Türkische Luftstreitkräfte

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Türk Hava Kuvvetleri
Türkische Luftstreitkräfte
Turkish Air Force
TurkishAirforceOrganizationlogo.png
Aktiv
Land TurkeiTürkei Türkei
Streitkräfte Türkische Streitkräfte
Typ Teilstreitkraft (Luftwaffe)
Stärke 60.100 (2014)
Stationierungsort Hauptquartier Ankara
Leitung
Jetziger
Kommandeur
General Abidin Ünal
(seit 2015)
Insignien
Kokarde TAF Roundel.svg
Türkische Lockheed C-130
Eine F-35A. Als Nachfolger für ältere Jets hat das Verteidigungsministerium 116 F-35 ausgewählt.
Boeing 737-7ES Peace Eagle, Türkei

Die türkischen Luftstreitkräfte (türkisch Hava Kuvvetleri) wurden 1911 als Unterstützungstruppe innerhalb des Osmanischen Heeres gegründet und am 31. Januar 1944 eigenständig.[1]

Die Luftwaffe verfügt derzeit über rund 60.100 Soldaten und ist damit die zweitgrößte Teilstreitkraft. Sie ist gegliedert in zwei Taktische Luftkommandos in Eskişehir und Diyarbakır, ein Trainingskommando und ein Unterstützungskommando. Das Hauptquartier befindet sich in Ankara. Die türkischen Luftstreitkräfte verfügen über 1940 Flugzeuge, darunter General Dynamics F-16, McDonnell Douglas F-4 und Northrop F-5, Boeing-KC-135-Tankflugzeuge und 86 taktische Transportflugzeuge (u. a. CN-235, Transall C-160, Lockheed C-130 und Airbus A400M).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sabiha Gökçen wurde 1937 erste türkische Pilotin und die erste Kampfpilotin der Welt. Sie war eines von acht Adoptivkindern Mustafa Kemal Atatürks.

Seit dem 18. Februar 1952 gehört die Türkei zur NATO und während des Kalten Krieges bis 1991 unterstützte die Luftwaffe das Bündnis an der Südostflanke zu den Staaten des Warschauer Paktes.

Am 1. Februar 1963 kollidierte eine libanesische Vickers Viscount 754 der Lebanese Middle East Airlines mit einer Douglas C-47A-80-DL der türkischen Luftwaffe. Die Flugzeuge stürzen in verschiedene Stadtgebiete in Ankara, unter anderem in einen stark belebten Marktplatz. Alle 17 Menschen an Bord der zwei Maschinen sterben, ebenso 87 Einwohner.

Im August 1964 wurde Hauptmann Cengiz Topel in einer F-100 während des Fluges über Zypern in der Nähe von Denizli/Xeros bei Gemikonağı/Karavostasi von 40-mm-Bofors-Geschützen getroffen und stürzte ab. Mitglieder der Zyprischen Nationalgarde brachten ihn jedoch in ihr Hauptquartier im Kykkos-Kloster, wo sie ihn zu Tode folterten. Er war der erste Kampfflugzeugpilot der türkischen Luftwaffe, der während eines Einsatzes ums Leben kam[2]

Die Luftwaffe beteiligte sich am Militärputsch in der Türkei 1971.

1974 unterstützte die Luftwaffe in der Operation Atilla die Invasion von Nordzypern.

Die Luftwaffe wurde seit 1978 häufig gegen Stellungen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak (Kandil-Berge) und Syrien eingesetzt. Siehe auch: Konflikt zwischen der Republik Türkei und der PKK.

Die Luftwaffe beteiligte sich am Militärputsch in der Türkei 1980.

Am 26. März 1994 erfolgte im eigenen Land der Luftangriff auf Koçağılı und Kuşkonar gegen kurdische Dörfer.

Von 1. Januar 1997 bis 17. März 2003 beteiligte sich die Luftwaffe an der Operation Northern Watch zur Durchsetzung einer Flugverbotszone im Irak nördlich des 36. Breitengrades.

Von 24. März bis 10. Juni 1999 wurde Flugzeuge der Luftwaffe im Rahmen der NATO-Operation Allied Force gegen die Bundesrepublik Jugoslawien im Kosovokrieg eingesetzt.

Am 23. Mai 2006 kollidierten in der Nähe der Insel Karpathos ein griechisches und ein türkisches Kampfflugzeug vom Typ F-16 bei einem Abfangmanöver.[3] Griechenland beansprucht einen nationalen Luftraum mit einer Breite von 16 Kilometern jenseits der eigenen Küstenlinien. Die Türkei erkennt aber nur zehn Kilometer an, was der Breite der nationalen Seegebiete entspricht. Wegen Konflikten in der Ägäis standen Griechenland und die Türkei seit 1974 bereits drei Mal am Rande eines Krieges.

Vom 16. Dezember 2007 bis 29. Februar 2008 Beteiligung an der Operation Sonne (türkisch: Güneş Harekatı) im Nordirak zur Bekämpfung von Stützpunkten der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Im Syrisch-Türkischen Konflikt 2012 wird von der syrischen Luftabwehr vor der syrischen Provinz eine McDonnell F-4 der türkischen Luftwaffe abgeschossen, dabei kommen beide Besatzungsmitglieder ums Leben.

Am 23. März 2014 schoss bei Kasab in Syrien ein türkisches F-16-Kampfflugzeug ein syrisches Militärflugzeug vom Typ Mig-23 ab. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten.[4][5]

Am 24. November 2015 erfolgte der Abschuss einer Suchoi Su-24 der russischen Luftwaffe im türkisch-syrischen Grenzgebiet über der syrischen Provinz Latakia

Seit 2015 nimmt die Luftwaffe an einer erneuten Offensive gegen die PKK teil, besonders in den Provinzen Hakkâri und Şırnak.

Im Juli 2016 beteiligte sich ein Teil der Luftwaffe an einem Putschversuch.

Modernisierung der Luftstreitkräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

F-35 „Joint Strike Fighter“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nachfolger für ältere Jets hat das türkische Verteidigungsministerium 116[6] F-35 „Joint Strike Fighter“ (JSF) ausgewählt und sich somit aus technischen, politischen und wirtschaftlichen Gründen gegen den Eurofighter Typhoon entschieden, der unter anderem keine „Tarnkappentechnik“ besitzt. Die Türkei ist als Level-3-Partner der US-Streitkräfte an der Entwicklung der F-35 beteiligt. Das komplette Auftragsvolumen für die 116 Jets beträgt 10,4 Milliarden US-Dollar. Die erste F-35 wurde 2014 in Dienst gestellt. Trotzdem war die Türkei wieder in das Eurofighter-Projekt eingeladen worden.

Außerdem laufen umfassende Maßnahmen, einen erheblichen Teil der türkischen F-4- und F-16-Bestände zu modernisieren. Zusätzlich zu nahezu allen in der Türkei im Zeitraum von 1987 bis 1999 in Lizenz hergestellten 240 F-16-Kampfflugzeug beschaffte die Türkei ab 2006 weitere 30 F-16-Kampfflugzeuge, um die Übergangszeit bis zur Einführung der neuen F-35-Jets zu überbrücken.[7]

Freund-Feind-Erkennungssystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittlerweile wurden alle 270 F-16-Kampfflugzeuge der türkischen Luftwaffe mit dem eigenen Freund-Feind-Erkennungssystem von Aselsan nachgerüstet. Da die Erkennungsprofile der ursprünglich eingebauten US-Versionen nicht geändert werden konnten, entwickelte die Türkei ihr eigenes Freund-Feind-Erkennungssystem. Künftig werden die türkischen Piloten Ziele nach „nationalem Interesse“ identifizieren.[8][9]

Türk Yıldızları[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staffel Türk Yıldızları (Türkische Sterne) oder auch Turkish Stars sind eine in Konya stationierte türkische Kunstflugstaffel. Aktuell besteht dieses Akrobatikteam (kurz Akroteam, türkisch akrotim) der 134. Flotte der türkischen Luftwaffe (türk. Türk Hava Kuvvetleri) aus elf Piloten. Für die Flugvorführungen werden acht Northrop-F-5-Kampfflugzeuge genutzt.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Oberkommando der Luftwaffe unterstehen direkt:[10]

Die Kampfverbänden unterstehen den beiden taktischen Luftwaffenkommandos, diesen sind folgende Staffeln unterstellt:

  • 1. Taktisches Luftwaffenkommando (Westtürkei, Hauptquartier: Eskisehir) (F-16C/D)
    Eine F-16 der 192. Staffel Tiger Squadron in Balikesir

Zur Flugabwehr stehen vier Bataillone mit 92 MIM-14 „Nike Hercules“, zwei Bataillone mit 86 „Rapier“ und acht Feuereinheiten mit MIM-23 HAWK bereit.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Türkische Luftstreitkräfte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die türkische Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. In: Flieger Revue Extra Nr. 12, Berlin 2006, S. 35 und 41
  2. http://www.whatson-northcyprus.com/interest/lefke/topel.htm
  3. Artikel bei stern.de
  4. Focus Online: Türkische Armee schießt syrisches Kampfflugzeug ab vom 23. März 2014
  5. ABC News: Turkish Jets Down Syrian Warplane Near Border vom 23. März 2014
  6. TGNA Approves Turkey’s F-35 PSFD Phase Participation
  7. F-35 statt Eurofighter in der Türkei Handelsblatt: Eurofighter fällt bei Türken durch
  8. http://iknews.de/2011/09/16/sabelrasseln-turkei-macht-weiter-ernst/
  9. http://www.israelnetz.com/aussenpolitik/detailansicht/aktuell/tuerkei-bereitet-krieg-gegen-israel-vor/
  10. Länderinformation des österreichischen Verteidigungsministeriums
  11. Airbus Defence and Space: Türkei akzeptiert ihre erste A400M. Flugrevue, 5. April 2014, abgerufen am 14. August 2014.
  12. Türkei stellt RF-4E außer Dienst. www.flugrevue.de, 12. März 2015, abgerufen am 15. März 2015.