Tatort: Murot und das Murmeltier

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Folge der Reihe Tatort
OriginaltitelMurot und das Murmeltier
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
HR
Länge88 Minuten
EinordnungFolge 1084 (Liste)
Erstausstrahlung17. Februar 2019 auf SRF 1
Stab
RegieDietrich Brüggemann
DrehbuchDietrich Brüggemann
MusikDietrich Brüggemann
KameraAlexander Sass
SchnittStefan Blau
Besetzung

Murot und das Murmeltier ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom Hessischen Rundfunk produzierte Beitrag wurde am 17. Februar 2019 im Fernsehen ausgestrahlt. Der Wiesbadener Kommissar Felix Murot ermittelt seinen siebenten Fall.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptkommissar Felix Murot träumt in einer verfremdeten Version des traditionellen Tatort-Vorspanns von einem Einsatz; in dem Moment, in dem er erschossen wird, wacht er durch sein klingelndes Handy zuhause in seinem Bett auf. Es ist 07:29 Uhr, Anruferin ist seine Assistentin Magda Wächter, die ihm mitteilt, dass es eine Geiselnahme in einer Bank gibt und dass er sofort kommen muss. Er begibt sich zum Tatort, glänzt durch sein Fachwissen über Banküberfälle und erklärt und regelt die Situation für seine Kollegen mit beinahe überheblicher Leichtigkeit. Alleine in die Bankfiliale eingedrungen überredet er eine mit einer Armbrust bewaffnete Geiselnehmerin mit ebensolcher Leichtigkeit zum Aufgeben, kurz darauf entwaffnet er ihren Komplizen mit einem einzigen Handgriff. Als er ihn und die Geiseln nach draußen begleitet, wird er allerdings von der Frau, die er unbeaufsichtigt gelassen hatte, erschossen. In diesem Moment wacht er erneut zuhause auf, es ist wieder 7:29 Uhr und er wird zum Einsatz gerufen. Er ist offensichtlich in eine Zeitschleife geraten. Es folgen nun zahlreiche weitere Zeitschleifen, die sich stark ähneln, aber auch sehr wesentliche Unterschiede aufweisen. Gemeinsam ist allen, dass Murot am Ende stirbt und gleich darauf wieder im Bett liegend durch das Handy geweckt wird. Er begegnet denselben Nachbarn und Passanten, Kollegen und Verbrechern sowie ähnlichem Verhalten und wird jedes Mal auf andere Weise getötet. Für die meisten seiner Mitmenschen ereignet sich die Situation jedoch jeweils zum ersten Mal,[1] und Murot geht aufgrund seines Wissens und Leidens immer ruppiger und teilweise auch ironisch-zynischer mit Kollegen, Verbrechern und Passanten um.

Nach dem Anruf wird er in seinem Wohnhaus erst von der lauten Thrash-Metal-Musik seines Nachbarn gestört, dann begegnet er einer Joggerin mit einem offenen Schuh, die im Treppenhaus stürzt, auf der Straße einer Mutter mit einem kleinen Jungen, der immer sagt, dass er lieber beim Vater leben würde, um dann Murot vor die Füße zu laufen, und schließlich einer Punkerin, die an der roten Ampel die Windschutzscheibe seines NSU Ro 80 putzen will. Anschließend trifft er seine Kollegen am Einsatzort; dort schüttet ihm ein neuer Kollege Kaffee über die Hose und ein beschrifteter Papierflieger der Täter fliegt aus der Bank auf die Beamten zu. Murot dringt jeweils in die Bank ein und trifft in Szenen, in denen er nicht früher stirbt, auf die mit einer Armbrust bewaffnete Geiselnehmerin und auf den männlichen Geiselnehmer, der weitere Bankangestellte in einem Büroraum mit Sprengstoff in Schach hält. Im Gespräch mit Murot stellt sich heraus, dass der Geiselnehmer in einen Sorgerechtsstreit verwickelt ist, was der Auslöser für dessen Tat sein könnte. Er ist der Einzige, der auch in einer Zeitschleife lebt und sich daher an die vorigen Szenen erinnern kann.

Im Lauf der Wiederholungen findet der Kommissar den Namen der Geiselnehmerin heraus: Nadja Eschenbach.

Murot versucht, aus dieser Zeitschleife zu entkommen. Zunächst fährt er nicht zum Einsatzort, sondern in ein Ausflugslokal, wird durch Medienberichte von dem Fall eingeholt und stirbt durch Frontalzusammenstoß mit einem LKW. In einer weiteren Schleife erschießt er sich aus Verzweiflung sofort nach dem Aufwachen, wacht aber sogleich wieder auf, einmal stürzt er sich aus einem Fenster, nur weil er seinen Wohnungsschlüssel vergessen hat und absichtlich stirbt, um anschließend wieder in seinem Schlafzimmer aufzuwachen. Er kauft sich Werkzeug in einem Baumarkt und fährt zur Wohnung von Nadja Eschenbach, bricht dort ein und wird von einem durch einen Hausbewohner gerufenen Polizeikollegen erschossen. Er findet zuvor allerdings noch den Namen des männlichen Geiselnehmers im Laptop von Eschenbach: Stefan Gieseking.

In der nächsten Schleife kommt es zu einem längeren Dialog Murots mit Gieseking, den er anschließend erschießt, als dieser die Geiseln brutal tritt. Murot bietet Eschenbach an, mit ihr als Geisel die Filiale zu verlassen und für sie beide einen Fluchtwagen zu fordern. Als die Polizeibeamten nicht darauf eingehen, erschießt er sie und wird dann selbst erschossen. In der darauffolgenden Schleife findet er heraus, dass es sich bei der Mutter und dem Kind, die er jeden Tag vor seiner Tür trifft, um Giesekings Exfrau und Sohn handelt, die getrennt vom Vater leben. Er nimmt den Jungen im Auto mit zum Tatort und handelt mit dem Täter einen Deal aus. Dieser lässt einige Geiseln frei und bekommt einen Fluchtwagen, in dem er mit der Mittäterin flieht. Murot nimmt die Verfolgung auf und wird am Ende vom Fluchtauto der Geiselnehmer frontal gerammt.

Murot ist sich sicher, einen Weg zu wissen, wie er aus der Zeitschleife entkommt: Es darf niemand sterben. Er überredet Gieseking ihm zu vertrauen, die Geiseln laufen zu lassen und mit ihm die Bank zu verlassen. Murot hatte zuvor gemeinsam mit seiner Assistentin den Einsatzleiter überzeugen können, alle Polizeibeamten mindestens 100 Meter vom Ort des Geschehens zurückzuziehen. So können Murot und der Geiselnehmer ungestört ins Auto steigen und den Tatort verlassen. Längere Zeit fahren sie durch die Gegend und führen Gespräche. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen sie einen Fluss, wo sie sich entspannt am Ufer niederlassen. Murot gibt Gieseking seine Waffe und meint, dass dieser die Wahl habe: Er könne sie beide erschießen, und alles würde wieder von vorn losgehen – oder sie überleben die Schleife, und am nächsten Morgen würde ein neuer Tag beginnen. Als Gieseking die Pistole weglegt, greift überraschend das SEK ein und nimmt Gieseking fest.

Murot erwacht am nächsten Morgen und wartet darauf, dass sein Handy klingelt, aber es bleibt stumm. Erleichtert tritt er auf seinen Balkon, unten auf der Straße läuft Frau Gieseking mit ihrem Sohn vorbei, die Joggerin steht auf ihrem Balkon und erzählt Murot, dass sie heute nicht läuft, weil sie sich gestern überanstrengt hat. Murot ist jetzt sicher, dass die Zeitschleife vorbei ist, und genießt den neuen Tag.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesen Tatort wurde als Filmmusik eingespielt:

Die übrige Filmmusik wurde eigens für den Tatort von Dietrich Brüggemann komponiert und vom hr-Sinfonieorchester eingespielt.[2]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Titel ist eine Anspielung auf den Spielfilm Und täglich grüßt das Murmeltier[3], dessen Idee und Konstrukt hier erneut aufgegriffen werden.

Die Dreharbeiten fanden vom 3. Mai 2017 bis zum 9. Juni 2017 in Frankfurt und Umgebung statt.[4] Der Film hatte seine Premiere am 30. August 2018 auf dem Festival des deutschen Films.[5]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erhielt weitgehend positive Kritiken. Hervorgehoben wurden Inszenierung, Zeitschleifenform und Tukurs Leistung. Thomas Gehringer etwa beurteilte in einem Beitrag für Tittelbach.tv die Variation der Todesarten als vergnügsam und den Film als eine „herrlich verspielte Reflektion über das Fernsehen, das selbst eine Art Zeitschleife ist. Aber auch ein ernst gemeinter Krimi über den Verdruss der Alltags-Routine mit der sympathischen Botschaft: ‚Jeder Tag ist ein Geschenk‘.“[6] Christian Buß bewertete den Film bei Spiegel Online mit neun von zehn möglichen Punkten und empfahl, ihn „einfach als blutigen Befreiungsschlag gegen die Sonntagsroutine“ zu betrachten, ohne nach seiner Plausibilität zu fragen.[3] Claudia Tieschky sprach sich in der Süddeutschen Zeitung ausschließlich deshalb für den Film aus, „weil Tukur diesen Wahnsinn so wahnsinnig spielt“.[7] Karsten Essen meinte sowohl in der Medienkorrespondenz als auch im Film-Dienst, dass der Film ein „formal innovativer Beitrag“ zur Tatort-Reihe und vor allem von Tukur gut gespielt sei.[8][9] In der FAZ begeisterte sich Oliver Jungen bei dem Film „über die schiere Spielfreude, die sich in hinreißender Komik manifestiert“.[10] Tobias Sedlmaier gab sich hingegen in der NZZ nicht vollständig zufrieden mit dem Film: Die Zeitschleife sei „nur im ersten Drittel“ vergnüglich, „die potenziell unendliche Ausdehnung von Möglichkeiten kann schnell in Beliebigkeit kippen, was nach einem furiosen Beginn die Folge letztlich doch etwas schwächeln lässt.“[11]

Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker verglichen den Film mit dem Science-Fiction-Film Edge of Tomorrow, in dem der Protagonist bis zum Verlassen der Zeitschleife ebenfalls mehrfach stirbt, und gaben sich überzeugt davon, dass der Tatort-Film von jenem Film beeinflusst sei.[12]

Einschaltquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstausstrahlung von Murot und das Murmeltier am 17. Februar 2019 wurde in Deutschland von 6,88 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 19,4 Prozent für Das Erste.[13]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matthias Dell: "Tatort" Wiesbaden: Oder Hans-Dietrich Genscher?. In: Zeit online. 17. Februar 2019, 21:46 Uhr.
  2. Die Musiktitel zum Film. In: daserste.de, abgerufen am 18. Februar 2019.
  3. a b Christian Buß: Das Murmeltier-Massaker. In: Spiegel Online. 15. Februar 2019, abgerufen am 15. Februar 2019.
  4. Tatort: Murot und das Murmeltier bei crew united
  5. Murot und das Murmeltier (Tatort). In: Festival des deutschen Films. September 2018, abgerufen am 23. Dezember 2018.
  6. Thomas Gehringer: Reihe „Tatort – Murot und das Murmeltier“. In: Tittelbach.tv. 19. Februar 2019, abgerufen am 19. Februar 2019.
  7. Claudia Tieschky: Und täglich grüßt der Geiselnehmer. In: Süddeutsche Zeitung. 15. Februar 2019, abgerufen am 15. Februar 2019.
  8. Karsten Essen: Dietrich Brüggemann: Tatort – Murot und das Murmeltier (ARD/HR). In: Medienkorrespondenz vom 18. Februar 2019, abgerufen am 22. Februar 2019.
  9. Karsten Essen: Tatort – Murot und das Murmeltier (Langkritik), in: Film-Dienst, abgerufen am 22. Februar 2019
  10. Oliver Jungen: Kennst du einen, kennst du alle. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Februar 2019, abgerufen am 22. Februar 2019.
  11. Tobias Sedlmaier: «Tatort» mit Tukur: Kennst du einen Geiselnehmer, kennst du alle, in: NZZ vom 17. Februar 2019, abgerufen am 22. Februar 2019.
  12. Tilmann P. Gangloff: TV-Tipp: "Tatort: Murot und das Murmeltier" (ARD), in: Evangelisch.de vom 17. Februar 2019, abgerufen am 22. Februar 2019.
  13. Fabian Riedner: Primetime-Check: Sonntag, 17. Februar 2019. In: Quotenmeter.de. 18. Februar 2019, abgerufen am 18. Februar 2019.
  14. Filmfestival Ludwigshafen: Murot-„Tatort“ gewinnt Hauptpreis. In: Die Rheinpfalz. Medien Union, 8. September 2018, abgerufen am 23. Dezember 2018.
  15. 15. DeutschesFernsehKrimi-Festival Wiesbaden: Die Wettbewerbsfilme 2019. In: Deutsches FernsehKrimi-Festival. Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden, 24. Januar 2019, abgerufen am 15. Februar 2019.