Tüte

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Dieser Artikel beschreibt den Transportbehälter, zu anderen Bedeutungen siehe Tüte (Begriffsklärung).
Deutschland: Gewickelte und geklebte Spitztüte, Flachbeutel, Kreuzboden-Beutel, Klotzboden-Beutel
Österreich: (Zusammen)gedrehtes Stanitzel, gefaltetes und geklebtes Stanitzel, Papiersackerl in drei Varianten

Tüte bezeichnet in Deutschland allgemein verformbare Transportbehälter aus Papier, Kunststoff oder anderen biegsamen Materialien zur Aufnahme von Lebensmitteln, losen kleineren Gegenständen und pulverförmigen Materialien. Bis ins 20. Jahrhundert gehörten sie zu den wichtigsten Utensilien des Einzelhandels.

In Altbayern und Österreich ist der Begriff Sackerl gebräuchlich. Kleine trichterförmige Behältnisse aus Papier werden (außer Westösterreich) als Stanitzel[1] benannt. Bei größeren Behältnissen ist – ebenso wie in Deutschland – von Sack die Rede.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel der Anwendung eines Beutels

Das Wort leitet sich aus dem mittelniederdeutschen tute (für „Horn“) ab, was früher ausschließlich „Trichterförmiges“ bezeichnete (auch als Blasinstrument, vergleiche „ins gleiche Horn tuten“).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Ursprung von Tüten lassen sich nur Vermutungen anstellen. Da sich Spitztüten ohne Werkzeug schon aus großen Blättern oder aus Häuten herstellen lassen, dürften sie zu den ältesten Behältern überhaupt gehören. Erste literarische Hinweise auf Tüten (für Gewürze) gibt es aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Seit etwa 1400 wird in Deutschland Papier hergestellt und die Papiertüte kommt in Gebrauch. Im Wörterbuch des Erasmus Alberus von 1550 wird der Begriff „Dott“ aufgenommen und 1555 findet sich in einer Streitschrift: „Wenn gleich die Heilige Schrift sonst nirgendts zu dienet, so ist sie doch darzu gutt, daß man aus den Blettern darauff sie geschrieben ist, Teutichen mache und Pfeffer oder andere Würtze darein thut.“ In dem Bild „Kinderspiele“ von Pieter Bruegel d. Ä. aus der gleichen Zeit ist eine Tüte aus bedrucktem Papier abgebildet.

Die weltweit erste Fabrik zur Herstellung von Spitztüten aus Papier entstand am 18. August 1853 im hessischen Bad Sooden-Allendorf.[2] Rechteckige Formen mit flachem Boden konnten erst seit der Konstruktion der Klotzbodenbeutelmaschine 1901 maschinell hergestellt werden und wurden in Ermangelung eines eigenen Namens in weiten Gebieten des deutschen Sprachraums gleichfalls als Tüten bezeichnet, wesentlich war nicht die Form, sondern die Funktion. Seit 1908 Zellglas (Markenname „Cellophan“) erfunden wurde, kamen zu den blickdichten Papiertüten auch die durchsichtigen Transparenztüten hinzu, in denen der Inhalt unmittelbar zu erkennen ist.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spitztüte für Obst
Papiertrag(e)tasche (D: „Papiertüte“, A: „Papiersackerl“) mit Tragegriffen aus Papierschnur, 2010

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Waren des täglichen Bedarfs im Handel großenteils lose angeboten und die Händler zählten oder wogen die gewünschten Mengen ab, um sie individuell für den Kunden einzutüten. Mit dem Aufkommen der Selbstbedienung werden zunehmend alle Produkte vom Hersteller mehr oder weniger aufwändig verpackt und an Stelle der klassischen Tüte ist der beidseitig verschweißte Aufreißbeutel aus Kunststoff getreten, von den wenigen Ausnahmen wie beim Kurzwarenhandel und dem Süßigkeitenverkauf an Kiosken abgesehen. In Imbisslokalen wurden bis in die 1970er Jahre Pommes frites noch in Spitztüten aus Pergamentpapier verkauft, ähnlich wie es heute noch bei Fish and Chips in England üblich ist.

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1970 ist schon lange her

Anfang des 20. Jahrhunderts kam eine Sonderform der bereits nicht mehr trichterförmigen Tüte auf. Die Tragetasche ist eine große Klotzbodentüte aus starkem Papier mit Griffen, ein Einwegprodukt als Ersatz für Einkaufstasche oder -korb, das zugleich als Werbemittel diente. Ohne Griffe ist sie heute noch in den USA die übliche Verpackung für den täglichen Einkauf. In Europa wurde sie seit den 1960er Jahren weitgehend durch die Plastiktragetasche aus Polyethylen verdrängt (Marktanteil um 1970: rund zwei Drittel).

Ähnliche Behältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sack bezeichnet man gemeinhin größere Tüten oder Stoffbeutel, besonders für Schüttgüter (beispielsweise Mehl oder Holzkohle zum Grillen). Der Ausdruck Beutel kann als Oberbegriff und Synonym für Tüten und Säcke verwendet werden (etwa Müllbeutel). Auch kleinere Säcke, besonders aus Stoff oder Leder, werden gern als Beutel bezeichnet (etwa Geldbeutel).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Schmidt-Bachem: Tüten, Beutel, Tragetaschen. Zur Geschichte der Papier, Pappe und Folien verarbeitenden Industrie in Deutschland. Münster 2001.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Tüte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Paper bags – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Ammon, Rhea Kyvelos: Variantenwörterbuch des Deutschen: die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2004.
  2. Heinz Schmidt-Bachem: Tüten, Beutel, Tragetaschen. Waxmann Verlag, Münster 2001, ISBN 3-8309-1037-1, S. 51–52.