Tüttensee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tüttensee
Tüttensee, Blick vom Nordufer hinüber zu Gaststätte und Strandbad
Tüttensee, Blick vom Nordufer hinüber zu Gaststätte und Strandbad
Geographische Lage Alpenvorland
Abfluss Marwanger BachGrabenstätter MühlbachChiemsee
Orte in der Nähe Grabenstätt
Daten
Koordinaten 47° 50′ 50″ N, 12° 34′ 5″ OKoordinaten: 47° 50′ 50″ N, 12° 34′ 5″ O
Tüttensee (Bayern)
Tüttensee
Höhe über Meeresspiegel 523 m ü. NN
Fläche 10,8 haf5
Länge 420 mf6
Breite 260 mf7
Volumen 1.020.000 m³f8
Umfang 1,28 kmf9
Maximale Tiefe 17,3 mf10
Mittlere Tiefe 9,4 mf11
Einzugsgebiet 80 haf4

Der Tüttensee ist ein Toteissee auf dem Gebiet der Gemeinden Grabenstätt und Vachendorf im bayerischen Chiemgau. Die Uferzone des Sees weist verschiedene Verlandungsphasen auf und hat teilweise Niedermoor-Charakter. Am Ufer befindet sich ein artenreiches Landschaftsschutzgebiet. Der See verfügt über eine kleine Abflussrinne im Nordwesten zum Marwanger Bach und ist einer der wärmsten Seen Oberbayerns. Auf dem Südufer befindet sich eine Ausflugsgaststätte mit Strandbad.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fotoausschnitt der Uferbewaldung des Tüttensees
Tiefenkarte Tüttensee, W. Halbfaß

Der Tüttensee liegt in einem Toteiskessel, der beim Rückzug des Chiemsee-Gletschers nach dem Höhepunkt der letzten Eiszeit entstand. Er liegt in einer gut erhaltenen Struktur eiszeitlicher Kame-Schotterterrassen, die vollständig bewaldet sind.[1] Echolot-Messungen des Bayrischen Landesamt für Wasserwirtschaft zeigen einen flacheren Südteil und die tiefste Stelle des Sees mit maximal 17,3 Metern im Nordwesten.[2][3]

See und Uferbereich sind mit 68 ha als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.[4][5] Danach besteht am ökologisch besonders wertvollen Süd- und Ostufer außerhalb des Strandbads ein Betretungsverbot, unmittelbar vor dem Uferabschnitt darf auch nicht geschwommen oder mit Booten gefahren werden.

In den 1980er Jahren litt der See unter massivem Nährstoffeintrag durch einen kleinen einmündenden Graben, der landwirtschaftliche Flächen entwässert. Die Fischerei musste eingeschränkt werden. Ein vom Landratsamt 1989 vorgeschlagener 2 ha großer Klärteich konnte aus Kostengründen nicht verwirklicht werden. Der Bund Naturschutz trat 1995 in das Projekt ein und verwirklichte mit öffentlicher Förderung eine wesentlich kostengünstigere Pflanzenkläranlage in Verbindung mit einem Kiesbett auf teils gepachteten, teils angekauften Flächen am See. Zusammen mit einem Rückgang der Nutzung von Düngemitteln auf den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen erbrachte die biologische Klärung des Zuflusses eine deutliche Verbesserung der Wasserqualität. Der See wird aber auch weiterhin als eutroph eingestuft.[3] Die Kiesflächen der Anlage sind seitdem ein bedeutendes Biotop für die Region.[6]

Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte Wilhelm Halbfaß am Tüttensee vom Boot aus Lotungen durch, ermittelte dabei eine maximale Tiefe von 16,2 Metern und erstellte eine Tiefenkarte,[7] die bereits den modernen Untersuchungen fast exakt entsprach.[2] Die Geologie des Gebietes einschließlich des Tüttensees wurde durch Carl Troll 1924 schon bei der ersten wissenschaftlichen Beschreibung des Inn-Gletschers dargestellt.[8] Der See war später mehrmals Gegenstand von Untersuchungen zu den Eiszerfallslandschaften des bayerischen Alpenvorlandes.[9][10]

2004 wurde der Tüttensee mit der Hypothese des sogenannten Chiemgau-Einschlags in Verbindung gebracht und eine Entstehung als Impaktkrater postuliert.[11][12] Daraufhin nahm das Bayrische Landesamt für Umwelt eine Bohrung und 14C-Datierungen vor.[13] Diese ergaben, dass Moorbildung und Verlandung des Tüttensees seit über 12.000 Jahren ungestört fortschreiten, was eine eiszeitliche Bildung des Tüttensees belegt und einen zwischenzeitlichen Einschlag ausschließt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tüttensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Doppler, Erwin Geiss: Der Tüttensee im Chiemgau – Toteiskessel statt Impaktkrater (PDF; 399 kB), Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2005
  2. a b Grimminger, H. (1988). Verzeichnis der Seen in Bayern mit einem Kartenteil, Teil 1 Text u.Teil 2 Karten, 2. Auflage inkl. Ergänzungslieferung 1995, Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft
  3. a b Wasserwirtschaftsamt Traunstein: Gewässerportrait Tüttensee
  4. Landratsamt Traunstein: Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet Tüttensee in der Fassung vom 16. August 1991
  5. Landratsam Traunstein: Karte des Landschaftsschutzgebiets Tüttensee
  6. Bund Naturschutz Traunstein: Das BN-Naturschutzprojekt Tüttensee
  7. Halbfaß, W. (1928). Lotungsergebnisse in einigen Seen in der Umgegend Seeon nördlich des Chiemsees. Internationale Revue der gesamten Hydrobiologie und Hydrographie, Vol. 21, Issue 2, pp. 208–216
  8. Troll, C. (1924). Der diluviale Inn-Chiemsee-Gletscher: das geographische Bild eines typischen Alpenvorlandgletschers. Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. V. 23, pp.1-121
  9. J. Gareis: Die Toteisfluren des bayerischen Alpenvorlandes als Zeugnis für die Art des spätwürmzeitlichen Eisschwundes, Würzburger Geographische Arbeiten, Würzburg 1978, 101 Seiten
  10. Ganss et al. (1977) Erläuterungen z. Geologischen Karte 1:25 000 8140 Prien a. Chiemsee gemeinsam mit 8141 Traunstein. Bayerisches Geologisches Landesamt. 144pp.
  11. Kord Ernstson: Der Chiemgau-Impakt. Ein bayerisches Meteoritenkraterfeld. Chiemgau-Impakt e.V., Traunstein 2010, ISBN 978-3-00-031128-4, S. 19
  12. Robert Darga & Johann Franz Wierer: Der Chiemgau-Impakt - eine Spekulationsblase - Oder: Der Tüttensee ist KEIN Kometenkrater. S. 174–185 in: Auf den Spuren des Inn-Chiemsee-Gletschers - Exkursionen. 192 S., München (Pfeil) 2009, ISBN 978-3-89937-104-8. die Seiten 174-185 auf scribd.com
  13. E. Kroemer: Sedimententnahme und Datierungen in der Verlandungszone des Tüttensees (PDF; 781 kB), Kurzbericht des Bayrischen Landesamt für Umwelt, 2010