Takedda

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Takedda, auch Tegidda (Tamascheq, „Quelle“[1]), ist eine Ruinenstadt 140 km westnordwestlich von Agadez in Niger beim heutigen Ort Azelik, der im Gemeindegebiet von Ingall liegt.[2][3][4][1] Im Mittelalter war der Ort neben dem Fessan die wichtigste Etappe der transsaharanischen Route zwischen Gao und Ägypten.

Gemäß Radiokarbondatierung wurde bereits im 1. Jahrtausend v. Chr. oder noch früher in Takedda Kupfer verarbeitet. Die Stadt wurde 1353 von Ibn Battuta anlässlich seiner Rückreise von Mali nach Marokko besucht. Der Weltreisende charakterisiert den Ort als Handelsstadt, übergeht die nahegelegenen Salinen, erwähnt aber die Ausfuhr von Kupfer.[1] Nach seinem Bericht wurde das Kupfer von hier nach Gobir, Zaghay (Katsina) und Bornu exportiert. Laut den Nachrichten bei al-Umari und Ibn Chaldun, war der Ort im 14. Jahrhundert Teil des Malireiches. Als wahrscheinlich gilt, dass die mittelalterlichen Quellen Takedda mit Tadmekka, dem heutigen Essouk in Mali (Region Kidal) verwechselt haben und sich das Malireich nie bis nach Takedda ausdehnte.[5]

Die Gründung von Agadez um 1430 führte zu einer Konkurrenzsituation zwischen den beiden Städten. Takedda wurde schließlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts von Agadez angegriffen und völlig zerstört. Die Einwohner zogen sich nach Ingall, 80 km weiter südlich zurück. Auch die Kupferverarbeitung endete um diese Zeit, entweder weil die Erzvorkommen erschöpft waren oder es kein Brennmaterial mehr gab.[6]

Der Name der Handelsstadt überlebt in dem der Ortschaft Tegguida-n-Tessoum, 16 km westsüdwestlich von Azelik. 1957 wurde bei Takedda eine Uranlagerstätte entdeckt,[7] die seit 2010 durch das Uranbergwerk Azelik ausgebeutet wird.[8]

Die heutige Piste von Tamanrasset in Algerien nach Tahoua und Niamey in Niger führt über Tegguida-n-Tessoum und Ingall.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pierre Gouletquer und Suzanne Bernus (Hrsg.): Programme archéologique d’urgence: In Gall-Tegidda n Tesemt, Niamey 1979.
  • Djibo Hamani: Le sultanat touareg de l’Ayar, Niamey 1989 (hier S. 95–190).
  • Dierk Lange: Ancient Kingdoms of West Africa, Dettelbach 2004 (hier S. 522–534).
  • Rudolf Fischer: Gold, Salz und Sklaven. Die Geschichte der grossen Sudanreiche Gana, Mali und Son Ghau. Edition Erdmann, Stuttgart 1986, ISBN 3-522-65010-7
  • Raymond Mauny: Tableau géographique de l’Ouest Africain au Moyen Age, d’après les sources ècrites, la Tradition et l’archéologie. Dakar 1961.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Rudolf Fischer, Gold, Salz und Sklaven, S. 146 f.
  2. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  3. so der französische Prähistoriker, Raymond Mauny, der davon ausgeht, dass Koinzidenz zwischen der antiken Stadt Takedda und dem heutigen Azelik besteht.
  4. Raymond Mauny, Tableau géographique de l’Ouest Africain, S. 140 f.
  5. Roland Oliver (Hrsg.): The Cambridge History of Africa. Band 3, Cambridge University Press, Cambridge 1977, S. 265
  6. Eugenia W. Herbert: Red Gold of Africa. Copper in Precolonial History and Culture. The University of Wisconsin Press, Madison 1984, S. 16
  7. Uranium in Niger. World Nuclear Association, Juni 2013, abgerufen am 26. Juni 2013 (englisch).
  8. First uranium from Niger mine. World Nuclear News, 4. Januar 2011, abgerufen am 26. Juni 2013 (englisch).

Koordinaten: 17° 31′ N, 6° 46′ O