Tätowierfarbe

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Verschiedene Tätowierfarben

Eine Tätowierfarbe ist eine Spezialtinte für die künstliche Pigmentierung der Haut. Meist werden von Tätowierern vorgemischte Farben verwendet, seltener eigene Mischungen und in der Regel mittels einer Tätowiermaschine in die Haut eingebracht.

Zusammensetzung und Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tätowierfarben bestehen vom Volumen her etwa zur Hälfte aus Pigmenten, zur anderen Hälfte aus Lösungsmittel oder Dispergiermittel (zumeist Wasser oder Alkohol, Propylenglykol, aber auch Öle und Glycerin) sowie Verdickungs- und Konservierungsmittel. Die Pigmente basieren auf organischen oder anorganischen Stoffen. Zu den gesundheitlich problematischen Stoffen werden Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Schwermetalle gerechnet. Heute ersetzen oftmals Azopigmente die Metallverbindungen.

Zu den Schwermetallen, die für Farben verwendet werden, gehören Quecksilber (rot), Blei (gelb, grün, weiß), Cadmium (rot, orange, gelb), Nickel (schwarz), Zink (gelb, weiß), Chrom (grün), Kobalt (blau), Aluminium (grün, violett), Titan (weiß), Kupfer (blau, grün), Eisen (braun, rot, schwarz) und Barium (weiß). Zu den verwendeten Metalloxiden gehören Berliner Blau und Kaliumhexacyanidoferrat(III) (Ferricyanid; gelb, rot, grün, blau). Zu den verwendeten organischen Chemikalien gehören Azofarbstoffe (orange, braun, gelb, grün, violett) und auf Naphtha basierende Farben (rot). Auch Kohlenstoff (Ruß oder Asche) wird für Schwarz verwendet. Seltener finden Pigmente auf Basis von Antimon, Arsen, Beryllium, Calcium, Lithium, Selen und Schwefel Verwendung.[1][2] Einige Hersteller verwenden Aufheller wie Blei oder Titan, um die Produktionskosten ihrer Tätowiertinten zu senken.[2] Es ist bekannt, dass mit Metallallergenen verunreinigte Tätowiertinten schwere Reaktionen hervorrufen, die manchmal erst Jahre später auftreten, wenn die Originaltinten nicht mehr für Tests zur Verfügung stehen.[3]

Pro cm² Haut werden ein bis zwei Milligramm Pigmente eingebracht.[4]

Neben herkömmlichen Tätowierfarben bieten Hersteller auch vegane Tätowierfarben, -zubehör und Pflegeprodukte an, bei deren Herstellung keine Produkte tierischen Ursprungs oder Tierversuche zum Einsatz kommen.[5]

Medizinische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tätowierfarben können die Gesundheit gefährden (unter anderem Infektionen, Allergien, mutagene Wirkung).[6][7] Ferner entstehen bei der Laserentfernung Spaltprodukte, von denen die Langzeitwirkung noch nicht genau bekannt ist; vermutet wird, dass sich ein Teil der gespaltenen Farbpigmente in Leber, Milz und Lymphknoten anreichert.[8]

Regulierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Europäische Union plante 2020 wegen gesundheitlicher Risiken ein Verbot der Pigmente „Blau 15:3“ und „Grün 7“ für Tätowierfarben, da deren Dokumentation nicht den Anforderungen der EU-Chemikalienverordnung REACH genüge.[9] Schließlich wurde aufgrund noch fehlender sicherer Alternativen eine Übergangsfrist von 24 Monaten bis zum 4. Januar 2023 gewährt.[10]

Zu den gesetzlichen Vorgaben für die Herstellung von Tätowierfarben zählen:

Situation in den Vereinigten Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten unterliegen Tätowiertinten als Kosmetika und Farbzusätze der Regulierung durch die Food and Drug Administration (FDA). Diese Regelungsbefugnis wird jedoch nicht allgemein ausgeübt.[16] Die FDA und praktische Mediziner haben 2009 lediglich festgestellt, dass viele der in Tätowierungen verwendeten Pigmente „… für Farben in Industriestärke für Druckertinte oder Autolacke geeignet sind“.[16][17]

Im US-Bundesstaat Kalifornien schreibt der Volksentscheid California Proposition 65 vor, dass Kalifornier vor dem Kontakt mit bestimmten schädlichen Chemikalien gewarnt werden müssen. Daher müssen Tätowierstudios in diesem Bundesstaat ihre Kunden warnen, dass Tätowiertinten Schwermetalle enthalten, die bekanntermaßen Krebs, Geburtsfehler und andere Fortpflanzungsschäden verursachen.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tätowierfarben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Victoria McGovern: Metal Toxicity: Tattoos: Safe Symbols? In: Environmental Health Perspectives. Nr. 113,9, 2005, S. A590, PMC 1280436 (freier Volltext) – (englisch).
  2. a b Kelvin Weng Chun: In situ chemical analysis of tattooing inks and pigments: modern organic and traditional pigments in ancient mummified remains. University of Western Australia, 2008 (englisch, edu.au [abgerufen am 17. Januar 2022] Diplomarbeit).
  3. Franziska Riede, Marina Aparicio-Soto, Caterina Curato, Hermann-Josef Thierse, Katherina Siewert, Andreas Luch1: Immunological Mechanisms of Metal Allergies and the Nickel-Specific TCR-pMHC Interface. In: International journal of environmental research and public health. 18(20) Datum=2021, doi:10.3390/ijerph182010867 (englisch).
  4. Ilka Lehnen-Beyel: Bunt fürs Leben. 7. Dezember 2011
  5. Körperschmuck ohne Tierversuche: Vegane Tattoos. In: Shots Magazin. 30. März 2019, abgerufen am 18. Januar 2022.
  6. Reinhold Gassner: Die Gefahren der Tätowierfarbe für die Gesundheit. 2013
  7. Lang bekanntes Gesundheitsrisiko durch Tattoos: Quecksilber, Schwermetalle und Gifte, die sich im Körper ablagern. 2015 (mit Literaturhinweisen)
  8. Der Abschied vom "Arschgeweih" kann teuer werden. In: Die Welt, 13. November 2010
  9. EU-Kommission prüft Verbot – Mögliches Aus für die Tätowierfarben Blau 15 und Grün 7. Abgerufen am 13. Mai 2021 (deutsch).
  10. Verordnung (EU) 2020/2081 der Kommission vom 14. Dezember 2020 zur Änderung des Anhangs XVII der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) betreffend Stoffe in Tätowierfarben oder Permanent-Make-up
  11. Resolution ResAP(2003)2 on tattoos and permanent make-up vom 19. Juni 2003
  12. Resolution ResAP(2008)1 on requirements and criteria for the safety of tattoos and permanent make-up vom 20. Februar 2008
  13. Tätowiermittel-Verordnung vom 13. November 2008
  14. Verordnung über Gegenstände für den Humankontakt vom 23. November 2005
  15. Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über Ausübungsregeln für das Piercen und Tätowieren durch Kosmetik(Schönheitspflege)-Gewerbetreibende vom 14. Februar 2003
  16. a b Think Before You Ink: Are Tattoos Safe? (Nicht mehr online verfügbar.) In: FDA.gov. U.S. Food and Drug Administration, archiviert vom Original am 7. Juni 2009; abgerufen am 18. Januar 2022 (englisch).
  17. Eva Engel, Francesco Santarelli, Rudolf Vasold, Tim Maisch, Heidi Ulrich, Lukas Prantl, Burkhard König, Michael Landthaler, Wolfgang Bäumler: Modern tattoos cause high concentrations of hazardous pigments in skin. In: Contact Dermatitis. Nr. 58.4, 2008, S. 228–233, doi:10.1111/j.1600-0536.2007.01301.x, PMID 18353031 (englisch).