Tangerhütte

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Tangerhütte
Tangerhütte
Deutschlandkarte, Position der Stadt Tangerhütte hervorgehoben
Koordinaten: 52° 26′ N, 11° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Stendal
Höhe: 38 m ü. NHN
Fläche: 294,73 km²
Einwohner: 11.086 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 38 Einwohner je km²
Postleitzahl: 39517
Vorwahlen: 03935 (Tangerhütte, Birkholz, Cobbel, Schönwalde, Uchtdorf, Weißewarte), 039361 (Lüderitz, Schernebeck, Windberge), 039362 (Bittkau, Grieben, Jerchel, Schelldorf), 039365 (Bellingen, Demker, Hüselitz), 039366 (Kehnert, Ringfurth, Uetz)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SDL, HV, OBG
Gemeindeschlüssel: 15 0 90 546
Stadtgliederung: 19 Ortschaften
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bismarckstraße 5
39517 Tangerhütte
Webpräsenz: www.tangerhuette.de
Bürgermeister: Andreas Brohm
Lage der Stadt Tangerhütte im Landkreis Stendal
Aland Aland Altmärkische Höhe Altmärkische Wische Arneburg Bismark (Altmark) Bismark (Altmark) Eichstedt Goldbeck Hassel Havelberg Hohenberg-Krusemark Hohenberg-Krusemark Iden Kamern Klein Schwechten Klietz Osterburg Rochau Sandau (Elbe) Schollene Schönhausen (Elbe) Stendal Stendal Stendal Stendal Seehausen Seehausen Tangerhütte Tangermünde Werben (Elbe) Wust-Fischbeck Zehrental Sachsen-AnhaltKarte
Über dieses Bild

Die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte liegt im Süden des Landkreises Stendal (Region Altmark) im Land Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt am Fluss Tanger, nach dem die Stadt ihren Namen erhielt. Tangerhütte liegt an der Bahnstrecke Magdeburg–Stendal im Norddeutschen Tiefland.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Tangerhütte-Land und der Neubildung der Stadt am 31. Mai 2010 gliedert sich Tangerhütte in die Ortschaften:

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalgeologisch befindet sich das Gebiet Tangerhütte-Land etwa fünf Kilometer südlich der Altmark-Fläming-Senke. Hier liegen Sandsteine aus dem Mesozoikum beziehungsweise Paläozoikum vor. Die Gesteine des Lias liegen heute etwa 1800 Meter unter der Erdoberfläche. Dort sind Temperaturen um 65 °C vorherrschend.

Das Zechstein erscheint bei Klein Schwarzlosen als Salzdiapir, jedoch nicht an der Erdoberfläche. Die Ursache des Diapirs liegt hier in der Bruchstörung zwischen der Altmark-Fläming-Senke und der Calvörder Scholle.

Der Ort ist zwischen der Glogau-Baruther Urstromtalung (nördlich gelegen) und der Magdeburg-Breslauer Urstromtalung (südlich gelegen) angesiedelt. Die nördliche Urstromtalung entstand während des Warthestadiums in der Weichsel-Kaltzeit. Die südliche steht in Verbindung zum Plankener Stadium der Saale-Kaltzeit. Das Gebiet zwischen diesen Talungen ist Altmoränengebiet und postweichselkaltzeitlich überformt. Tangerhütte liegt heute im Aufschüttungsgebiet der Elbe.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tangerhütte befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Aufgrund seiner geografischen Lage ist das Gebiet vorherrschend kontinental beeinflusst, jedoch mit maritimen Klimakomponenten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tangerhütte ist aus dem Ort Vaethen hervorgegangen. Vaethen wurde 1375 erstmals urkundlich erwähnt und blieb eine kleine Ortschaft. Im Jahr 1540 wurden lediglich 80 Einwohner gezählt, Dorfschulze war zu der Zeit Stephan Güldenpfennig. Im Dreißigjährigen Krieg raubten Magdeburger Söldner Vieh im Ort. 1808 wurde die Dorfstraße befestigt. 1840 hatte der Ort 345 Einwohner. 1842 begann man am rechten Ufer des Tanger, eine Eisenhütte zu bauen. 1844 wurde in den Eisenwerken Tangerhütte der erste Guss vollzogen und Vaethen-Tangerhütte entwickelte sich dadurch zu einem Industriestandort, 1852 konnte die Bahnstation in Betrieb genommen werden. Ab 1870 wurde der Schlosspark mit einem Wasserfall und einem Teich angelegt, bevor 1873/74 das Schloss des Hüttenbesitzers Wagenführ errichtet wurde. 1883 ließ sich die Familie eine Familiengruft bauen.

1880 wurde das Empfangsgebäude des Bahnhofs erbaut. Die Freiwillige Feuerwehr von Vaethen wurde 1891 gegründet, das Rathaus 1905 gebaut. 1907 wurde die Straßenbeleuchtung mit Gaslampen in Betrieb genommen. Der Hüttenbesitzer ließ 1909 bis 1911 das Neue Schloss errichten, das erste wird seitdem als Altes Schloss bezeichnet. 1926 erhält Vaethen eine elektrische Beleuchtung. 1928 wurde der Name von Vaethen-Tangerhütte in Tangerhütte geändert, 1935 erlangte Tangerhütte das Stadtrecht.

In Tangerhütte gab es von 1939 bis zum Kriegsende ein Lazarett für tuberkulosekranke Kriegsgefangene, in dem bis 1945 500 Personen starben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte eine teilweise Demontage des Eisenhüttenwerkes; trotzdem nahm die Hütte bereits 1945 die Arbeit wieder auf.

1952 wurde Tangerhütte Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im Bezirk Magdeburg. 1987 wurde der Kreis Tangerhütte aufgelöst, Tangerhütte verlor den Status einer Kreisstadt. Bis 1990 unterhielt das Ministerium für Staatssicherheit (bzw. zuletzt das AfNS) der DDR in Tangerhütte eine Kreisdienststelle.

Zum 31. Mai 2010 wurde die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte gebildet.

Eingemeindungen

Am 31. Mai 2010 wurden die bisherigen Gemeinden Bellingen, Birkholz, Bittkau, Cobbel, Demker, Grieben, Hüselitz, Jerchel, Kehnert, Lüderitz, Ringfurth, Schelldorf, Schernebeck, Schönwalde (Altmark), Uchtdorf, Uetz, Weißewarte und Windberge eingegliedert.[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 51,2 % zu folgendem Ergebnis:[3]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
(Veränderung zu 2010)
SPD 27,1 % 8 (+5)
CDU 23,8 % 7 (+2)
Die Linke 11,2 % 3 (+1)
Wählergemeinschaft Altmark-Elbe 12,6 % 3 (−4)
Unabh. Wählergruppe „Südliche Altmark“ 12,4 % 3 (±0)
Wählergemeinschaft Lüderitz 9,4 % 3 (+1)
NPD 3,4 % 1 (+1)

Bei der ersten Bürgermeisterwahl nach der Bildung der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte erhielt im ersten Wahlgang am 26. September 2010 keiner der vier Bewerber die absolute Mehrheit. Bei der Stichwahl am 10. Oktober 2010 setzte sich bei einer Wahlbeteiligung von 40,6 % Birgit Schäfer mit 52,3 % gegen Gerhard Borstell (SPD) durch. Sie war zuvor, bis zur Bildung der Einheitsgemeinde, die Leiterin des gemeinsamen Verwaltungsamtes der Verwaltungsgemeinschaft Tangerhütte-Land. Bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 wurde Frau Schäfer auf Vorschlag des Stadtrates von den Wählern abgewählt.[4] Am 14. September 2014 wurde Andreas Brohm zum neuen Bürgermeister gewählt.

Letzter gewählter Bürgermeister der alten Gemeinde Tangerhütte war bis zum 30. Mai 2010 Gerhard Borstell.

Wappen des Ortsteiles Tangerhütte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Ortsteiles

Das Wappen wurde am 24. September 1936 durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verliehen.

Blasonierung: „Gespalten in Silber; vorn am Spalt ein goldbewehrter roter Adler mit ausgeschlagener roter Zunge, hinten am unteren Schildrand drei gestielte zu einem Strauß verbundene aufrechte grüne Ähren mit zwei Blättern und schwarzen Grannen, überhöht von einem schwarzen Bergmannsgezähe.“

Der märkische Adler versinnbildlicht die einstige Zugehörigkeit der Altmark zur Mark Brandenburg, Schlägel und Eisen kennzeichnen die Eisenindustrie, gleichzeitig erinnern sie daran, dass bis 1854 in der Umgebung Raseneisenerz abgebaut und verhüttet wurde. Die drei grünen Ähren versinnbildlichen den Agrarcharakter der Umgebung von Tangerhütte.

Das Wappen wurde von dem Magdeburger Staatsarchivrat Otto Korn gestaltet.

Flagge des Ortsteiles Tangerhütte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge wurde am 20. Juli 1999 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Die Ortsteilflagge ist rot - weiß (1:1) gestreift (Hissflagge: Streifen von oben nach unten, Querflagge: Streifen von links nach rechts verlaufend) mit dem aufgelegten Stadtwappen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater und Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirchenchor
  • Chor Nova cantica
  • Veranstaltungsreihen „Stunde der Musik“ und „Sommermusik“ in der Briester Kapelle

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neues Schloss
Das Neue Schloss
Neues Schloss im Stadtpark

Das Neue Schloss in Tangerhütte wurde 1909 bis 1911 errichtet. Anlass war die Eheschließung von Johann Jacob Franz Wagenführ von Arnim. Das nach italienischem Vorbild erbaute Gutshaus liegt im südöstlichen Teil des Stadtparks.

Maßgeblich an der künstlerischen Ausgestaltung des Gebäudes beteiligt war der Tangerhütter Bildhauer Otto Funke. Das Kaminzimmer wird von Funkes prächtig geschnitztem Kaminaufsatz beherrscht, der das Wappen der Familie Wagenführ trägt. Der Künstler entwarf ebenfalls die Modelle der beiden Sphingen, die vor dem Eingang des Schlosses stehen. Die steinernen Torwächter wurden in der Zementgießerei der „Hütte am Tanger“ gefertigt.

Das Familienwappen mit der schmückenden Krone, einem Hammer als Sinnbild des Eisenwerks sowie die traditionellen Farben Rot und Silber ziert das Eingangsportal.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Schloss unter anderem als Heilstätte für Tuberkulosekranke und – bis 1996 – als Seniorenheim.[5]

Altes Schloss

Das zweistöckige Alte Schloss mit strukturierter Putzfassade und Mansardendach im Nordwesten des Stadtparks wurde 1873/1874 errichtet. Es diente während und nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem als Lazarett, Erholungsheim, Heilstätte für Tuberkulosekranke und Poliklinik.[5] Es ist verfallen und steht zum Verkauf.

Kirchen
Gedenkstätten
  • Grabanlage und Denkmal aus dem Jahre 1971 für 197 Polen, 53 Jugoslawen und einen Tschechoslowaken, die von den im Lazarett insgesamt verstorbenen 500 Personen auf dem Friedhof an der Straße der Jugend ihre Ruhestätte haben
  • Gedenkstein auf dem Areal der Grundschule „Heinrich Rieke“ in der Bismarckstraße (früher Ernst-Thälmann-Straße) zur Erinnerung an den Kommunisten Heinrich Rieke, der nach schweren Misshandlungen durch die örtliche Polizei 1933 starb.
Weitere Sehenswürdigkeiten
Die Fassade des Kulturhauses in Tangerhütte
  • Wilhelm-Wundt-Schule, massives großes Backsteingebäude mit Uhrturm, 1909 eröffnet
  • ehemalige Gießerei: 1842 errichtet, in der DDR als VEB Eisenwerk „1. Mai“ bekannt,[5] leer stehendes, dem Verfall preisgegebenes Fabrikgebäude mit einer aufwendig gegliederten Backsteinfassade

Grünflächen und Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mausoleum im Stadtpark

Der Stadtpark gilt als eine der herausragenden Anlagen dieser Art in Sachsen-Anhalt. Er ist Bestandteil der Tourismusmarke Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt. Das Gelände hat eine Fläche von zwölf Hektar[5] und wurde ab 1870 auf Anweisung des Gießereibesitzers Franz Wagenführ angelegt.[5] Für die Gestaltung diente der englische und französische Gartenstil als Vorbild. Charakteristisch für den Park sind beschnittene Hecken, Bogengänge, Pavillons, Statuen und italienisch anmutende Balustraden an den Ufern von Teichen. Zentrum der Anlage ist ein künstlicher Wasserfall, der über einen Kanal mit Wasser des Tangers gespeist wird.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das größte Unternehmen des Ortes, die Gießerei TechnoGuss, meldete im Juni 2015 Insolvenz an.[7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es verkehren Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus. Der Bahnhof Tangerhütte liegt an der Strecke Magdeburg–Stendal–Wittenberge und wird im Personenverkehr von Regionalbahnen bedient.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der ehemalige Landrat des Kreises Stendal Ludolf August von Bismarck (1834–1924) bewirtschaftete das Gut Briest und ist dort auch begraben.
  • Der Schriftsteller Otto Häuser (1924–2007), der Schöpfer der Kinderbuchfigur Ottokar, war einige Jahre Schulleiter in Tangerhütte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tangerhütte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Tangerhütte – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2014 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  3. Website Stadt Tangerhütte
  4. Marc Rath: Tangerhüttes Bürgermeisterin abgewählt. In: Volksstimme. Magdeburger Verlags- und Druckhaus GmbH, Tangerhütte 26. Mai 2014 (online [abgerufen am 28. November 2015]).
  5. a b c d e Neues und Altes Schloss, abgerufen am 27. August 2015
  6. Neues Schloss Tangerhütte bald wieder Anziehungspunkt. Die Welt vom 3. März 2015, abgerufen am 27. August 2015
  7. TechnoGuss in Tangerhütte meldet Insolvenz an. Volksstimme am 19. Juni 2015, abgerufen am 26. August 2015