Tamarine

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Tamarine
Kaiserschnurrbarttamarin (Saguinus imperator)

Kaiserschnurrbarttamarin (Saguinus imperator)

Systematik
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
Teilordnung: Affen (Anthropoidea)
Neuweltaffen (Platyrrhini)
Familie: Krallenaffen (Callitrichidae)
Gattung: Tamarine
Wissenschaftlicher Name
Saguinus
Hoffmannsegg, 1807
Lisztaffe (Saguinus oedipus)

Die Tamarine (Saguinus) sind eine Primatengattung aus der Familie der Krallenaffen. Die Gattung umfasst 22 Arten, die im südlichen Mittel- und in Südamerika leben.

Merkmale[Bearbeiten]

Tamarine sind wie alle Krallenaffen relativ kleine Primaten. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 18 bis 31 Zentimetern und eine Schwanzlänge von 25 bis 44 Zentimetern. Das Gewicht beträgt 300 bis 600 Gramm. Die einzelnen Arten unterscheiden sich beträchtlich in ihrem Aussehen. Neben einigen dunklen Arten gibt es auch schwarz, braun oder weiß gemusterte. Für einige Arten typisch sind die schnurrbartähnlichen Haare im Gesicht, ein Haarschopf oder eine kontrastierende Färbung des hinteren Rumpfes. Die Gliedmaßen sind eher kurz, wie bei allen Krallenaffen befinden sich an den Fingern und Zehen (mit Ausnahme der Großzehe) Krallen statt Nägel. Von den Marmosetten, der zweiten großen Gattung der Krallenaffen, unterscheiden sie sich vor allem darin, dass die unteren Eckzähne deutlich länger sind als die Schneidezähne und das Gebiss dadurch weniger für das Annagen der Baumrinde geeignet ist.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Die meisten Tamarine leben im Amazonasbecken in Südamerika, vom östlichen Ecuador und dem nördlichen Bolivien bis in das nordöstliche Brasilien. Eine isolierte Gruppe, die oedipus-Artengruppe, bewohnt hingegen Panama und das nordwestliche Kolumbien. Ihr Lebensraum sind tropische Regenwälder und offene Waldgebiete. Sie bevorzugen dabei dicht mit Unterholz bestandene Gebiete wie Sekundärwälder oder Waldrandgebiete.

Lebensweise[Bearbeiten]

Rothandtamarin (Saguinus midas)

Tamarine sind tagaktive Baumbewohner. Im Geäst bewegen sie sich auf allen vieren oder springend fort, dank ihrer Krallen können sie auch an senkrechten Baumstämmen klettern.

Sie leben in Gruppen von etwa zwei bis acht Tieren. Gruppen setzen sich aus einem oder mehreren Männchen, einem oder mehreren Weibchen und den dazugehörigen Jungtieren zusammen, die Gruppenzusammensetzung kann jedoch wechseln. Jede Gruppe bewohnt ein festes Revier, die Reviere können sich jedoch mit denen benachbarter Gruppen überlappen.

Manchmal vergesellschaften sich verschiedene Tamarin-Arten. Die Gründe dafür liegen vermutlich in einer verbesserten Entdeckung von Fressfeinden.

Nahrung[Bearbeiten]

Tamarine sind Allesfresser, die sich vorwiegend von Früchten und Insekten ernähren. In geringerem Ausmaß nehmen sie auch andere Pflanzenteile wie Blüten und Nektar sowie kleine Wirbeltiere und Vogeleier zu sich. Mancherorts suchen sie Löcher in der Baumrinde auf, die von Marmosetten genagt wurden, um an Baumsäfte zu gelangen – sie selbst können keine Löcher nagen.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Wenn es mehrere ausgewachsene Weibchen in einer Gruppe gibt, pflanzt sich üblicherweise nur das dominante fort, der Eisprung der anderen Weibchen wird unterdrückt. Sind mehrere Männchen in der Gruppe, paart sich das Weibchen mit allen (Polyandrie). Nach rund 140- bis 150-tägiger Tragzeit kommen in der Regel zweieiige Zwillinge zur Welt. Diese sind sehr groß und erreichen bei der Geburt rund 25 % des Gewichts der Mutter. Die Männchen und die übrigen Gruppenmitglieder kümmern sich um die Jungen, sie tragen sie und beschäftigen sich mit ihnen und übergeben sie der Mutter nur zum Säugen.

Nach rund einem Monat beginnen die Jungen mit der Nahrungsaufnahme, sie werden mit zwei bis drei Monaten endgültig entwöhnt und im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif. In menschlicher Obhut können Tamarine bis zu 25 Jahre alt werden.

Gefährdung[Bearbeiten]

Wie viele Waldbewohner Mittel- und Südamerikas leiden auch die Tamarine unter dem Verlust des Lebensraums. Drei Arten, der Lisztaffe, der Weißfußtamarin und der Zweifarbentamarin werden von der IUCN als „vom Aussterben bedroht“ oder „stark gefährdet“ eingestuft.

Systematik[Bearbeiten]

Phylogenetische Systematik der Tamarine[1]
 Saguinus 

 nigricollis-Gruppe


     

 mystax-Gruppe


     


 oedipus-Gruppe


     

 midas-Gruppe


     

 bicolor-Gruppe







Braunrückentamarin (Saguinus fuscicollis)
Zweifarbentamarin (Saguinus bicolor)

Insgesamt werden heute 22 Arten der Tamarine anerkannt (etwa 35 Taxa mit allen Unterarten), die in sechs, in verschiedenen Regionen vorkommende Gruppen zusammengefasst werden.[2][3] Die gemeinsamen Stammform der Tamarine trennte sich vor etwa 14 Millionen Jahren von den Büscheläffchen (Callithrix)[4] und spaltete sich vor etwa 10 Millionen Jahren in zwei Kladen. Die erste bildet die nigricollis-Gruppe, die andere die fünf anderen Gruppen.

Der Springtamarin gehört zoologisch nicht zu den Tamarinen, sondern bildet eine eigene Gattung (Callimico).[7]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Janet C. Buckner, Jessica Lynch Alfaro, Anthony B. Rylands, Michael E. Alfaro: Biogeography of the marmosets and tamarins (Callitrichidae). Molecular Phylogenetics and Evolution, 1055-7903, 2014 Elsevier Inc. doi: 10.1016/j.ympev.2014.04.031
  2. Russell A. Mittermeier, Anthony B. Rylands & Don E. Wilson: Handbook of the Mammals of the World: Primates: 3. Seite 322-341, ISBN 978-8496553897
  3. Saguinus Hoffmannsegg, 1807 bei ITIS
  4. Christian Matauschek, Christian Roos & Eckhard W. Heymann: Mitochondrial phylogeny of tamarins (Saguinus, Hoffmannsegg 1807) with taxonomic and biogeographic implications for the S. nigricollis species group. American Journal of Physical Anthropology, Vol 144, Issue 4, DOI: 10.1002/ajpa.21445, Seite 45.
  5. a b c d e f Christian Matauschek: Taxonomy, phylogeny and distribution of Tamarins (Genus Saguinus, Hoffmannsegg 1807). Seite 5, Universität Göttingen, 2010
  6. Gregorin, R.; De Vivo, M. 2013: Revalidation of Saguinus ursula Hoffmannsegg (Primates: Cebidae: Callitrichinae). Zootaxa, 3721(2): 172-182. doi:10.11646/zootaxa.3721.2.4
  7. Callimico goeldii (Thomas, 1904) bei ITIS

Weblinks[Bearbeiten]