Tarek Al-Wazir

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Tarek Al-Wazir (2016)

Tarek Al-Wazir (* 3. Januar 1971 in Offenbach am Main) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen). Al-Wazir ist seit dem 18. Januar 2014 hessischer Wirtschaftsminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten Volker Bouffier. Im Kabinett Bouffier II war er für die Ressorts Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung zuständig, bevor er im Kabinett Bouffier III zum Staatsminister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen ernannt wurde. Seit 2019 ist er der Wahlkreisabgeordnete im Wahlkreis Offenbach-Stadt und somit wie bereits von 1995 bis 2017 Mitglied des Hessischen Landtags, in dem er von 2000 bis 2014 Fraktionsvorsitzender der Grünen war. Bei der Landtagswahl in Hessen 2018 war er erneut Spitzenkandidat der Grünen.

Jugend und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Al-Wazir ist der Sohn der deutschen Lehrerin Gerhild Knirsch und des Jemeniten Mohamed Al-Wazir.[1] Er besitzt die Staatsbürgerschaft beider Länder. Zunächst wuchs er bei seiner Mutter in Offenbach auf, mit 14 Jahren zog er für zwei Jahre zu seinem Vater in die jemenitische Hauptstadt Sanaa und besuchte dort eine internationale Schule. 1987 kehrte er wieder nach Offenbach zurück. Die Zeit im Jemen beschreibt er heute als sehr prägend in seiner Entwicklung.[2] Nach dem Abitur an der Rudolf-Koch-Schule in Offenbach absolvierte Al-Wazir von 1991 bis 1992 den Zivildienst und studierte danach Politikwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, wo er sich in der Hochschulpolitik, insbesondere im Konvent der Universität, engagierte. Al-Wazir schloss das Studium als Diplom-Politologe ab, während er bereits Parlamentarier war. Seine Diplomarbeit trägt den Titel: „Der aufhaltbare Weg zum Einwanderungsland.“[3]

Tarek Al-Wazir ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Grünen-Politiker seit 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Gymnasiast wurde Al-Wazir 1989 Mitglied der Grünen. Von 1992 bis 1994 war er Vorsitzender der Grünen Jugend Hessen. Im Dezember 2006 wurde Tarek Al-Wazir in den Bundesparteirat von Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Diesem gehörte er ununterbrochen bis 2015 an. Von September 2007 bis Dezember 2013 war er, gemeinsam mit Kordula Schulz-Asche, Landesvorsitzender der hessischen Grünen.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tarek Al-Wazir (2007)

Von 1993 bis 1997 und erneut von 2000 bis 2016 gehörte Tarek Al-Wazir der Stadtverordnetenversammlung von Offenbach am Main an.

1995 bis 2017 war Al-Wazir Mitglied des Hessischen Landtages. Hier war er von Mai 2000 bis Januar 2014 Fraktionsvorsitzender der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Als medienpolitischer Sprecher war er zugleich Mitglied des Rundfunkrates des Hessischen Rundfunks.

Nach der Landtagswahl in Hessen 2008 wollte er seine Fraktion in eine rot-grüne Regierung führen, die von der Linken geduldet werden sollte. Er selbst sollte Umweltminister und stellvertretender Ministerpräsident werden. Die geplante Duldung durch die Linke, die vor der Wahl von der SPD und ihrer Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti ausgeschlossen worden war, wurde von der SPD-Abgeordneten Dagmar Metzger von Anfang an abgelehnt. Kurz vor der entscheidenden Landtagssitzung kündigten drei weitere Mitglieder der SPD-Fraktion an, die Regierung nicht mitzuwählen. Daraufhin löste sich das Parlament auf und es wurden Neuwahlen angesetzt.

Bei diesen Neuwahlen am 18. Januar 2009 erreichte Bündnis 90/Die Grünen das bis dahin beste je in einem bundesdeutschen Flächenland erzielte Ergebnis, ohne für eine Regierungsbildung in Frage zu kommen. Al-Wazir trat im Wahlkreis Offenbach-Stadt als Direktkandidat an, unterlag jedoch Stefan Grüttner (CDU) und Heike Habermann (SPD).[4]

Bei der Landtagswahl in Hessen 2013 trat er im Wahlkreis Offenbach-Stadt an. Hier unterlag er gegen Stefan Grüttner. Ihm gelang jedoch der Wiedereinzug in den Landtag über einen Listenplatz der Partei. Am 16. Oktober 2017 legte er sein Landtagsmandat nieder. Bei der Landtagswahl in Hessen 2018 gewann er in seinem Wahlkreis mit 27,5 Prozent der Wahlkreisstimmen und erhielt somit ein Direktmandat.

Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident seit 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tarek Al-Wazir war als Spitzenkandidat der Landtagswahl in Hessen 2013 Verhandlungsführer bei den anschließenden Sondierungsgesprächen und Koalitionsverhandlungen. Am 18. Januar 2014 wurde er bei der Vereidigung des Kabinetts Bouffier II zum Stellvertreter des Ministerpräsidenten Volker Bouffier und zum Staatsminister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung ernannt.

Nach der Landtagswahl in Hessen 2018 bestand für Al-Wazir die theoretische Möglichkeit, als Spitzenkandidat der stimmenstärksten Partei in einer Ampelkoalition selbst das Amt des Ministerpräsidenten anzustreben. Die FDP Hessen wollte jedoch nicht über eine Landesregierung unter Führung der Grünen sondieren. Daher kam es erneut zur Bildung einer schwarz-grünen Landesregierung. Al-Wazirs Staatsministerium wurde im Januar 2019 bei der Bildung des Kabinetts Bouffier III zum Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen umbenannt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2014 wurde Al-Wazir gemeinsam mit Volker Bouffier von der Fachzeitschrift Politik & Kommunikation als „Politiker des Jahres“ ausgezeichnet.[5] Eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des Radiosenders FFH sowie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat im Oktober 2018 ergeben, dass Al-Wazir der beliebteste Politiker Hessens ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 53.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tarek Al-Wazir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hier geboren, hier zuhause! Tarek Al-Wazir. Auf: al-wazir.de (Memento vom 12. September 2010 im Internet Archive)
  2. Georg Löwisch: Tarek, nicht Fritz, Die Tageszeitung, 27. Oktober 2008, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  3. Georg Löwisch: Tarek, nicht Fritz, Die Tageszeitung, 27. Oktober 2008, abgerufen am 24. Oktober 2018.
  4. Ergebnis der Landtagswahl 2009 im Wahlkreis 43 (Memento vom 17. September 2012 im Webarchiv archive.is) (Wahlkreisstimmen)
  5. Pressemitteilung der Hessischen Landesregierung vom 25. November 2014:[1]