Tatort: Das Team

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Folge der Reihe Tatort
OriginaltitelDas Team
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Länge89 Minuten
EinordnungFolge 1115 (Liste)
Erstausstrahlung1. Januar 2020 auf Das Erste
Stab
RegieJan Georg Schütte
DrehbuchJan Georg Schütte
ProduktionUli Aselmann,
Sophia Aldenhoven
MusikAlex Komlew
KameraOliver Schwabe
SchnittBenjamin Ikes
Besetzung

Das Team ist ein deutscher Fernsehfilm und die 1115. Folge der Kriminalreihe Tatort, die am 1. Januar 2020 erstmals im Ersten gesendet wurde. Das experimentelle Kammerspiel unter der Regie von Jan Georg Schütte entstand ohne festes Drehbuch als Improvisation, wie bereits 2017 beim Ludwigshafener Tatort Babbeldasch von Axel Ranisch. Die Dortmunder Ermittler Bönisch und Faber sind in ihrem 15. Fall zu sehen, diesmal ohne ihre Kollegen Dalay und Pawlak.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nordrhein-Westfalen fallen vier Kommissare unterschiedlicher Dienststellen einer Mordserie zum Opfer. Ein fünfter, Kriminalhauptkommissar Thiel aus Münster, wurde bei einem Mordversuch verletzt. Die Ermittler tappen im Dunkeln – eine heiße Spur fehlt und der Druck der Öffentlichkeit nimmt zu. Um die Mordserie zu stoppen, wird ein Ermittlungsteam aus sieben Kommissaren gebildet, die alle mit den bisherigen Opfern in Verbindung standen: Peter Faber und Martina Bönisch von der Dortmunder Mordkommission, Nadeshda Krusenstern aus Münster, Marcus Rettenbach aus Oberhausen, Franz Mitschowski aus Aachen, Sascha Ziesing aus Paderborn, und aus Düsseldorf kommt Kommissarin Nadine Möller, deren Ehemann unter den Ermordeten ist. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, sucht die Ermittler in dem stillgelegten und stark bewachten Tagungshotel auf und bittet um Verständnis für die unkonventionellen Maßnahmen, die zur Aufklärung der Morde erforderlich seien. Unter Anleitung der Coaches Christoph und Martin Scholz nehmen die Kommissare dort an einem Teambildungsworkshop teil, bei dem unter ihnen schnell Streitigkeiten aufkommen. In der Mittagspause trennt sich die Gruppe, während der Pause wird Krusenstern kurz nach einem Telefonat mit ihrem Kollegen Thiel erschlagen. Damit wird deutlich, dass der Serienmörder unter den Beteiligten sein muss, die Gruppe wird im Seminarraum festgehalten. Es zeigt sich, dass Sascha Ziesing die Mordserie begangen hat, um aus Paderborn in eine andere Stadt versetzt zu werden und zum Hauptkommissar aufzusteigen. Bei seinem Fluchtversuch wird er angeschossen. Aus dem Hotelkomplex kann er nicht entkommen und kippt schließlich tot vom Klavierhocker.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde in nur zwei Tagen am 9. und 10. Mai 2019 in einem ehemaligen Hotel in Siegburg-Kaldauen gedreht.[1][2][3] Das frühere Waldhotel Grunge, einst eine Vier-Sterne-Unterkunft und beliebtes Ziel von Ausflüglern, steht seit 2003 leer. Es wird gelegentlich für Übungen von Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei genutzt – auch im Film wird es vom SEK bewacht und gesichert.

Mit 24 von Kameraleuten gesteuerten und zwölf unbemannten Kameras entstand Filmmaterial von 212 Stunden Dauer, das der Editor Benjamin Ikes beim Schnitt auf 90 Minuten Fernsehfilm verdichtete.[3] Ein weiteres Kamerateam am Set filmte die Dreharbeiten für eine Dokumentation, die später gesendet wurde. Die Interviews mit dem Regisseur und den Schauspielern für das Making of wurden unmittelbar nach Drehschluss aufgenommen. Jörg Hartmann sagte: „Es ist eine Gratwanderung gewesen. Es war echt nicht leicht, diesen ganzen Ritt zu bewältigen, fünfeinhalb Stunden lang an einem Tag am Stück improvisieren.“[4][5]

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur Peter Faber, Martina Bönisch und Nadeshda Krusenstern, drei der insgesamt sieben Kommissare im Film, sind tatsächlich Tatort-Ermittler. Frank Thiel aus Münster telefoniert zwar mit Krusenstern, tritt aber nicht selbst auf. Alle anderen Kommissare, auch die Mordopfer, sind keine Figuren aus der Tatort-Reihe. Die sie darstellenden Schauspieler haben allerdings alle schon in einem oder mehreren Tatorten mitgewirkt. Ben Becker hatte in Tod im Häcksler und Die Pfalz von oben einen Polizisten gespielt und Nicholas Ofczarek war in Operation Hiob Einsatzleiter einer Sonderkommission. Friedrich Mücke, der in zwei Tatort-Folgen aus Erfurt den Kommissar Henry Funck gegeben hatte, erschien in Das Team als von Paderborn so gelangweilter Kommissar Ziesing, dass er zum Mörder wird, um aus der Stadt in eine Großstadt zu kommen – in Paderborn spielt jedoch kein Tatort.[6]

Regisseur Schütte übernahm in Das Team die Rolle des SEK-Einsatzleiters.[7] Armin Laschet hatte darin einen kurzen Gastauftritt, in dem er sich selbst als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen spielte.[8] Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) vom Münster-Tatort wird in Das Team ermordet, hat danach am Ende von 17 Jahren mit Thiel und Boerne aber noch einen letzten Auftritt in der Folge Limbus, die im Frühjahr 2020 gezeigt werden soll.[9]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezensionen und Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wer Freude am Schauspiel an sich hat, wird staunend den Improvisationskünsten all dieser Granden zusehen […] Aber keine Person entwickelt tragende Tiefe, und gerade der erste Teil zieht sich, bevor dann jemandem etwas passiert, […]“, schreibt Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung und schließt: „Der erste Tatort des Jahres 2020 wird nicht der beste Tatort des Jahres 2020.“[10]

Sylvia Staude weist in der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau darauf hin, dass Regisseur Schütte, der bekannte Darsteller aufeinanderhetzt, „Spezialist für Drehs ohne festes Drehbuch“ ist: „Das Ergebnis ist ein bisschen seltsam und total unlogisch: Wie bei Agatha Christie sind Leute eingeschlossen und einer von ihnen muss der Mörder sein – aber warum sollte irgendwer sieben Kommissare zusammensperren, statt sie ordentlich recherchieren zu lassen?“ Das Ergebnis sei aber auch ein ziemlicher Spaß.[11]

Der Fernsehkritiker Matthias Dell bemängelt im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur Unstimmigkeiten in der Kontinuität. Eine Kommissarin werde ermordet, obwohl sie noch in einer späteren Tatort-Folge vorkommen solle. „Vorher hat man sich nicht überlegt, wie man diese besondere Folge innerhalb der ‚Tatort‘-Geschichte verorten will.“ Die Verantwortlichen sollten merken, dass sie pfleglicher mit diesem Format umgehen müssten, sagt er. Schüttes Impro-Methode sei beim Tatort fehl am Platz.[12]

Dominik Göttker von derwesten.de bezeichnet es als Wagnis, dass sich die Schauspieler ohne festes Drehbuch und ohne feste Texte „ganz ihrer Schauspielerei hingeben“ konnten. Der Tatort sei einer der wohl „experimentellsten und unkonventionellsten Fälle der ARD-Reihe“.[13]

„Das war keine Werbung für die Paderborner Polizei“, resümiert der Autor des Westfalen-Blatts wegen der Rolle des aus Paderborn stammenden Kommissars Ziesing, der die Stadt allenfalls okay findet und sich auch von seiner Frau gedrängt fühlt, sich um eine Versetzung in eine Großstadt zu bemühen. Der Journalist sieht das Motiv vom miefigen, provinziellen Paderborn wiederbelebt. Er fragt: „Ist die Arbeit im Kreis Paderborn für einen Polizisten wirklich wie eine Art Strafe?“ Ein Sprecher der Polizei versichert, seine Kollegen arbeiteten freiwillig dort, „sie sind nicht strafversetzt“. Eine Abwanderung gebe es nicht, im Gegenteil hätten Kollegen nach ihrer Ausbildung Wert darauf gelegt, im Kreis Paderborn zu bleiben.[14]

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstausstrahlung von Das Team am 1. Januar 2020 wurde in Deutschland von 6,94 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 18,4 % für Das Erste.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Team. (PDF) In: Presseheft. Westdeutscher Rundfunk Köln, Dezember 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. Tatort: Das Team bei crew united
  3. a b Bettina Köhl: „Tatort“ in Siegburg: Dreharbeiten im Waldhotel Grunge. In: general-anzeiger-bonn.de. 15. Mai 2019, abgerufen am 3. Januar 2020.
  4. Making of „Tatort: Das Team“. programm.ard.de, abgerufen am 5. Januar 2020.
  5. Zwischentöne. In: Das Team. presse.wdr.de, abgerufen am 5. Januar 2020, S. 10–11 (Presseaussendung, PDF).
  6. Nicole Riess:Warum Schauspieler Friedrich Mücke beim Dreh des Neujahrs-Tatorts besonders aufgeregt war. In: suedkurier.de. 1. Januar 2020, abgerufen am 4. Januar 2020.
  7. Yuriko Wahl-Immel: Erster Tatort des Jahres 2020 kommt aus Siegburg. In: general-anzeiger-bonn.de. 29. Dezember 2019, abgerufen am 4. Januar 2020.
  8. NRW-Ministerpräsident Laschet spielt beim „Tatort“ mit. In: wz.de. 15. Dezember 2019, abgerufen am 4. Januar 2020.
  9. Friederike Kempter steigt aus dem Münster-„Tatort“ aus. In: Spiegel Online. 23. Dezember 2019, abgerufen am 5. Januar 2020.
  10. Holger Gertz: Ein Mord wird kommen. In: Süddeutsche Zeitung. 30. Dezember 2019, abgerufen am 31. Dezember 2019.
  11. Sylvia Staude: Sein Kaugummi macht sie wahnsinnig. In: fr.de. 3. Januar 2020, abgerufen am 3. Januar 2020.
  12. Improvisation ohne Sinn. In: deutschlandfunkkultur.de. 2. Januar 2020, abgerufen am 3. Januar 2020 (Matthias Dell im Gespräch mit Ute Welty)
  13. Dominik Göttker: Tatort (ARD): Versteckter Auftritt – hast du IHN im Krimi erkannt?. In: derWesten.de. 3. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2020.
  14. Dietmar Kemper: Der Mörder aus Paderborn. In: westfalen-blatt.de. 3. Januar 2020, abgerufen am 5. Januar 2020.
  15. Niklas Spitz: Primetime-Check: Mittwoch, 1. Januar 2020. Quotenmeter.de, 2. Januar 2020, abgerufen am 2. Januar 2020.