Talstufe

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Talstufe als Beginn eines Trogtals (Hardangervidda)
Talschluss des St. Wilhelmer Tales (Südschwarzwald)

Eine Talstufe oder Talschwelle ist ein markanter Gefällebruch im Längsprofil von Tälern, zumeist von durch Gletscher geformten Trogtälern.

Typischerweise weist ein durch Gletscher geformtes Tal eine Folge von Beckenformen und dazwischen liegenden Schwellen auf, die durch die örtlich variierende Tiefenerosion von Talgletschern entsteht. Nach dem Abschmelzen des Eises tritt dies zunächst als Abfolge von Seen mit dazwischen liegenden Stromschnellen oder Wasserfällen in Erscheinung. Gerölltransport, Erosions- und Ablagerungsvorgänge der Fließgewässer lassen daraus schließlich Abfolgen von Talböden und Schluchten entstehen.

Typische Talstufe in einem Trogtal (Vilsalptal, Allgäuer Alpen), U-Profil vorne nahezu verschüttet, hinten der sanfte Kartobel

Derartige Beckenformen mit abruptem Beginn erscheinen oft als markante Stufen, die die ebeneren Talabschnitte voneinander trennen können. Deutliche Stufen entstanden oft dort, wo die Erosionsleistung des einstigen, das Tal erfüllenden Gletschers plötzlich erhöht war, etwa beim Zusammenströmen großer Gletscher. Sie werden dann als Konfluenzstufen bezeichnet. Ähnliche Stufen entstehen auch, wenn sich flächenhaft aufeinander zubewegendes Eís zu Gletscherströmen formiert, die die Gesteinsoberflächen intensiver ausschürfen können (Exaration). Liegen solche Talstufen nahe am oberen Ende eines Tales, werden sie auch als Talschluss bezeichnet, sonst gliedern sie den Talzug in oft ganz prägnante einzelne Talabschnitte, die sich auch Kettenartig mit sanfteren und weiten Talkesseln und dazwischenliegenden Engtälern an Stufen und Schellen aneinanderreihen können. Besonders im Inneren der Gebirge bilden diese Talstufen die Gliederung der Siedlungsräume, und führen zu schwer erreichbareren Isolationslagen.

Nebentäler, die hoch über der Talsohle auf ein Trogtal treffen, münden ebenfalls mit einer deutlichen Stufe in das Haupttal. Der Bach stürzt dann über die Trogtalwand des Haupttales hinab. Man spricht dann von einem Hängetal, die Stufe wird dabei morphologisch der Talwand des Haupttals zugerechnet, ist also keine Talstufe im beschriebenen engeren Sinne. Grenzfälle dieser Begrifflichkeiten sind etwa die Kartäler, die typischerweise Kessel ausbilden, in denen dann oft noch ein See liegt, der nur periodisch über die Talschwelle ausrinnt oder gänzlich im Untergrund entwässert.

Talstufen können auch schon vor der Vergletscherung im Gebirgsrelief vorgegeben sein, oder gänzlich ohne Gletscherwirkung entstehen, typischerweise auf Grund wechselnder Erosieonsresistenz des Gesteins, oder auf Grund aktiver Verwerfungen. Sie werden dann durch die glaziale und/oder fluvatile Erosion nur noch akzentuiert. Beispiele dafür sind die Tobeltäler in Sandsteinen, oder oft nur im Untergrund entwässernde Tröge im Kalk, wo sich die Talstufe unterhalb durch Tiefenerosion nachsenkt.

Talstufen, die ohne Mitwirkung von Gletschern entstanden sind, finden sich häufig im Bereich von Schichtstufen. Diese können dann auch in den weiten Ebenen der Unterläufe ganz charakteristische Gliederung des Laufs in Flussabschnitte darstellen, und bilden verbreitet ein bedeutendes Hindernis der Schiffbarkeit.

Von Talschwelle spricht man im weiteren Sinne auch von Höhenzügen, die sich quer über das Tal ziehen, der Wasserlauf bildet dann ein lokales Durchbruchstal, und die Bergformation wird Riegelberg genannt. Solche Formationen entstehen, wenn Gletscher nach Steilstufen im Talverlauf Becken ausgeschüft haben, dann aber wieder ansteigen (ähnlich den Tosbecken unterhalb eines Wasserfalls), oder seitlich einmündende Gletscher später einen anderen Hauptlauf des Talzugs abgegraben haben. Eine weitere Form der Talschwelle bildet sich durch alte Endmoränen, dann kann auch mitten im Talzug eine Wasserscheide entstehen (Talwasserscheide). Ähnliche Konstellationen entstehen auch durch Anzapfung, wo ein Flusslauf dann stückweise die Fliessrichtung ändert, und von einem ursprünglichen Mittellauf zum lokalen Oberlauf eines anderen Flusses wird, und eine Schwelle im Talzug stehen bleibt. Das Sohlenniveau kann dann auch beiderseits der Talschwelle gleich sein – so sind Inselberge in weiten Trogtälern oft charakteristische Reste einer sonst gänzlich abgetragenen Talstufe oder -schwelle. Oder das Becken hinter der Schwelle verfüllt sich wieder mit Sediment, sodass wieder Talstufen im engeren Sinne entstehen (sekundäre Talstufe) – typische Fälle dafür sind wiederverlandete Eiszeit-Seen.

Ähnliche Formen entstehen auch durch große Massenbewegungen, beispielsweise ganz plötzlich durch Bergstürze oder schleichend durch Talzuschub, oder durch massive Windverfrachtungen (Äolisches Sediment). Auch hierbei entscheidet die Bilanz zwischen Erosion und Nachschub darüber, ob ein Durchbruch oder eine sekundäre Stufe entsteht.

Talschwellen in diesem weiteren Sinne wie auch Talstufen im engeren Sinne bilden Talpässe aus.

Steilere Talstufen bilden Schluchten und Klammen aus, solche mit Wasserfällen können auch gegen die Flussrichtung erodieren, und formen dann unterhalb einen Canyon. Prototypische Beispiele für letzteres sind die Niagarafälle, die heute noch mitten zwischen zwei der amerikanischen Großen Seen liegen, und der Grand Canyon, der die End-Entwicklung einer solchen rückläufigen Erosion darstellt. Reicht die Erosion gar nicht aus, die Stufe oder Schwelle zu überwinden, entsteht ein lokales endorheisches Becken.

Auf der Makroskala findet die Talsstufe/-schwelle einer Entsprechung in der Gebirgsschwelle, die ganze Großlandschaften analog isolieren kann.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]