Tate-Morde

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Grab von Sharon Tate und ihrem ungeborenen Sohn Paul Richard Polański auf dem Holy Cross Cemetery in Culver City

Die Tate-Morde waren ein Massenmord, der sich am frühen Morgen des 9. August 1969 auf dem Anwesen am 10050 Cielo Drive in Los Angeles ereignete und bei dem die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate, ihr ungeborener Sohn Paul Richard Polański sowie Jay Sebring, Wojciech Frykowski, Abigail Folger und Steven Parent von Mitgliedern der Manson Family getötet wurden, die im Auftrag von Charles Manson gehandelt hatten.

Einen Tag später, am 10. August 1969, verübten Mitglieder der Manson Family den Doppelmord an dem Unternehmerehepaar Leno und Rosemary LaBianca, weshalb häufig auch von den Tate-LaBianca-Morden die Rede ist.

Die brutale Vorgehensweise der Täter und die Prominenz der Opfer trugen dazu bei, dass die Tate-Morde weltweit für Schlagzeilen und nachhaltiges Entsetzen in der US-Bevölkerung sorgten.

Ablauf der Tat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zum Tatzeitpunkt 26-jährige und im neunten Monat schwangere Schauspielerin Sharon Tate kehrte am späten Abend des 8. August 1969 mit ihren Freunden Jay Sebring, Wojciech Frykowski und Abigail Folger nach einem Abendessen im mexikanischen Restaurant El Coyote in ihr Haus am 10050 Cielo Drive in Los Angeles zurück. Das Anwesen hatte sie mit ihrem Ehemann, dem Regisseur und Drehbuchautor Roman Polański angemietet, der sich zum Zeitpunkt der Morde für Dreharbeiten in London aufhielt und dessen Heimkehr für den 12. August 1969 erwartet wurde.[1]

Gegen Mitternacht verschafften sich vier Mitglieder der Manson Family, Susan Atkins, Charles Watson, Patricia Krenwinkel und Linda Kasabian, Zutritt zum Anwesen, indem sie über eine Böschung kletterten. Dabei schnitten sie die Telefonleitungen durch. Auf dem Weg zum Haus trafen sie auf den 18 Jahre alten Studenten Steven Parent, der rein zufällig an diesem Abend den jungen Hausmeister des Anwesens, William Garretson, besucht hatte. Watson hielt sein Auto an und erschoss Parent mit vier Schüssen. Vermutlich schlugen die Jagdhunde eines Nachbarn deswegen an, aber nachdem dieser nichts Weiteres mehr hörte, forschte er nicht weiter nach.

Linda Kasabian, die Fahrerin des Fluchtfahrzeugs und spätere Kronzeugin, sollte vor dem Haus warten. Die anderen stiegen über ein Fenster in das Haus ein, trieben die Bewohner im Wohnzimmer zusammen und fesselten sie. Watson befahl den Opfern, sich bäuchlings auf den Boden zu legen. Sebring, der ehemalige Verlobte von Tate, protestierte dagegen, dass Tate sich auf den Bauch legen müsse: „Siehst du nicht, dass sie schwanger ist? Lass sie sich hinsetzen.“ Darauf schoss Watson ihn nieder. Von den Opfern gefragt, was sie hier wollten, gab Watson zur Auskunft: “I’m the devil, and I’m here to do the devil’s business.” (deutsch: „Ich bin der Teufel, und ich bin hier, um die Arbeit des Teufels zu erledigen.“) Daraufhin brach Panik unter den Opfern aus. Frykowski und Folger gelang es, sich von ihren Fesseln zu befreien und sich, von ihren Verfolgern traktiert, noch bis in den Vorgarten zu schleppen. Dort brachen sie dann, von etlichen Messerstichen getroffen, zusammen. Frykowski gelang es noch, draußen um Hilfe zu rufen, bevor er von Watson trotz heftiger Gegenwehr niedergestreckt wurde. Kasabian sah, wie er schreiend heraustorkelte, und will nach eigenen Angaben zu ihm gesagt haben: „Mein Gott, es tut mir so leid“, doch stoppen habe sie das Gemetzel nicht können. Als Atkins herauskam, will sie gesagt haben: „Leute kommen! Hört auf!“ doch die erwiderte: „Zu spät.“

Tate wurde letztendlich von Atkins, Watson oder beiden durch 16 Messerstiche umgebracht. Atkins schrieb beim Verlassen des Hauses das Wort „PIG“ (Schwein) mit Tates Blut an die Haustür.

Nach der Tat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am folgenden Morgen betrat die Haushälterin Winifred Chapman das Haus durch die hintere Tür und sah zwei Leichen (die von Frykowski und Folger, die sie aber in dem Moment nicht erkannte) auf dem Rasen. Sie rannte zu den Nachbarn, welche die Polizei alarmierten.

Als Polański von der Ermordung seiner Frau erfuhr, kehrte er sofort nach Los Angeles zurück. In einem demonstrativen Akt der Verzweiflung gestattete er Fotoreportern der Zeitschrift Life den Zugang zu den blutverschmierten Räumen seines Hauses und gab der Presse ein umfangreiches Statement zu der Gräueltat.

Nach den Tate-Morden verübte die Manson Family noch weitere Morde – unter anderem (mit Beteiligung von Leslie Van Houten) am 10. August 1969 an dem Ehepaar Leno und Rosemary LaBianca. Leno LaBianca war Besitzer einer Supermarktkette an der Westküste Kaliforniens, seine Frau Rosemary eine erfolgreiche Boutiquen-Besitzerin.

Festnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. August 1969 kam es im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen zu verschiedenen Delikten wie Diebstahl und Brandstiftung zu einer Razzia auf der Spahn Movie Ranch in der Nähe von Chatsworth im kalifornischen San Fernando Valley, bei der mehrere Mitglieder verhaftet wurden.[2] Im Oktober 1969 wurden weitere Mitglieder der Manson Family, darunter ihr damals 34-jähriger, vorbestrafter Anführer Charles Manson sowie Susan Atkins und Patricia Krenwinkel, während einer drei Tage andauernden Razzia auf der Barker Ranch im Death Valley festgenommen. Am 6. November 1969 gestand Atkins gegenüber einer Gefängnismitinsassin, gemeinsam mit drei weiteren Mitgliedern der Manson Family die Tate-Morde begangen und dabei nach Charles Mansons Anweisungen gehandelt zu haben.[3]

Mögliche Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In zahlreichen Büchern über Dennis Wilson und Terry Melcher wird auch dem Mord an Sharon Tate ein eigenes Kapitel gewidmet. Wilson, Mitglied der Band The Beach Boys, war 1968 kurzzeitig mit Manson befreundet, als dieser noch die Ambition hatte, als Musiker erfolgreich zu sein. Wilson nahm mit Manson ein Achtspur-Demoband auf und machte ihn mit Melcher bekannt, den er bei einer Party in Melchers Haus kennengelernt hatte. Melcher hörte sich Mansons Demoband an, lehnte es aber ab. Einige Zeit später zog Melcher aus dem Haus am Cielo Drive aus und der Besitzer Rudi Altobelli vermietete es an Polański und Tate. Einige Monate später geschahen die Morde.

Die Vermutung, dass es sich um eine Verwechslung handelte und der Mordanschlag eigentlich Melcher galt, konnte weder belegt noch eindeutig widerlegt werden. Allerdings gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Manson sehr wohl wusste, dass Melcher nicht mehr in dem Haus wohnte – er war laut den Aussagen von Altobelli und des Fotografen Sharok Hatami am Tag vor Tates Abreise nach London auf dem Grundstück und wurde dort abgewiesen. Als wahrscheinlich gilt, dass es ihm letztlich egal war, wer die Mordopfer waren und dass er das Haus wegen der abgelegenen Lage und der prominenten Bewohner ausgewählt hatte, deren Tod mit Sicherheit für Aufsehen sorgen würde.

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mord an Tate, beziehungsweise der Fall Manson, ist jahrelang in der Presse behandelt und diskutiert worden. Manson und seine Anhänger wurden 1970 zum Tode verurteilt. Anfang 1972 wurde die Todesstrafe in Kalifornien abgeschafft, so dass alle Urteile in lebenslange Freiheitsstrafen umgewandelt wurden. Familienangehörige von Tate haben jahrelang für eine Hinrichtung von Manson und seiner Kommune prozessiert. Manson wurde bis zu seinem Tod von Anhängern des Nazismus und des Satanismus glorifiziert und erhielt Verehrungsschreiben aus aller Welt.

Manson selbst war indes nicht aktiv an den Tate-Morden beteiligt. Seine Beteiligung und Verursacherrolle bestand darin, dass er seinen ergebensten Familienmitgliedern den Auftrag erteilte, alles zu tun, was Watson ihnen sagen würde. Watson wiederum hatte alle Instruktionen von Manson erhalten. Er hatte einen Befehl auszuführen, in dem es keinen anderen Handlungsspielraum gab als: Ein grausames Verbrechen verüben, um dem Establishment, das Manson als Musiker und Person zurückgewiesen hatte, Angst einzuflößen und Helter Skelter, seine Utopie vom letzten Kampf Armageddon, zu starten. Seine bizarren Vorstellungen wurden in dem Buch Helter Skelter von Bugliosi, dem Staatsanwalt, der den Fall später vor Gericht vertrat, dargestellt.

Ein Jahrzehnt nach den Morden schloss sich Tates Mutter Doris Tate − entsetzt über den wachsenden Kultstatus der Mörder und beängstigt von der Möglichkeit, dass einige von ihnen begnadigt werden könnten − einer Kampagne an, um sicherzustellen, dass sie im Gefängnis blieben. Ihre Entschlossenheit, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Unzulänglichkeiten der erzieherischen Strafmaßnahmen des Staates zu richten, und ihre Kritik daran waren unter anderem der Auslöser für die Änderungen im Strafgesetz Kaliforniens 1982. Diese Änderungen machten es Verbrechensopfern und deren Familien möglich, sogenannte Victim Impact Statements während der Gerichtsverhandlungen von Häftlingen und bei nachfolgenden Anhörungen über Hafturlaub abzugeben. Doris Tate war der erste Mensch, der solch ein Statement unter dem neuen Gesetz abgab, als sie bei der Anhörung über den Hafturlaub einer der Mörder ihrer Tochter, Watson, aussagte. Sie sagte später, dass sie glaube, die Änderungen im Gesetz hätten ihrer Tochter die Würde zurückgegeben, die ihr zuvor verwehrt geblieben sei, und dass es ihr gelungen sei, „Sharons Vermächtnis als Mordopfer in ein Symbol für Opferrechte umzuwandeln“. Nach dem Tod von Doris Tate im Juli 1992 führte Sharons jüngere Schwester Patti die Arbeit ihrer Mutter bis zu ihrem eigenen Tod im Juni 2000 weiter. Tates Schwester Debra Ann Tate wacht seitdem über das Vermächtnis ihrer Familie und betreibt eine Website zum Gedächtnis an ihre Schwester.

Tates ungeborenes Kind bekam postum den Namen Paul Richard Polański; es wurde in den Armen seiner Mutter auf dem Holy Cross Cemetery, in Culver City, Kalifornien beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vincent Bugliosi, Curt Gentry: Helter Skelter. Die wahre Geschichte des Serienmörders Charles Manson. Aus dem Englischen von Anke und Eberhard Kreutzer. riva Verlag, München 2017, ISBN 978-3-7423-0249-6; Original: Helter Skelter. The True Story of the Manson Murders. W. W. Norton & Company, New York, NY 2001, ISBN 978-0-393-32223-1.
  • Greg King: Sharon Tate and the Manson Murders. Barricade Books, New York 2000, ISBN 1-56980-157-6.
  • Alisa R. Statman, Brie Tate: Restless Souls: The Sharon Tate Family’s Account of Stardom, the Manson Murders, and a Crusade for Justice. Dey Street Books, New York, NY 2012, ISBN 978-0-062-10949-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tate-Morde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bugliosi, Gentry: Helter Skelter. 2017, S. 57, 87, 90.
  2. Bugliosi, Gentry: Helter Skelter. 2017, S. 120.
  3. Bugliosi, Gentry: Helter Skelter. 2017, S. 120, 130 ff., 191 f.