Tangstedt (Stormarn)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Tangstedt
Tangstedt (Stormarn)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Tangstedt hervorgehoben
Koordinaten: 53° 44′ N, 10° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Stormarn
Amt: Itzstedt
Höhe: 33 m ü. NHN
Fläche: 39,86 km2
Einwohner: 6449 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 162 Einwohner je km2
Postleitzahl: 22889
Vorwahl: 04109
Kfz-Kennzeichen: OD
Gemeindeschlüssel: 01 0 62 076
Adresse der Amtsverwaltung: Segeberger Straße 41
23845 Itzstedt
Webpräsenz: www.tangstedt-stormarn.de
Bürgermeister: Norman Hübener (SPD)
Lage der Gemeinde Tangstedt im Kreis Stormarn
Hamburg Kreis Herzogtum Lauenburg Kreis Ostholstein Kreis Segeberg Lübeck Ahrensburg Ahrensburg Ammersbek Bad Oldesloe Badendorf Bargfeld-Stegen Bargteheide Barnitz Barsbüttel Braak Brunsbek Delingsdorf Elmenhorst (Stormarn) Elmenhorst (Stormarn) Feldhorst Glinde Grabau (Stormarn) Grande Grönwohld Großensee (Holstein) Großhansdorf Hamberge Hamfelde (Stormarn) Hammoor Heidekamp Heilshoop Hohenfelde (Stormarn) Hoisdorf Jersbek Klein Wesenberg Köthel (Stormarn) Lasbek Lütjensee Meddewade Mönkhagen Neritz Nienwohld Oststeinbek Pölitz Rausdorf (Holstein) Rehhorst Reinbek Reinfeld (Holstein) Rethwisch (Stormarn) Rümpel Siek (Holstein) Stapelfeld Steinburg (Stormarn) Tangstedt (Stormarn) Todendorf Travenbrück Tremsbüttel Trittau Trittau Trittau Wesenberg (Holstein) Westerau Witzhave ZarpenKarte
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Tangstedt (niederdeutsch Tangsteed) ist eine Gemeinde im schleswig-holsteinischen Kreis Stormarn. Sie liegt am nördlichen Stadtrand von Hamburg unweit östlich der Stadt Norderstedt. Heute besteht die Gemeinde Tangstedt aus den Ortsteilen Tangstedt, Wilstedt, Wilstedt-Siedlung, Ehlersberg, Rade, Wiemerskamp und Wulksfelde. Vereinzelt wird sie verwechselt mit dem gleichnamigen Ort im Kreis Pinneberg, der nur 16 km entfernt liegt, westlich von Norderstedt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabhügel im Gemeindegebiet weisen auf eine vorgeschichtliche Besiedlung hin. Der Ort Tangstedt wurde erstmals 1309 urkundlich erwähnt, der Ortsteil Wilstedt wurde bereits 1292 erwähnt.

1970 wurde das Amt Tangstedt mit den amtsangehörigen Gemeinden Tangstedt, Wilstedt und Wulksfelde zu einer neuen Großgemeinde zusammengelegt. Zum 1. Januar 2008 gab Tangstedt seine Amtsfreiheit auf und trat dem Amt Itzstedt (Kreis Segeberg) bei.

Gut Tangstedt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1475 wurde Tangstedt an Herzog Johann von Sachsen-Lauenburg verkauft und gehörte damit zum Amt Tremsbüttel. Mit dem Gut Tremsbüttel gelangte es 1571 in den Besitz der Herzöge von Holstein-Gottorf, die das Gut später erwarben und einige Jahre als Lehen an Friedrich von Ahlefeld übergaben. Das Gut wurde von einem Vogt verwaltet, die Bauern mussten Steuern zahlen sowie Hand- und Spanndienste verrichten. Bei der Errichtung des Gutshauses wurden die Bauern von ihrem Land vertrieben. 1692 erwarben die Pächter das Gut und erhielten die Gerichtsbarkeit, wodurch das Gut selbständig wurde. 1699 kaufte der schleswig-holsteinische Politiker Magnus von Wedderkop Tangstedt. Nach mehreren Eigentümerwechseln geriet das Gut durch Heirat und Erbschaft 1756 in das Eigentum der Familie von Holmer, an deren Wappen sich das Tangstedter Wappen anlehnt und in deren Eigentum es bis 1818 blieb.[2] Die Bauern erlangten erst 1860 ihre Freiheit wieder. Das Gut brannte 1947 nieder.

Gut Wulksfelde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut Wulksfelde

Das erstmals 1342 erwähnte, seit 1345 dem hamburgischen Domkapitel gehörende Dorf Wulksfelde wurde zwischen 1526 und 1533 an Marquardt von Bockwolde auf Gut Borstel verkauft. Es gelangte durch Erbteilung 1588 an das damals selbständig gewordene Gut Jersbek.

Hans Adolph von Buchwaldt legte um 1662 die vier Hufen und drei Katen des Bauerndorfs Wulksfelde nieder, an deren Stelle er einen Meierhof errichten ließ. Der Holländer bezahlte 1771 für das Halten von 70 Kühen eine Jahrespacht von 466 Reichstalern und 32 Schillingen. Baron Bendix Wilhelm Georg von Oberg verkaufte den Meierhof Wulksfelde mit den Dörfern Ehlersberg, Rade und Wiemerskamp nach Versteigerung am 20. Februar 1771 in Kiel an den vormaligen Inspektor auf Gut Grabau Justus Hermann Schaeffer für 26.000 Reichstaler.

Aus dem Meierhof wurde 1806 das Adelige Gut Wulksfelde im Itzehoer Güterdistrikt. Das Gut wechselte sehr oft seinen Eigentümer. Zeitweilig wurden eine Ziegelei, eine Kattunfabrik, eine Schnapsbrennerei, eine Glashütte und eine Braunbierbrauerei betrieben. In Rade arbeiteten eine Kornwassermühle an der Sielbek (am 2. Mai 1883 abgebrannt) und eine Papierwassermühle an der Gurbek (um 1855 abgebrannt).[3]

Das Gut Wulksfelde wurde im April 1966 an die Freie und Hansestadt Hamburg verkauft.[4] Auf dem verpachteten Hof wird seit 1989 ökologischer Landbau betrieben.[5] Er gehört dem Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau an.[6]

Rathaus und Bürgerbüro
Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Tangstedt
Tangstedter Graben, der als Diekbek in Duvenstedt in die Alster fließt

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 19 Sitzen in der Gemeindevertretung hat die CDU seit der Kommunalwahl 2013 sechs Sitze, die SPD sowie die Wählergemeinschaft BGT jeweils fünf Sitze und die FDP hat drei Sitze. Bürgermeister ist Norman Hübener (SPD).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde erstmals am 4. August 1936 der vormaligen Gemeinde gleichen Namens verliehen.

Blasonierung: „In Rot das silberne holsteinische Nesselblatt; diesem aufgelegt ein schwarzer Schild mit einem silbernen Balken, der mit drei roten Rosen mit goldenen Butzen und goldenen Kelchblättern belegt ist.“[7]

Das heutige Tangstedt wurde 1970 aus den drei bis dahin selbständigen Gemeinden Tangstedt, Wilstedt und Wulksfelde gebildet. Das Gemeindewappen des älteren Tangstedt wurde von der jüngeren Gemeinde gleichen Namens am 7. Juni 1974 übernommen. Die drei Rosen im Wappen entsprechen daher nur zufällig der Anzahl der heutigen Ortsteile. Das Wappen Tangstedts vereinigt zwei ältere heraldische Wahrzeichen, das holsteinische Nesselblatt und den Herzschild aus dem Familienwappen der Reichsgrafen von Holmer, die im 18. und 19. Jahrhundert Besitzer des Kanzleigutes Tangstedt waren. 1806 starb hier als herausragender Vertreter dieser Familie und zugleich prominentester Besitzer des Gutes der oldenburgische Minister Graf Friedrich Levin von Holmer. Tangstedt ist auch gegenwärtig geographischer, kirchlicher und Verwaltungsmittelpunkt des Gemeinwesens.

Das Wappen wurde von dem Flensburger Erwin Nöbbe in den 1930er Jahren gestaltet und im Rahmen der Weiterführung des Wappens der eingegliederten Gemeinde wurde es vom Brunsbütteler Heraldiker Willy „Horsa“ Lippert redesignt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1989 bis 1993 war Tangstedt der Verwaltungssitz der Seereederei Frigga.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Tangstedt verkehren mehrere Buslinien, die dem HVV angehören.

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ortsrand von Tangstedt, an der Straße zum Ökohof Gut Wulksfelde, befindet sich das 1995 eröffnete Kompostwerk Bützberg. Bis zum Jahr 2009 wurde es von E.ON Energy from Waste betrieben. Zum 1. Januar 2009 hat die Stadtreinigung Hamburg für 10 Millionen Euro diese Kompostieranlage gekauft.[8][9] Seit dem 1. Dezember 2011 wird in dieser Kompostieranlage Biogas gewonnen und in das öffentliche Gasnetz eingespeist.[10][11] Nach dem Weihnachtsfest sammelt die Stadtreinigung Hamburg die alten Weihnachtsbäume ein und verkompostiert einen Teil davon ebenfalls in dieser Kompostieranlage.[12]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Tangstedt selbst gibt es vier Kindergärten und eine Grundschule sowie eine Volkshochschule, die nächsten weiterführende Schulen sind in Norderstedt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Kulturdenkmale in Tangstedt (Stormarn) stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wilstedter Sportverein (WSV) Tangstedt bietet Fußball, Handball, Leichtathletik, Badminton, Volleyball, Kinderturnen, Gymnastik, Judo und Tischtennis an.

Seit 1974 gibt es den Reitverein Tangstedt, der sich aus einem landwirtschaftlichen Betrieb entwickelt hat.

Naherholungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Tangstedt gehört zum Naherholungsgebiet Oberalster.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tangstedt ist in Hamburg bekannt durch die dorthin führende Tangstedter Landstraße, die allein in Hamburg bis zu Hausnummer 491 reicht (3,7 km lang). Die Hausnummern über 500 liegen hingegen mit gleichem Straßennamen in Norderstedt, 700 m lang.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tangstedt (Stormarn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2015 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Peter Dörling: Geschichte des Gutes Tangstedt. ahnenforschung-in-stormarn.de, abgerufen am 20. Januar 2012.
  3. Alf Schreyer, „Menschenschicksale aus sieben Jahrhunderten“, in: W. O. Paul Kettel (Hrsg.), Naturpark Oberalster – Juwel der Naherholung im Nordosten Hamburgs, Hamburg 1976, 25-86.
  4. Axel Lohr, Die Geschichte des Gutes Wulksfelde seit 1771, in: Jahrbuch des Alstervereins 2010, Norderstedt 2010, 23-75.
  5. Die Gegenwart beginnt für uns im Jahr 1989. Gut Wulksfelde, abgerufen am 7. Januar 2012.
  6. Gut Wulksfelde: "Bio erleben" auf Wulksfelder Art. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (oekolandbau.de), 8. August 2011, abgerufen am 19. Januar 2012 (Das Betriebsportrait des Gutes Wulksfelde als Demobetrieb).
  7. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  8. Abfall zu Dünger. In: Print-Archiv. taz, 15. Januar 2009, abgerufen am 7. Januar 2012.
  9. Stadtreinigung Hamburg kauft Kompostwerk Bützberg. recyclingmagazin.de, 14. Januar 2009, abgerufen am 7. Januar 2012.
  10. Natur pur – Biogas- und Kompostwerk Bützberg. SRH, abgerufen am 7. Januar 2012.
  11. Scholz nimmt SRH-Biogasanlage in Betrieb: SRH gibt (Bio)Gas. foederal-erneuerbar.de, 1. Dezember 2011, abgerufen am 7. Januar 2012.
  12. Entsorgung von Weihnachtsbäumen. Stadt Hamburg, abgerufen am 18. Januar 2012.