TÜV Süd

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TÜV Süd AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1866
Sitz München, Deutschland
Leitung Axel Stepken (Vorsitzender), Dirk Eilers, Matthias J. Rapp, Klemens Schmiederer, Karsten Xander[1]
Mitarbeiter 24.000 (2016)[2]
Umsatz 2,2 Mrd. Euro (2016)[2]
Branche technische Prüfung, Zertifizierung u.a.
Website www.tuev-sued.de

Der TÜV Süd (Eigenschreibweise TÜV SÜD) ist ein international tätiges deutsches Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in München. Es ist eine Aktiengesellschaft.

Nach seinen Ursprüngen ist das Unternehmen eine technische Prüforganisation; es bietet mit seinen Schwerpunkten Prüfung und Zertifizierung ein weites Feld von Dienstleistungen an. Zum Jahresende 2012 beschäftigte der TÜV Süd weltweit knapp 19.000 Mitarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von 1,82 Milliarden Euro.[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Münchner Zentrale des TÜV Süd im Winter 2007

Der TÜV Süd ist mit mehr als 800 Standorten in ganz Deutschland, Europa, Amerika und Asien vertreten. Rund 38 Prozent des Umsatzes wird im Ausland erzielt. Zum Leistungsspektrum gehören neben technischen Prüfungen, Beratungen, Gutachten und Tests auch die Bereiche Ausbildung und Zertifizierung. Auch in den klassischen Dienstleistungen – Hauptuntersuchung („Prüfplakette“), Anlagenprüfung, Produkttests oder Gutachten – ist der TÜV Süd tätig.

Die Arbeitsfelder wurden parallel zur Technikentwicklung schrittweise erweitert (unter anderem elektrischer Strom, Kraftfahrzeuge, Fahrerlaubnisse, Kraftwerkstechnik, Brandschutztechnik, Seilbahnen, Bahntechnik, Personenaufzüge, Kernkraftwerke, Umweltschutz, Managementsysteme, Produktsicherheit, Grundstücksbewertung und Bautechnik). Aktuell wichtige Themenfelder sind Elektromobilität, Erneuerbare Energien und Informationssicherheit. Darüber hinaus erfolgte die schrittweise Internationalisierung im europäischen Binnenmarkt und anderen Märkten wie beispielsweise die Türkei oder Korea.

Eigenständigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TÜV Süd ist ein eigenständig agierendes Unternehmen - daneben gibt es in Deutschland den TÜV Rheinland und den TÜV Nord als weitere national wie international konkurrierende TÜV-Gesellschaften. Die Eigenständigkeit dieser Unternehmen ist weiten Teilen der Bevölkerung und vielen Kunden der Unternehmen nicht bewusst. „Der TÜV“ wird vielfach als ein Unternehmen mit regionalen Erscheinungsbildern wahrgenommen.

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TÜV Süd ist eine Aktiengesellschaft. 74,9 Prozent der Aktien gehören dem eingetragen Verein TÜV Süd, der ca. 13.500 Mitglieder hat; die übrigen 25,1 Prozent gehören der TÜV Süd-Stiftung[4]. Beide Organisationen haben ihre Aktienrechte an der TÜV Süd AG an den unabhängigen TÜV Süd Gesellschafterausschuss GbR mit Sitz in München übertragen. Mitglieder des Vereins TÜV Süd sind unter anderem die Energiekonzerne E.ON, Vattenfall und EnBW. Das Unternehmen ist Mitglied im Verband der Technischen Überwachungs-Vereine.

Firmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dampfkesselexplosion 1881. Lithographie des Bayerischen Dampfkessel-Revisionsvereins
Großwasserraumkessel, die vom TÜV Süd betreut werden.

2003 wurde TÜV Hanse gegründet; Mehrheitsgesellschafter ist die TÜV Auto Service. 2004 eröffnete TÜV Süd Life Service die Region Nord.

Das Jahr 2005 brachte die Gründung von TÜV Süd Chemie Service, im gleichen Jahr übernahm der TÜV Süd 75 Prozent der Anteile der LSG-Hygiene Institute und der LSG-ELAB von der Lufthansa Service Gesellschaft (LSG Sky Chefs). 2006 wurde die PSB-Unternehmensgruppe in Singapur erworben, zudem in den USA die Prüfdienstleister EST Testing Solutions aus Michigan und Petrochem Inspection Services aus Texas.

Am 15. Dezember 2006 scheiterte die geplante Übernahme des als „Schiffs-TÜV“ bekannten viertgrößten Klassifizierers Germanischer Lloyd (GL). Dieser Kauf sollte das TÜV-Portfolio um ein neues Geschäftsfeld ergänzen.[5]

Zu Beginn des Jahres 2007 gab es Bestrebungen zu einer Fusion der beiden Konzerne TÜV Süd und TÜV Nord.[6] Zur Diskussion stand der gemeinsame Name „TÜV Europe“. Nachdem Zeitungsberichte die Fusion bereits bestätigt und für September 2007 angekündigt hatten, teilten am 27. August 2007 die beiden Unternehmen mit, weiterhin eigenständig bleiben zu wollen.[7]

Im August 2007 erhielt TÜVturk, ein Gemeinschaftsunternehmen des TÜV Süd mit den türkischen Partnern Dogus und Akfen, grünes Licht für den Aufbau der flächendeckenden Fahrzeugüberwachung in der Türkei[8][9][10]. Der TÜV Süd führt in der Türkei in Etappen die Überprüfung von Fahrzeugen ein. 2011 überprüfte der TÜV Süd mehr Fahrzeuge in der Türkei als in Deutschland.

Im Februar 2008 bestätigten TÜV Süd und TÜV Rheinland, miteinander fusionieren zu wollen.[11][12] TÜV Süd und TÜV Rheinland wären zusammen der zweitgrößte Prüfkonzern der Welt hinter der börsennotierten schweizerischen Société Générale de Surveillance. Ende August 2008 haben beide Unternehmen den Antrag auf Genehmigung beim Bundeskartellamt zurückgezogen, da dieses signalisiert hatte, der Fusion in der geplanten Form nicht zuzustimmen. Im Dezember 2008 wurden die Fusionspläne endgültig aufgegeben.

Mitte 2010 wurde das Geschäftsfeld Mensch aufgelöst. Die diesem Geschäftsfeld untergeordneten Bereiche Management Service, Product Service und Akademie bilden seit 2010 das neue Geschäftsfeld Zertifizierung. Die TÜV Süd Life Service mit dem Bereich Mensch und Technik (Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie) sowie MPU (medizinisch psychologische Untersuchung nach Führerscheinverlust) gehört seit 2012 zum Geschäftsfeld Mobilität. Das dritte große Geschäftsfeld des Unternehmens umfasst Dienstleistungen für die Industrie.

2006 kaufte der TÜV Süd das britische Unternehmen „Nuclear Technology“ und am 29. Oktober 2009 das koreanische Kerntechnikunternehmen GNEC.[13]

Der TÜV Süd übernahm 2011 zehn internationale Unternehmen, u. a. Firmen mit Sitz in Japan, Südafrika, Kanada, Großbritannien, Italien und Deutschland. 2012 wurden Unternehmen in Brasilien (Lebensmittelsicherheit), Südafrika (Aufzugprüfung) und Großbritannien (Windenergie) hinzugekauft.

Marke, Logo, Image[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TÜV Süd profitiert vom sehr hohen Bekanntheitsgrad der Marke TÜV. Das Konzern-Logo („Oktagon“) stellt eine abgewandelte achteckige Prüfplakette dar.

Logo

Im Jahr 2005 wurde ein dreidimensionales Logo neu eingeführt. Der neue Unternehmens-Wahlspruch „Mehr Sicherheit. Mehr Wert.“ (auf englisch „Choose Certainty. Add Value.“) wurde im Rahmen einer „Mehrwert-Kampagne“ öffentlich bekannt gemacht.

Beim 40. internationalen Film- and Video-Festival in Hollywood gewann der TÜV Süd mit seinem Imagefilm „Was sind das eigentlich für Menschen?“[14] den „Gold Camera Award 2007“. In der Kategorie „Public Relations: Corporate Image“ wurde der erste Platz von mehr als 1.200 Bewerbern aus 24 Ländern erreicht. Der Geschäftsbericht 2010 des Unternehmens wurde mit einem red dot design award ausgezeichnet.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Bericht des Fernsehmagazins Kontraste[15] wurde 2010 kritisiert, dass Vertreter des TÜV Süd zu starken Einfluss auf die Atomaufsicht des Landes Baden-Württemberg bei der Kontrolle von Atomkraftwerken ausüben. Konkret wurde in einem Interview mit Oskar Grözinger von der Landesatomaufsicht nach Kontrollprozeduren des Kernkraftwerks Philippsburg gefragt. Als der Reporter nachfragte, wurde das Interview durch zwei beim Interview anwesende TÜV-Mitarbeiter abrupt beendet.[16]

Laut dem kontraste-Bericht erzielte der TÜV Süd damals durch Sicherheitskontrollen in Atomkraftwerken jährlich einen dreistelligen Millionenumsatz. Bei der Abwägung einer potentiellen Abschaltung von Atomkraftwerken wegen Sicherheitsbedenken bestehe offenbar ein Interessenkonflikt. Im Jahr 2008 erstellte eine Arbeitsgruppe des Bundesumweltministeriums (damals geleitet von Jürgen Trittin) ein Gutachten zur Überwachung von Atomkraftwerken und kam zu dem Ergebnis, dass eine zu große Betreibernähe des TÜV Süd die Qualität und Unabhängigkeit der Begutachtung von Atomkraftwerken beeinträchtigte.[17] Nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe von Fukushima beschloss das Kabinett Merkel II neue Maßnahmen zum Atomausstieg; die sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke sofort stillzulegen. Alle vier im 'kontraste'-Bericht kritisierten Kernreaktoren der Baulinie 69, darunter Philippsburg 1 und Isar I wurden per Atom-Moratorium sofort heruntergefahren und bald darauf endgültig stillgelegt.

Am 5. März 2013 kritisierte das ZDF-Magazin Frontal21, im Zuge des mutmaßlichen Betrugs der S&K-Gruppe seien überhöhte Wertgutachten für Immobilien der S&K-Unternehmensgruppe ausgestellt worden.[18] Der TÜV Süd behauptete, diese Gutachten seien nur intern gewesen und hätten nicht in Kundengesprächen der S&K-Gruppe verwendet werden dürfen.

Die ARD-Sendung Monitor berichtete[19] am 6. Juni 2013 über zu laxe Kontrollen des TÜV Süd in Textilfabriken in Bangladesch. Dort sollen soziale Standards und Arbeitsbedingungen über das BSCI-Siegel der lokalen Fabrikarbeiter überwacht werden. Der TÜV Süd wies darauf hin, dass die erwähnten Prüfberichte in der Reportage aus dem Jahr 2010 und veraltet seien.

2012 und 2013 wurde in Südkorea entdeckt, dass in Atomkraftwerken verwendete Teile gefälschte Sicherheitszertifikate aus der Zeit vor 2010 besaßen.[20] Als Hauptverantwortliche der Fälschungen wurde die Firma Kocen genannt, die nach 2010 von TÜV SÜD übernommen worden war. Die Firma, die daraufhin als externer Prüfer beauftragt wurde, gehört ebenfalls zur TÜV SÜD-Gruppe.[21]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.tuev-sued.de TÜV SÜD AG - Vorstand. Aufgerufen am 24. August 2015.
  2. a b Geschäftsbericht 2016, abgerufen am 13. April 2016
  3. Profil, Fakten & Zahlen, abgerufen am 18. Juli 2012
  4. Satzung, Stand 10. Dezember 2009 (PDF-Datei; 101 kB)
  5. Schiffs-TÜV - Eklat beim Aktionärstreffen
  6. TÜV Süd und TÜV Nord verhandeln über Zusammenschluss
  7. Fusion von TÜV Süd und TÜV Nord geplatzt (tagesschau.de-Archiv)
  8. TÜVTurk eröffnet erste Prüfstelle in der Türkei, lifepr.de, abgerufen am 23. August 2013
  9. handelsblatt.de: Grünes Licht für den türkischen TÜV Der TÜV Süd übernimmt exklusiv die Kraftfahrzeugkontrolle in der Türkei, abgerufen am 23. August 2013
  10. sueddeutsche.de: Auf die sanfte Tour, abgerufen am 23. August 2013
  11. Pressemitteilung des TÜV Rheinland vom 13. Februar 2008
  12. TÜV-Großfusion killt keine Jobs (Memento vom 11. Februar 2013 im Webarchiv archive.is) FTD, 13. Februar 2008
  13. TÜV Süd-Pressemitteilung zur Übernahme
  14. TÜV Süd-Imagefilm, abgerufen am 22. Juli 2012
  15. Chris Humbs, Manka Heise und Iris Marx: Atomkraft – Laufzeitverlängerung trotz Sicherheitsdefiziten. ARD/RBB-Sendung „Kontraste“, 15. Juli 2010, abgerufen am 23. August 2013.
  16. ab Minute 4:20
  17. Arbeitsgruppe RS I 3 (Dokument 13802/1): Ungleichgewicht zwischen Behörde und Sachverständigenorganisationen bei der Überwachung von Atomkraftwerken
  18. Verdacht auf Anlagebetrug – Tausende Kleinanleger bangen um ihr Geld, Frontal 21, Sendung vom 5. März 2013
  19. Monitor-Bericht auf wdr.de, abgerufen am 23. August 2013
  20. siehe auch en:South Korean nuclear scandal
  21. Bericht in The Hankyoreh, einer unabhängigen Südkoreanischen Zeitung, abgerufen am 10. Oktober 2014

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Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: TÜV Süd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien