Tannöd

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Taschenbuchausgabe (2008)

Tannöd ist ein Kriminalroman der deutschen Autorin Andrea Maria Schenkel. Das Buch erschien im Januar 2006 im Verlag Edition Nautilus und wurde 2009 unter gleichem Titel verfilmt.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman erzählt die Geschichte eines sechsfachen Mordes auf dem fiktiven Oberpfälzer Einödhof Tannöd Mitte der 1950er Jahre. In 39 kurzen Abschnitten werden die Perspektiven der Opfer, der Ortsansässigen und des Täters miteinander verknüpft. Die Abschnitte sind teils kurze Erzählpassagen, größtenteils jedoch isolierte Zeugenaussagen, die sich erst nach und nach zu einem Gesamtbild zusammenfügen: Eine Bauernfamilie, beherrscht von einem tyrannischen, Frau und Kinder missbrauchenden Vater, zieht andere Menschen in ihr Beziehungsgeflecht hinein, bis einer davon, von Enttäuschung übermannt, im Blutrausch alle Bewohner des Hofes brutal ermordet, darunter zwei Kinder und eine gerade erst angestellte Magd.

Im Dorf wundert man sich, da auf dem Hof der Danners seit mehreren Tagen nichts mehr zu sehen ist, also beschließen Georg Hauer, Johann Sterzer und der Knecht Alois Huber nachzusehen. Auf dem abgelegenen Hof finden diese im Stadel die Leichen von Herr und Frau Danner, deren Tochter Barbara und deren Tochter Marianne mit Heu bedeckt vor. Der erst zwei-jährige Josef liegt tot in seinem Kinderbett und der Leichnam der erst am vorherigen Tag eingestellten Marie liegt unter einem Federbett. Allen wurde mit einer Spitzhacke der Schädel eingeschlagen. Tatverdächtiger ist der Witwer Georg Hauer, da dieser der angebliche Vater des kleinen Josef sein sollte, aber Barbara zu ihm jeglichen Kontakt verweigert hat. Da Georg Hauer damit nicht klar kam und unsterblich in Barbara verliebt war wollte er sie am Abend der Mordnacht zu einem Gespräch aufsuchen. Die beiden trafen sich im Stadel und es kam zum Streit. Aus Wut würgte Georg Hauer Barbara und erschlug sie anschließend mit einer Spitzhacke. Als Frau Danner Licht sah, ging sie ebenfalls in den Stadel, wo sie ihr Leben lassen musste, um nicht als Zeugin in Betracht zu kommen. Auch Herr Danner ging hinaus um nachzuschauen und auch ihm geschah das gleiche. Marianne, die kleine Tochter von Barbara wollte nach ihrer Mutter schauen und ging auch in den Stadel, wo auch sie ermordet wurde. Anschließend ging Georg Hauer ins Haus, wo er die Magd Marie und den kleinen Josef kaltblütig ermordete, um auch die beiden als Zeugen ausschließen zu können. Mehrere Tage füttert er die Kühe und täuscht somit ein Weiterleben der Familie vor.

Es kommt zum Vorschein, dass der alte Danner seine Tochter Barbara seit ihrem 12. Lebensjahr missbrauchte und es auch zu einer Schwangerschaft kam. Zwar hatte Barbara den Kriegsflüchtling Spangler geheiratet und ihm versucht das Kind unterzuschieben, dieser aber kam dahinter, woraufhin ihm der alte Danner Geld gab, damit er verschwinde. Als Barbara dann ein zweites Mal von ihrem eigenen Vater schwanger war, fing sie eine Liebschaft mit Georg Hauer an.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman verarbeitete Details eines Mordfalls, der sich 1922 auf dem nicht mehr existenten oberbayerischen Einödhof Hinterkaifeck ereignete. Das gleichnamige Dorf Tannöd hat nichts mit dem Geschehen zu tun. Die Autorin wurde nach eigenen Angaben durch eine Zeitungsreportage auf den historischen Fall aufmerksam und las einige Veröffentlichungen über den Mord. Geschrieben hat sie das Buch dann vorwiegend in einem Sommerurlaub.[1]

Für ihr Buch verlegte Schenkel die Handlung in die Nachkriegszeit und erfand die Nachbarschaft rund um den Hof und ihre Bewohner. Die Erzählstruktur verwendet fiktive Aussagen vor der Polizei, Akten und Gespräche. Eingestreut sind Gebete. Zur Auflösung des Mordgeschehens erfindet Schenkel einen Augenzeugen, aus dessen Sicht die Tötungen geschildert werden; im Schlusskapitel legt der Täter eine Beichte ab, der letzte Absatz suggeriert einen anschließenden Suizid.[1]

Dieser Fall wurde auch 1978 und 1997 von dem Autor Peter Leuschner in Sachbüchern bearbeitet, der im April 2007 eine Klage gegen die Autorin wegen Plagiats beim Landgericht München einreichte. Das Oberlandesgericht München stellte in zweiter Instanz fest, dass der Roman kein Plagiat der Sachbücher sei, an den Fakten und deren Anordnung kann es kein Urheberrecht geben. Das Gericht wies die Klage Leuschners Mitte November 2009 ab und bestätigte damit ein gleichlautendes Urteil des Münchner Landgerichts vom Mai 2008.

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2007 produzierte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) ein 70-minütiges Hörspiel des Romans Tannöd (Hörspielbearbeitung und Regie: Norbert Schaeffer).

Am 25. September 2008 feierte Tannöd als Bühnenwerk seine deutsche Erstaufführung im Stadttheater Fürth, basierend auf der Bühnenfassung von Maya Fanke, die auch selbst Regie führte.[2]

Kinostart der gleichnamigen Romanverfilmung Tannöd (Regie Bettina Oberli, Produktionsfirma Wüste-Film West) war am 19. November 2009. Das Drehbuch schrieb Petra Lüschow, in den Hauptrollen spielen Julia Jentsch, Monica Bleibtreu und Volker Bruch.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Mai 2009 wurden eine Million Exemplare des Romans Tannöd verkauft.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Süddeutsche Zeitung: Früher habe ich fürs Altpapier geschrieben. Interview mit Andrea Maria Schenkel, 16. März 2006, S. 50
  2. Informationen zur Tannöd-Inszenierung auf der Homepage des Stadttheaters Fürth
  3. Informationen zu Tannöd auf der Homepage von Andrea Maria Schenkel.