Tages-Anzeiger

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Tages-Anzeiger
Tages-Anzeiger
Beschreibung Schweizer Tageszeitung
Verlag Tamedia
Erstausgabe 2. März 1893
Erscheinungsweise werktäglich
Verkaufte Auflage
(WEMF-Auflagebulletin 2017[1])
140'823 (Vj. 149'368) Exemplare
Verbreitete Auflage (WEMF-Auflagebulletin 2017) 148'705 (Vj. 157'323) Exemplare
Reichweite (WEMF Total Audience 2017-1[2]) 0,461 (Vj. 0,457) Mio. Leser
Chefredaktor Arthur Rutishauser (ab 1. Januar 2018 Chefredaktor der Tamedia-Mantelredaktion), Judith Wittwer (ab 1. Januar 2018)
Herausgeber Pietro Supino
Weblink www.tagesanzeiger.ch
ISSN (Online) 1422-9994

Der Tages-Anzeiger (abgekürzt TA, umgangssprachlich Tagi) ist eine überregionale Schweizer Tageszeitung aus Zürich und gehört zur Tamedia. Er hat 2017 mit 140'823 (Vj. 149'368) verkauften bzw. 148'705 (Vj. 157'323) verbreiteten Exemplaren[1] die höchste WEMF-beglaubigte Auflage unter den Abonnementszeitungen des Landes und erreicht täglich 461'000 (Vj. 457'000) Leser.[2] Der Tages-Anzeiger zählt neben dem Blick und der Neuen Zürcher Zeitung zu den einflussreichsten Zeitungen der deutschsprachigen Schweiz.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tages-Anzeiger wird vom Verlagshaus Tamedia herausgegeben. Sein Schwerpunkt liegt in der Metropolregion Zürich (Stadt und Agglomeration Zürich). Seit Januar 2017 besteht eine umfassende Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung. Die Kooperation umfasst neben der Auslandsberichterstattung Themen, bei denen ein nationaler Blickwinkel nicht immer im Zentrum steht. Darunter fallen die Ressorts Wissen, Kultur & Gesellschaft sowie der Sport.

Gliederung und Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Printausgabe des Tages-Anzeigers gliedert sich seit der Neugestaltung 2014 in drei Zeitungsbünde:

  • Der erste Bund enthält Nachrichten, Recherchen, Hintergrundberichte und Analysen aus der Schweiz und dem Ausland. Der Fokus liegt auf Politik und Wirtschaft. Ebenfalls im ersten Bund befindet sich die Seite Leserforum. Die Kehrseite mit vermischten Meldungen schliesst den ersten Bund ab.
  • Der zweite Bund beginnt mit dem Zürich-Teil und enthält regionale Nachrichten, Recherchen, Hintergrundberichte und Analysen aus Stadt und Kanton Zürich. Im Service-Bereich folgen amtliche Anzeigen, ein Veranstaltungskalender (Agenda) sowie die Seite Bellevue für jüngere Leser mit einem Comic. Der Sport-Teil befindet sich ebenfalls im zweiten Bund, wobei der Sport von hinten nach vorne zu lesen ist.
  • Der dritte Bund nennt sich Kultur und Gesellschaft und enthält unter anderem Kulturnachrichten, das Kino-, Theater- und Fernsehprogramm sowie auf der Backpage die Seite Wissen.

Die Redaktionen der Ressorts Kultur, Gesellschaft, Wissen, Reisen, Sport und seit 2017 auch Wirtschaft arbeiten zugleich für die SonntagsZeitung.[3]

Frühere Gliederung

Bis 2014 gliederte sich der TA in vier Faszikel, die sich noch stärker an den klassischen Zeitungsressorts orientiert hatten: Frontbund, Zürich und Region, Wirtschaft, Sport und Kultur.

Beilagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Tages-Anzeiger liegen wöchentlich folgende Beilagen bei:

  • züritipp, Ausgehmagazin für den Grossraum Zürich, donnerstags, ersetzt dann das Kino- und Theaterprogramm im Kulturteil
  • Das Magazin, samstags
  • Alpha, Kader- und Spezialistenmarkt, samstags (seit 2016 in den ersten Bund integriert)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Ausgabe des Tages-Anzeigers erschien am 2. März 1893 mit einem Umfang von 16 Seiten. Mit einer Mischung aus Nachrichten, Unterhaltung (etwa einem Fortsetzungsroman), Sport und Anzeigen sprach der Tages-Anzeiger ein breites Publikum und explizit auch Frauen an. Bereits drei Jahre nach seiner Lancierung war der Tagi die grösste abonnierte Tageszeitung der Schweiz. Er verstand sich als unparteiischer Anzeiger, der alle Meinungen und Akteure zu Wort kommen liess. Wie der Historiker Konrad Zollinger schreibt, hatte diese Haltung ökonomische Gründe: «Denn wenn man nicht urteilte, konnte man auch niemanden verärgern – weder den Leser, sprich Käufer – noch den Inserenten, sprich Geldgeber.»[4] Dies führte auch dazu, dass 1931 ein Artikel von Adolf Hitler mit dem Titel «Was wollen wir Nationalsozialisten» und 1933 sieben Artikel von Benito Mussolini abgedruckt wurden. Die Berichterstattung über die Frontisten in den 1930er Jahren war unkritisch und nahm viel Platz ein.[4]

Ausgabe des «Tages-Anzeiger für Stadt und Kanton Zürich» vom 28. Mai 1923.

Gründer des Tages-Anzeigers waren der deutsche Zeitungsverleger Wilhelm Girardet und der frühere NZZ-Redaktor Fritz Walz. 1905 heiratete der Redaktor Otto Coninx die Verlegertochter Berta Girardet. Später übernahm Otto Coninx schrittweise die Mehrheit am Unternehmen, aus dem später die Mediengruppe Tamedia hervorging, die sich noch heute mehrheitlich im Besitz der Familie Coninx befindet.[5]

Im Jahr 1964 führte der Tages-Anzeiger als erste Tageszeitung der Schweiz die Frühzustellung ein. Durch die neue Zustellung wurde der Redaktionsschluss vom frühen Morgen auf den späten Nachmittag verlegt. Der Druck der Zeitung erfolgt seither in der Nacht.

In den folgenden Jahren baute der Tages-Anzeiger seine Beilagen aus. 1966 erschien erstmals die Stellenbeilage Stellen-Anzeiger, 1970 das Tages-Anzeiger-Magazin und 1982 das Ausgehmagazin züritipp. Seit 1997 erscheint die auf Kaderstellen ausgelegte Stellenbeilage Alpha – Der Kadermarkt.

Im August 2008 wurde das Online-Angebot stark erweitert. Der Tages-Anzeiger ist seither zusammen mit der Basler und der Berner Zeitung der Online-Plattform Newsnet angeschlossen mit eigenen Regionalredaktionen in Zürich, Basel und Bern. Im November 2008 wurde zudem Der Bund online dem Newsnet angegliedert.[6] Die Mantelredaktion in Zürich ist für die nicht regionalen Inhalte zuständig. Im Mai 2009 gab der Tages-Anzeiger einen Abbau von 57 Stellen (davon 50 Vollzeit) bekannt.[7] Der Tages-Anzeiger sah sich mit dem Vorwurf konfrontiert, dieser Abbau sei nicht ganz sauber vonstattengegangen.[8] 2005 lancierte der Tages-Anzeiger die Regionalausgabe Linkes Seeufer und Sihltal, die in diesem Gebiet allen Tagi-Abonnenten zusammen mit der täglichen Zeitung zugestellt wurden. 2006 kamen die Regionalausgaben für das rechte Ufer des Zürichsees, das Zürcher Oberland und das Zürcher Unterland dazu. Im Oktober 2009 wurde ein neues Layout sowie eine neue Gliederung eingeführt. Im Juni 2012 wurden die Regionalausgaben eingestellt.[9] Im August 2013 wurden die beiden Redaktionen Print und Online zusammengeschlossen und erstellen künftig die Inhalte für alle Kanäle gemeinsam.[10]

Der Tages-Anzeiger ist Gründungsmitglied der Leading European Newspaper Alliance (LENA), in der er zurzeit mit den Tageszeitungen Die Welt, dem spanischen El País, der italienischen La Repubblica, Le Figaro aus Frankreich, Le Soir aus Belgien und dem Schweizer Titel Tribune de Genève in der internationalen Berichterstattung redaktionell zusammenarbeitet und kooperiert.[11] 2017 trat eine Vereinbarung über eine redaktionelle Zusammenarbeit in der Berichterstattung aus dem Ausland zwischen dem Tages-Anzeiger und der Süddeutschen Zeitung in Kraft.[12]

Am 23. August 2017 gab Tamedia bekannt, dass ab 2018 nur noch je eine deutsch- und eine französischsprachige Tamedia-Redaktion den internationalen/nationalen Mantel (Inland, Ausland, Wirtschaft und Sport) für die 15 Tages- und 2 Sonntagszeitungen erstellen werden. Chef der deutschsprachigen Mantelredaktion wird der derzeitige Chefredaktor von Tages-Anzeiger/SonntagsZeitung Arthur Rutishauser. Er bleibt zudem Chefredaktor der SonntagsZeitung. Chefredaktorin des Tages-Anzeigers wird Judith Wittwer.[13][14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b WEMF-Auflagebulletin 2017, S. 28 (PDF; 640 kB).
  2. a b WEMF Total Audience 2017-1, S. 6 (PDF; 1 MB).
  3. «Tages-Anzeiger» und «SoZ» legen Wirtschaftsressort zusammen. In: Neue Zürcher Zeitung. 8. April 2017.
  4. a b Konrad Zollinger: Frischer Wind oder faschistische Reaktion? Die Haltung der Schweizer Presse zum Frontismus. Chronos, Zürich 1991, ISBN 978-3-905278-75-0, S. 399–404.
  5. Chronik 1893–1930 (Memento vom 5. April 2016 im Internet Archive). Tamedia.
  6. «Wir werden niemals in Versuchung geraten, einen Tages-Anzeiger zu trivialisieren.» In: persoenlich.com. 13. Oktober 2008 (Interview von Christian Lüscher mit Newsnet-Chefredaktor Peter Wälty).
  7. Der «Tages-Anzeiger» streicht 57 Stellen (Memento vom 8. August 2014 im Internet Archive). 14. Mai 2009.
  8. Menschenverachtende Entlassungen? In: persoenlich.com. 2. Juni 2009.
  9. «Tages-Anzeiger» stellt Splits ein. In: NZZ Online. 9. Mai 2012.
  10. Res Strehle: «Tages-Anzeiger»: Print und Online fusionieren. In: Tages-Anzeiger. 19. August 2013.
  11. Uwe Mantel: «Die Welt» ist Mitgründer der Zeitungs-Allianz LENA. In: DWDL.de. 10. März 2015.
  12. Süddeutsche Zeitung und Tages-Anzeiger vereinbaren umfassende Kooperation ab 2017. In: meedia.de. 8. Dezember 2016.
  13. Tamedia: neue Organisation der Zeitungsredaktionen und Wachstumsinitiativen. Tamedia. 23. August 2017.
  14. Umbau bei Tamedia. Zwei konzentrierte Tamedia-Redaktionen ab 2018. In: persoenlich.com. 23. August 2017.