Tannat

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Dieser Artikel behandelt eine Rebsorte. Tannat ist auch die Bezeichnung für die Salze der Gerbsäure (Tannin).
Tannat
Synonyme siehe Abschnitt Synonyme
Tannat
Art Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
Beerenfarbe schwarzblau
Verwendung
Herkunft Frankreich
bekannt seit 1783
Liste von Rebsorten
Rebstock der Sorte Tannat
Traube

Tannat ist eine Rotweinsorte, die einen sehr tanninreichen, farbintensiven, kräftigen Wein ergibt. Durch die hohe Konzentration an Tanninen weist reinsortiger junger Tannatwein eine starke Adstringenz auf, deren Abbau eine lange (etwa 20 Monate) Flaschenreife erfordert.

Herkunft, Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ursprungsgebiet der Rebe liegt wahrscheinlich in den Pyrenäen in Frankreich. Sie wurde erstmals im Jahre 1783 in Madiran unter dem Namen Tannat im wahrscheinlichen Ursprungsgebiet Département Hautes-Pyrénées erwähnt.

Nach DNA-Analysen besteht möglicherweise eine Eltern-Nachkommen-Beziehung mit der Sorte Manseng Noir, sowie verwandtschaftliche Beziehungen zu den Sorten Baroque, Courbu Blanc, Lauzet und Petit Courbu.[1]

Es gibt auch eine hellbeerige Spielart namens Tannat Gris.

Ampelografische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Triebspitzen sind stark weißwollig behaart und rötlich umrandet.
  • Junge Blätter sind blasig und bronziert.
  • Erwachsene Blätter sind mittelgroß, keilförmig, blasig und sehr gewellt. Die Unterseite ist schwach wollig behaart, dreilappig und die obere Seitenbucht mitteltief eingebuchtet. Die Stilbucht ist leicht offen bis überlappend. Der Stilansatz ist rot gefärbt. Im Herbst färben sich die Blätter rot.
  • Die Trauben sind zylindrisch, geschultert und kompakt. Die Beeren sind rund, mittelgroß und schwarzblau gefärbt. Die Beerenhaut ist dick und reich an Farbstoffen, Das Fruchtfleisch ist saftig und sehr gerbstoffbetont.[2]

Reife: spät

Ertrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte ist sehr ertragreich.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte treibt spät aus und ist deswegen kaum spätfrostgefährdet. Der Rebstock ist sehr starkwüchsig. Aus diesem Grund werden schwachwüchsige Unterlagensorten empfohlen. Die Blüte ist empfindlich, gegen Peronospora, Botrytis und Schwarzfleckenkrankheit besteht eine mittlere Empfindlichkeit. Höhere Anfälligkeit besteht gegen Oidium, Traubenwickler und Milben.

Wein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wein ist sehr fruchtig, aromatisch (nach Himbeeren), kontrastreich, tanninreich (so auch der Name) und häufig säurebetont. Um eine Abrundung der Gerbstoffe zu erreichen ist eine lange Lagerung im Holzfass notwendig. Häufig wird der Wein auch mit anderen Sorten (Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc) verschnitten, um mehr Komplexität bei milderen Sorten zu erreichen. Der Wein ist durch den hohen Tanningehalt auch sehr gut haltbar.

Der Tannat gilt seit der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse von Roger Corder in der Wissenschaftszeitschrift Nature[3] als „gesündester“ Rotwein überhaupt.[4] Die Sorte liefert bei traditioneller Verarbeitung (die praktisch nur in den beiden kleinen Anbaugebieten Département Gers und Nuoro in Frankreich bzw. auf Sardinien gepflegt wird), den hauptwirksamen Bestandteil Procyanidin bzw. Resveratrol (entscheidende Untergruppe der Polyphenole). Das klassische Keltern (Gärung mit Schalen und Kernen von drei bis vier Wochen) erbringt dabei die höchsten Werte an Procyanidinen, die sich als vorbeugend bei Herz- und Kreislauferkrankungen sowie als Radikalfänger erwiesen haben. Wegen des hohen natürlichen Gehalts verbunden mit der restlosen Extraktion enthält dieser Wein gut viermal so viel Resveratrol wie alle anderen getesteten Rotweine – insbesondere auch die meist nur sehr kurz gekelterten Tannat-Weine aus Uruguay. Seit der Veröffentlichung gilt der Wein aus der Sorte Tannat als „gesündester Rotwein“.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit gibt es eine Anbaufläche von 5.889 ha.[5]

Land Rebfläche ha 2010[5]
Frankreich 2863
Uruguay 1815
Argentinien 705
Brasilien 295
USA 75
Südafrika 67
Italien 55
Portugal 10
Chile 2
Ungarn 1
Weltanbaufläche 2010 5889

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptanbaugebiet liegt im französischen Südwesten, wo er in der AOC Madiran (fast) reinsortig gekeltert wird und einen kräftigen Rotwein ergibt. Im Gebiet Cahors wird er mit der dort vorherrschenden Sorte Malbec verschnitten, um den Weinen mehr Rückgrat zu geben. Weitere Anbaugebiete sind Tursan, Côtes de Saint-Mont, Irouléguy in den Pyrenäen, Côtes du Brulhois (ein Gebiet im Norden der Gascogne) und Béarn.

Andere Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinere Anbauflächen gibt es in Uruguay, Argentinien, Brasilien, USA, Südafrika. Italien, Portugal, Chile, und Ungarn.

In Amerika wird Tannat oft reinsortig gekeltert, aber auch gerne mit Merlot, Cabernet Sauvignon oder Cabernet Franc verschnitten, um die Weine weicher und früher marktfähig zu machen. Anbaugebiet ist vor allem Uruguay, wo er auch den Namen Harriague nach dem Begründer des Anbaus, dem baskischen Frankreichauswanderer Don Pascual Harriague trägt. Hauptsächlich wird der Wein jedoch unter dem Namen „Tannat“ vermarktet. Die Tannat-Weinbauregionen in Uruguay sind Canelones, Montevideo, San José und Maldonado.

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synonyme 13: Bordelais Noir, Bordeleza Belcha, Harriague, Madiran, Madiron, Mouston, Moustron, Moustrou, Moustroun, Tanat, Tannat Gris, Tannat Noir Femelle, Tannat Noir Männlich.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Ambrosi, Bernd H. E. Hill, Erika Maul, Erst H. Rühl, Joachim Schmid, Fritz Schuhmann: Farbatlas Rebsorten 3. Auflage, Eugen Ulmer, 2011, ISBN 978-3-8001-5957-4.
  • R. Corder, W. Mullen, N. Q. Khan, S. C. Marks, E. G. Wood, M. J. Carrier, A. Crozier: Oenology: Red wine procyanidins and vascular health. In: Nature 444, 30. November 2006, S. 566.
  • Roger Corder: The Wine Diet. Sphere 2006, ISBN 1-84744-003-7.
  • Daniel Vergnes: La conservation du patrimoine génétique du Tannat. Chambre d’Agriculture des Pyrénées-Atlantiques, 2002.
  • Daniel Vergnes: Suivi de maturité polyphénolique du Tannat. Chambre d’Agriculture des Pyrénées-Atlantiques, 2002.
  • Pierre Galet: Dictionnaire encyclopédique des cépages. 1. Auflage. Hachette Livre, 2000, ISBN 2-01-236331-8.
  • Jancis Robinson: Das Oxford Weinlexikon, 3. überarbeitete Ausgabe. 1. Auflage. Gräfe und Unzer Verlag, München, 2007, ISBN 978-3-8338-0691-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jancis Robinson, Julia Harding, José Vouillamoz: Wine Grapes, 1. Auflage 2012, Penguin Books, London, ISBN 978-0-06-220636-7.
  2. Hans Ambrosi, Bernd H. E. Hill, Erika Maul, Erst H. Rühl, Joachim Schmid, Fritz Schuhmann: Farbatlas Rebsorten 3. Auflage, Eugen Ulmer, 2011, ISBN 978-3-8001-5957-4,S 227
  3. Nature, Band 444, S. 566
  4. Länger leben mit dem richtigen Rotwein. In: Die Welt, 29. November 2006
  5. a b K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, 2000 and 2010, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, Dezember 2013 (erste Überarbeitung April 2014) (zweite Überarbeitung Mai 2014) (dritte Überarbeitung Juli 2014).
  6. abgerufen am 23. Jänner 2017 Tannat in der Datenbank Vitis International Variety Catalogue des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (englisch)