TV Berlin

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TV Berlin
Senderlogo
Der Hauptstadtsender
Hörfunksender (Privatrechtlicher Rundfunk)
Programmtyp Vollprogramm
Empfang Kabel/ MagentaTV

HBB-TV/ Livestream

Sendestart 1. September 1997
Sitz Alboinstraße 36–42

12103 Berlin

Eigentümer Godd Media Broadcast GmbH
Geschäftsführer Seyhan Yigit
Liste von Hörfunksendern
Website

TV Berlin (eigene Schreibweise: tv.berlin) ist ein privater Ballungsraumsender unter dem Motto „Fernsehen von Berlinern für Berliner“ mit Sitz in Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Empfangbar in den Kabelnetzen im Großraum Berlin und Brandenburg sowie auf Magenta TV, HBB-TV und über Livestream.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo vom 1. September 1997 bis 17. Mai 2009

Ein Vorgängersender wurde 1993 unter dem Namen IA Berlin gegründet. 1996 wurde er im Zuge einer Programmreform in Puls TV umbenannt. 1997 ging er erneut in Konkurs. Nach einer mehrmonatigen Übergangsphase, in der sich die bisherigen Betreiber (u. a. Time Warner und George Soros) nicht auf ein gemeinsames Konzept einigen konnten, vergab die Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg die Lizenz schließlich an Thomas Kirch, einen Sohn des Medienunternehmers Leo Kirch. Dieser gründete den Sender TV Berlin. Von 1999 bis 2002 stand der Sender unter der Leitung von Georg Gafron.

Von April 2001 bis Juli 2002 wurde das damals durchaus populäre Mantelprogramm von Sun-TV auf TV Berlin ausgestrahlt. Bei Sun-TV handelte es sich um einen Fernsehkanal der Kirch-Gruppe, der sein Programm ausschließlich über diverse Ballungsraumsender Deutschlands verbreitete, wodurch erfolgreiche Formate wie Blondes Gift mit Barbara Schöneberger und die WIB-Schaukel mit Wigald Boning auch in Berlin empfangbar waren. Im Zuge der Insolvenz der Kirch-Gruppe stellte Sun-TV seine Programme ein.

Die Betreiberfirma TV Berlin Neu Produktionsgesellschaft ist eine hundertprozentige Tochter der Medienfirma Kanal 1 von Hanno Soravia, einem österreichischen Bauunternehmer. Er war auch an den Lokalsendern TV München (eingestellt) und U1 TV (Zürich) beteiligt.

Am 13. Juni 2005 meldete TV Berlin erneut Insolvenz an. Ausgelöst wurde dies durch das Ende des Schwestersenders TV München, der wegen eigener Insolvenz Forderungen von TV Berlin nicht mehr nachkommen konnte. Im August 2005 TV Berlin beschäftigte 54 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz in Höhe von rund sechs Millionen Euro.[1]

Bis 17. Mai 2009 befand sich das Sendezentrum von TV Berlin unterhalb des Berliner Fernsehturms.

Am 8. Juli 2005 hat der Medienrat (MABB) beschlossen, der Germany 1 Media AG (51 %) gemeinsam mit Verlag Axel Springer AG (27,4 %), TRIANGLE Medien Beteiligungs GmbH & Co. KG (14,6 %) und Media Management AG (7 %) die Sendeerlaubnis zur Fortführung von TV.Berlin als lokales Ballungsraumfernsehen zu erteilen. Die neue Gesellschaft übernahm den insolventen Sender TV.Berlin mitsamt dessen Tochterfirma TV Rhein/Ruhr, die einen digitalen Lokalsender im Kölner Kabelfernsehen betreibt. Germany 1 Media AG und der Verlag Axel Springer AG waren zu der Zeit auch an Hamburg 1 beteiligt. Gesellschafter von Germany 1 Media AG waren Bernhard Bertram (45 Prozent), Ingo Borsum (25 %), Michael Schmidt-Gegner (20 %) und Kim Schwaner (10 %). Im Verbund mit Hamburg 1 sollte TV Berlin saniert werden, TV Rhein/Ruhr wurde eingestellt.

Die Geschäftsführung des Senders teilten sich Mathias Adler (ab Juli 2007) für den Bereich Technik und Programm und Hans Kuchenreuther (ab November 2007), der für Vertrieb und Marketing zuständig war.[2]

Das Kernprogramm von TV Berlin bestand in der Primetime aus einer aktuellen Stunde mit Nachrichten, Wirtschaft, Sport, Kultur und Wetter. Daneben profiliert sich der Sender mit Talkformaten und Magazinen. Alle zwei Wochen gab es jeweils vor dem Heimspiel ein Hertha-BSC-Fanmagazin namens Spielzug. Ab Februar 2008 gab es werktäglich von 5:30 bis 8:30 Uhr das Morgenmagazin Frühcafé, das inzwischen jedoch eingestellt wurde.

Ab dem 18. Mai 2009 hatte der Sender seinen Sitz in der Axel-Springer-Passage. Durch die räumliche Nähe mit dem Axel-Springer-Verlag sollte auch die inhaltliche Zusammenarbeit mit den Produkten des Verlages, wie z. B. der Berliner Morgenpost, intensiviert werden.[3] Mit der Einstellung des Regionalprogrammes Fernsehen aus Berlin am 1. April 2009 übernahm TV Berlin einige Sendungen, wie z. B. Ars Vivendi mit Moderator Manuel Werner.

Am 19. Oktober 2012 stellte der Sender zum dritten Mal einen Insolvenzantrag.[4] Begründet wurde dieser Schritt mit mangelnden Werbeeinnahmen sowie mit dem nicht realisierten Verbund regionaler Fernsehsender, ein Projekt des früheren RTL-Geschäftsführers Helmut Thoma mit dem Titel Volks TV.[5][6]

Seit dem 1. Februar 2013 betreibt die Godd Media Broadcast GmbH den Sender TV Berlin; die Firma gehörte zunächst je zur Hälfte Seyhan Yigit und Medet Boztuk.[7] Inzwischen halten Seyhan Yigit 85 Prozent und Denis Pronin die verbleibenden 15 Prozent der Anteile an dem Sender.

Seit 2018 hat die Redaktion des Senders ihre Geschäftsadresse in der Alboinstr. 36–42 in Berlin Tempelhof-Schöneberg.

Nähe zu Aserbaidschan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2015 bezeichnete Stefan Niggemeier den TV Berlin als einen „aserbaidschanischen Regierungssender“.[8] Im März 2021 erschien bei Vice ein Artikel, der die auffällige Nähe von TV Berlin zu Aserbaidschan beschreibt. Direkt verwiesen wird auf ein Interview von Peter Brinkmann mit Karin Strenz, das angesichts der fehlenden kritischen Nachfragen als Beispiel genannt wird, „wie man politische Interviews auf keinen Fall führt“. Laut dem Bericht von Vice entging TV Berlin 2013 knapp einer Insolvenz, indem türkische Unternehmer den Sender übernahmen. Die Türkei ist bekannt als aktiver Unterstützer für Aserbaidschan im Bergkarabachkonflikt und im Krieg um Bergkarabach 2020. So waren sich im Interview auch Brinkmann und Strenz „einig über die Frage, wer in Bergkarabach Schuld trägt (Armenien) – und wer nicht (Aserbaidschan)“.[9][10] Anfang 2021 wurden die Beziehungen einiger Unions-Bundestagsabgeordneter zu Aserbaidschan bekannt (darunter Karin Strenz, Eduard Lintner und Nikolas Löbel).[11] VICE recherchierte, wie aserbaidschanische Lobbyisten über Jahre Einfluss auf die Unions-Bundestagsfraktion nahmen. TV.Berlin sendete regimefreundliche Interviews.[12]

Formate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachrichten

  • tv.berlin Aktuell, Aktuelle Nachrichten aus der Hauptstadt
  • tv.berlin Die Woche, Nachrichten aus der Hauptstadt im Wochenrückblick

Magazine und Reportageformate

  • Ars Vivendi, Gastromagazin mit Manuel Werner
  • Berlin Tanzt!
  • Bleib Gesund!
  • Clip Check
  • Das Denkt Berlin
  • Dossier 24, Reportagen aus Berlin
  • Eiszeit, Das Eisbären Berlin Magazin
  • Europazeit
  • Fun & Drive, Das Automobilmagazin
  • Harry hilft!, Das Ratgebermagazin
  • Jagdfieber, Das Füchse Berlin Magazin
  • Kiez konkret, Reportagen aus den Berliner Kiezen
  • Kino News TV
  • Lifestyle
  • Open Air Intim
  • Nahaufnahme
  • Reisen und Genießen mit Manuel Werner
  • Sehenswert
  • Silversurfer
  • Straightforward
  • Thema des Tages
  • Telekom Street Gigs
  • tv.berlin Doku
  • Yagaloo, Musikmagazin mit Howie
  • 30 Minuten Berlin
  • Fancy
  • Overview TV
  • Nachgefragt
  • Mein Berlin
  • My Berlin

Talks

  • Andruck, Der Pressetalk
  • Aus dem Bundestag, Politik-Talk
  • Brinkmann & Asmuth, Talk mit Peter Brinkmann und Gereon Asmuth
  • Expertentalk
  • Standort Berlin, Der Wirtschaftstalk
  • Udo Walz, Promi-Talk mit Udo Walz

Sondersendungen

  • tv.berlin Spezial, Sondersendungen zu aktuellen Themen und Events rund um die Hauptstadt
  • tv.berlin Sport Spezial

Spielfilme

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. TV Berlin bei Almond Media. abendblatt.de
  2. Hans Kuchenreuther wird Geschäftsführer von TV Berlin. Bei: infosat.info
  3. TV.Berlin startet Sendeoffensive. In: Berliner Morgenpost
  4. Bülend Ürük: Pleite-Hauptstadt Berlin: Fernsehsender tv.berlin meldet erneut Insolvenz an. In: newsroom.de. 19. Oktober 2012 (newsroom.de [abgerufen am 29. Mai 2021]).
  5. Hauptstadtsender tv.berlin meldet Insolvenz an. In: Berliner Morgenpost, 20. Oktober 2012
  6. Thomas Lückerath: Thomas Volks.TV-Fantasie fordert erstes Opfer. Bei: DWDL.de, 19. Oktober 2012
  7. Kurt Sagatz: Neuer Investor für TV Berlin gefunden. In: Der Tagesspiegel. 30. Januar 2013, abgerufen am 8. April 2013.
  8. Stefan Niggemeier: Der aserbaidschanische Regierungssender TV.Berlin. 13. Mai 2015, abgerufen am 24. März 2021 (deutsch).
  9. Felix Dachsel, Robert Hofmann: Aserbaidschan-Affäre: Der Diktator, die CDU, der Moderator und das Geld. Vice, 22. März 2021, abgerufen am 24. März 2021.
  10. Peter Brinkmann im Interview mit Karin Strenz: Süd - Kaukasus wichtig für Deutschland - Teil 1. TV Berlin, 28. Mai 2015 (Sekunde 279, wie sie im Zitat von Vice gesetzt wurde).
  11. Christian Stöcker: Skandale in der Union: Fossile Verbindungen. In: Der Spiegel. 28. März 2021, abgerufen am 4. April 2021.
  12. Aserbaidschan-Affäre: Der Diktator, die CDU, der Moderator und das Geld (siehe auch Europäische Stabilitätsinitiative esiweb.org: Caviar Diplomacy and the Council of Europe)