Tape Art

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Tape Art Streifen in Berlin
Foto von "Portable Tornado"- Tape Art Skulptur von Ostap
Tape Art 3D Installation- Skulptur aus Klebeband von Slava Ostap

Tape Art (Klebebandkunst) beschreibt Kunst, die aus Klebebändern entstanden ist. Dabei können verschiedene Klebebänder mit unterschiedlichen Strukturen, Farben und Formen verwendet werden.[1]

Geschichte

Kombination von Graffiti (Amok) und Tape Art (Tape Over) an einer Wand direkt vor dem Klebeland in Berlin.

Tape Art entstand aus der Suche nach einer Alternative für Spraydosen als Unterkategorie im Bereich Urban-Art in den 1960er Jahren. Hauptsächlich wurde Tape Art ursprünglich im öffentlichen urbanen Raum angewendet. Vermehrt wird Tape Art von den Medien entdeckt und von Individuen im privaten Innenraum angewendet. Nachdem Tape Art anfänglich durch subversive Individuen mit den vorhandenen Materialien im öffentlichen urbanen Raum angewendet wurde, wurden inzwischen spezielle Artists Tapes (Klebeband für Tape Art) entwickelt.

Euridice Lost von Buff Diss mit weißem Gewebeband
Zwei gekreuzte Hände- Street-Art-Kunstwerk aus Packband
"The Hände"- Tape Art Kunstwerk aus braunem Paketklebeband von Berliner Künstler-Kollektiv Selfmadecrew für "The Haus" Projekt in Berlin.

El Bocho, Künstler aus Berlin, beklebte 2009 im Rahmen der Ausstellung „Urban Affairs Extended“ ausschließlich mit Klebestreifen die Wand des Stadtbades Wedding und erregte damit großes Aufsehen. Die Heyne Kunst Fabrik in Offenbach am Main eröffnete Anfang 2015 die europaweit erste Gruppenausstellung, Arbeiten von sieben europäischen Tape-Künstlern und zwei Kollektiven aus Berlin wurden gezeigt.[2] Tape Art-Künstler, wie Max Zorn werden mit ihren Projekten auf renommierte Kunstmessen, wie die Art Basel Miami eingeladen.[3] Die in Berlin lebende polnische Künstlerin Monika Grzymala stellt ihre dreidimensionalen Installationen weltweit in renommierten Galerien und Museen, wie der Kunsthalle Hamburg oder der Albertina in Wien aus.[4][5][6]

Im Oktober 2016 wurde in Berlin die erste internationale Tape Art Convention – eine Ausstellung in der Berliner Galerie Neurotitan ausgerichtet, an der sich neben dem deutschen Künstlerkollektiv Tape That auch bekannte internationale Künstler, wie Buff Diss, Slava Ostap, Benjamin Murphy und Max Zorn beteiligten.[7]

Merkmale

Tape Art kann nahezu lautlos, schnell und ohne Geruchsbelästigung ausgeführt werden. Die unkomplizierte Handhabung gegenüber Graffiti macht Tape Art interessant für kleine oder temporäre Urban-Art-Projekte. Durch die Materialeigenschaften sind Schutzvorkehrungen wie Abkleben oder Abdecken nicht nötig. Die verhältnismäßig einfache Handhabung des Materials lässt Tape Art auch im Bereich privater Anwender größer werdendes Interesse erfahren. Die Gewebebänder lassen sich auf unterschiedlichsten Untergründen, wie Stein, Asphalt, Holz, Alu-Dibond, Stoff oder Glas verarbeiten.[8] Ein weiterer Vorteil gegenüber herkömmlichen Graffiti ist die Wiederablösbarkeit des Materials.[9]

Material

Da Tape Art eine freie Kunstform ist, darf prinzipiell jedes Material verwendet werden. Gut geeignete Materialien weisen allerdings folgende Eigenschaften auf:

  • wasserfest / wasserresistent
  • flexibel
  • farbecht
  • von Hand reißbar

Oft wird ein Gewebe-Klebeband benutzt. Für die filigraneren Arbeiten in Innenräumen kommen inzwischen auch Materialien mit glatten Oberflächen vermehrt zum Einsatz. Spezielle Artist-Tapes werden in verschiedenen Breiten in modischen und auffälligen Farben von verschiedenen Marken hergestellt. Verschiedene Sorten kommen bei unterschiedlichen Untergründen zum Einsatz. Allgemein sollten Untergründe möglichst staub- und fettfrei sein, um gutes Anhaften des Klebebandes zu gewährleisten.

Tape Art Variationen

Aufgrund der Tatsache, dass Klebeband sehr vielfältig und flexibel einsetzbar ist, lädt es vor allem zum Experimentieren ein. Beispielsweise gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Leuten, die sich ihre Geldbörsen oder Handytaschen individuell aus Klebeband herstellen.

Auf künstlerischer Ebene gibt es vor allem interdisziplinäre Kollaborationen mit Künstlern aus der Graffiti-Szene. Aber auch die Kombination mit digitalen Kunstformen ist möglich. So hat sich in jüngster Zeit eine Stilrichtung entwickelt, die als Tape Mapping bezeichnet wird. Es ist die buchstäbliche Fusion von Tape Art und Video Mapping, bei der die Kunstwerke aus Klebeband mit visuellen Effekten animiert werden.

Eine weitere Tape Art Variation ist das Anfertigen von Skulpturen. Hierbei wird das Klebeband so geformt und miteinander verklebt, dass daraus Figuren in 3D entstehen. Meistens wird hierfür sogenanntes Malerkrepp, sprich Papierklebeband, verwendet.

Weblinks

 Commons: Tape art – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Kunst zu kleben, 4. August 2010, abgerufen 7. August 2015
  2. TAPE IT European Tape Art, www.heynekunstfabrik.de, abgerufen am 9. August 2015
  3. süddeutsche.de: Ab in die Kiste, 24. März 2015, abgerufen am 11. August 2015
  4. Drawing Now: 2015 | Monika Grzymala's art. In: Vimeo. Abgerufen am 18. April 2016.
  5. Vortext von Monika Grzymala. In: www.artnet.de. Abgerufen am 18. April 2016.
  6. Monika Grzymala - Hamburger Kunsthalle. In: www.hamburger-kunsthalle.de. Abgerufen am 18. April 2016.
  7. deutschlandfunk.de: Kunst mit Klebeband - Berlin feiert die erste Tape Art Convention, 7. Oktober 2016, abgerufen am 17. Oktober 2016
  8. Klebebande: Tape Art: Kunst mit Klebeband – Ideen und Projekte. 1. Auflage. Haupt Verlag AG, Bern 2015, ISBN 978-3-258-60131-1, S. 160.
  9. Annika Dürig: Von der Straße in den Kunstunterricht: Urban Art: Kunstprojekte mit Bild-für-Bild-Anleitungen – Künstlerporträts – Differenzierungsangebote (5. bis 10. Klasse), AOL-Verlag, Köln 2015, ISBN 978-3-403-40325-8 S. 58ff.