Törwang

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Törwang am Samerberg, im Hintergrund von links nach rechts: Riesenberg 1444 m, Hochries 1569 m, Karkopf 1497 m und Feichteck 1514 m

Törwang ist ein Gemeindeteil von Samerberg im Landkreis Rosenheim, Regierungsbezirk Oberbayern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindeteile von Samerberg liegen östlich des Inns räumlich verstreut auf einem etwa sieben Kilometer langen hügeligen Hochplateau in ca. 600 bis 750 m Höhe ü. NN zwischen Nußdorf im Inntal im Südwesten und Frasdorf an der Autobahn A 8 MünchenSalzburg im Nordosten. Das Pfarrdorf Törwang befindet sich am nordwestlichen Rand des Wohngebiets Samerberg am Hang des Steinbergs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Törwang steht das Rathaus von Samerberg
Ortsmitte von Törwang mit dem Gasthaus und Hotel Zur Post (links im Bild)
Östlicher Dorfeingang, mit dem Mangfallgebirge am Horizont (links im Bild)

Während zahlreiche Kirchdörfer des Chiemgaus seit 788 urkundlich nachweisbar sind – darunter auch der zu Samerberg gehörige Weiler Roßholzen –, ist über die frühe Geschichte Törwangs wenig bekannt. Der Ursprung des Dorfnamens ist ungeklärt.[1] Im Jahr 1824 hatte das Dorf elf Wohngebäude und 60 Einwohner.[2] Es war von der Pfarrei Rohrdorf aus seelsorgerisch betreut worden, bis um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein eigener Pfarrer als Vikar bestellt wurde. Seit 1820 sorgte die Stiftung einer alten Wirtin für den Unterhalt des Hilfspfarrers.[1]

Dagegen wird der Weiler Weickersing, der früher zur Gemeinde Törwang gehörte und im 12. Jahrhundert Wohnsitz einer Ministerialen-Familie gewesen war, seit 1120 unter Namen wie Wihecozzingen, Wihegozzingen, Wicozzingen und Wiegozingen häufig in Urkunden erwähnt.[1] In einer lateinischen Schenkungsurkunde der Propstei Berchtesgaden aus dem 12. Jahrhundert heißt Weickersing Wihcozinge.[3]

Im Jahr 1969 wurde in Grainbach, Roßholzen, Steinkirchen und Törwang eine Volksbefragung durchgeführt, um darüber zu entscheiden, ob die vier bis dahin eigenständigen Gemeinden zu einer einzigen Gemeinde mit Verwaltungssitz in Törwang vereinigt werden sollten. Es entschieden sich 88 % der Wähler für dieses Vorhaben, und am 1. Januar 1970 wurde die neue Gemeinde Samerberg durch die Zusammenlegung von Grainbach, Roßholzen, Steinkirchen und Törwang gebildet.[4] Seither ist Törwang Gemeindeteil und Verwaltungssitz von Samerberg.

Vor der Zusammenlegung gehörten zu Törwang folgende Wohnplätze:

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl bis zur Zusammenlegung mit Grainbach, Roßholzen und Steinkirchen
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1824 60 in elf Häusern[2], gezählt im Verwaltungsjahr 1823/24 des Isarkreises[5]
1840 361 [6]
1861 307 [6]
1871 326 am 1. Dezember 1871, in 68 Wohngebäuden, 325 Katholiken, ein Protestant[7]
1880 329 [6]
1900 283 [6]
1905 319 [6]
1910 346 am 1. Dezember[6][8][9]
1919 381 [6]
1925 412 [6]
1933 405 [10]
1939 424 [10]
1946 736 [6] Aufnahme von Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg
1950 709 [6]
1952 618 [6]
1970

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Mariä Himmelfahrt
Aussichtskapelle in Obereck bei Törwang; im Hintergrund links der Simssee, rechts der Chiemsee

Törwang liegt an einer Landstraße, die von Achenmühle über Roßholzen weiter ins Inntal führt. Das Dorf hat eine Haltestelle der DB-Omnibuslinie 9493 Roßholzen–Törwang–LauterbachRosenheim. Die Autobahn A8 München-Salzburg kann in Achenmühle erreicht werden, die Autobahn Rosenheim-Innsbruck über Roßholzen und Nußdorf am Inn in Brannenburg.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorfkirche Mariä Himmelfahrt, spätgotischer Bau mit Spitzhelm
  • Aussichtskapelle am Obereck, ihre überhöhte Position gestattet einen Rundblick über Chiemsee, Simssee und die benachbarte Umgebung des Voralpenlandes.

Persönlichkeiten mit Bezug zum Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Hermann Müller-Samerberg (1869–1946), Landschaftsmaler, lebte ab 1909 in Törwang und wirkte hier
  • Josef Dürnegger (1869–1952), oberbayerischer Heimatforscher, 1901 bis 1952 Pfarrer in Törwang
  • Bernhard Zoeppritz (1878–1974), Professor für Gynäkologie in Göttingen und Düsseldorf, ab 1943 Frauenarzt in Törwang
  • Ernst Forsthoff (1902–1974), Staatsrechtler, hatte in Törwang ein Feriendomizil[11]
  • Christian Doermer (1935–2022), deutscher Schauspieler und Filmemacher, lebte in Törwang

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sebastian Dachauer: Chronik von Brannenburg und den nächsten Orten der Umgebung (Fortsetzung). In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte (Historischer Verein von Oberbayern, Hrsg.), Band 4, München 1843, 9. Abschnitt: Beiträge zur Chronik des Pfarrbezirkes Rordorf, S. 244–270, insbesondere S. 254–260 (online).
  • Törwang, Bezirksamt Rosenheim, Oberbayern, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Törwang).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Törwang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Sebastian Dachauer: Chronik von Brannenburg und den nächsten Orten der Umgebung. 9. Abschnitt: Beiträge zur Chronik des Pfarrbezirks Rordorf. In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte (Historischen Verein von Oberbayern, Hrsg.), Band 4, München 1843, S. 244–270, insbesondere S. 254–260 (online).
  2. a b Adolph von Schaden: Alphabetisches Verzeichniß sämmtlicher im Isarkreise gelegenen Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Einöden usw. (Als Anhang zu dem topographisch=statistischen Handbuche für den Isarkreis des Königreichs Baiern, Digitalisat), München 1825, S. 496 (online)
  3. Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte (Historische Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, herausgegeben auf Befehl von Maximilian II., Band 1, München 1856, S. 330 (online)).
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 561 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Adolph von Schaden: Topographisch=Statistisches Handbuch für den Isarkreis des Königreichs Baiern, gedruckt und verlegt auf Kosten der Königl. Regierung des Isarkreises, München 1825, S. 6 (online).
  6. a b c d e f g h i j k Historisches Gemeindeverzeichnis – Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952, Heft 192 der Beiträge zur Statistik Bayerns, herausgegeben vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1953, S. 40 (online, MDZ).
  7. Königl. bayerisches Statistisches Bureau: Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern - mit einem alpabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875, München 1877, Sp. 255 (online).
  8. Törwang, Bezirksamt Rosenheim, Oberbayern, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Törwang).
  9. Bezirksamt Rosenheim – gemeindeverzeichnis.de (U. Schubert, 2021)
  10. a b M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt und Landkreis Rosenheim (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)
  11. Briefwechsel Ernst ForsthoffCarl Schmitt (1926–1974). Herausgegeben von Angela Reinthal, Reinhard Mußgnug und Dorothee Mußgnug, unter Mitarbeit von Gerd Giesler und Jürgen Tröger. Akademie, Berlin 2007, ISBN 978-3-05-003535-2, S. 111 (eingeschränkte Vorschau).

Koordinaten: 47° 47′ N, 12° 13′ O