Tanz der Zuckerfee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Postkarte mit Olga Iossifowna Preobraschenskaja als Zuckerfee und Nikolai Legat als Prinz Coqueluche (Prinz Keuchhusten)
Natalie Böck als moderne Zuckerfee

Der Tanz der Zuckerfee ist ein weltbekanntes Stück aus dem Ballett Der Nussknacker (op. 71, dort Nr. 14, Var. 2) von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, das am 18. Dezember 1892 uraufgeführt wurde. Es erklingt gegen Ende des zweiten Akts, eines Divertissements, und ist als solistischer Teil eines Pas de deux konzipiert. Die Melodie wird vor allem von einer Celesta intoniert, einem Instrument, das erst durch diesen Tanz weltbekannt wurde.[1] Der Tanz der Zuckerfee ist auch Bestandteil der Konzertsuite Nussknacker-Suite (op. 71a, dort Nr. 3), die noch vor dem Ballett erschien und im Gegensatz zum Ballet sofort ein Erfolg für Tschaikowski wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich waren in dem Ballet die Rollen der Clara, des Mädchens, das in der Weihnachtsnacht die Geschichte vom Nussknacker und dem Mausekönig träumt, und der Zuckerfee voneinander getrennt. Erst in der Inszenierung von Alexander Alexeyevich Gorsky mit dem Moskauer Bolschoi-Ballett, 1919, wurden die Rollen vereint, ebenso die des Nussknackers und des Prinzen. Außerdem tanzten seitdem in der Regel Erwachsene, statt jugendliche Ballettschüler, die Partien. Erste Zuckerfee der Uraufführung von 1892 im St. Petersburger Mariinski-Theater war die italienische Tänzerin Antonietta Dell’Era, die zur Kompanie der Berliner Königlichen Hofoper gehörte und öfter in Russland gastierte. Sie bemängelte, dass der Auftritt der Zuckerfee zu kurz sei und erreichte in späteren Aufführungen für sich eine Erweiterung durch einen zusätzlichen Tanz, einer Gavotte, die nicht von Tschaikowski stammte, sondern von dem Komponisten Alfons Czibulka.[2] Der Tanz der Zuckerfee gab zunächst immer neuen jungen Tänzerinnen die Möglichkeit, ihre erlernte Kunst, Pirouetten, Spitzentanz und ihre Persönlichkeit dem Publikum zu zeigen. Das war besonders in Russland der Fall. In Amerika hingegen wurde die Sugar Plum Fairy bald zu einem Archetyp der klassischen Ballerina. Für lange Zeit war sie die einzige Figur im kurzen Tutu und diente so der Nachwuchsförderung für das Ballett. Ende des 20. Jahrhunderts war diese Haltung zunächst in den USA nicht mehr zeitgemäß und ihre Rolle wurde vor allem von feministischen Autorinnen bezüglich der Körperlichkeit der Ballerinen und der Dominanz der meist männlichen Ballettdirektoren und ihren Vorstellungen hinterfragt.[3]

Inhaltliche Einbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tschaikowskis Ballett Der Nussknacker basiert auf der Handlung von E. T. A. Hoffmanns Märchen Nußknacker und Mausekönig, allerdings in den Überarbeitungen von Alexandre Dumas und dem Librettisten Marius Petipa. Tschaikowskis Werk enthält also sowohl deutsche als auch französische Elemente. Der Tanz der Zuckerfee ist in die Szenen auf dem Zauberschloss von Zuckerburg eingebettet. Das Ambiente ist hier französisch geprägt, so heißt die Zuckerfee La Fée Dragée, der Prinz Prince Coqueluche (Prinz Keuchhusten, nach der Kinderkrankheit) und die anderen Personen tragen ebenfalls französische Namen.[4] Auf dem Schloss findet ein Fest statt, das den Sieg des aus Zinnsoldaten bestehenden Nussknackerheeres über die Truppen des Mausekönigs feiert. Es werden Tänze aus verschiedenen Ländern aufgeführt. Dann erscheinen in dem Traum der Nussknacker als Prinz und Clara als Zuckerfee, die einen langen Pas de deux tanzen. Unterbrochen wird dieser durch die beiden Soli Tarantella des Prinzen und den Tanz der Zuckerfee.

Musikalische Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tanz der Zuckerfee wird in der Partitur als Variation II. Pour la Danseuse, also als Solotanz, bezeichnet. Unmittelbar vor diesem Tanz erklingt im Ballett die Variation I. Pour le Danseur. Das ist eine schnelle Tarantella, die der Prinz Coqueluche aus der Geschichte ebenfalls solo tanzt. Für die Zuckerfee sieht Tschaikowski hingegen zunächst das langsamere Tempo Andante non troppo vor. Gegen Ende des Stückes jedoch wird ein Presto verlangt, das in traditionellen Choreografien der Tänzerin der Zuckerfee erlaubt, wirbelnde Drehungen zu tanzen. In der Nussknackersuite fehlt hingegen dieses Presto. Im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Tänzen, die im ¾- oder ⅜-Takt komponiert sind, weist die Zuckerfee mit ihrem ²/₄-Takt ein gerades Taktmaß auf. Die Tonart ist durchgehend e-Moll.

Eingeleitet wird das Stück mit vier Takten, die die Streicher gezupft spielen, bevor die Celesta mit dem sechzehntaktigen ersten Thema beginnt. Nach einer ebenfalls 16 Takte dauernden Überleitung, die gegen Ende in fortissimo gespielte schnelle Läufe mündet, erklingt erneut das bekannte Thema der Celesta eine Oktave höher. Das zweite Thema, als folgendes Presto, erstreckt sich über 32 Takte.[5]

Das Kostüm der Tänzerin ist in den meisten Fällen dem schlichten Kinderspielzeugcharakter der literarischen Figuren angelehnt. Statt des üblichen Ballettkleids mit einem das Knie bedeckenden Rock trägt die Zuckerfee ein Kleid, das an eine kreisförmige abstehende Scheibe erinnert, sodass die Beine vollständig sichtbar sind.

Instrumentierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Celesta.

Geprägt wird das Stück von einem ungewöhnlichen Soloinstrument: Die Celesta, ein Stahlplattenklavier mit Hammermechanik mit seinem an ein Glockenspiel erinnernden Klang wird als Melodieinstrument vom Orchester begleitet. Tschaikowski schrieb dieses Instrument sei eine Kombination „zwischen einem kleinen Klavier und einem Glockenspiel, mit einem Ton von göttlicher Schönheit“.[6] Der Tanz der Zuckerfee ist eine der ersten Kompositionen, die das Instrument als Teil des Sinfonieorchesters verwenden und ist bis heute das bekannteste Stück des klassischen Repertoires für Celesta. Für den Fall, dass kein solches Instrument verfügbar ist, erlaubt Tschaikowski auch die Interpretation des Celesta-Solos auf dem Klavier.

Die Instrumentation des die Celesta begleitenden Orchesters sieht als Holzblasinstrumente darüber hinaus drei große Flöten, zwei Oboen, Englischhorn, zwei Klarinetten in A, eine Bassklarinette in B und zwei Fagotte Fagott vor. An Blechblasinstrumenten fordert Tschaikowski vier Hörner in F. Die Streicher sind für das Stück extrem verkleinert auf je vier erste und zweite Violinen, vier Bratschen, vier Violoncelli und zwei Kontrabässe. Neben der Celesta nimmt die Bassklarinette eine wichtige solistische Rolle ein, denn sie ergänzt die glockenhelle Melodiestimme durch die tiefe absteigende Tonfolge einer Quinte, die nach jedem Teil der Melodie als Nachsatz erklingt.[7] Die übrigen Blechbläser (Trompeten, Posaunen und Tuba), die Harfen sowie das Schlagwerk setzen aus.

die für die Instrumentation des Tanzes charakteristischen Arpeggien der Celesta

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die große Beliebtheit des Stückes zeigt sich in zahlreichen Bearbeitungen und Transkription für die unterschiedlichsten Instrumente.

  • In einer Sequenz des Disney-Zeichtentrickfilms Fantasia aus dem Jahr 1940 erscheint die Musik zur Untermalung eines Feentanzes.[8]
  • Der Danse de la fée dragée wurde im deutschsprachigen Raum beispielsweise auf Märchenschallplatten des Labels Europa verwendet.[9] Es findet sich unter anderem in der Vertonung der Märchen Die Prinzessin auf der Erbse oder Der fliegende Koffer von Hans Christian Andersen in einer Aufnahme aus der Langspielplatte Tschaikowsky – Ballett-Musik des Norddeutschen Symphonieorchesters Hamburg, dirigiert von Wilhelm Schüchter.[10]
  • Im Album That’s Christmas To Me der amerikanische A-cappella-Gruppe Pentatonix ist der Dance of the Sugar Plum Fairy enthalten.[11]
  • Das Weihnachtsalbum Oi to the World! von 1996 der Punkrockband The Vandals enthält ebenfalls eine Adaption der Zuckerfee im Song Dance of the Sugarplum Fairies[12]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langspielplatten:

Compact Discs:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte der Celesta in der Vienna Symphonic Library.
  2. Sugar Plum Fairy Exposé: Dissolving The Sugar Coating Auf danceadvantage.net.
  3. Jennifer Fisher: Nutcracker Nation (englisch). Yale University Press 2004, ISBN 0-300-09746-8, S. 146 f.
  4. Gisela Sonnenburg: Grenzgänger der Winterwelten. In: Ballett-Journal. 26. Dezember 2015 anlässlich der Nussknacker-Inszenierung in der Deutschen Oper, Berlin.
  5. Tschaikowski: Der Nussknacker. Partitur des Balletts. P. Jurgenson, Moskau 1892. S. 451 ff.
  6. Wolfram Goertz: Nussknacker-Musik: Die Zuckerfee im Rausch. In: Die Zeit. 25. November 2010.
  7. Tschaikowski: Der Nussknacker. Partitur des Balletts. P. Jurgenson, Moskau 1892. S. 451 ff.
  8. YouTube-Video mit der Sequenz Dance of the sugar plum fairy aus Fantasia
  9. Tanz der Zuckerfee (Tschaikowski). Auf uetz.de.
  10. Schatzkästlein der schönsten Märchen. Auf claudius-brac.de.
  11. offizielles Video
  12. Dance of the Sugarplum Fairies, YouTube-Video