Tétouan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tétouan
تطوان
ⵜⵉⵟⵟⴰⵡⵉⵏ
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Tétouanتطوانⵜⵉⵟⵟⴰⵡⵉⵏ (Marokko)
Tétouanتطوانⵜⵉⵟⵟⴰⵡⵉⵏ
Tétouan
تطوان
ⵜⵉⵟⵟⴰⵡⵉⵏ
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Tanger-Tétouan
Provinz: Tétouan (Provinz)
Koordinaten 35° 34′ N, 5° 22′ W35.572222222222-5.370833333333390Koordinaten: 35° 34′ N, 5° 22′ W
Einwohner: 320.539 (2004[1])
Höhe: 90 m
Stadtansicht
Fassade des Königlichen Palasts (Palais royal)
Nuestra Señora de la Victoria
Gasse in der Medina
Gerberviertel von Tétouan

Tétouan (arabisch ‏تطوان‎, DMG Tiṭwān, tamazight ⵜⵉⵟⵟⴰⵡⵉⵏ Tiṭṭawin, spanisch Tetuán) ist eine Stadt unweit der Mittelmeerküste Marokkos mit etwa 350.000 Einwohnern. Seit 1999 ist sie – wegen ihres gemäßigten Klimas – Sommerresidenz von König Mohammed VI.

Der berberische Name der Stadt bedeutet wörtlich „Augen“. Sie hat auch den poetischen Beinamen „Die weiße Taube“ (französisch La Colombe blanche).[2]

Lage[Bearbeiten]

Das für marokkanische Verhältnisse regenreiche Tétouan liegt in den nördlichen Ausläufern des Rifgebirges etwa 90 m ü. d. M. auf einem Plateau, das zum Jbel Dersa. Die Stadt ist nur etwa 10 Kilometer (Luftlinie) von der Mittelmeerküste entfernt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Rif-Berbern und Arabern, doch haben sich die Kulturen weitgehend vermischt. Gesprochen wird Marokkanisches Arabisch und Tarifit.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Einwohner der Stadt leben hauptsächlich von Handwerk, Handel und Tourismus. Daneben spielen die Fischverarbeitung und das Pulen von Nordseekrabben eine wichtige Rolle. Weitere Einnahmequellen bieten die dort angesiedelte Textil-, Zigaretten- und Elektroindustrie.

Geschichte[Bearbeiten]

Anders als bei anderen Städten an der Mittelmeerküste sind für Tetouan keinerlei Zeugnisse aus phönizischer Zeit belegt. Die Römer gründeten in der Nähe der heutigen Stadt eine Militärsiedlung mit Namen Oppidum Tamuda. Im 14. Jahrhundert war Tétouan als Seeräubernest gefürchtet und wurde deshalb wiederholt von kastilischen Schiffen angegriffen. Nach der Eroberung Granadas (1492) und nochmals zu Beginn des 17. Jahrhunderts siedelten sich maurische und jüdische Flüchtlinge aus Andalusien an, was einen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt zur Folge hatte.

Im Rahmen des Spanisch-Marokkanischen Krieges fanden bei Tétouan mehrere kleine, jedoch sehr blutige Gefechte zwischen Spaniern und Marokkanern statt, nach denen die Spanier am 4. Februar 1860 die Stadt besetzten. Nach einer am 23. März westlich von Tétouan erlittenen entscheidenden Niederlage baten die Marokkaner um Waffenstillstand.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts – nach dem Verlust seiner überseeischen Kolonien – engagierte sich Spanien zunehmend im Norden Marokkos und im Jahr 1913 wurde Tétouan Residenzstadt des spanischen Hochkommissars in Marokko. In Spanisch-Marokko begann am 17. Juli 1936 der Staatsstreich des Militärs zum Sturz der spanischen Regierung, wobei die Militärs in Tétouan loyal zur spanischen Regierung standen. Nach der Einnahme Tétouans und der Luftwaffenbasis Sania Ramel liquidierten die Putschisten den Hochkommissar von Spanisch-Marokko und den Major Ricardo de la Puente Bahamonde mit weiteren 189 Republikanern.[3] Während des spanischen Bürgerkriegs wurde Tétouan von Flugzeugen der republikanischen Seite bombardiert. Im Jahre 1956 gab Franco dem internationalen Druck nach und stimmte der Unabhängigkeit Marokkos zu.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hauptattraktion von Tétouan ist die weitläufige, zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Medina mit ihrem engen Nebeneinander von Wohnen, Handwerk und Handel.[4] Das sehenswerte Archäologische Museum (Musée d’archuéologie) zeigt vorgeschichtliche Funde sowie eine schöne Sammlung römischer Mosaike, Münzen und Keramiken; im Gartenbereich findet sich eine große Anzahl von Grabsteinen – libysch-berberische, römische, islamische, jüdische und portugiesische in friedlichem Nebeneinander. Ein weiteres Museum (Musée d'ethnographie) befindet sich am entgegengesetzten Ende der Medina in der Nähe des Gerberviertels. Auch die Bauten aus der spanischen Kolonialzeit – insbesondere die im neomaurischen Stil erbaute Pfarrkirche Nuestra Señora de la Victoria an der Place Moulay el Mehdi – sind sehenswert.

Umgebung

Die Ruinen des etwa fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegenden römischen Oppidum Tamuda, einer Militärsiedlung mit quadratischem Grundriss, lohnen einen kurzen Besuch.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam – Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2012, S. 138f, ISBN 978-3-7701-3935-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tetouan – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsstatistik Marokko
  2. Verwendung des Beinamens La Colombe blanche: Beispiel 1, Beispiel 2
  3. Antony Beevor, Der Spanische Bürgerkrieg, 2. Auflage, ISBN 978-3-442-15492-0, Seite 82.
  4. Eintrag in der Welterbeliste der UNESCO auf Englisch und auf Französisch