Tankstelle

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Typische moderne Tankstelle
Schweiz, Liechtenstein: Hinweissignal Tankstelle
Österreich: Hinweiszeichen Tankstelle
Deutschland: Richtzeichen Tankstelle (Ottokraftstoffe, Diesel)

Eine Tankstelle (auch Versorgungsanlage, ursprünglich Zapfstelle) ist eine Anlage, an der Kraftfahrzeuge mit den Kraftstoffen Benzin und Diesel, teilweise auch mit Flüssiggas, Erdgas, Wasserstoff oder Strom, versorgt werden können. Die Abgabe der Stoffe erfolgt an so genannten Zapfsäulen, die Preise für die Kraftstoffe werden, außer an Autobahnen, an einem Preismast dargestellt. Außerhalb der Öffnungszeiten kann an manchen Tankstellen ein Tankautomat benutzt werden.

Geschichte und Beruf des Tankwarts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[[Vorlage:Bilderwunsch/code!/C:51.442609,6.99968!/D:Älteste existierende Tankstelle Deutschlands in der Gemarkenstraße 18 in Holsterhausen (Essen)!/|BW]]

Als die ersten Verbrennungsmotoren konstruiert wurden, gab es Benzin und andere Treibstoffe, wie Petroleum, nur in Apotheken. Als erste „Tankstelle“ der Welt wird deshalb die Stadt-Apotheke in Wiesloch in Deutschland genannt, wo Bertha Benz bei ihrer Automobil-Überlandfahrt Anfang August 1888 von Mannheim nach Pforzheim, an die seit 2008 die offizielle deutsche Ferienstraße Bertha Benz Memorial Route erinnert, das Leichtbenzin Ligroin einkaufte. Ligroin diente damals in erster Linie der Reinigung von Kleidung (Waschbenzin).

Etwa ab 1900 entstanden auch andere Verkaufsstellen für Treibstoffe. Das erste Tankstellenverzeichnis in Deutschland stammt aus dem Jahr 1909. Es ist eine Aufstellung von ca. 2500 Drogerien, Kolonialwarenhändlern, Fahrradhandlungen, Hotels und Gaststätten, die Benzin bereithielten.[1]

Benzin wurde damals in beliebige Behälter abgefüllt. Die bestehenden europäischen Sicherheitsvorschriften mussten dabei in keiner Weise erfüllt werden. Häufig waren nicht mehr benötigte Milchkannen oder Flaschen üblich. In der Folge waren schwere Unfälle durch Entzündung des Treibstoffs zu verzeichnen. Vor allem wurde beim Umfüllen in den Fahrzeugtank geraucht. Aus diesen Vorkommnissen etablierten sich langsam die gültigen Normen. In Deutschland sind dies beispielsweise die Technischen Regeln für brennbare Flüssigkeiten (TRbF).

Mit Zunahme des motorisierten Verkehr entstanden die ersten Zapfstellen, häufig zusammen mit Autowerkstätten, die sich oft aus einer Schmiede (Werkstatt) oder Schlosserei entwickelten. In den ersten Jahrzehnten waren es zumeist einfache Fasspumpen, wie sie lange auch noch in der heimischen Garage benutzt wurden (Fasstankstelle).

Erste öffentliche Tankstelle in Deutschland: Die OLEX-Tankstelle am Raschplatz in Hannover;
(aus: Echo Continental von 1923, Firmenzeitung der Continental Hannover)

Später kamen Handpumpen-Säulen mit unter der Straßen- oder Bürgersteigdecke eingelassenen Benzintanks auf. Die Standard Oil of Indiana stellte 1917 den Einheitstyp der Tankstelle vor, der mit Abwandlungen noch immer besteht, damals „Großtankstelle“ genannt. Die Zapfsäulen und die tankenden Kunden werden von einem frei stehenden Dach gegen Regen geschützt, unter das mit dem Kraftfahrzeug gefahren werden kann. Das zu den Zapfsäulen hin voll verglaste Kassenhäuschen steht einige Meter abseits und ein Preismast bewirbt die Preise zur Straße. Tankstellen dieser Bauart entstanden seit den 1920er Jahren. Die erste Tankstelle im Deutschen Reich wurde Ende 1922 von der Mineralölfirma OLEX am Raschplatz in Hannover eröffnet. Die gleiche Firma errichtete in ihrem Geschäftshaus, dem Olex-Haus, in Berlin-Schöneberg eine Tankstelle. Am 11. August 1927 konnten die Autofahrer nach dem US-amerikanischen Vorbild (wo dies bereits seit 1907 möglich war) erstmals in Hamburg an einer Zapfsäule tanken. Hier wurden die Autos direkt durch den Füllrüssel betankt, sodass der Tankwart nicht mehr mit den Kanistern hantieren musste.

Der Beruf des Tankwarts wurde 1952 in der Bundesrepublik zum Lehrberuf mit einer dreijährigen Lehrzeit erklärt.[2][3] Damit griff das Bundesverkehrsministerium eine Idee von 1942 wieder auf, die damals wegen des Krieges nicht mehr umgesetzt worden war. Die Nationalsozialisten hatten den Tankwart als „Anlernberuf“ definiert.

Das Sortiment der ersten Tankstellen umfasste – neben dem Treibstoff – Schmieröle, Reifen, Zündkerzen und Zubehör, bei manchen war auch eine Werkstatt angegliedert. Später kamen noch Autoradios dazu.

Treibstoffarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassische Treibstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst wurden an den Tankstellen Leichtbenzin und Petroleum angeboten, Benzol und Benzin in unterschiedlicher Qualität. Dieselkraftstoffe gehörten lange nicht zum Angebot, da Selbstzündungsmotoren nur in LKW verwendet wurden, die meist auf einem Betriebshof betankt wurden.

Siehe auch: Kraftstoff

Herkömmliche Treibstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tankstellen bieten unterschiedliche Kraftstoffe an. Benzin in unterschiedlicher Qualität (unterschiedliche Oktanzahl) und Dieselkraftstoff sind am meisten verbreitet.

Lange Zeit wurden allen Benzinsorten noch Bleiverbindungen zugesetzt, um die Klopffestigkeit zu erhöhen und so die Ventilsitze der Motoren zu schonen. Bei der Verbrennung dieser Additive im Motor entstanden giftige Bleirückstände. Das Weglassen der Additive führte aus Rücksicht auf ältere Autos mit ungehärteten Ventilsitzen in den 1990er Jahren dazu, dass verbleites und unverbleites Benzin zeitweise nebeneinander angeboten wurde.

Neue Treibstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu dem Angebot traten ab den 1980er Jahren Autogas, Erdgas und Wasserstoff für entsprechende Antriebsarten hinzu. Mit Biodiesel kam erstmals ein Kraftstoff hinzu, der einen anderen Kraftstoff (Diesel) ersetzen sollte. Neu sind jetzt Kraftstoffe, die pur oder mit klassischen Treibstoffen vermischt, getankt werden können, wie Pflanzenöl und Bioethanol.

Siehe auch: Wasserstofftankstelle, Stromtankstelle, Solartankstelle

Tankstellenarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markentankstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shell-Tankstelle in Japan

Markentankstellen sind an bestimmte Ketten gebunden. Dies können die großen Ölkonzerne wie etwa BP (in Deutschland primär unter der Marke Aral), Shell, Phillips 66 (in Deutschland hauptsächlich unter der Marke Jet), Total oder ExxonMobil (Esso) sein, die im Branchen-Jargon A-Gesellschaften, Farbengesellschaften oder auch „die großen Fünf“, genannt werden. Es kann aber auch eine der vielen mittelständischen Ketten sein (B-Farben), die zwischen einem Dutzend und einer dreistelligen Zahl von Tankstellen unterhalten. Viele dieser Mittelständler sind in Deutschland im Uniti-Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen zusammengeschlossen oder Mitglied der Avia. ConocoPhillips hat sich in Deutschland selber mit seinen Jet-Tankstellen als B-Marke positioniert.

Es werden gesellschaftseigene, also im Eigentum der Mineralölgesellschaft befindliche, und unter Franchise genutzte Tankstellen unterschieden.[5] Zu letzterem gehören beispielsweise in der Schweiz Tankstellen der Coop Pronto. Internationale Konzerne mit Tankstellenketten sind unter anderem AVIA, BP (Aral in Deutschland), Eni (früher in DACH unter der Marke Agip), Esso, Phillips 66 (Jet), OMV, Shell, Tamoil (HEM in Deutschland) oder Total.

Darüber hinaus betreiben einige Mineralölgesellschaften auch noch Tankstellen unter Marken, die sie übernommen haben, um die Markenrechte durch „Ausübung“ zu schützen. Ein Beispiel hierfür sind in Deutschland die Gasolin-Tankstellen im Falle von Aral sowie Dea im Falle von Shell.

Freie Tankstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freie BFT-Tankstelle in Hückeswagen

Als Freie Tankstellen werden solche Tankstellen bezeichnet, die ihre Kraft- und Schmierstoffe im eigenen Namen und für eigene Rechnung verkaufen und die nicht in das Vertriebssystem einer Markenfirma eingegliedert sind. Sie werden mitunter markenlose oder weiße Tankstellen genannt, in Österreich als Diskonttankstellen.[6] Wahrgenommen wird allerdings gemeinhin jede als freie Tankstelle, die dem äußeren Erscheinungsbild nach nicht zumindest einer der B-Marken (Westfalen, Ruedi Rüssel, Turmöl) zuzuordnen ist. Obwohl der größte Teil solcher Tankstellen Kraftstoffe direkt[7] oder indirekt[8] im Namen und für Rechnung eines großen Mineralölkonzerns vertreibt. Teilweise werden weißen Markentankstellen direkt als solche errichtet, in Deutschland insbesondere von ConocoPhillips als Supermarkttankstellen.[7][9][10] Die Betreiber von tatsächlich freien Tankstellen können ihre Kraftstoffe nur von den Raffinerien der großen Mineralölkonzerne beziehen,[11] die qualitativ alle den gleichen gesetzlichen Normen, in der EU insbesondere der EN 228 entsprechen müssen.[12] Allerdings versetzen die Markenanbieter ihre Kraftstoffe mit Additiven, die den Kraftstoffen freier Anbieter meist fehlen. In Deutschland sind rund 500 freie Tankstellenbetreiber im Bundesverband freier Tankstellen zusammengeschlossen,[13] dieser ist Mitglied im Dachverband MEW Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland.[14]

Autobahntankstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Vergabe der Einlieferungsrechte an Autobahntankstellen und dementsprechend der Markenverteilung an selbigen, besteht der Artikel zur Autobahnraststätte.

Mobile Tankanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mobile Tankanlagen sind kleinere, bewegliche Tankstellen, die in der Industrie und im Gewerbe häufig verwendet werden. Diese ermöglichen dem Anwender eine Betankung von Fahrzeugen und Maschinen direkt vor Ort der Anwendung. Um mobile Tankanlagen zu bewegen, sind je nach Land verschiedene gesetzliche Vorschriften zu beachten. Hierzu zählen in Deutschland je nach Anwendungsbereich die GGVSEB (Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt) und GGVSee (Gefahrgutverordnung See); sowie international das „Übereinkommen für den Transport gefährlicher Güter auf der Straße“ (ADR), „-auf der Schiene“ (RID), „-auf Binnenwasserstraßen“ (ADN) und „-mit Seeschiffen“ (IMDG-Code).[15]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tankstelle 1936
Tankstelle an der Reichsautobahn 1938
Tankstelle 1961

Ende der 1990er Jahre sorgten schärfere Gesetze dafür, dass alle Tankstellen den Anforderungen des Umweltschutzes Sorge tragen mussten. Im Rahmen dieser Umbauten wurden viele Tankstellen erweitert, aber auch viele kleine Tankstellen geschlossen. Damit setzte sich ein seit Jahrzehnten anhaltendes Tankstellensterben fort. 1969 gab es auf dem Gebiet der damaligen Bundesrepublik Deutschland den Höchststand von 46.684 Tankstellen. In den Folgejahren wurden jährlich etwa 350 Stationen geschlossen. Dieser Prozess hat sich 2006 verlangsamt, auf etwa 150 Tankstellen. Zum Stichtag 1. Januar 2014 gibt es in Deutschland insgesamt 14.272 konventionelle Tankstellen[16][17] (einschließlich 375 Autobahnstationen), 906 Erdgas- und 6500 Autogastankstellen.[18] Sie entwickeln sich mehr und mehr zu modernen Drive-in-Dienstleistungszentren mit angeschlossenem Supermarkt, teilweise auch mit einem Bistro. Waren früher Tankwarte üblich, die den Kunden nicht nur den Tank auffüllten, sondern auch die Windschutzscheibe putzten und das Öl kontrollierten, so sind die Tankstellen meist reine Selbstbedienungstankstellen, an denen nur die Kasse noch mit Personal besetzt ist. Die erste Selbstbedienungs-Tankstelle Europas wurde 1972 vom Mineralöl-Handelsunternehmen Adolf Präg in Lagerlechfeld bei Augsburg unter der Marke Texaco eröffnet. Bei den frühen Selbstbedienungstankstellen wurde die vom Kunden an der Zapfsäule getankte Menge auf einer Quittung ausgedruckt, die beim Bezahlen an der Kasse abgegeben werden musste. Auch die Verwendung von vorher gekauften Jetons, die der Kunde entsprechend der gewünschten Benzinmenge an der Zapfsäule einwerfen musste, war vor allem in Südeuropa üblich. Sehr bald setzte sich mit der flächendeckenden Verbreitung des Selbsttankens die elektronische Übermittlung der gezapften Menge an die Kasse durch. Allerdings ist vor allem bei Markentankstellen in der letzten Zeit wieder ein Trend hin zu einer wahlweisen Bedienung zu erkennen (in Deutschland vor allem Shell).

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Tankstellen-Läden von den durch das Ladenschlussgesetz beschränkten Öffnungszeiten ausgenommen. Seither verdienen viele Tankstellen inzwischen mehr mit dem Verkauf von Supermarkt-Artikeln als mit dem von Kraftstoff. Viele Unternehmer im Einzelhandel sehen hierin eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung. An den deutschen Autobahnen wurden 2012 insgesamt 375 Tankstellen betrieben,[19] wobei sich diese vorwiegend an Autobahnraststätten befinden.[20] Das Sortiment der Tankstellen entspricht zum Teil dem eines Supermarktes, allerdings liegen die Preise der Waren teilweise deutlich höher. Verkauft wird während der meist durchgehenden Öffnungszeiten neben Kraftstoff vorrangig „Reisebedarf“, wie Nahrungsmittel. Tankstellen an den Autobahnraststätten waren die ersten, die 24 Stunden geöffnet hatten. Am Flughafen München wurde 1996 im Rahmen der Wasserstoff-Initiative Bayern von Aral die erste öffentliche Tankstelle für Wasserstoff in Betrieb genommen.[21] Es kann sowohl flüssiger als auch gasförmiger Wasserstoff getankt werden.

In vielen Ländern der Erde, besonders in dünner besiedelten Ländern, beispielsweise Australien, Kanada, USA oder auf Island, sind Tankstellen zudem gesellschaftliche Treffpunkte. Es wird gegessen, Geldgeschäfte werden getätigt und Feste gefeiert. Größer ausgebaut bilden sie das gesellschaftliche und wirtschaftliche Zentrum einer Siedlung oder eines Dorfes. Besonders in strukturschwachen ländlichen Regionen sind auch in Deutschland Tankstellen in den letzten Jahren zu wochenendlichen Treffpunkten für die örtliche Jugend avanciert.

Die größten deutschen Tankstellenmarken im Vergleich 2014 zu 1935[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verteilung der Tankstellen beziehungsweise Servicestationen der Marken mit der größten Marktdurchdringung wird der Verteilung der Zapfstellen 1935 gegenübergestellt (Viele Tankstellen bestanden damals aus nur einer einzigen Zapfsäule, gegenüber der geringen Anzahl an Großtankstellen).

Trend und Verteilung der Tankstellen auf Marken
Marke Anzahl Tankstellen 2014[16] Firma (Marken) Anzahl Zapfstellen 1935[22][23] Marke (Firma) nach Stand
Insgesamt 14.272 Tankstellen   ca. 56.000 Zapfstellen  
1. Aral 02381 Tankstellen (16,7 %)   1. DAPG (Standard (ehem. Dapolin), Esso) 18.327 Zapfstellen (32,7 %) Esso (ExxonMobil)
2. Shell 02044 Tankstellen (14,3 %)   2. Rhenania-Ossag (Dynamin, Shell) 16.363 Zapfstellen (29,2 %) Shell
3. Total 01093 Tankstellen (7,4 %)   3. Benzol-Verband (Aral) 07740 Zapfstellen (13,8 %) Aral (BP)
4. Esso 01019 Tankstellen (7,1 %)   4. Olex (BP) 06098 Zapfstellen (10,9 %) Aral (BP)
5. Avia 00809 Tankstellen (5,7 %)   5. Gasolin (Motalin, Leuna-Benzin) 03315 Zapfstellen (5,9 %) Aral (BP)
6. ConocoPhillips (Jet) 00779 Tankstellen (5,5 %)   6. Oelhag 00953 Zapfstellen (1,7 %) Esso 50 %, Shell 50 %

Die jeweils fünfzigprozentige Aufteilung der Oelhag auf die DAPG und die Rhenania-Ossag hätte für die DAPG (Esso) 33,6 % ergeben und für die Rhenania-Ossag (Shell) 30,1 %. Die Addition der Anteile der später zur Aral fusionierten Benzol-Verband, Olex, Gasolin und Nitag hätten einen Gesamtanteil von 31,8 % ergeben. Im Ergebnis haben die später zu den Marktteilnehmern Esso, Shell und Aral fusionierten Gesellschaften mit zusammen 95,5 % den Markt komplett abgedeckt (beherrscht), während diese drei Firmen seither, was die Marktabdeckung über die Verteilung der Tankstellen angeht, lediglich auf einen Gesamtanteil von 38,1 % kommen. Die in der Tabelle aufgeführten sechs größten Gesellschaften kommen zusammen auch nur auf einen Anteil von 56,7 %. Diese Zahl sagt jedoch nichts über die Menge der verkauften Mineralölprodukte aus.

Weitere Tankstellenmarken in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tankstelle im Erdgeschoss der „Kant-Garage“ (Berlin) von 1930, einem der ersten Parkhäuser Deutschlands.

Im Folgenden sind weitere Tankstellenmarken in Deutschland aufgeführt (Auswahl):

Marke Anzahl Tankstellen 2015[16]
Insgesamt 14.209 Tankstellen
BFT 02337 Tankstellen
Star/Orlen 00558 Tankstellen
Agip 00444 Tankstellen
Tamoil/HEM 00392 Tankstellen
OMV 00301 Tankstellen
Westfalen 00250 Tankstellen
OIL! 00221 Tankstellen
Q1 00182 Tankstellen
Sonstige 01214 Tankstellen

Bau von Tankstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau der Tankstelle muss durch einen Fachbetrieb nach § 19 Abs. 1 WHG, der so genannten Fachbetriebspflicht, erfolgen, alle Bauteile müssen über eine DIBT-Zulassung verfügen. Sofern Kraftstoff verkauft werden soll, sind die Abgabeeinrichtungen eichpflichtig und durch die zuständige Eichbehörde abnehmen zu lassen. Rechtlich fallen Tankstellen unter das Bundes-Immissionsschutzgesetz, wobei sich besondere Regelungen in §§ 1 ff. der Verordnung zur Begrenzung der Kohlenwasserstoffemissionen bei der Betankung von Kraftfahrzeugen (21. BImSchV) finden.

Situation in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz wurden zum 1. Januar 2013 3567 öffentliche Markentankstellen gezählt. Die am meisten vertretene Marke ist AVIA mit 659 Tankstellen. Dahinter folgen Agrola (435), BP (390), Ruedi Rüssel (314), Tamoil (305), Shell (303), Migrol (282), Eni (252) und Coop (190).[24]

Dritte Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tankstelle in Osttimor

In Ländern der Dritten Welt gibt es vielerorts keine Tankstellen mit Zapfsäulen. Kleine Händler verkaufen den Treibstoff aus Flaschen und anderen Behältern an einfachen Straßenständen. Mitunter ist der Verkauf auch direkt aus dem Tankwagen zu beobachten.

Militär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Versorgung motorisierter militärischer Verbände im freien Gelände errichten Logistiktruppenteile Feldtanklager. Bei deutschen Truppen erledigen dies Spezialpioniere.

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diesellokomotiven und Triebwagen mit Verbrennungsmotor der Eisenbahn müssen, ebenso wie Kraftfahrzeuge, zur Aufnahme des Betriebsmittels eine Tankstelle ansteuern. Nahezu alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor der Bahn fahren mit Dieselkraftstoff. In Deutschland werden diese Tankstellen zumeist von der DB Energie betrieben[25] und befinden sich in der Regel in einem Bahnbetriebswerk oder größeren Rangier- oder Güterbahnhöfen.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Architektur von Tankstellen hat sich über die Jahre verändert. Mit der weiteren Verbreitung von Benzin- und Dieselmotoren in Fahrzeugen waren andere Anforderungen an die Einrichtungen gestellt um mehr Fahrzeuge in kürzerer Zeit abzufertigen. Zum Witterungsschutz wurde der Zapfsäulenbereich überdacht. Dazu kam der Trend, immer größere Verkaufsräume einzurichten, da die Pächter einen großen Teil ihres Verdienstes mit anderen Waren als Kraftstoffen erzielen.

Nur selten werden Tankstellen für ihre bauliche Gestaltung bekannt. Zu solchen Designbauten gehört die Tankstelle von Skovshoved, die Arne Jacobsen 1936 errichtete.

Fachzeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seit 1991 erscheint die Branchenzeitschrift Tankstellen-Markt. Bereits seit 1954 existiert diese Zeitschrift tankstelle, früher mit dem Untertitel Das Magazin für den Stationär. Sie erscheint monatlich im Kirchheim-Verlag in Mainz und enthält neben Brancheninformationen regelmäßig Abhandlungen zu aktuellen Rechtsfragen.
  • Zudem gibt es seit 2013 das Branchenmagazin Tankstop[26], das durch die Einkaufsgesellschaft Freier Tankstellen herausgegeben wird. Dieses stellt Branchenneuigkeiten und Tipps für Freie Tankstellen bereit.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Kleinmanns: Super, voll! Eine kleine Kulturgeschichte der Tankstelle. Jonas, Marburg 2002, ISBN 3-89445-297-8.
  • Bernd Polster: Super oder Normal. Tankstellen – Geschichte eines modernen Mythos. DuMont, Köln 1996, ISBN 3-7701-3516-4.
  • Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50276-8.
  • Ernst Seidl (Hrsg.): Lexikon der Bautypen. Funktionen und Formen der Architektur. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-010572-2.
  • Alexander Franc Storz: Hallo Tankwart: Wo das Wirtschaftswunder Fahrt aufnahm. Motorbuch, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-613-03535-5.
  • Chris van Uffelen: Automobil-Architektur. Braun, Salenstein 2011, ISBN 978-3-03768-085-8.
  • Christof Vieweg: Volltanken bitte! 100 Jahre Tankstelle. Delius Klasing, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3273-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tankstelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Tankstelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974. S. 130.
  2. Beschluss der Arbeitsstelle für Berufserziehung des deutschen Industrie- und Handelstages in Bonn am 1. Februar 1952.
  3. ADAC Motorwelt, Heft 3, 1952, S. 13: „Die Versorgung unserer Kraftfahrzeuge mit Betriebsmitteln erfordert schon ein beträchtliches Ausmaß besonderer Kenntnisse und Fähigkeiten, weshalb der Kraftfahrer mit Recht verlangen kann, daß das Tankstellenpersonal dementsprechende Ausbildung erhält.“
  4. Website des Illinois Route 66 Scenic Byway
  5. iww.de
  6. umweltdatenbank.de
  7. a b ed-tankstellen.de
  8. bundeskartellamt.de (PDF)
  9. Jet (Tankstelle) #Vertrieb
  10. tankstellenprofi.de (PDF) Fußnote 5
  11. bundeskartellamt.de
  12. eur-lex.europa.eu
  13. bft.de
  14. energiemittelstand.de
  15. Wichtige gesetzliche Bestimmungen für mobile Tankanlagen (PDF) denios.ch
  16. a b c mwv.de
  17. Neues Benzin mit 10 % Bioethanol droht Millionen Autos auszubremsen. In: VDI-Nachrichten, 3. Dezember 2010, Nr. 48/2010, S. 12.
  18. Zahlen und Informationen zum Thema Tankstellen in Deutschland Abgerufen am 3. Mai 2013.
  19. Energie Informationsdienst, Ausgabe 05/12 vom 31. Januar 2012.
  20. NOZ (Neue Osnabrücker Zeitung) v. 8. Juli 2008, S. 7.
  21. wiba.de, Wasserstofftankstelle
  22. Joachim Kleinmanns: Super, voll! Eine kleine Kulturgeschichte der Tankstelle. Jonas-Verlag, 2002, S. 46.
  23. Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974. Verlag C.H. Beck, München 2003, S. 154.
  24. erdoel.ch (PDF)
  25. Verzeichnis der entsprechenden Tankstellen. In: Eisenbahnatlas Deutschland. Ausgabe 2007/2008. Vlg. Schweers + Wall, o.O. 2007, ISBN 978-3-89494-136-9, S. 174 f.
  26. TANKSTOP