Türklinke

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Türklinkenpaar
Türknauf und Türklinke, entworfen von Ferdinand Kramer, 1925

Eine Türklinke (auch Türdrücker, schweiz. Türfalle, österr. Türschnalle) ist ein abgewinkelter Hebel zum Öffnen und Schließen einer Tür von Hand. Der Klinkenhebel besteht aus dem Griff- und dem Dorn-Teil. Der um den Dorn drehende Griff verschiebt im an oder in der Türe befindlichen Türschloss (Aufsatz- bzw. Einsteckschloss) den Riegel. Sie muss in der Regel nur zum Öffnen niedergedrückt werden. Nach dem Zurückziehen des Riegels bleibt die Türklinke noch zum Aufschwenken der Türe in der Hand. Beim Schließen schnappt der Riegel selbsttätig in den Türrahmen ein (Schnappriegel). Die Türklinke braucht nur zum Zuschwenken der Türe angefasst zu werden, man muss sie nicht niederdrücken.

Anforderungen und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Idealerweise benötigt eine Türklinke eine Daumenbremse, eine Zeigefingerkuhle, eine Ballenstütze und ein Greifvolumen.[1] Die meisten der ausgeführten Türklinken kommen fast keiner dieser Forderungen nach. Ihre Ausführung nach rein ästhetischen/modischen Gesichtspunkten ist möglich, denn „Zweifellos erfordert der Griff zum Türdrücker keine geschickte Hand.“[2]

Häufig ist das Ende des Griffs zur Tür hin abgebogen, um ein Hängenbleiben mit der Kleidung zu verhindern (Euronorm EN 179).

Die Türklinke bildet zusammen mit ihrer Einfassung den Türbeschlag, der ein Schlüsselloch (oft mit Abdeckung) oder eine zusätzliche Sperrvorrichtung aufweist, wenn das Türschloss versperrbar ist. Wegen der starken mechanischen Beanspruchung sind Türklinken zumeist aus Edelstahl oder Messing gefertigt oder enthalten zumindest einen metallenen Kern. Türklinken werden meist paarweise verbaut, wobei es eine positive und eine negative gibt, die sich ineinanderstecken lassen. Nur mit der positiven lässt sich die Tür öffnen, nicht jedoch mit der negativen. Meist sind die zwei Hebel einer Türklinke mittels eines Drückerdorns miteinander verbunden. Dieser betätigt den Schnapper (auch Falle genannt).

Mit steigender Kriminalität werden auch Sicherheitsgarnituren immer relevanter. Diese sind mit einem Kernziehschutz, der das Herausziehen oder Durchbohren des Schlosses verhindert, ausgestattet. In den meisten Fällen haben diese Garnituren im Schild eine geschmiedete Stahlplatte, die das Durchbohren verhindern bzw. erschweren soll.

Eine Turnhallenmuschel ist eine Türklinke für dicke Türen, bei denen die Türklinke in die Tür versenkt eingelassen ist. Der Name rührt daher, dass diese Form häufig in Sporthallen Verwendung findet, um die Verletzungsgefahr bei sportlichen Aktivitäten zu mindern.

Eine früher in Deutschland verbreitete Sonderform ist das sog. Knebeldrückerschloss, ein Kastenschloss für Zimmertüren, bei dem ein Drücker fest am Schloss montiert ist und oben aus dem Schlosskasten herausragt. Der andere Drücker wird (von der Außenseite der Tür) wie bei anderen Schlössern auch mit einem Vierkant eingesteckt aber von innen durch eine Mutter gesichert, da der zweite Drücker ja ein fester Bestandteil des Schlosses ist.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Ländern außerhalb Europas, aber auch in Großbritannien und Frankreich, werden statt Klinken zumeist Türknäufe (doorknobs) verwendet, die entweder drehbar sind oder nur als Griffe für Türen dienen, die sich durch Druck und Zug ein- und ausschnappen lassen. Nachteilig ist bei ersteren die schwierigere Öffnung: Trägt man beispielsweise einen schweren Gegenstand und hat daher keine Hand frei, lässt sich eine Klinke auch mit dem Ellenbogen herunterdrücken, während ein Drehknauf mit der Hand gedreht werden muss. Dies kann jedoch auch von Vorteil sein, da z. B. Kleinkinder oder auch geschickte Haustiere (z. B.Katzen) eine Klinke ebenfalls leicht öffnen können, von einem Knauf jedoch zurückgehalten werden. Kombinationen von Klinke und Knopf werden allerdings immer häufiger auch in Mitteleuropa für Haustüren verwendet, dabei ist der Knauf an der Außenseite meist feststehend, das Schloss ist dann ein Wechselschloss, bei dem auch die Falle von außen nur mit dem Schlüssel geöffnet werden kann.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Otl Aicher und Robert Kuhn: Greifen und Griffe, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 1987
  2. Siegfried Gronert: Türdrücker der Moderne, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 1991, Epilog, S. 86

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Birgit Kümmel (Hrsg.), Bernd Steltner, Andrea El-Danasouri u.a.: Made in Arolsen. HEWI und die Kaulbachs. Zwischen höfischem Handwerk und Industriedesign, Ausstellungskatalog, Bad Arolsen: Museum Bad Arolsen und Museumsverein, 1998, ISBN 3-930930-05-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Türklinke – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien