Türkisches Zivilgesetzbuch

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Basisdaten
Titel: Türk Medenî Kanunu
Kurztitel: Medenî Kanun
Abkürzung: TMK; MK
Nummer: 4721
Art: Gesetz
Geltungsbereich: Republik Türkei
Verabschiedungsdatum: 22. November 2001
Amtsblatt: Nr. 24607 v. 8. Dezember 2001
Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung.

Das Türkische Zivilgesetzbuch (türkisch Türk Medenî Kanunu; Abkürzung TMK, im deutschsprachigen Raum auch tZGB) vom 22. November 2001 ist die Kodifikation der zentralen Teile des türkischen Privatrechts. Ausgegliedert mit dem Obligationenrecht[1] (Türk Borçlar Kanunu) ist das Recht der Schuldverhältnisse.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste türkische Zivilgesetzbuch war die in den Jahren 1869 bis 1876 maßgeblich unter der Federführung Ahmed Cevdet Paschas entstandene Mecelle, die vermögensrechtliche Bestimmungen des islamischen Rechts umfasste. Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem folgenden sogenannten Befreiungskrieg unter der Führung Mustafa Kemal Paschas wurde die Türkei völkerrechtlich im Vertrag von Lausanne zur Neuordnung ihres Rechts- und Justizwesens verpflichtet.[2] Nachdem am 29. Oktober 1923 die Republik als Staatsform ausgerufen wurde, trat am 4. Oktober 1926 das türkische Zivilgesetzbuch[3] (osmanisch تورك قانون مدنیسی İA Türk Ḳānūn-ı Medenīsi), eine Übersetzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches nach dessen französischsprachiger Ausgabe [4], in Kraft. Zum selben Datum wurde die Mecelle mit Art. 43 i. V. m. Art. 48 des Gesetzes Nr. 864 vom 29. Mai 1926 über das In-Kraft-Treten und die Form der Anwendung des Zivilgesetzbuches[5] außer Kraft gesetzt und somit der islamische Rechtskreis endgültig verlassen.

Das Türk Kanunu Medenîsi wurde im Mai 1988[6], November 1990[7] und Mai 1997[8] novelliert.[9] Am 1. Januar 2002 trat schließlich eine Neufassung in Kraft.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das tZGB ist nach einer Einleitung (Başlangıç; Art. 1–7) in vier Bücher (Kitap) unterteilt:

  • Personenrecht (Kişiler Hukuku; Art. 8–117)
  • Familienrecht (Aile Hukuku; Art. 118–494)
  • Erbrecht (Miras Hukuku; Art. 495–682)
  • Sachenrecht (Eşya Hukuku; Art. 683–1030)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesetz Nr. 6098 vom 11. Januar 2011, RG Nr. 27836 vom 4. Februar 2011.
  2. Hans Schlosser: Grundzüge der Neueren Privatrechtsgeschichte. Rechtsentwicklungen im europäischen Kontext. 10. Auflage. C.F. Müller Verlag, Heidelberg 2005, ISBN 3-8252-0882-6, S. 214.
  3. Gesetz Nr. 743 vom 17. Februar 1926, RG Nr. 339 vom 4. April 1926.
  4. Nach Rona Serozan, „Die Türkische Weiche im Geleise des Schweizerischen Erbrechts“, in: 100 Jahre Schweizerisches ZGB 80 Jahre türkisches ZGB (Berlin 2008) S. 175 eine „wortgetreue Übersetzung“, nach Konrad Zweigert, Hein Kötz, Einführung in die Rechtsvergleichung auf dem Gebiete des Privatrechts (Tübingen 1996) S. 178 „fast unverändert“, nach Hans Schlosser: Grundzüge der Neueren Privatrechtsgeschichte. Rechtsentwicklungen im europäischen Kontext. 10. Auflage. C.F. Müller Verlag, Heidelberg 2005, ISBN 3-8252-0882-6, S. 214.eine „sehr freie“ Übersetzung
  5. Art. 43: “[…] mecelle mülgadır.”, Art. 48: “İşbu kanun 4 teşrinievvel 1926 tarihinden itibaren mer’idir.”; vollständiger Gesetzestext in türkischer Sprache. Justizministerium der Republik Türkei, abgerufen am 7. Februar 2010.
  6. Gesetz Nr. 3444 vom 4. Mai 1988, RG Nr. 19812 vom 12. Mai 1988.
  7. Gesetz Nr. 3678 vom 14. November 1990, RG Nr. 20704 vom 23. November 1990.
  8. Gesetz Nr. 4248 vom 14. Mai 1997, RG Nr. 22996 vom 22. Mai 1997.
  9. Christian Rumpf: Einführung in das türkische Recht. C. H. Beck, 2. Aufl., München 2016, ISBN 978-3-406-65766-5, § 12 Rn. 1.
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