Tagebau Niemtsch

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ehemaliger Tagebau Niemtsch – heutiger Senftenberger See

Der Tagebau Niemtsch war ein Braunkohletagebau im Lausitzer Braunkohlerevier, der von 1940 bis 1966 im Bezirk Cottbus betrieben wurde. Er lag im Kreis Senftenberg. Durch kontrollierte Flutung wurde er im Zuge der Rekultivierung nach Ideen des Landschaftsplaners Otto Rindt in einen künstlichen See, den Senftenberger See umgewandelt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tagebau lag in der Niederlausitz im sogenannten Niederlausitzer Braunkohlerevier.

Der Tagebau lag südlich der Stadt Senftenberg. Am Tagebau grenzen die Orte Niemtsch, Großkoschen, Kleinkoschen und Peickwitz an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1938 wurde der Tagebau aufgeschlossen. Am 23. April 1940 begannen die Schachtholzverlegung und die Entwässerung. Die erste Kohle wurde am 6. Mai 1941 gefördert. Bis zum 20. April 1945 wurde der Tagebau durch die Ilse Bergbau AG betrieben. Durch Kriegseinwirkungen fiel an diesem Tag die Stromversorgung der Wasserhaltung aus. Bis zum 22. Juni 1945 wurden Tagebau, Gleisanlagen und Grubenbagger durch 4,5 Millionen Kubikmeter Wasser überflutet. Das Wasser erreichte eine Höhe von 16 Metern über der Sohle des Tagebaus.

Am 22. Juni 1945 begann man mit dem Abpumpen des Wassers, im Juni 1947 ging der Tagebau wieder in Förderung. Der Tagebau gehörte zum VEB Braunkohlewerk „Franz Mehring“ Brieske. Mit Befehl 118 befahl die Sowjetische Miliäradminstration den Bau einer Abraumförderbrücke. Diese nahm am 10. März 1949 die Abraumförderung auf.

In einem Haupt- und zwei Nebenfeldern (Elsterfeld und Südfeld) wurde Kohle gefördert. Im Jahr 1957 kam es in der Nähe der Niemtscher Mühle zu Rutschungen, die Gleisanlagen verschütteten. Vom 26. bis 27. Mai 1959 zerstörte ein Großbrand im Tagebau Schienen, Fahrleitungen und Grubengleise.

Der letzte Kohlezug verließ am 15. Mai 1966 den Tagebau. Die Abraumbrücke wurde am 27. Mai 1966 um 11.30 Uhr gesprengt.

Nach dem Ende der Kohleförderung entstand als Bergbaufolgelandschaft der am 1. Juni 1973 eingeweihte Senftenberger See.

Braunkohleförderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1949 bis 1966 wurden 160 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gefördert. Das Braunkohleflöz hatte eine Mächtigkeit von 5 bis 10 Metern. Für den Abbau wurden 400 Millionen Kubikmeter Abraum bewegt.

Orts- und Flächeninanspruchnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1544 Hektar Land wurden durch den Tagebau in Anspruch genommen, unter anderem wurde die Hammermühle Großkoschen und der Flugplatz Buchwalde abgebaggert.

Für den Tagebau wurde von 1955 bis 1957 das Bett der Schwarzen Elster zwischen Kleinkoschen und Brieske auf einer Strecke von acht Kilometern verlegt und in das Bett der nördlich fließenden Sornoer Elster gelegt. Die Fernverkehrsstraße 96 zwischen Buchwalde und Großkoschen mit 4,5 Kilometern sowie die Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz auf dem Abschnitt Senftenberg – Hohenbocka mit einer Länge von 7,5 Kilometern wurden verlegt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Forkert: Senftenberger Rückblicke Interessantes aus der Senftenberger Geschichte. Buchhandlung "Glück Auf", Senftenberg 2006.
  • Schriftenreihe für Heimatforschung Kreis Senftenberg Nr. 3. Senftenberg.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 51° 30′ 29,2″ N, 14° 0′ 25,4″ O