Tadalafil

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Strukturformel
Strukturformel von Tadalafil
Allgemeines
Freiname Tadalafil
Andere Namen

IUPAC: (6R,12aR)-6-(1,3-Benzodioxol-5-yl)-2-methyl-1,2,3,4,6,7,12,12a-octahydropyrazino-[2',1':6,1]pyrido [3,4-b]indol-1,4-dion

Summenformel C22H19N3O4
CAS-Nummer 171596-29-5
PubChem 110635
ATC-Code

G04BE08

DrugBank DB00820
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

PDE-5-Hemmer

Wirkmechanismus

Enzymhemmung der Phosphodiesterase-5

Eigenschaften
Molare Masse 389,40 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

301–302 °C[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Toxikologische Daten

2000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Tadalafil, (Handelsname Cialis (EU, USA, CH), Hersteller: Lilly Pharma) ist ein Ende 2002 (Deutschland) bzw. Ende 2003 (USA)[3] erstmals auf den Markt gebrachtes Potenzmittel und dient der Behandlung der erektilen Dysfunktion, seit 2010 auch zur Behandlung von pulmonal-arterieller Hypertonie und seit 2012 zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tadalafil wirkt ähnlich wie Sildenafil, Vardenafil und Avanafil, indem es das Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5) hemmt. PDE-5 ist dafür verantwortlich, dass eine Erektion abgebaut wird, damit nicht durch eine Dauererektion das Gewebe des Schwellkörpers durch Mangeldurchblutung abstirbt. Durch die Hemmung von PDE-5 kommt es daher bei einer sexuellen Stimulation leichter zu Erektionen, die auch länger anhalten. Diese PDE-5-Hemmer können aber keine sexuelle Stimulation ersetzen. Erektionen beeinflussen nicht die Wirkdauer von PDE-5-Hemmern. Während dieser Zeit kann es je nach Konstitution des Mannes zu mehreren Erektionen und auch Ejakulationen kommen. Darüber hinaus erhielt der Wirkstoff eine Indikationserweiterung. Tadalafil kann seit November 2012 auch zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms verschrieben werden.[4]

Im Gegensatz zu den anderen Wirkstoffen kann Tadalafil in der niedrigen 5-mg-Dosierung auch täglich eingenommen werden. Diese sogenannte Konstanztherapie sorgt zusammen mit einer langen Wirkdauer dafür, dass der Wirkstoff rund um die Uhr im Körper verbleibt und damit auch spontane sexuelle Aktivität möglich ist. Bei den höheren Dosierungen 10 mg und 20 mg wird eine tägliche Einnahme über einen längeren Zeitraum nicht empfohlen.[5][6]

Tadalafil ist unter dem Markennamen Adcirca seit 2010 zur Behandlung der pulmonal-arteriellen Hypertonie zur einmal täglichen Einnahme zugelassen.[7] Zuvor war lediglich Sildenafil (Markenname Revatio) dafür zugelassen.[8] Der prinzipiell gleiche Wirkungsmechanismus und die längere Halbwertszeit von Tadalafil lassen diesen Wirkstoff jedoch geeigneter erscheinen, da die Kosten und die Häufigkeit der Einnahme für den Patienten reduziert werden können.[9][10]

Pharmakokinetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tadalafil hat mit 17,5 Stunden eine deutlich größere Halbwertszeit als Sildenafil (Viagra), Vardenafil oder Avanafil. Während die Wirkung bei Sildenafil 4 bis 6 Stunden, bei Vardenafil 8 bis 12 Stunden und bei Avanafil 6 bis 17 Stunden anhält, kann sie bei Tadalafil bis zu 36 Stunden betragen. Die Wirkung setzt für gewöhnlich nach einer Stunde ein, es kann aber auch bis zu sechs Stunden dauern, bis ein Effekt spürbar ist.

Wechselwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gleichzeitige Einnahme von Tadalafil mit organischen Nitriten bzw. NO-Donatoren (dazu zählt auch die Szenedroge Poppers) ist kontraindiziert. Durch die kombinierte Wirkung auf den Blutdruck droht ein akuter lebensbedrohlicher Blutdruckabfall – es sollte sofort ein Notarzt alarmiert werden, der über die genommene Medikation in Kenntnis gesetzt werden muss. Hierbei ist auch die lange Halbwertszeit von Tadalafil zu berücksichtigen. Dementsprechend sollte bei Einnahme von Tadalafil 36 Stunden keine kontraindizierten Medikamente eingenommen werden.

Tadalafil kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Allerdings kann die Wirkung bei einer schwerverdaulichen oder extrem fettreichen Mahlzeit verzögert erfolgen.

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selten werden Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen (Niedriger Blutdruck) beobachtet, weiter treten „in der Praxis“ anscheinend häufiger Muskelschmerzen auf, die mehrere Tage anhalten können, indessen nicht ernsthafter Natur sind. Berichte von plötzlichem Hörverlust, manchmal begleitet von Tinnitus oder Schwindel, liegen vor. Häufige Nebenwirkungen sind unter anderem Kopfschmerzen, Verdauungsstörung, verstopfte Nase oder auch Rückenschmerzen. Gelegentliche Begleiterscheinungen können sich in Form von einem trockenen Rachen, Müdigkeit oder auch Tachykardie äußern. In seltenen Fällen kommt es zur Dauererektion.

Sonstige Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tadalafil ist in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich sowie in einigen anderen Ländern verschreibungspflichtig, in anderen Ländern hingegen frei erhältlich. Es ist seit November 2002 in der EU und seit 2003 in den USA zugelassen.

Die Handelsmarke Cialis wird neben anderen Potenzmitteln besonders häufig in unerwünschten E-Mails (Spam) beworben. Dabei handelt es sich oft nicht um das Originalmedikament, sondern auch um gefälschte Nachahmerpräparate mit anderen Wirkstoffen und unvorhersehbaren Wirkungsweisen. Die Einnahme solcher Präparate kann daher mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden sein.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel zur Pharmakologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Padma-Nathan, In: Am. J. of Cardiology., 92/9A, 2003, S. 19M-25
  • Sperling, In: Herz., 28/4, 2003, S. 314–324

Artikel zur Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Übersichtsarbeit über die drei wichtigsten Medikamente zur Behandlung von Erektionsstörungen: Gresser U., Gleiter C.H.: Erectile dysfunction: Comparison of efficacy and side effects of the PDE-5 inhibitors Sildenafil, Vardenafil and Tadalafil review of the literature. In: Eur J Med Res (2002) 7: 435-446. PMID 12435622.
  • Curran et al., In: Drugs 63/20, 2003, S. 2203–12
  • Kloner et al., In: Am. J. of Cardiology., 92/9A, 2003, 47M-57

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eintrag zu Tadalafil in der DrugBank der University of Alberta.
  2. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  3. John Cook: 36-hour Erection Drug Cialis Gets U.S. Approval. In: Seattle Post-Intelligencer, 22. November 2003, S. A1. Abgerufen am 10. Januar 2009. 
  4. ABDA-Datenbank | Drug Base: CIALIS 5 mg Filmtabletten: Indikationserweiterung
  5. Gebrauchsinformation Cialis 5mg (PDF; 247 kB).
  6. Gebrauchsinformation Cialis 20mg (PDF; 250 kB).
  7. Tadalafil (Adcirca) bei Lungenhochdruck (Pulmonale Hypertonie), 2010, medknowledge, abgerufen am 16. September 2014.
  8. Robert P. Frantz, Louise Durst, Charles D. Burger, Ronald J. Oudiz, Robert C. Bourge, Veronica Franco, Aaron B. Waxman, Susanne McDevitt, Susan Walker: Conversion From Sildenafil to Tadalafil: Results From the Sildenafil to Tadalafil in Pulmonary Arterial Hypertension (SITAR) Study. In: Journal of Cardiovascular Pharmacology and Therapeutics. 2014, doi:10.1177/1074248414528066.
  9. Nazzareno Galiè, Hossein A. Ghofrani, Adam Torbicki, Robyn J. Barst, Lewis J. Rubin, David Badesch, Thomas Fleming, Tamiza Parpia, Gary Burgess, Angelo Branzi, Friedrich Grimminger, Marcin Kurzyna, and Gérald Simonneau, for the Sildenafil Use in Pulmonary Arterial Hypertension (SUPER) Study Group: Sildenafil Citrate Therapy for Pulmonary Arterial Hypertension. In: New England Journal of Medicine. Band 353, Nr. 1, 2005, S. 2148–2157, doi:10.1056/NEJMoa050010.
  10. Nazzareno Galiè, Marius M. Hoeper, Marc Humbert, Adam Torbicki, Jean-Luc Vachiery, Joan Albert Barbera, Maurice Beghetti, Paul Corris, Sean Gaine, J. Simon Gibbs, Miguel Angel Gomez-Sanchez, Guillaume Jondeau, Walter Klepetko, Christian Opitz, Andrew Peacock, Lewis Rubin, Michael Zellweger, Gerald Simonneau: Guidelines for the diagnosis and treatment of pulmonary hypertension. The Task Force for the Diagnosis and Treatment of Pulmonary Hypertension of the European Society of Cardiology (ESC) and the European Respiratory Society (ERS), endorsed by the International Society of Heart and Lung Transplantation (ISHLT). In: European Heart Journal. Band 30, Nr. 20, 2009, S. 2493–2537, doi:10.1093/eurheartj/ehp297.
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