Tablao

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Flamenco auf der Bühne eines madrilenischen Tablao

Ein Tablao (andalusisch: Podium, Bühne) oder Tablao flamenco[1] ist ein Lokal oder Restaurant mit einer Bühne für Flamenco-Darbietungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zeitalter der Tablaos begann in den 1950er Jahren in Spanien. Eines der ersten und bekanntesten war das Zambra in Madrid. Der Eigentümer, Fernán A. Casares, bestand auf Disziplin unter seinen Gästen und Konzentration auf die Darbietungen; Schwatzhaftigkeit war verpönt. Eine ganze Reihe der bekanntesten Künstler traten im Zambra auf, unter ihnen Rosa Durán, Paco Laberinto, Manuela Vargas, Mario Maya, Pepe el Culata, Manolo Vargas, Bernarda de Utrera und Flecha de Cádiz. Das Zambra hatte auch Räume für private Veranstaltungen, die häufig nach den öffentlichen stattfanden. Auch an den Ausgängen fand sich das Ensemble des Öfteren zu Darbietungen ein.[2]

Bei weitem nicht alle Tablaos erreichten die Qualität des Zambra. Dennoch steht fest, dass die Tablaos bis in die 1970er Jahre hinein erheblich dazu beitrugen, dass der Flamenco sein Publikum fand und die Künstler eine Arbeitsstätte hatten. Antonio Mairena, Terremoto de Jerez, Sordera de Jerez, Sernita de Jerez, Manolo Caracol, Matilde Coral – sie und viele andere fanden auf diesen Bühnen eine Wirkungsstätte. Auch die Weiterentwicklung des Flamenco als Kunstform fand in jener Zeit zum großen Teil in den Tablaos statt.[3]

Tablaos finden sich inzwischen nicht nur in Spanien, sondern auch in vielen Weltmetropolen wie Paris, London oder Tokio.[1]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutzutage haben sich die bekanntesten Künstler vom Halbdunkel dieser Bühnen emanzipiert; sie treten auf großen Festivals und im Fernsehen auf. Dementsprechend ist das künstlerische Niveau in den Tablaos mit wenigen Ausnahmen geringer als damals. Der Sänger Chato de la Isla urteilte, dass die Künstler sich in der Routine der Tablaos „verbrennen“ würden. Immer dieselben Soleares und Alegrías schössen ins Kraut. Es sei gut für den Tourismus, aber wem es gefalle, Flamenco zu hören, gehe dort nicht hin. Es herrsche Lärm und Gekreische – das sei kein Flamenco.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Wolfgang Gerhard: Spieltechnische Aspekte des Flamenco. In: Gitarre & Laute 1, 1979, 3, S. 34–39; hier: S. 34
  2. Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. Alianza Editorial, Madrid 2004, ISBN 978-84-206-4325-0, S. 259.
  3. Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. S. 260.
  4. Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. S. 260–261.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tablaos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien