rettig-als-vorstandsvorsitzender-des-tuev-nord-konzerns/.

Koordinaten: 52° 20′ 4,2″ N, 9° 46′ 37,6″ O