Tannenkirch

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Wappen von Tannenkirch
Wappen von Kandern
Tannenkirch
Stadtteil von Kandern
Koordinaten 47° 42′ 42″ N, 7° 36′ 26″ OKoordinaten: 47° 42′ 42″ N, 7° 36′ 26″ O.
Fläche 7,53 km²
Einwohner 836
Bevölkerungsdichte 111 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Mrz. 1974
Postleitzahl 79400
Vorwahl 07626
Politik
Ortsvorsteher Fritz Höferlin

Tannenkirch ist der westlichste Stadtteil von Kandern in Markgräflerland und nach Einwohnerzahl der zweitgrößte. Der Ort liegt erhöht am Südhang der Hohen Schule und ist bekannt für seinen Weinanbau. Zu Tannenkirch gehören die Ortsteile Gupf,[1] Ettingen[2] und Uttnach.[3]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Geologie der Gemarkung Tannenkirch ist eine von Hertingen über Tannenkirch und Holzen nach Hammerstein ziehende Verwerfung von größerer Bedeutung. Sie trennt zwei unterschiedliche Landschaftsräume: einerseits das Jurabergland im nordöstlichen Gemarkungsteil mit den Rebbergen und dem Wald der Hohen Schule und andererseits die lössbedeckten Tertiärhügel mit den Ackerfluren im Südwesten.[4]

Im nordwestlich der genannten Störungslinie befindlichen Kanderner Jurabergland haben sich als Randschollen des Oberrheingrabens Schichten des Deckgebirges erhalten, die einst auch die Schwarzwaldhöhen bedeckten, dort aber längst der Abtragung anheimgefallen sind. Es handelt sich um Ober- und Mitteljurakalke und -mergel. Den Untergrund der Hohe Schule-Tafel bildet der massige helle Korallenkalk (Oxford), den man am Weg zum Schützenhaus antrifft. Diese Korallenkalktafel der Hohen Schule steigt ostwärts leicht an, so dass am Rebhang unter Ober Berg die unterlagernden Mitteljuraschichten erscheinen. Eine kleine N-S-Verwerfung zwischen Pflanzer und Erzberg verstärkt diese Anhebung. Diese Mitteljurasedimente (Bath und Callov) werden heute als Kandern-Formation klassifiziert. Ihre vorwiegend weichen, tonig-mergeligen Schichten konnten leicht abgetragen werden, so dass zwischen Riedlingen und Uttnach eine Ausräumzone entstand, in welcher der Hüppberg (mit einer, ebenfalls tonigen, Oberjurakappe) nur als ein sanft gerundeter Hügel in Erscheinung tritt.[5]

Die Mitteljuraschichten sind weithin unter einer Lehmdecke, zum Teil unter Löss (am Hüppberg) oder Lösslehm (Auf dem Hühner) verborgen. Auch die Hohe Schule ist von lössführendem Lehm bedeckt. Darunter schürfte man bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Bohnerzen. Die Spuren dieses Bergbaus, Gruben (Pingen), Stollen, Abraumhalden, sind auf der Hohen Schule nicht zu übersehen. Bohnerze sind erbsen- oder bohnenförmige Eisenkonkretionen, die bei der Verwitterung eisenhaltigen Kalkgesteins (hier: von Mitteljurakalken) in der frühen Tertiärzeit entstanden sind. Eingelagert sind sie in gelbbraune bis tiefrote Tone, die oft auch als Spaltenfüllung im verkarsteten Korallenkalk zu beobachten sind. Nach den Bohnerzen wurde einst von Auggen, über Schliengen, Liel bis zur Hohen Schule und dem Holzener Behlen geschürft.

Südlich der eingangs erwähnten Verwerfung sind die Juragesteine tief versenkt und von Schichten der tertiären Rheingrabenfüllung überdeckt. Diese bilden unter einer Lössdecke den Untergrund des ganzen südlichen Markgräflerlandes. (Nur am Isteiner Klotz treten die Jurakalke noch einmal in der Landschaft in Erscheinung.) Der fruchtbare Löss, Feinstmaterial, das in den Kaltzeiten aus den Schotterfeldern des Rheines ausgeblasen und im Umland deponiert wurde, macht diesen Gemarkungsteil zur idealen Ackerbaulandschaft. Hier befinden sich die Ortsteile Gupf und Kalte Herberge. Auch Ettingen liegt noch in der Lösslandschaft, nahe der Verwerfung. Uttnach dagegen wird von dieser durchquert.

Die mit abgeschwemmtem Löss(-Lehm) erfüllten Tälchen (Fehrbachgraben, Flösch, Meiermatt u. a.) wurden traditionell als Dauergrünland genutzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste urkundliche Erwähnung war 1179, als in einer päpstlichen Bulle die Kirche erwähnt wird („Ecclesia de Tannenkilch“). Nach der Bürgler Chronik wurde bereits 1138 dem Kloster Bürgeln ein Weinberg in Tannenkirch geschenkt. Im Jahr 1184 war das Cluniazenser-Priorat St. Ulrich Patronatsherr der Gemeinde. Die Kirche Tannenkirchs wurde 1223 als Pfarrkirche genannt („plebanus de Tannenkirch“). 1388 wurde der Ort Markgraf Rudolf III. durch den Bischof von Basel als Kirchenzehnten belehnt.

Am 1. März 1974 wurde Tannenkirch in die Stadt Kandern eingegliedert.[6]

Rathaus (Ortsverwaltung) Tannenkirch

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Steingäßle-Weg auf Tannenkirch

Im Ortskern beginnt ein 5 km langer Rundwanderweg (Steingäßle-Weg) durch die Weinberge des Orts. In Tannenkirch werden die Rebsorten Gutedel, Müller-Thurgau und Silvaner auch der Blaue Spätburgunder sowie der Regent angebaut.[7]

Blick übers Dorf

Im Rathaus von Tannenkirch befindet sich ein Museum für das Küfer-Handwerk.[8] Gegenüber dem Rathaus steht die Evangelische Pfarrkirche Tannenkirch St. Matthias, welche aus einem mittelalterlichen Chorturm und einem 1973 neu erbauten Kirchenschiff besteht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Herbener, Rolf Rubsamen, Dorothee Philipp, Jost Grosspietsch: Kunst. Thermen. Wein. Entdeckungsreisen durch das Markgräflerland, Kunstverlag Josef Fink 2006, ISBN 978-3-89870-273-7, Seiten 60–63.
  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band II (Kandern bis Zell im Wiesental), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, Seiten 66–71.
  • Giselher Haumesser: Zur Geschichte Kanderns und seiner Teilorte. In: Das Markgräflerland, Heft 2/1990, S. 5–25; Tannenkirch s. S. 21–22 Digitalisat der UB Freiburg
  • Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden, Tübingen und Leipzig, 1901, Fünfter Band – Kreis Lörrach; S. 51–52 online
  • Ursula Tanner und Irmgard Heß: Ortsfamilienbuch Tannenkirch [1588-2015), Teilort der Stadt Kandern. Lahr-Dinglingen: Albert Köbele Nachfolger 2015 (= Badische Ortssippenbücher 006/1)
  • Karl Mink: Einiges aus der Chronik von Tannenkirch. In: Die Markgrafschaft, Heft 11/1951, S. 6–8 Digitalisat der UB Freiburg
  • Ortsbild Tannenkirch
    Karl Mink: Einiges aus der Chronik von Tannenkirch. (Fortsetzung). In: Die Markgrafschaft, Heft 2/1952, S. 7–9 Digitalisat der UB Freiburg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kandern-Tannenkirch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag Gupf auf Landeskunde entdecken online – leobw
  2. Eintrag Ettingen auf Landeskunde entdecken online – leobw
  3. Eintrag Uttnach auf Landeskunde entdecken online – leobw
  4. LGBR Kartenviewer. LGBR Regierungspräsidium Freiburg i. Br., abgerufen am 28. September 2021.
  5. K. Schnarrenberger: Geologische Karte von Baden-Württemberg 1:25 000, Erläuterungen zu Blatt 8211 Kandern (Reprint). Stuttgart 1985.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 521.
  7. Der Tannenkircher Steingässle-Weg auf der Homepage der Stadt Kandern; abgerufen am 16. Januar 2021.
  8. Das Markgräfler Küfermuseum in Tannenkirch auf der Homepage der Stadt Kandern; abgerufen am 16. Januar 2021.