Tapezierspinnen

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Tapezierspinnen
Sphodros rufipes

Sphodros rufipes

Systematik
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Tapezierspinnen
Wissenschaftlicher Name
Atypidae
Thorell, 1878

Die Tapezierspinnen (Atypidae) sind eine Familie vogelspinnenartiger Spinnen und umfassen 52 Arten, die sich auf drei Gattungen verteilen. In Mitteleuropa sind nur drei Arten der Familie aus der Gattung Atypus heimisch. Sie sind zugleich die einzigen Vertreter der Vogelspinnenartigen in Mitteleuropa. Die heimischen Arten werden 5 bis 12 mm groß, wobei die orthognathen Cheliceren nicht mitgemessen werden und durch ihre Größe auffallen. Die kleinen und kräftigen, dunkelbraunen Tiere sind somit in Mitteleuropa leicht zu erkennen.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tapezierspinnen lauern in Erdröhren, die in tropischen Regenwäldern bis zu 50 cm tief reichen können. Diese Röhre ist mit Seide austapeziert, in die Steinchen und Bodenteilchen eingewebt werden. Die Röhre ist am Ende mit einer Kammer erweitert. Die „Tapete“ geht in den Fangschlauch über, der aus gleichem Material besteht und so gut getarnt einige Dezimeter lang auf dem Boden der Umgebung ausgelegt oder auch an Pflanzenteilen befestigt über dem Boden in die Vegetation hineingebaut wird. Die Wohnröhre ist stets umfangreicher und länger als der Fangschlauch, der zwar schwer auszumachen, aber ein gutes Bestimmungsmerkmal der Familie ist.

Sobald Beute über den Fangschlauch stolpert, schnellt die Tapezierspinne innerhalb des Fangschlauches hervor und beißt durch ihn hindurch in die Beute. Anschließend wird die betäubte Beute in den Schlauch gezogen und selbiger wieder repariert, bevor die Beute in der Wohnröhre verspeist wird.

Die zur Kolonienbildung neigenden Weibchen können bis zu neun Jahre alt werden und leben meist zeitlebens in ihren Wohnröhren. Umherstreifende Individuen sind meist Männchen oder Jungtiere. Männchen verlassen ihre Behausung, um sich auf die Suche nach paarungsbereiten Weibchen zu machen; die Jungtiere müssen sich neuen Lebensraum erschließen.

Gattungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der World Spider Catalog listet für die Tapezierspinnen aktuell 3 Gattungen und 52 Arten.[1] (Stand: April 2016)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tapezierspinnen (Atypidae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ambros Hännggi, Edi Stöckli, Wolfgang Nentwig: Lebensräume mitteleuropäischer Spinnen. Miscallanea faunistica Helvetiae. Centre suisse de cartographie de la faune, CH-2000 Neuchâtel 1995. ISBN 2-88414-008-5
  • Stefan Heimer, Wolfgang Nentwig: Spinnen Mitteleuropas. Paul Parey Verlag Berlin, 1991. ISBN 3-489-53534-0
  • Dick Jones: Der Kosmos Spinnenführer. Franckhsche Verlagsbuchhandlung Stuttgart, 1990. ISBN 3-440-06141-8

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 17.0 – Atypidae. Abgerufen am 1. April 2016