Tannbach – Schicksal eines Dorfes

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Filmdaten
OriginaltitelTannbach – Schicksal eines Dorfes
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2015
LängeFolge 1: 90 Minuten,
Folge 2: 95 Minuten,
Folge 3: 105 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1][2][3]
Stab
RegieAlexander Dierbach
DrehbuchJosephin von Thayenthal,
Robert von Thayenthal,
Martin Pristl,
Gabriela Sperl,
Gabriela Zerhau
ProduktionQuirin Berg,
Gabriela Sperl,
Max Wiedemann
MusikFabian Römer
KameraClemens Messow
SchnittMatthew Newman,
Simon Blasi
Besetzung

Der dreiteilige Film Tannbach – Schicksal eines Dorfes handelt vom Schicksal eines fiktiven Dorfes an der bayerisch-thüringischen Grenze in den ersten Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Da das Dorf teils im „Osten“ und teils im „Westen“ liegt, findet sich in ihm das Schicksal des geteilten Deutschlands zur Zeit des Kalten Krieges wieder.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Teil Der Morgen nach dem Krieg (Erstausstrahlung am 4. Januar 2015) handelt von den letzten Kriegstagen und von der Eroberung durch US-amerikanische Truppen. Am Ende des Filmes wird Tannbach dann vollständig von den Sowjets übernommen.

Der zweite Teil Die Enteignung (Erstausstrahlung am 5. Januar 2015) handelt von der Zeit der sowjetischen Besatzung, bis schließlich durch die Potsdamer Konferenz das Dorf in einen sowjetischen und einen US-amerikanischen Teil aufgeteilt wird, ebenso wie Deutschland, Berlin und Mödlareuth. Es fällt das Wort Klein-Berlin.

Der dritte Teil Mein Land, dein Land (Erstausstrahlung am 7. Januar 2015) handelt von der Zeit der endgültigen Teilung des Dorfes im Jahr 1952.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Dorf fließt der tatsächlich existierende Tannbach, der auch das Dorf Mödlareuth teilt.

Drehorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedreht wurde der Mehrteiler hauptsächlich in Běsno, einem Ortsteil von Kryry (Tschechien), westlich von Prag.[4] Einige Szenen wurden im Oberfränkischen Bauernhofmuseum Kleinlosnitz gedreht.[5]

Hauptfiguren (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg von Striesow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Graf und Großgrundbesitzer kommt zu Beginn des Films als Fahnenflüchtiger heim von der Front, schweigt aber über seine Erlebnisse. Er muss im Versteck zusehen, wie seine Frau im Hof erschossen wird. Am Ende des ersten Teils wird er als Kriegsgefangener nach Frankreich deportiert und kehrt im zweiten Teil nach einem Jahr zurück. Er wird wie alle Großgrundbesitzer, die 100 ha oder mehr Grundbesitz haben, entschädigungslos enteignet und ihm wird verboten, sich seinem ehemaligen Gut bis auf mehr als 50 km zu nähern (siehe Bodenreform in Deutschland). Am Ende des zweiten Teils flieht er in den Westen. Im dritten Teil offenbart sich seine Geschichte als Major bei der Wehrmacht. So konfrontiert ein zurückgekehrter Kriegsgefangener ihn mit seinen Befehlen, für Partisanenangriffe Vergeltung an der Zivilbevölkerung zu üben. Graf von Striesow bereut seine Taten und ist ein entschiedener Gegner des Sozialismus, was er häufig seiner Tochter und seinem Schwiegersohn zeigt.

Anna von Striesow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie ist die Tochter des Grafen. Sie heiratet auf ostdeutschem Gebiet den überzeugten Kommunisten Friedrich Erler.

Liesbeth Erler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liesbeth Erler ist Schneiderin. Während des Krieges rettete sie den jungen Juden Lothar Erler, indem sie ihn als ihr eigenes Kind ausgab. Sie hat aber zu viel erlebt, um noch an Ideale zu glauben. Eine Szene im Film zeigt sie in der Auseinandersetzung mit ihrem Sohn, in dem sie ihm vorhersagt, dass auch das kommunistische Ideal, wie einst das völkische, zur Hölle statt zum Himmel werden wird. Ihren Mut beweist sie im lebensgefährlichen Schmuggeln lebensnotwendiger Güter über die Zonengrenze. Sie verlässt im zweiten Teil die sowjetische Zone und geht als Schneiderin nach New York, kommt aber zur Taufe ihres Enkels zurück nach Ostdeutschland. Da die Taufe auf westdeutschem Boden stattfindet, bleibt sie auf dieser Seite der Grenze, da sie (im Gegensatz zu ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter) begründete Angst vor einer Verhaftung hat.

Friedrich Erler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn von Liesbeth Erler ist ein junger Mann, der von den Idealen des Kommunismus noch überzeugt ist. Während seine Mutter Liesbeth Erler in den Kriegsjahren gelernt hat, dass zu hohe Ideale eher die Hölle als den Himmel darstellen, eifert er noch dieser Überzeugung nach.

Lothar Erler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist der jüdische Ziehsohn von Liesbeth Erler. Als Jude hat er seine Eltern in einem Konzentrationslager verloren. Bei der Bodenreform beansprucht er fünf Hektar Land für sich, die er mit Friedrich zusammenlegt. Sie bauen darauf den „Erlerhof“. Lothar ist später als Schmuggler und Fluchthelfer aktiv. Er ist ein sehr beliebter Mensch und wird von fast allen gemocht. Am Ende des dritten Teils wird er bei einem illegalen Grenzübertritt erschossen. Von offizieller ostdeutscher Seite heißt es, dass die westdeutschen Grenzschutztruppen ihn getötet hätten. In diesem Glauben werden auch Friedrich und seine Frau Anna Erler gelassen.

Horst Vöckler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Gräfin weiße Laken aufhängen lässt, um vor den herannahenden amerikanischen Truppen zu kapitulieren, wird der SS-Untersturmführer von seinem Vater Franz Schober aufgefordert, er möge doch in Tannbach für Ordnung sorgen. In den letzten Kriegsminuten, ehe die amerikanische Armee das Dorf erreicht, lässt er die Gräfin erschießen. Später flieht er und versteckt sich in der Nähe des Dorfes, wird aber von seiner Mutter Hilde Vöckler verraten und von der amerikanischen Armee gefangen genommen.

Franz Schober[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er, der selbst nach der Niederlage noch Adolf Hitler mit in sein Tischgebet einschließt, stiftet zunächst Horst Vöckler dazu an, für Ordnung zu sorgen, kooperiert anschließend mit der amerikanischen Besatzungstruppe und wird später von den Russen vor dem Lager bewahrt. Nach einer Grenzkorrektur findet er sich mit dem Hof seiner Familie auf der Westseite wieder. Er ist der Prototyp eines Opportunisten, der sich einer Strafe entziehen kann.

Konrad Werner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist ein aus der Sowjetunion zurückgekehrter Kommunist. Als Landrat hat er die Obergewalt über das Dorf auf ostdeutscher Seite. Er wirkt vor allem bei der Bodenreform (Enteignung der Großgrundbesitzer) mit, wird jedoch als Idealist mit menschlichen Regungen zum Ende des dritten Teils zunehmend von einem Apparatschik der Stasi abgelöst, der vor dem Krieg Mitglied der NSDAP war.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Kritik, insbesondere in Franken, stieß die Verwendung des bairischen Dialekts im Film, da sich auf bayerischer (im Sinne des Bundeslands „Freistaat Bayern“) Seite der thüringisch-bayerischen Grenze Franken und nicht Altbayern befindet. Dementsprechend müssten die Bewohner des Ortes ostfränkisch sprechen, wenn man dem Beispiel Mödlareuth folgt (siehe auch Deutsche Dialekte).

Ein FAZ-Rezensent urteilte fünf Stunden Geschichtsfernsehen, bei dem man am Ende tatsächlich eine Ahnung davon bekommt, wie nicht nur der Eiserne Vorhang fiel, sondern eine Mauer in den Köpfen entstand. Es ist aber leider nur eine Ahnung.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung. Tannbach (1.Teil). Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, 20. November 2014; abgerufen am 7. Januar 2015 (PDF, Prüf-Nr.: 148 464 V): „Freigegeben ab 12 Jahren“
  2. Freigabebescheinigung. Tannbach (2.Teil). Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, 20. November 2014; abgerufen am 7. Januar 2015 (PDF, Prüf-Nr.: 148 465 V): „Freigegeben ab 12 Jahren“
  3. Freigabebescheinigung. Tannbach (3.Teil). Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, 20. November 2014; abgerufen am 7. Januar 2015 (PDF, Prüf-Nr.: 148 466 V): „Freigegeben ab 12 Jahren“
  4. Wie die Mauer ein Dorf teilte. Die Welt vom 10. Juli 2014
  5. Dreharbeiten für den Film „Tannbach“ – eingeschränkter Zugang. In: www.kleinlosnitz.de. ; abgerufen am 13. Januar 2015.
  6. Die Mauer im Kopf will nicht fallen