Tanja Dückers

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Tanja Dückers, 2019

Tanja Dückers (* 25. September 1968 in West-Berlin) ist eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen in West-Berlin, studierte Dückers nach dem Abitur am Walther-Rathenau-Gymnasium[1] im Hauptfach Germanistik und Nordamerika-Studien sowie Kunstgeschichte. Ihre Magisterarbeit handelte von der Ästhetik des Erhabenen in der modernen Malerei – eine interdisziplinäre Arbeit zwischen Amerikanistik, Kunstgeschichte und Philosophie. Ihr Vater ist der Kunsthistoriker Alexander Dückers.[2]

Im Jahr 1996 erfand Dückers die Geheimschrift Autumnisch, von der Proben auf ihrer Website zu lesen sind. Im Zeitraum 1995–1998 arbeitete sie neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit bei der Deutschen Welle TV in Berlin, für die sie Kurznachrichten und Wetterberichttexte schrieb. Letztere inspirierten sie später unter anderem zu ihrem Roman Himmelskörper (2003). Dückers schreibt auch Reisereportagen. Bis vor wenigen Jahren verstand sie sich außerdem als Teilhaberin der Berliner Poetry-Slam-Szene (Lesebühnen mit starker Live-Atmosphäre), an der sie sich aktiv beteiligte.[3]

Von 1998 bis 2000 lebte Dückers, unterstützt durch ein Stipendium des Berliner Senats, in Barcelona. Sie erhielt mehrere Aufenthaltsstipendien für Schriftsteller und Einladungen an ausländische Bildungseinrichtungen, die sie unter anderem nach Kalifornien (Villa Aurora), Pennsylvania (Allegheny-College, Meadville), Prag (Stiftung Brandenburger Tor), Krakau (Villa Decius), Gotland (Baltic Centre for Writers and Translators), Bristol (University of Bristol), Belgien (Het-Beschrijf-Literaturverein in Brüssel), Sylt (Syltquelle-Stipendiatin) und Siebenbürgen (Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung) führten. Die in ihrer Arbeit als Dozentin erfolgte Auseinandersetzung mit Walter Benjamins Berliner Kindheit um 1900 floss in die Veröffentlichung Mein altes West-Berlin (2016) ein.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld von Tanja Dückers ist der Journalismus. Als Essayistin nimmt sie häufig zu zeitgenössischen Debatten Stellung.[4] Weitere Schwerpunkte sind Reisereportagen sowie Artikel zur Bildungs- und Familienpolitik.[5]

Ihre frühesten Veröffentlichungen fanden in Kleinverlagen statt. Es waren Lyrik-Bände (Bonsai-typ Art Verlag). Als ausgebildete Literaturwissenschaftlerin arbeitete sie Mitte der neunziger Jahre auch im Lektorat zweier Berliner Verlage, um auch diese Perspektive genauer kennenzulernen. Sie engagiert sich als Förderin von Nachwuchsautoren, deren Arbeiten ihr bei der gemeinsamen Teilnahme an Lesebühnen positiv auffallen.

In den letzten Jahren engagiert sich Dückers für politische und soziale Themen. Sie organisiert eine jährliche Lesung im „Roten Salon“ der Berliner Volksbühne, deren Einnahmen bisher an die „Berliner Kältehilfe“, eine Einrichtung, die sich für Obdachlose engagiert, gingen. Es traten viele bekannte Autoren bei diesen Soli-Lesungen auf, unter anderem Terézia Mora, Kathrin Röggla, Jakob Hein, Bodo Mrozek, Maike Wetzel, Annett Gröschner, Katja Lange-Müller, Jens Sparschuh, Norbert Kron, Jörg-Uwe Albig, Corinna Waffender, Anne Hahn und viele andere.

Die Zeitschrift Cicero führt Dückers als eine „der 500 führenden deutschsprachigen Intellektuellen“.[6]

Dückers ist mit dem Soziologen und Journalisten Anton Landgraf (leitender Redakteur des Amnesty Journal)[7] verheiratet und lebt weiterhin in ihrer Heimatstadt Berlin.

Sie ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kritik an ihrem Roman Himmelskörper fiel stark polarisierend aus. Während die Schweizer Weltwoche den Roman als „perfektes Buch“ feierte und andere schwärmten, dass eine Autorin sich eines politischen Stoffes annimmt, trauten andere der Autorin in ihren Rezensionen nicht zu, ein Thema zu bewältigen, dessen sich zeitgleich Günter Grass angenommen hat (Untergang der Wilhelm Gustloff). Ambivalent fielen auch die Reaktionen auf die Anthologie Stadt.Land.Krieg aus, in der Dückers Kurzgeschichten von anderen Vertretern der jüngeren Generation zur NS-Thematik veröffentlicht hat.

Rezensenten sehen bei Dückers eine Nähe zu Sentimentalität.[8] Hervorgehoben werden die gut abgebildete schnodderige Sprache der Berliner Subkulturen neben kritischer beleuchteten skurrilen Plots und ebenso kritisch betrachteten Verwendung farbgebender Adjektive.[9]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2021: Hannes und Greta, Hamburg: Literatur-Quickie Kurzgeschichten Verlag 2021
  • 2016: Mein altes West-Berlin, Berlin: be.bra verlag 2016, ISBN 978-3-89809-122-0
  • 2010: Hausers Zimmer, Roman, Frankfurt am Main: Schöffling & Co., ISBN 978-3-89561-010-3
  • 2007: Morgen nach Utopia. Essays und Reportagen. ISBN 978-3-7466-2297-2
  • 2006: Der längste Tag des Jahres,[10] Roman, Aufbau Verlag, Berlin 2006 ISBN 3-351-03068-1
  • 2006: Das Harmonium
  • 2005: Schulweg
  • 2004: Mehrsprachige Tomaten: Reisen im Kopf Hörbuch-CD (gemeinsam mit Bertram Denzel) ISBN 3-9809989-0-8
  • Stadt.Land.Krieg. Anthologie
  • 2003: Himmelskörper Roman
  • 2003: Die Badekappe
  • 2001: Café Brazil Erzählungen
  • 2001: Luftpost – Gedichte Berlin – Barcelona
  • 1999: Spielzone Debütroman
  • 1996: Fireman, englische Lyrik, Berlin: Bonsai-typ Art Verlag
  • 1996: Morsezeichen, Lyrik, Berlin: Bonsai-typ Art Verlag

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tanja Dückers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebenslauf auf ihrer Website
  2. siehe Dückers Kurzbiografie im Autorenlexikon der Uni Duisburg-Essen; abgerufen am 6. November 2021.
  3. Lyrik- und Kurzprosa-Texte und Foto von ihr bei Spoken Word Berlin
  4. Beispiel: Die Literatur ist politischer als ihr Ruf. In: Süddeutsche Zeitung vom 24. März 2004.
  5. Artikel von Tanja Dückers bei Zeit Online, abgerufen am 18. Juni 2012.
  6. cicero.de
  7. Impressum. Amnesty International, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e. V. Abrufdatum: 20. Juni 2019.
  8. poetenladen.de Am 28. Februar 2006 die Rezensentin Dorothea Gilde über das neueste Romanwerk
  9. freitag.de Rezension von Tanja Dückers Roman Spielzone 1999 in der Wochenzeitung Freitag
  10. literarischealtersbilder.uni-koeln.de