TK-208 Dmitri Donskoj

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Die Dmitri Donskoj im Juli 2018

TK-208 ist ein strategisches Atom-U-Boot der russischen Seekriegsflotte und mit Stand Februar 2019 das letzte aktive von sechs Schiffen der Klasse 941 (NATO-Code: Typhoon). Sie ist das größte aktive Unterseeboot der Welt.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. März 1976 wurde TK-208 in die Bestandsliste der Seekriegsflotte der Sowjetunion aufgenommen und am 30. Juli 1976 in der Sewmasch-Werft in Sewerodwinsk auf Kiel gelegt. Die Zuordnung zur Klasse der Schweren strategischen U-Kreuzer erfolgte am 25. Juli 1977. Mit dem Herausrollen aus der Bauhalle in ein überdachtes Trockendock wurde am 27. September 1979 der Stapellauf vollzogen. Es folgten Standprüfungen im Trockendock sowie die Seeerprobung im Weißen Meer.

Dienst in der Seekriegsflotte der Sowjetunion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seekriegsflotte übernahm das neue Schiff am 29. Dezember 1981 und am 9. Februar 1982 wurde TK-208 in die neu aufgestellte 18. Division der 1. Flottille der Nordflotte in der Nerpitschja-Bucht im Fjord Sapadnaja Liza eingegliedert. Die Erprobung des Raketenkomplexes D-19 mit der Rakete RSM-52 (SS-N-20 Sturgeon) erfolgte von 1983 bis 1985. Es folgten Abschreckungspatrouillen in der Barentssee und im Nordmeer.

Umrüstung 1989 bis 2002[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. September 1989 wurde TK-208 in der Bauhalle der Werft Sewmasch aufgelegt, um auf den neuen Raketenkomplex D-19M Bark mit der Rakete R-39UTTCh Grom (NATO-Codename: SS-NX-28) umgerüstet zu werden.[1] TK-208 konnte auf Grund ihrer Größe nur in dieser Bauhalle umgerüstet werden, da die Werft Swjosdotschka zu klein war. 1991 bekam das Projekt die Bezeichnung 941UM. Den Zerfall der Sowjetunion verschlief das Schiff also. Gleichzeitig begann man mit der Entwicklung eines strategischen U-Kreuzers der Vierten Generation, welcher ebenfalls mit den R-39UTTCh-Raketen bewaffnet werden sollte. Für das Projektes 955, dessen erstes Schiff 1996 unter dem Namen Jurij Dolgorukij auf Kiel gelegt wurde und am 15. April 2007 vom Stapel lief, war zunächst auch die Rakete R-39UTTCh vorgesehen.[2] Die Konstrukteure im Staatlichen Raketenzentrum Makejew in Miass konnten aber die vorgeschriebenen Abmessungen für die Rakete nicht einhalten (deshalb musste auch die Jurij Dolgorukij selbst umgebaut werden). Nach vier missglückten Teststarts wurde das D-19M-Programm schließlich 1998 eingestellt. Aus Geldmangel war auch die Umrüstung der TK-208 auf den neuen Komplex schon 1996 eingestellt worden und das Schiff lag ungenutzt in der Bauhalle.

Nach dem Fehlschlag mit des Raketenkomplexes D-19M Bark wandte sich die Führung der russischen Seestreitkräfte an das Moskauer Institut für Wärmetechnik. Dieses sollte innerhalb kurzer Zeit auf der Basis der fahrzeuggebundenen RS-12M2 Topol-M eine u-bootbasierte Rakete entwickeln.[3] Schnell wurde den Entwicklern klar, dass dies nicht möglich ist; zu groß sind die Unterschiede zwischen land- und u-bootbasierten Raketen. Noch im Jahr 1998 entschied man sich für einen kompletten Neuentwurf in Form einer leichten Rakete mit Feststoffantrieb.[4] Dieses neue Raketensystem bekam die Bezeichnung R-30 Bulawa.[1] Die Arbeiten an der halb umgerüsteten TK-208 begannen von vorn. Zuerst mussten die für die ursprünglich geplante Rakete R-39UTTCh bestimmten Systeme wieder ausgebaut und die für die R-30 Bulawa bestimmten Vorrichtungen eingebaut werden.

Dienst in der Seekriegsflotte der Russischen Föderation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe des Jahres 2002 bekam TK-208 den Namen Dmitri Donskoj und wurde am 26. Juni 2002 wieder aus der Bauhalle gezogen. Das geschah wohl so plötzlich, dass in den Medien vom Stapellauf des größten U-Bootes der Welt berichtet wurde und die Dmitri Donskoj somit irrtümlich für kurze Zeit als neues Baumuster angesehen wurde. Da die Umrüstung der TK-208 noch zu Zeiten der ehemaligen UdSSR begonnen worden war, kamen damals solche Meldungen auf Grund der Geheimhaltung nie in die Presse. TK-208 war also praktisch vergessen worden und bis zum Zeitpunkt der Meldung hatte sich niemand dafür interessiert.

Der erste Teststart einer SLBM des Typs Bulawa fand am 27. September 2005 statt. Seitdem absolvierte das Atom-U-Boot bis heute mehrere Testreihen.

TK-208 wurde im Sommer 2017 in die Ostsee überführt, wo es an der Flottenparade zum Tag der russischen Seekriegsflotte am 30. Juli 2017 vor der Insel Kotlin in Kronstadt, Stadtviertel von Sankt Petersburg, teilnahm. Dabei passierte das Boot am 21. Juli 2017 die Brücke über den Großen Belt.[5]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Länge: 172 m
  • Breite: 23,3 Meter
  • Tiefgang: 11,3–12,5 Meter
  • Höhe (Kiel-Turmkante): ca. 28 Meter
  • Wasserverdrängung: 21.600 Tonnen (aufgetaucht) / 26.500 Tonnen (getaucht)
  • Tauchtiefe: ca. 450 m maximal
  • Besatzung: 150–180 (davon 50 Offiziere und 80 Unteroffiziere)
  • Antrieb
    • 2 × OK-650B-Druckwasserreaktoren, 190 MW (thermisch)
    • 2 × Dampfturbinen GT3A mit je 36 MW
    • 4 × E-Generatoren mit je 3200 kW
    • 2 × Dieselgeneratoren vom Typ DG-750
    • 2 × Antriebsdiesel mit je 191 kW für Schleichfahrt
    • Höchstgeschwindigkeit: 14 Knoten (aufgetaucht)/27 Knoten (getaucht)
  • Bewaffnung
  • Flugkörper:
  • Schiffssysteme:
    • Sonar: Skat
    • Radar: Albatros
    • EloKa: Nakat-M
    • Funkanlage: Molnija
    • Satelliten-Navigationssystem: Simfonia
    • Satelliten-Navigationsanlage (Tobo Responder): Kremnij-2
    • Satelliten-Kommunikationsanlage: Tsunami
  • Seeausdauer
    • 120 Tage (Frieden)
    • 260 Tage (Verteidigungsfall)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Pavel Podvig: Status of Russia’s SLBM programs. In: russianforces.org. Russian strategic nuclear forces, 7. Januar 2005, abgerufen am 11. September 2018 (englisch).
  2. Jacob W. Kipp: Bulava Launch Failure and the Crisis of Russian Defense Industry – Eurasia Daily Monitor Volume: 6 Issue: 233. In: jamestown.org. The Jamestown Foundation, 18. Dezember 2095, abgerufen am 11. September 2018 (englisch).
  3. The Bulava missile saga. In: sputniknews.com. Sputnik News, 12. Oktober 2009, abgerufen am 11. September 2018 (englisch).
  4. Ракетный комплекс Булава. In: bastion-karpenko.ru. Bastion-Karpenko, abgerufen am 11. September 2018 (russisch).
  5. "Dmitri Donskoj" aus Russland: Weltgrößtes U-Boot fährt durch die Ostsee. In: Spiegel Online, 23. Juli 2017. Abgerufen am 23. Juli 2017.