Taschenbuch der Mathematik

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13. russische Ausgabe, 1986

Das Taschenbuch der Mathematik, umgangssprachlich meist als Bronstein bezeichnet, ist ein mathematisches Nachschlagewerk, das auf dem russischsprachigen „Taschenbuch der Mathematik für Ingenieure und Studenten Technischer Hochschulen“ (Справочник по математике для инженеров и учащихся втузов) der sowjetischen Mathematiker Ilja Nikolajewitsch Bronschtein (Bronstein, 1903–1976, russisch Илья Николаевич Бронштейн)[1] und Konstantin Adolfowitsch Semendjajew (1908–1988, russisch Константин Адольфович Семендяев)[2] basiert.[3]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptgegenstand ist die Darstellung der Mathematik in Definitionen, Beispielen und zahlreichen Tabellen. Das Buch zeichnet sich durch eine nahezu vollständige Auflistung aller analytisch auflösbaren Integrale, d. h. in geschlossener Form darstellbaren Stammfunktionen, aus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Autoren verfassten das Werk 1939/40[3], die sowjetische Erstausgabe des Справочник по математике для инженеров и учащихся втузов (Sprawotschnik po matematike dlja inschenerow i utschaschtschichsja wtusow) erschien dann 1945 (die Druckplatten waren zwischenzeitlich verschollen wegen der Belagerung Leningrads, tauchten dann aber wieder auf). Die deutsche Übersetzung von Viktor Ziegler (1922–1980) erschien erstmals 1958 bei B. G. Teubner in Leipzig. In den 1970er Jahren wurde das Buch im Auftrag des Teubner Verlags unter Leitung von Ziegler und Günter Grosche (Universität Leipzig) durch Mathematiker in der DDR völlig neu bearbeitet. Die Neuausgabe erschien 1979 und seitdem in mehreren Auflagen. Damals wurde auch eine neue russische Ausgabe herausgebracht (1986 in 13. Auflage). Nauka hatte 1967 die russischen Ausgaben mit der 11. Ausgabe auslaufen lassen, da sie lieber ein US-amerikanisches Handbuch in Übersetzung herausbrachten um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden[4]. Aufgrund seiner ausführlichen Darstellung gilt es als Standardwerk für die höhere Mathematik. Übersetzungen ins Englische und Japanische liegen vor.

1979 erschien ein Ergänzungsband, der sich u. a. mit der mathematischen Informationsverarbeitung befasst.

Das Werk wurde von anderen fortgesetzt und erscheint heute in zwei Verlagen (B. G. Teubner sowie Verlag Europa-Lehrmittel), wobei die Aufspaltung auf zwei Verlage ihre Wurzeln in der Teilung der beiden deutschen Staaten bzw. im Lizenzrecht hatte.

Die zweibändige Ausgabe unter Leitung von Eberhard Zeidler bei Springer (übernommen von Teubner) ist eine völlige Neubearbeitung und geht von den behandelten Teilgebieten der Mathematik, dem Umfang und der Durchdringung her weit über den Inhalt des alten Bronstein hinaus.

Seit Mitte der 1990er Jahre wird der Bronstein von beiden Verlagen unabhängig voneinander weiterentwickelt, weshalb sich beide Ausgaben mittlerweile sehr unterscheiden. Nur noch die Ausgabe aus dem Verlag Europa-Lehrmittel (die dieser 2013 vom Verlag Harri Deutsch übernommen hat) darf den Titel Bronstein tragen.

Deutsch- und englischsprachige Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgabe Teubner
Verlag B. G. Teubner (Herausgeber Günter Grosche und Eberhard Zeidler):
ISBN 3-519-20012-0 (Teil I)
ISBN 3-519-21008-8 (Teil II)
Oxford University Press (englische Ausgabe, Herausgeber Eberhard Zeidler):
ISBN 978-0198507635 (Oxford Users' Guide to Mathematics; entspricht Teil I)
Ausgabe Europa-Lehrmittel
Verlag Europa-Lehrmittel (Herausgeber Gerhard Musiol und Heiner Mühlig):
ISBN 978-3-8085-5671-9 (Buch)
ISBN 978-3-8085-5673-3 (Buch + CD-ROM)
Springer-Verlag (englische Ausgaben: Handbook of Mathematics):
ISBN 978-3540434917 4th Edition
ISBN 978-3540721215 5th Edition
ISBN 978-3662462201 6th Edition

Bronstein-integrabel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der nahezu vollständigen Auflistung aller analytisch auflösbaren Integrale spricht man an Universitäten scherzhaft in Anlehnung an Begriffe wie Riemann-integrabel oder Lebesgue-integrabel auch von Bronstein-integrablen Funktionen, sofern deren Integral im Taschenbuch der Mathematik zu finden ist.

Die Bestimmung der Integrale mit herkömmlichen Mitteln der Integralrechnung ist oft langwierig, weswegen in entsprechenden Lehrveranstaltungen auf den Bronstein verwiesen wird. Der Begriff war in der DDR in den 1980er Jahren üblich und wird bis heute in Deutschland verwendet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bronstein arbeitete an der Moskauer Staatlichen Technischen Universität MAMI, Geschichte des Lehrstuhls der Mathematik an der MAMI, russisch
  2. Semendjajew arbeitete unter anderem in der Abteilung Angewandte Mathematik des Steklow-Instituts in Moskau. Er leistete Pionierarbeit in der numerischen Wettervorhersage in der Sowjetunion. Russische Biographie, pdf
  3. a b Dorothea Ziegler: Der „Bronstein“.
  4. Das US-amerikanische Buch war: Granino A. Korn, Theresa M. Korn, Mathematical Handbook for Scientists and Engineers, New York: McGraw Hill 1961. Es wurde auch bei Dover neu aufgelegt.