Tagebuch eines Bibliothekars

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Tagebuch eines Bibliothekars

Tagebuch eines Bibliothekars ist der Titel eines literarisch-journalistischen Tagebuchs des österreichischen Schriftstellers und Bibliothekars Helmuth Schönauer. In den fünf Bänden sind nach Entstehungsdatum geordnet gut 4400 Rezensionen zwischen 1982 und 2015 als durchgehender Text angeordnet. Jeder Band ist mit einer Einführung eines Exponenten aus der Verlags-, Bibliotheks- oder Literaturszene versehen. Chronologisches Titelregister und Autorenregister im Anhang sind im Verbundkatalog der Bibliotheken vernetzt und so online abrufbar. Aus der Mitschrift zur Lektüre der jeweiligen Werke ergibt sich eine besondere Form der Darstellung von Zeitgeschichte, sind die Quellen doch Bücher, die nach einem bibliothekarisch-individuellen Auswahlverfahren hintereinander im Regal zu stehen und zur Rezension gekommen sind.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Literaturvermittlung gelten drei Säulen als relevant: Buchhandel, Literaturwissenschaft und öffentliches Bibliothekswesen. Dieses ist gekennzeichnet durch die Freiwilligkeit, mit der das Lesen vonstattengeht. Während im Buchhandel die finanzielle Komponente und in der Literaturwissenschaft die Karrierepläne der Beteiligten den Kanon der Bücher bestimmen, gelten im Bibliothekswesen Kategorien wie Spannung, Unterhaltung oder Regionalkompetenz. Rezensionen für die Bibliothekskundschaft sind deshalb anders formuliert als Rezensionen für den literaturwissenschaftlichen Betrieb. Neben der Freiwilligkeit ist es vor allem die Wertschätzung der Leser, die in diesem Medium zum Ausdruck kommt. Franzobel: „Schönauer nähert sich den Büchern mit großem Respekt, weiß sowohl der spröden experimentellen Literatur etwas abzugewinnen, als auch Pageturnern.“ (Vorwort I) Der Leser hat immer recht, heißt es in einem Bonmont und eine gute Rezension ist immer der Beginn für ein Gespräch. (Reinhard Ehgartner, Vorwort IV) Das Rezensionskompendium zieht sich über 35 Jahre hin, dabei werden im ausgewogenen Mix Regionalliteratur, österreichische „Literaturhaus-Literatur“ und markante Übersetzungen aus aller Welt berücksichtigt. Über Themenwahl, Diskurs-Linien und Erzählstrategien lässt sich allmählich eine Stimmung nachvollziehen, die beim Lesen der damaligen aktuellen Gegenwartsliteratur entstanden ist. Die Rezensionen sind nicht nachbearbeitet, sodass sie durchaus andere Aspekte beleuchten, als dies in einer heutigen Rückschau erwartet würde. „Das Gros der Rezensionen ist österreichischen wie internationalen Neuerscheinungen gewidmet, aber Literaturzeitschriften werden ebenso einbezogen wie vereinzelt Musik- und Hörbuch-CDs, Bücher zu Wirtschaftsfragen, mitunter auch Sekundärliteratur.“ (Evelyne Polt-Heinzl, Vorwort II)

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Boom an Literaturzeitschriften und Kleinverlagen einhergehend prosperiert in den 1980er Jahren auch das Bibliothekswesen. Um dem neuen Typus Leser gerecht zu werden, nämlich ohne darüber geprüft zu werden ein Buch zu lesen, werden Neuerscheinungen auch außerhalb einschlägiger Literaturzeitschriften in regionalen Wochen- und Tageszeitungen sowie in den regionalen Sendeanstalten publiziert. Jede literarische Epoche und jeder beschriebene Zeitgeist gehen letztlich auf einzelne Werke zurück, die in diversen Zusammenschauen immer mehr verdichtet und eingedickt werden, bis sie am Schluss als Stoff für Lehrbücher zur Verfügung stehen. Das Tagebuch eines Bibliothekars hält die Dünnflüssigkeit des Alltags am Laufen, indem die Rezensionen kommentarlos als Tagebucheintragung hintereinander aufgefädelt sind und dadurch zwischen den Zeilen eine neue Metaebene aufmachen.

Originalausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmuth Schönauer: Tagebuch eines Bibliothekars. Band I. 1982–1998. Mit einem Vorwort von Franzobel. 894 Seiten. Sisyphus-Verlag, Klagenfurt 2015. ISBN 978-3-901960-79-6.
  • Helmuth Schönauer: Tagebuch eines Bibliothekars. Band II. 1999–2003. Mit einem Vorwort von Evelyne Polt-Heinzl. 960 Seiten. Sisyphus-Verlag, Klagenfurt 2015. ISBN 978-3-901960-80-2.
  • Helmuth Schönauer: Tagebuch eines Bibliothekars. Band III. 2004–2008. Mit einem Vorwort von Dieter Bandhauer. 902 Seiten. Sisyphus-Verlag, Klagenfurt 2016. ISBN 978-3-901960-81-9.
  • Helmuth Schönauer: Tagebuch eines Bibliothekars. Band IV. 2009–2012. Mit einem Vorwort von Reinhard Ehgartner. Sisyphus-Verlag, Klagenfurt 2016. 895 Seiten. ISBN 978-3-901960-82-6.
  • Helmuth Schönauer: Tagebuch eines Bibliothekars. Band V. 2013–2015. Mit einem Vorwort von Richard Wall. 924 Seiten. Sisyphus-Verlag, Klagenfurt 2016. ISBN 978-3-901960-83-3

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franzobel über Helmuth Schönauer: Die Vermessung literarischer Erhebungen. Vorwort zu Schönauers Tagebuch eines Bibliothekars. In: Der Standard, Album, 16. Mai 2015
  • Karl-Markus Gauß: Manchmal behält der Schwachsinn die Oberhand. Der Tiroler Bibliothekar Helmuth Schönauer hat seit 1982 viertausend Rezensionen verfasst. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 279, Freitag, 2. Dezember 2016, S. 14.
  • Friedrich Haring: Schönauers literarisches Sushi. TBB Band III. In: Südtiroler Tageszeitung, Bozen, 29. September 2016
  • Joachim Leitner: Kein Autor verhunzt sein Buch absichtlich. Knapp 5000 Rezensionen hat der Tiroler Bibliothekar Helmuth Schönauer seit 1982 veröffentlicht. Jetzt erscheinen sie in Buchform. In: Tiroler Tageszeitung, Innsbruck, 23. März 2016
  • Martin Willems: Finsterer Kopf, leuchte! Haltet alle durch, die Bücher müssen noch dicker werden – und pointierter: Der Bibliothekar Helmuth Schönauer legt seine gesammelten Rezensionen vor. In: Junge Welt, 31, Mai 2016. Seite 10 / Feuilleton.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]