Taschentuchbaum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Taschentuchbaum
Blätter und Blüten des Taschentuchbaums

Blätter und Blüten des Taschentuchbaums

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Ordnung: Hartriegelartige (Cornales)
Familie: Hartriegelgewächse (Cornaceae)
Gattung: Davidia
Art: Taschentuchbaum
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Davidia
Baill.
Wissenschaftlicher Name der Art
Davidia involucrata
Baill.
Männliche Blüte
Zwittriger Blütenstand (Blüte)
Davidia involucrata, Früchte

Der Taschentuchbaum (Davidia involucrata), auch Taubenbaum genannt, ist die einzige Pflanzenart der monotypischen Gattung Davidia. Diese Laubbaumart stammt aus China. Der deutsche Trivialname nimmt Bezug auf die großen weißen Hochblätter, die wie Taschentücher bzw. von weitem gesehen auch wie ein Schwarm weißer Tauben in den Ästen hängen. Der Name „Taubenbaum“ wird auch für den chinesischen Nadelbaum Cathaya argyrophylla verwendet.

Der französische Lazarist Armand David entdeckte Davidia involucrata 1868 in China; ein Herbarbeleg gelangte nach Paris. Erst 35 Jahre später gelang es dem Engländer Ernest Henry Wilson, die nussförmigen Kerne zu sammeln und sie über die Handelsgärtnerei Veitch in europäische Gärten einzuführen. David zu Ehren bekam die Gattung ihren wissenschaftlichen Namen.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimat des Taschentuchbaums liegt in den chinesischen Provinzen Sichuan und Hubei. Die Varietät Davidia involucrata var. vilmoriniana (siehe Abschnitt Systematik) ist nur in Sichuan heimisch.

Aufgrund des auffallenden Erscheinungsbildes während der Blütezeit ist der Taubenbaum ein beliebter Zierbaum. In Deutschland wachsen Taschentuchbäume in diversen Parks und botanischen Gärten. Der Taschentuchbaum ist allerdings nur in den wärmeren Gebieten Deutschlands zuverlässig winterhart.

Der Taschentuchbaum bevorzugt nährstoffreiche, nicht zu trockene Böden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Taschentuchbaum ist ein laubabwerfender Baum, der Wuchshöhen in China von bis zu 20 m, in Mitteleuropa je nach Standort von etwa 6 bis 12 m erreicht. Die anfänglich glatte, später schuppige Rinde ist hellgrau-bräunlich mit einer rötlichen inneren Rinde. Die wechselständigen, gestielten, einfachen Laubblätter ähneln Lindenblättern. Die hellgrünen bis rötlichen Blattstiele sind 3,6 bis 7 cm lang. Die breit-, bis eiförmige, mehr oder weniger herzförmige, zugespitzte bis bespitzte Blattspreite ist 8 bis 15 cm lang und 7 bis 12 cm breit. Die fahlgrüne Blattunterseite ist kurz und weichfilzig behaart. Die Blattränder sind gezähnt bis gesägt, teils grob- oder auch spitziggezähnt, -gesägt. Die Herbstfärbung ist leuchtend goldgelb bis orange, rötlich.

Die Blütezeit reicht von April bis Juni. Der Taschentuchbaum ist andromonozöisch; es kommen an einem Baum männliche und zwittrige, endständige, 7 cm lang gestielte, kugelige Blütenstände (Blüten) mit einem Durchmesser von etwa 2 cm vor. Es sind zwei (selten drei), auffällige, eiförmig bis elliptische, rundspitzige bis bespitzte und große, dünne Hochblätter (Brakteen) vorhanden welche die kugeligen Blütenstände rückseitig umgeben. Die gegenständigen, „taschentuchähnlichen“, weißen Hochblätter sind ganzrandig bis unregelmäßig gezähnt, spitziggezähnt bis gekerbt und unterschiedlich groß; das größere, hängende ist bis zu 16 cm groß und das kleinere ist nur etwa halb so groß. Diese Hochblätter erscheinen bereits mit dem Austrieb, bleiben aber lange Zeit grün und laubblattähnlich. Erst zur Blüte strecken sie sich stark und verlieren nach und nach das Blattgrün bis sie schließlich vollkommen weiß sind. Die auffälligen, petaloiden Hochblätter übernehmen die Schaufunktion anstelle der Blütenhülle sowie eine Schutzfunktion für die Staubblätter.[1]

Die kugeligen männlichen Blütenstände (Staubblattgruppen) sind ohne Blütenhülle, die langen Staubblätter besitzen purpur-weiße Staubfäden und dunkel-purpurne Staubbeutel. Die kugeligen zwittrigen Blütenstände bestehen aus einer zwittrigen Blüte ohne Blütenhülle, mit grünem Stempel umgeben mit einigen kürzeren Staubblättern, sowie vielen männlichen Blüten mit langen Staubblättern. Hier besitzen die Staubblätter weißliche Staubfäden mit dunkel-purpurnen Staubbeuteln. Die männlichen und zwittrigen Blütenstände können auch jeweils als eine einzelne männliche oder zwittrige Blüte aufgefasst werden.[2] Die Mannbarkeit beträgt weniger als 10 bis 20 Jahre.[3]

Verwachsungen aus sechs bis zehn Fruchtblättern bilden einen unterständigen Fruchtknoten mit einer Samenanlage je Fruchtknotenfach. Der kurze Griffel endet in einer sechs- bis zehnlappigen Narbe.

Die im Oktober reifenden, meist einzeln stehenden, rundlichen bis ellipsoiden, feingesprenkelten Steinfrüchte mit fleischigem Mesokarp, an langen, rötlichen Stielen, weisen eine Größe von 3 bis 4 cm auf und sind grünlich- oder rötlich-hellbraun oder grün-rötlich. Die großen, eiförmigen bis ellipsoiden, bis etwa 3 cm langen und 1,8 cm breiten, orange-bräunlichen, tief längsfurchigen, matten und knochigen Steinkerne enthalten drei bis fünf längliche Samen.[4] Die Samen benötigen bis zu 18 Monate zur Keimung und dabei große Temperaturunterschiede zur Induktion.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 42.[5]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Art wird bei manchen Autoren in eine eigene Familie Davidiaceae (Harms) H.L.Li gestellt, beispielsweise bei Arthur John Cronquist An Integrated System of Classification of Flowering Plants, 2. Auflage 1988.

Neben der Nominatform wird noch eine Varietät unterschieden, die teilweise auch als eigene Art angesehen wird.

  • Davidia involucrata var. involucrata (Syn.: Davidia laeta Dode, Davidia involucrata var. laeta (Dode) Krüssm.): Die Nominatform ist in den chinesischen Provinzen Hubei und Sichuan heimisch.
  • Davidia involucrata var. vilmoriniana (Dode) Wangerin (Syn.: Davidia vilmoriniana Dode): Diese Varietät ist in der chinesischen Provinz Sichuan heimisch. Fast alle in Deutschland gepflanzten Exemplare gehören zu dieser Varietät. Ihr Charakteristikum sind die schmäleren und unterseits vollkommen kahlen und hellgrünen Blätter. Die Nominalform hat dagegen unterseits fahlgrüne, kurz und weichfilzig behaarte Blätter.[6]

Daneben gibt es verschiedene Kultivare und Chimären mit teils auffällig gefleckten, panaschierten Blättern.[7]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Taschentuchbaum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ji-Fan Sun und Shuang-Quan Huang: White Bracts of the Dove Tree (Davidia involucrata): Umbrella and Pollinator Lure? Arnoldia. 68(3), 2011, S. 2–10, JSTOR 42955494, online (PDF) bei Arnold Arboretum, Harvard Univ., abgerufen am 5. Januar 2018.
  2. Dries Vekemans, Tom Viaene et al.: Transference of function shapes organ identity in the dove tree inflorescence. In: New Phytologist. 193(1), 2012, S. 216–228, doi:10.1111/j.1469-8137.2011.03915.x, online (PDF; 2,2 MB).
  3. Roy Lancaster: Garden Plants for Connoisseurs. Unwin Hyman, 1987, ISBN 978-0-04-440054-7, S. 27.
  4. Vít Bojnanský, Agáta Fargašová: Atlas of Seeds and Fruits of Central and East-European Flora. The Carpathian..., Springer, 2007, ISBN 978-1-4020-5361-0, S. 441.
  5. Davidia involucrata bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis.
  6. Alan Mitchell: Die Wald- und Parkbäume Europas: Ein Bestimmungsbuch für Dendrologen und Naturfreunde. Paul Parey, Hamburg und Berlin 1975, ISBN 3-490-05918-2 (übersetzt und bearbeitet von Gerd Krüssmann, englischer Originaltitel: A field guide to the trees of Britain and Northern Europe). S. 374.
  7. Laurence C. Hatch, Mark Summers, J. Abrici: International Register of Ornamental Plant Cultivars. Open Registration Of Cultivars; OROC Book VIII: Woody Plants, TCR Press, 2017.