TBL

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Dieser Artikel behandelt das Zugbeeinflussungssystem TBL. Für weitere Bedeutungen siehe TBL (Begriffsklärung).

TBL steht für „Transmissie Baken-Locomotief“/„Transmission Balise-Locomotive“, ein belgisches Zugbeeinflussungssystem. Es existiert eine Variante als punktförmiges Zugbeeinflussungssystem (TBL1) und eine Variante als linienförmiges Zugbeeinflussungssystem (TBL2). Das System besteht aus einer streckenseitigen Balise an jedem Signal und einem Fahrzeuggerät.

Inhaltsverzeichnis

TBL1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TBL1-Balise

TBL1 ist ein punktförmiges Zugbeeinflussungssystem, das auf etwa 13 % des belgischen Streckennetzes installiert ist. TBL1 bewirkt zusätzlich zu den Funktionen von Crocodile eine Zwangsbremsung bei unzulässiger Vorbeifahrt am Halt zeigenden Hauptsignal.[1]

TBL1+[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses System ist eine Übergangslösung, das die Migration auf das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS erleichtern soll. Bei diesem System werden die gleichen Signalbegriffe wie bei TBL1 übertragen und vom Fahrzeug in gleicher Weise interpretiert. Als Übertragungsweg von der Strecke zum Fahrzeug kommen jedoch Eurobalisen wie beim ETCS-System zum Einsatz.[2] Fahrzeugseitig muss lediglich ein Balise Transmission Module als Empfänger ergänzt werden, der Rest der TBL-Elektronik bleibt unverändert.

Die TBL1+-Signalbegriffe werden dabei über Bits übertragen, die für nationale Anwendungen reserviert sind (Paket 44). TBL1+- und ETCS-Signalbegriffe lassen sich deshalb über dieselbe Eurobalise übertragen. Als Erweiterung von TBL1 liegt etwa 300 Meter vor dem Hauptsignal eine weitere Balise, die bei Halt zeigendem Signal bei einer Geschwindigkeit von mehr als 40 km/h ebenfalls eine Zwangsbremsung auslöst.[2]

Um eine schnelle Reduzierung des Betriebsrisikos erreichen, wurde das Risiko für jedes Signal bewertet. Zunächst wurden 25 Prozent der Signale mit TBL1+ ausgerüstet. Damit sei 80 Prozent des erzielbaren Sicherheitsgewinns erreicht worden.[2]

Neben TBL-Paketen sollen später auch ETCS-Datenpakete hinzugefügt werden.[2]

Bis zum Jahr 2015 möchte Infrabel das gesamte Streckennetz mit TBL1+ ausgerüstet haben, beschleunigt durch das Unglück von Buizingen.[3]

TBL2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krokodil, TBL1 und Eurobalise beisammen
TBL2-Anzeige auf einem Triebzug AM96

Nachdem sich gezeigt hatte, dass mit TBL1 eine wirkungsvolle Zugsicherung nicht möglich ist, fiel Ende der 1980er Jahre die Entscheidung, TBL1 nicht mehr einzubauen und mit der Entwicklung eines TBL2-Systems, mit vollständiger Geschwindigkeitsüberwachung, zu beginnen. Da das TBL2-System vor der Eröffnung der 1997 in Betrieb genommenen Hochgeschwindigkeitsstrecke HSL 1 als noch nicht ausgereift galt, wurde die Strecke auch im belgischen Teil mit dem französischen Zugsicherungssystem TVM 430 ausgerüstet. Erstmals wurde damit ein anderes Zugsicherungssystem als TBL in Belgien eingesetzt.[2]

1999 fiel die Entscheidung, die 2002 zur Eröffnung anstehende HSL 2 mit TBL2 auszurüsten, die weiteren Strecken (HSL 3 und HSL 4) mit ETCS.[2]

Die TBL2 ist ein System zur Führerstandsignalisierung. Im Führerstand wird angezeigt:

  • Höchstgeschwindigkeit (Bremskurve)
  • Zielgeschwindigkeit
  • Zielentfernung
  • Zuggeschwindigkeit
  • Betriebsart
  • Hilfsanzeigen

TBL2 überwacht:

  • Streckengeschwindigkeit
  • Langsamfahrstellen (ständig und vorübergehend)
  • Spezifische Einschränkungen für Güter- und andere Züge
  • Haltepunkt
  • Dynamisches Bremsprofil
  • Fahrtrichtung

Im Bezug auf ETCS ist TBL ein Klasse B-System.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Untersuchungsbericht zum Zugunglück von Buizingen am 15. Februar 2010, in niederländischer und in französischer Sprache, Abschnitt 7.7.
  2. a b c d e f An Van den Abeele, Johan Verschaeve: Zugbeeinflussung und Zugsicherung in Belgien – heute und morgen. In: Signal + Draht. Band 99, Nr. 11, 2007, ISSN 0037-4997, S. 14–18.
  3. Mehr als 2.550 mit TBL1+ ausgestattete Signale. In: infrabel.be. 9. Dezember 2011, archiviert vom Original am 17. Juli 2013, abgerufen am 7. Mai 2016 (HTML, deutsch).